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5 Sprachen der Liebe: Eltern lieben oft aneinander vorbei

Hände einer Familie, die ein Herz halten als Zeichen der 5 Sprachen der Liebe
Liebe zwischen Menschen kennt viele Wege. / Bild © SewcreamStudio, Adobe Stock

Viele Elternpaare lieben sich und fühlen sich trotzdem allein. Gerade mit Baby oder Kleinkind prallen Bedürfnisse, Zeitmangel und unterschiedliche „Liebessprachen“ ungünstig aufeinander. In diesem Artikel erfahrt ihr, was hinter dem Konzept der 5 Sprachen der Liebe steckt und warum es hilfreich sein kann.

Warum deine Liebe oft nicht ankommt

Vielleicht kennst du das auch:

Du wünschst dir, dass dein Partner dir sagt, dass du eine tolle Frau und Mama für ihn bist. Er jedoch zeigt seine Liebe, indem er die Steuer macht, die Kita-Anmeldung ausfüllt und das Auto in die Werkstatt bringt (oder umgekehrt).

Er denkt: „Ich tue so viel für sie, wieso sieht sie das nicht?“
Du denkst: „Er sagt nie etwas Liebes, offenbar bin ich ihm mittlerweile egal.“

Genau hier setzt die Idee der „5 Sprachen der Liebe“ an. Denn Menschen drücken Liebe gar nicht so selten auf unterschiedliche Arten aus und nicht jede Art wird vom anderen automatisch als Zeichen der Liebe verstanden.

Die klassischen „5 Sprachen der Liebe“

Der US-Paarberater Gary Chapman beschrieb schon 1992 in seinem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“, dass Menschen Liebe über unterschiedliche Kanäle geben und empfangen. Das Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und ist ein weltweiter Besteller. Die von ihm beobachteten fünf „love languages“ wären demnach:

Anerkennende Worte (Words of Affirmation)
Komplimente und liebevolle Nachrichten wie: „Danke, dass du das machst“, „Ich bin stolz auf dich“. Im Familienalltag vielleicht: „Du bist eine so liebevolle Mama / ein so geduldiger Papa.“

Wertvolle Zeit (Quality Time)
Ungeteilte Aufmerksamkeit, Gespräche ohne Handy oder gemeinsame Unternehmungen.
Mit Baby vielleicht auch nur 10 Minuten nur für euch auf dem Sofa.

Geschenke (Receiving Gifts)
Kleine Aufmerksamkeiten, die zeigen: „Ich habe an dich gedacht.“
Im Alltag vielleicht dein Lieblingsriegel aus dem Supermarkt, eine Blume oder ein selbstgeschriebener Zettel am Spiegel.

Hilfsbereitschaft (Acts of Service)
Aufgaben, Verantwortung, Mental Load und Care Arbeit teilen: „Komm, ich übernehme das“. Gerade mit Kind empfinden viele Frauen das Mitdenken (nicht das „Helfen“) als stärksten Liebesbeweis!

Zärtlichkeit (Physical Touch)
Umarmungen, Kuscheln, Händchenhalten, Sex: Nicht immer, aber oft sprechen vor allem Männer diese Sprache.

Chapman ging davon aus, dass jeder Mensch eine oder maximal zwei Liebessprachen spricht. Diese These ist umstritten, genau wie die konkrete Zahl 5. Auch deshalb wird sein Buch kritisiert. Mehr dazu findest du weiter unten.

Dennoch: Wenn du weißt, welche Formen von Liebe der andere Elternteil besonders gut spürt, kannst du bewusster so handeln, dass es bei ihm oder ihr tatsächlich ankommt. Das bedeutet aber nicht, dass du gegen deine Bedürfnisse handeln musst. 

Lass uns zunächst erklären, was passieren kann, wenn wir als Eltern unterschiedliche Sprachen der Liebe sprechen.

Wie unterschiedliche „love languages“ zu stillen Verletzungen führen können

Machen wir uns nichts vor: Schwangerschaft, Geburt und das erste Babyjahr sind Ausnahmesituationen. Denn Schlafmangel, Mental Load, Körperveränderungen und finanzielle Sorgen führen jetzt häufiger zu Missverständnissen als in entspannten Situationen.

Übersetzt in die 5 Sprachen der Liebe heißt das:

  • Beispiel 1: Worte vs. Taten
    Eine Partnerin braucht liebevolle Worte, um sich sicher zu fühlen. Ihr Partner zeigt Liebe durch Hilfsbereitschaft. Beide geben sich Mühe und fühlen sich gleichzeitig nicht gesehen.
  • Beispiel 2: Nähe vs. Erschöpfung
    Einer sehnt sich nach körperlicher Nähe, der andere ist körperlich ausgelastet und durch den ständigen Körperkontakt mit dem Baby völlig überkuschelt. Wenn das nicht besprochen wird, kann daraus ein Gefühl von Ablehnung werden, auf beiden Seiten.
  • Beispiel 3: Gemeinsame Zeit vs. Geschenke
    Ein Partner bringt immer wieder kleine Geschenke mit, die andere Person wünscht sich eigentlich nur 20 Minuten Paarzeit auf dem Sofa. Das Ergebnis: Frust auf beiden Seiten.

Wenn diese Muster über Monate oder Jahre nicht erkannt und besprochen werden, kann das tatsächlich dazu beitragen, dass Beziehungen an der beidseitigen Enttäuschung zerbrechen, obwohl Liebe da ist.

Wie ihr eure Liebessprachen herausfinden könnt

Ihr müsst keinen Online-Test für die 5 Sprachen der Liebe machen – könnt es aber, wenn es euch hilft. Noch wichtiger ist jedoch, danach miteinander darüber zu sprechen:

Fragt euch doch mal einzeln oder gemeinsam:

  • Wann fühle ich mich wirklich geliebt? (Konkrete Situationen sammeln)
  • Was vermisse ich in unserer Beziehung am meisten?
  • Woran merke ich, dass mein Partner / meine Partnerin mich liebt?
  • Wie habe ich in meiner Herkunftsfamilie Liebe erlebt? (Wurde viel geholfen, viel gelobt, viel gekuschelt, viel geschenkt?)

Mini-Übung:
Jeder von euch schreibt drei konkrete und machbare Dinge auf, die der andere in der nächsten Woche tun könnte, damit er/sie sich geliebt fühlt: „Bitte sag mir jeden Tag eine Sache, die ich gut mache“, „Kannst du die Einschlafbegleitung zweimal pro Woche übernehmen?“, „Drück mich mal bitte ganz lange“….

Wichtig: Ihr sprecht wahrscheinlich eine Mischung aus mehreren love languages, keine „Hauptsprache“.

Was sagt die Wissenschaft zu den fünf Sprachen der Liebe?

Das Modell ist unglaublich populär und kann durchaus augenöffnend sein. Aber wissenschaftlich ist es nicht so stabil, wie es oft dargestellt wird:

Denn Studien wie diese fanden keine Bestätigung, dass es genau fünf feste Liebessprachen gibt oder dass jede Person genau eine Hauptsprache hat. Und die bekannten Online-Selbsttests wurden nicht wirklich auf Zuverlässigkeit und Gültigkeit untersucht.

Ob Paare glücklich sind, hängt nicht nur davon ab, ob ihre Liebessprachen „zusammenpassen“, sondern sehr stark auch von Persönlichkeit, Kommunikation, Umgang mit Konflikten und den allgemeinen Lebensumständen. Auch die individuell unterschiedlichen Bindungstypen (vereinfacht sicher, ängstlich oder vermeidend) können beeinflussen, ob eine Person besonders viel Bestätigung vom anderen braucht oder sich auch dann wertvoll fühlt, wenn mal weniger zurückkommt.

Viele Fachleute sehen die Liebessprachen deshalb als praktisches Kommunikationswerkzeug, aber nicht als „Beziehungs-Gesetz“.

4, 5, 7, 8 oder 9 Sprachen der Liebe?

In den letzten Jahren wurde das Konzept weiter untersucht und erweitert:

Eine Studie mit mehreren hundert Teilnehmenden fand Hinweise auf eine sechste Liebessprache, die die Forschenden „Check-ins“ nannten, auf Deutsch wohl am besten zu übersetzen mit „sich melden“.

Damit sind kurze, einseitige Nachrichten oder Fragen gemeint, mit denen ein Partner nach dem Wohlbefinden des anderen fragt, beispielsweise „Wie geht’s dir heute mit dem wenigen Schlaf?“ oder „Ich denke gerade an dich! Alles okay?“

Gerade im Familienalltag, wenn man sich tagsüber kaum sieht, können solche kleinen Nachrichten enorm wichtig sein, um sich verbunden zu fühlen.

Andere schlagen vor, die Liste zu erweitern mit:

  • digitaler Nähe (Nachrichten, Memes, Fotos teilen)
  • gemeinsamer Entwicklung (zusammen Neues lernen, Projekte angehen)
  • guter Konfliktkultur (wie wir streiten, uns entschuldigen, Verantwortung übernehmen)

Manche Forschende vergleichen Liebessprachen mit einer „ausgewogenen Ernährung“: Beziehungen tun gut, wenn wir Liebe auf verschiedene Arten zeigen, statt nur auf eine Karte zu setzen.

Die tatsächliche Zahl der Sprachen bleibt also unklar und ist eigentlich auch egal. 

Wichtig ist, dass ihr euch der verschiedenen Kanäle bewusst seid. Und es geht nicht nur darum, wie ihr Liebe zeigt, sondern auch darum, wie sicher ihr euch grundsätzlich miteinander fühlt.

Typische Missverständnisse rund um die Liebessprachen

Das ursprüngliche Buch ist stark auf Ehepaare in einem eher traditionellen Rollenmodell zugeschnitten, deshalb passt nicht alles automatisch für die unterschiedlichen Familienmodelle, die es tatsächlich gibt. Dafür gab es viel Kritik. Dennoch lassen sich für jede Konstellation wertvolle Erkenntnisse herausziehen. 

Damit das Konzept auch dir hilft und nicht stresst, ist es gut, ein paar Fallstricke zu kennen. Vielleicht denkst du jetzt auch sowas wie:

  • „So bin ich also, das ist meine Liebessprache.“
    Die Gefahr: Man nutzt das Modell als Ausrede, um sich nicht zu verändern.
  • „Du musst mich jetzt immer so lieben, wie ich es brauche.“
    Liebessprachen sind keine Wunschliste, an die sich der andere zu halten hat, sondern eine Orientierung für gegenseitige Rücksichtnahme.
  • „Wir passen nicht zusammen, unsere Sprachen sind zu verschieden.“
    Unterschiedliche Sprachen sind normal. Bei den einen matcht es sofort, andere müssen sich annähern. Entscheidend ist, ob ihr bereit seid, etwas füreinander zu lernen, wie beispielsweise eine neue Fremdsprache.

Wie ihr die love languages für euch nutzen könnt

Ihr müsst nicht alles perfekt machen. Nutzt die Liebessprachen eher wie einen Gedanken- oder Gesprächsanstoß. Ihr könntet zum Beispiel:

  • Paar-Check-ins einmal pro Woche planen, zum Beispiel am Sonntag: Dort besprecht ihr, was sich diese Woche gut angefühlt hat und was ihr euch vom anderen gewünscht hättet. Dann sucht gemeinsam einen kleinen Schritt für die kommende Woche.
  • Liebes-Notfallkoffer für stressige Zeiten zusammenstellen: Überlegt gemeinsam, welche kleinen Dinge euch jeweils helfen könnten, wenn ihr am Limit seid. Schreibt sie auf und hängt sie an den Kühlschrank.
  • Mini-Momente schenken: Gerade mit kleinen Kindern bleiben oft nur Sekunden für Zweisamkeit. Nutzt sie für einen bewussten Blickkontakt in der Küche, ein Armstreicheln im Vorbeigehen oder ein leises „Danke, dass du da bist“, wenn ihr nachts die Rollen am Babybett tauscht.

Solche kleinen Tools können eine Beziehung langfristig stärker tragen als große Gesten oder der Familienurlaub einmal im Jahr.

Fazit: Liebessprachen sind inspirierend und augenöffnend, aber nicht alles

Die Sprachen der Liebe können euch helfen, euch selbst besser zu verstehen, die guten Absichten des anderen zu erkennen und anzuerkennen und klarer zu sagen, was ihr braucht.

Gleichzeitig ist das Modell der Liebessprachen nicht die ganze Wahrheit über Liebe. Es ist ein Werkzeug, mehr nicht.

Wenn ihr euch im Baby- und Familienalltag oft unverstanden fühlt, kann es ein liebevoller erster Schritt sein, eure persönlichen Liebessprachen gemeinsam zu entdecken und euch in kleinen Schritten auch andere Sprachen anzueignen. Positiver Mehrwert: Auch eure Kids lernen, dass es unterschiedliche Arten gibt, seine Zuneigung zu zeigen.

Und falls ihr merkt, dass ihr allein nicht weiterkommt, kann eine Paarberatung euch helfen, tiefer zu schauen: hinter die Sprachen der Liebe und hin zu den Bedürfnissen, Verletzungen und Wünschen, die darunter liegen.

Quellen

ecd449d26bb54a2a9383b45c25e1b63b - 5 Sprachen der Liebe: Eltern lieben oft aneinander vorbei
Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.