Der Krippenstart bringt nicht nur neue Routinen mit sich, sondern auch jede Menge Überraschungen. Auf Trennungsschmerz war ich mental vorbereitet. Dass der neue Alltag aber noch ganz andere Herausforderungen bereithält, wurde mir erst nach und nach klar.
Ein persönlicher und stellenweise bewusst zugespitzter Blick auf den Krippenalltag. Ähnlichkeiten mit den Erfahrungen anderer Eltern sind durchaus beabsichtigt.
1. So. Viele. Gummistiefel.
Die Kita wünscht sie, also kaufe und beschrifte ich die Gummitreter und stelle sie in der Garderobe bereit. Aber nach ungefähr eineinhalb Einsätzen sind sie zu klein oder die Jahreszeit verlangt nun nach der gefütterten beziehungsweise ungefütterten Variante. Und das Spiel geht von vorn los.
2. Mein neues Hobby: Beschriften.
Ich schreibe tagaus tagein den Namen meines Kindes auf Jacken, Hosen, Schuhe, Mützen, Rucksäcke, Brotdosen, Bettwäsche, Plüschtiere… und natürlich auf die bereits erwähnten Gummistiefel. Irgendwann beschriftet man aus reiner Gewohnheit auch Dinge, die das Haus nie verlassen.
3. Dreifach ausgestattet und trotzdem fehlt was.
Neben der Kleidung zu Hause hat mein Kind in der Krippe eine, nein, drei (!) komplette Sets Wechselwäsche, natürlich immer passend zur aktuellen Jahreszeit. Erstaunlicherweise fehlt trotzdem immer genau das Teil, das gerade gebraucht wird. Und habe ich gerade einen Schwung Bodys in der aktuellen Größe nachgerüstet, kommt die Aufforderung: „Ab jetzt bitte Unterhemden und Unterhosen – ist einfacher für den Toilettengang.“
4. „Gesund“ ist nur eine Übergangsphase.
Kaum ist der Schnupfen überstanden, kündigt sich schon der nächste Infekt an. Husten, Fieber, Magen-Darm, Bindehautentzündung, Hand-Fuß-Mund… Unsere Krankheits-Bingokarte füllt sich im Wochentakt.
5. Morgens will das Kind nicht hin, nachmittags nicht heim.
Beim Bringen wird geklammert, beim Abholen werde ich ignoriert. Morgens soll ich bleiben, nachmittags am besten gar nicht erst auftauchen. Zwischen Trennungsschmerz und Ghosting liegen manchmal nur ein paar Stunden.
6. Der Kindersitz ist immer im falschen Auto.
Papa will nachmittags auf dem Heimweg spontan das Abholen übernehmen? Gute Idee. Bis ihm auffällt, dass der passende Kindersitz in Mamas Auto ist. Mit zwei Kindern und unterschiedlichen Sitzgrößen wird die Sache noch komplizierter. So entscheidet die aktuelle Sitzverteilung darüber, wer welches Kind außerplanmäßig abholen kann. Beide Autos komplett auszustatten, wäre sicher die vernünftige Lösung. Bis dahin betreiben wir weiter unsere tägliche Kindersitz-Tauschbörse.
7. Ich kenne alle, nur nicht mit Namen.
Plötzlich kennt man Kinder, Eltern, Geschwister und Großeltern und kann ihnen Autos, Kinderwägen und Fahrräder zuordnen. Manchmal kennt man sogar Teile ihrer Wochenend- und Urlaubsplanung. Nur ihre Namen bleiben lange ein Rätsel. Für mich sind sie deshalb erst einmal lange „Leons Papa“ und „Lenas Mama“.
8. Die Wäsche: Eine unendliche und mysteriöse Geschichte.
Ich wasche mehrmals pro Woche, trockne, falte und bringe frische Wechselkleidung mit – und trotzdem ist das Fach in der Krippe leer, der Wäschekorb zu Hause aber immer voll. Wie geht das?!
9. Es trifft immer die Lieblingserzieherin.
Kaum ist eine Erzieherin inoffiziell zur Lieblingsperson gekürt, kündigt sich schon ihr Abschied an: Sie möchte sich „neuen Aufgaben widmen“, geht in den Mutterschutz oder verabschiedet sich in den Ruhestand. Gefühlt hält keine Personalkonstellation länger als ein guter Vorsatz im Januar.
10. Die Kita-App sorgt für Nervenkitzel.
Sobald die App pingt, steigt mein Puls: Schließzeit wegen Personalmangel? Kopf gestoßen? Erzieherin gebissen? Läusealarm? Rohrbruch? Wespennest? Oder die dringende Suche nach Helfern für den Garteneinsatz? …
Puh, Glück gehabt, dieses Mal ist es nur der neue Essensplan.
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🎧 Podcast: Autonomiephase – Kleines Kind, großes Drama
In dieser Folge unseres Podcasts geht es um die Autonomiephase – zwischen großen Gefühlen, starken „Neins“ und kleinen Alltagsdramen. Gemeinsam mit Kleinkindpädagogin Leonie Illerhues klären wir, was hinter Trotz steckt, warum Grenzen wichtig sind und wie Eltern gelassener durch diese intensive Phase kommen.













