Der 1. Mai steht für hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte und bessere Arbeitsbedingungen. Das ist gut und wichtig! Doch etwas fehlt …
Meist geht es am Tag der Arbeit um Erwerbsarbeit. Um bezahlte Arbeit, um tarifliche Rechte, um Arbeitszeiten und Mitbestimmung. Viel seltener geht es um die Arbeit, die im Hintergrund läuft und ohne die doch nichts funktionieren würde: Care-Arbeit, auch Fürsorge- oder Sorgearbeit genannt.
Ohne Care-Arbeit würde kein Kind groß werden, kein Arbeitsplatz laufen, keine Wirtschaft wachsen und kein Alltag stabil bleiben. Trotzdem läuft genau diese Arbeit weitgehend unsichtbar und Eltern dürfen sich anhören, sie würden nicht genug arbeiten.
Was Eltern jeden Tag leisten
Care-Arbeit setzt sich aus unzähligen kleinen und großen Aufgaben zusammen: organisieren, begleiten, zuhören, trösten, vorausschauen, aushalten, versorgen, koordinieren. Sie beginnt oft früh und endet nie ganz.
Für Eltern ist das kein Nebenschauplatz, sondern Alltag. Besonders viel Kraft bindet diese Verantwortung dort, wo Kinder zusätzliche Unterstützung brauchen und Begleitung nicht einfach nebenher mitläuft. Dann wird aus Fürsorge schnell ein dauerhafter Organisations- und Präsenzmodus, der kaum bis keine Pausen kennt.
Vieles davon bleibt unsichtbar. Es taucht in keiner Zeiterfassung auf, wird nicht bezahlt und nur selten als Arbeit benannt. Und obwohl sich familiäre Aufgaben heute in vielen Familien bewusster geteilt werden als früher, zeigt sich im Alltag oft weiter eine Schieflage: Ein großer Teil dieser Verantwortung liegt nach wie vor bei Müttern.
Die unsichtbare zweite Schicht
Wenn von einer 40-Stunden-Woche die Rede ist, dürften deshalb viele Eltern nur müde lächeln. Nicht, weil Erwerbsarbeit keine Kraft kostet. Sondern, weil für sie mit dem Ende des Arbeitstags oft nicht Schluss ist.
Dann beginnt das, was so leicht übersehen wird: das Abholen, Kümmern, Kochen, Mitdenken, Auffangen, Einschlafen begleiten, Termine im Kopf behalten und nachts immer wieder aufstehen. Kurz: die zweite Schicht, die gesellschaftlich vorausgesetzt wird, aber politisch immer weniger Gewicht hat.
Genau darin liegt ein blinder Fleck. Wir sprechen über Arbeit, als wäre sie vor allem dort relevant, wo Geld fließt. Dabei ist Sorgearbeit keine private Randnotiz. Sie trägt die Gesellschaft.
Oder anders gesagt: Ohne Care-Arbeit würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren!
Warum die Carewerkschaft etwas verändern will
An diesem Punkt setzt die Liga für unbezahlte Arbeit e.V. (LUA) an, die 2025 gegründet wurde. Sie beschreibt sich als erste „Carewerkschaft“ der Welt und will Menschen vertreten, die familiäre Sorgearbeit leisten: Eltern, Pflegende und andere Fürsorgende.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie weitreichend: Wenn Sorgearbeit für diese Gesellschaft unverzichtbar ist, dann braucht sie auch politische und rechtliche Sichtbarkeit.
Konkret setzt sich die LUA dafür ein, familiäre Fürsorgeverantwortung als Diskriminierungsmerkmal in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes zu verankern. Dahinter steht die Hoffnung auf strukturelle Veränderungen – etwa bei Rentenfragen, Care-Infrastruktur, Arbeitszeitmodellen und gesellschaftlicher Teilhabe.
Idee: Den 1. Mai größer denken
Uns geht es also gar nicht darum, dem Tag der Arbeit etwas wegzunehmen – eher darum, ihn vollständiger zu machen.
Denn Arbeit ist nicht nur das, was auf Lohnzetteln erscheint. Arbeit ist auch das, was Menschen füreinander tun, damit Alltag und Erwerbsarbeit überhaupt möglich wird und bleibt.
Und noch deutlicher: Care-Arbeit ist nicht nur ein Teil von Arbeit – sie ist die Voraussetzung für jede andere Form von Arbeit.
Der 1. Mai könnte deshalb auch ein Tag sein, an dem diese Form von Arbeit sichtbarer wird: die unbezahlte, oft übersehene, aber unverzichtbare Sorgearbeit, ohne die es die Menschheit nicht mehr gäbe.
Wer sich näher mit der Arbeit der LUA beschäftigen möchte, findet weitere Informationen unter: www.lua-carewerkschaft.de
Lasst Care-Arbeit nicht länger nur mitlaufen, sondern denkt sie endlich ausdrücklich mit!
Quellen
- Deutscher Gewerkschaftsbund: Die Geschichte des 1. Mai: https://www.dgb.de/mitmachen/erster-mai/geschichte-des-ersten-mai/ (abgerufen am 23.04.2026)
- Frauen in ver.di: Aufruf zum Frauentag 2026: https://frauen.verdi.de/termine/frauentag/++co++42871e62-0293-11f1-a37a-352cfa09eb48 (abgerufen am 23.04.2026)
- Die Carewerkschaft „Liga für unbezahlte Arbeit“ (LUA): https://lua-carewerkschaft.de/ (abgerufen am 23.04.2026)













