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Abstillen nach Gordon: So klappt die Methode (im Familienbett)

Mutter liegt mit Kleinkind im Familienbett. Das Kind ist wach und nuckelt an der Hand.
Abstillen ist ein Prozess und gerade bei Schlafmangel ist es nicht einfach. / Bild © Marco, Adobe Stock

Nachts abzustillen ist für viele Stillmamas die Königinnendisziplin. Die Abstillen-nach-Gordon-Methode kann hier unterstützen – allerdings erst, wenn dein Kind mindestens 12 Monate alt ist. Und so geht sie.

Wenn ein Kind nachts ständig stillen will, zehrt das oft an den Kräften. Genau hier setzt die Gordon-Methode an. Du lässt dein Kind nicht allein, und trotzdem veränderst du Schritt für Schritt, wie die Nacht verläuft.

Jay Gordon ist ein bekannter US-amerikanischer Kinderarzt und der erste männliche Arzt, der die internationale Prüfung zur Stillberatung (IBCLC) abgelegt und bestanden hat. Außerdem war er 24 Jahre lang im fachlichen Beirat von La Leche League. Momentan liegt sein Augenmerk auf neurodivergenten Kindern. Er ist ein Verfechter des Familienbetts, deshalb ist seine Methode darauf zugeschnitten.

Worum geht es bei der Methode?

Gordons erprobte Idee ist simpel: Du wählst ein festes Zeitfenster von sieben Stunden in der Nacht, zum Beispiel 23 bis 6 Uhr. In genau diesem Fenster reduzierst du das Stillen in kleinen Stufen. Außerhalb davon machst du weiter wie gewohnt. So bekommt dein Kind tagsüber und in den Randzeiten weiterhin Stillen und Nähe, während die „Kernnacht“ ruhiger werden darf.

Damit das funktioniert, hilft ein klarer Rahmen: Du entscheidest dich für eine Linie und bleibst dabei. Denn wenn du im Zeitfenster heute „nein“ sagen und morgen doch wieder stillen würdest, könnte sich der Prozess länger ziehen.

Bevor du startest

Sage dir ehrlich: Will ich das wirklich gerade? Wenn du nur „mal schauen“ willst, ob es klappt, wird es meist zäh. Sprich mit dem anderen Elternteil ab, wer nachts was übernimmt. Und plane die ersten Nächte so, dass du tagsüber möglichst wenig Stress hast. Du darfst jederzeit abbrechen oder nachjustieren, wenn es sich nicht mehr richtig anfühlt.

Abstillen nach Gordon: 10 Nächte in 3 Stufen

Nächte 1 bis 3: 

Du stillst im 7-Stunden-Fenster noch, aber du veränderst den Ablauf. Du stillst kurz und löst es dann sanft ab. Danach begleitest du mit Hand, Stimme und Nähe zurück in den Schlaf. Dein Kind merkt: Mama/Papa bleibt da – und ich kann trotzdem wieder einschlafen. Diese Phase wird wahrscheinlich mit Protest einhergehen, und das ist okay.

Nächte 4 bis 6: 

Du stillst im Zeitfenster nicht mehr. Wenn dein Kind aufwacht, nimmst du es kurz in den Arm, kuschelst, beruhigst und legst es wieder hin. Du streichelst, klopfst sanft oder sprichst leise, bis es sich wieder fängt. Du gibst also weiterhin Trost, aber keine Brust.

Nächte 7 bis 10:

Statt dein Kind hochzunehmen, bleibt es liegen, und du streichelst oder klopfst es nur sanft. Viele Kinder brauchen hier noch deutliches Co-Regulieren – das ist okay. Du bleibst präsent, aber dran.

Nach den 10 Nächten hältst du die neue Regel im Zeitfenster erst einmal stabil. Wenn Krankheit, Reise oder ein Entwicklungsschub alles durcheinander werfen, brauchst du oft nur ein paar Tage, um wieder in den Rhythmus zu kommen.

Abstillen nach Gordon – Kritik: Was du dazu wissen solltest

Wenn du nach „Abstillen nach Gordon Kritik“ suchst, triffst du meist auf drei Punkte. 

  1. Viele Kinder protestieren am Anfang laut, obwohl man daneben liegt. Die meisten Eltern finden das emotional schwer, auch ohne Alleinlassen. Kein Wunder, denn kindliches Weinen schüttet bei uns Stresshormone aus. 
  2. Das feste 7-Stunden-Fenster passt nicht zu jeder Familie. Wenn dein Kind gerade krank ist oder extrem sensibel reagiert, kann ein starrer Plan mehr Stress als Entlastung bringen. 
  3. Manchmal wirkt die Methode „zu technisch“ und wie eine Art Schlaftraining. So ist sie aber nicht gemeint. 

Es gilt: Du musst dich nicht durchbeißen. Du kannst langsamer gehen, Pausen machen oder einen anderen Weg wählen, der sich für euch stimmiger anfühlt.

Dass die Wege auch beim Abstillen nach Gordon unterschiedlich sein können beschreiben diese ehemaligen Stillmütter auf Reddit:

Erfahrungen mit dem Abstillen noch Gordon

Erfahrungsbericht 1 – (unklares Beikostalter)

QuicheKoula schreibt auf Reddit kurz und knapp:

„Es ist hart für kleine ‚Brust-Junkies‘. Meiner hat über mehrere Nächte gefühlt alle Phasen von Trauer und Protest durchgemacht, bis er es irgendwann akzeptiert hat. Irgendwann hat er dann etwas gegessen und Wasser getrunken, und das hat noch ein paar Wochen lang so funktioniert. Und dann war es vorbei – und er hat nachts durchgeschlafen.

Es ist völlig okay, dabei alle möglichen Gefühle zu haben. Wir waren da und haben ihn da durch begleitet. Ich war aber konsequent: Kein Stillen, wenn wir nicht geplant hatten, danach auch wirklich wach zu bleiben. Tagsüber haben wir dann noch mehrere Monate weitergestillt.“

Erfahrungsbericht 2 – nach 15 Monaten stillen

meredith2311 beschreibt auf derselben Plattform, wie wichtig es bei ihr war, innerlich klar zu sein:

„Mein Kleinkind hat bei uns im Familienbett geschlafen und die ganze Nacht gestillt – und ich bin echt am Limit gewesen. So mit etwa 15/16 Monaten habe ich dann endlich entschieden, nachts abzustillen. Zum Einschlafen haben wir aber weiterhin gestillt – abends und beim Mittagsschlaf – und auch noch, wenn er aufgewacht ist (bis er 2 war).

Ich hatte vorher mehrmals versucht, die nächtlichen Stillmahlzeiten ganz langsam zu reduzieren, aber jedes Mal war das für uns beide total stressig. Und sobald wir ein bisschen Fortschritt hatten, war der beim nächsten Entwicklungsschub oder Schlafrückschritt wieder weg. Mit 15/16 Monaten habe ich dann einfach von einem Tag auf den anderen alle Stillmahlzeiten nachts gestrichen.

Die ersten 2–3 Nächte waren am schlimmsten, und egal wie sehr ich getröstet habe: Es hat kaum geholfen. Aber nach diesen drei Nächten hat er zum ersten Mal überhaupt die Nacht durchgeschlafen. Ein Traum.

Danach haben wir weiter im Familienbett geschlafen und nur noch zum Einschlafen gestillt. Ein paar Monate vor seinem zweiten Geburtstag hatte er dann wieder so eine Phase: Er wollte ständig Milch und hatte komplette Zusammenbrüche – fast eine Stunde lang –, wenn ich ihn nicht stillen ließ. Das war heftig. Ich habe gemerkt, dass ich mental und körperlich bereit bin, ganz abzustillen, aber ich habe mich schwer damit getan, weil (1) es emotional ist und (2) ich dachte, es wird für ihn hart.

Am Ende war es das gar nicht. Wir haben ein Buch gekauft, das „Booby Moon“ heißt, und das haben wir ein paar Wochen lang immer wieder gelesen, bis zu seinem Geburtstag. An seinem Geburtstag habe ich ihm dann erklärt, dass die Milch jetzt „Tschüss“ sagt. Wir hatten noch ein letztes Mal Stillen – und danach war er völlig okay damit. Manchmal hat er noch nach Milch gefragt, aber er hat nie einen Wutanfall deshalb bekommen. Dann haben wir einfach das Buch noch mal gelesen.

Ich bin immer noch überrascht, weil er sonst immer so ein richtiger ‚Brust-Fan‘ war, haha. Abstillen ist nicht immer so schwer, wie man denkt. Ich war sicher, dass es für uns beide schlimm wird, und mein Kleiner hat mich komplett überrascht.“

Erfahrungsbericht 3 – nach 2,2 Jahren stillen

Tricky-Ant5338 schreibt ebenfalls auf Reddit zum Abstillen nach Gordon:

„Hey! Ich habe die Gordon-Methode mit meinem Kleinkind gemacht – er war 2 Jahre und 2 Monate alt, als wir damit angefangen haben. Damals hat er nachts noch sehr, sehr oft gestillt. Wir haben auch im Familienbett geschlafen, und ja: Er war ein ‚High-Need‘-Baby bzw. -Kleinkind. Jetzt ist er vier und immer noch sehr sensibel.

Wir sind ganz langsam gestartet, zuerst nur mit einem Zeitraum von zwei Stunden in der Nacht, glaube ich. Also vielleicht von 23 Uhr bis 1 Uhr. Ich habe mir bewusst den Teil der Nacht ausgesucht, in dem der Schlaf am tiefsten ist – das passt also ungefähr.

Ich habe das außerdem mit einem ‚Booby-Licht‘ kombiniert. Das war eine spezielle Lampe, die die Farbe wechseln konnte: Ich konnte einen Timer einstellen, sodass sie nachts rot glimmt und morgens grün leuchtet. Ich habe meinem Sohn beigebracht: Wenn das Licht grün ist, darf er stillen. Ich habe ihm erklärt, was das Licht bedeutet: ‚Die Brust braucht auch Pause.‘

Für jeden Tag, an dem er es geschafft hat, in der ‚Rot-Zeit‘ keine Brustmilch zu trinken, durfte er einen besonderen Sticker in den Kalender kleben.

Ich habe auch einen speziellen, auslaufsicheren Becher mit Deckel und Strohhalm gekauft und ihm Wasser angeboten, wenn er während der ‚Rot‘-Zeit wach wurde.

In der ersten Nacht gab es ein paar Tränen, aber er hat das wirklich schnell verstanden. Ich habe den Zeitraum, in dem das Licht rot war, dann ganz allmählich verlängert. Nach ungefähr acht Wochen waren wir bei der ganzen Nacht angekommen (bis etwa 6 Uhr). Das war so süß: Er ist aufgewacht, hat sofort zur Lampe geschaut, und wenn sie grün war, hat er ganz freudig ‚Booby!‘ gerufen und dann lange gestillt. Manchmal waren wir dann schon wach für den Tag – manchmal ist er danach noch mal für 45 Minuten eingeschlafen, und ich konnte auch noch schön dösen.

Ich muss aber sagen: Ich glaube nicht, dass mein Sohn so einen sanften Übergang geschafft hätte, wenn er deutlich jünger gewesen wäre. Er musste alt genug sein, um die Licht-Regel zu verstehen (und zu akzeptieren!). Aber klar – jedes Kind ist anders.“

Fazit: Abstillen nach Gordon ist EIN Weg

„Abstillen nach Gordon“ soll euch helfen, nicht gängeln. Wenn du dabei warmherzig bleiben kannst und der Rahmen für dich klar ist, klappt es oft besser. Wenn du dich dagegen jeden Abend zusammenreißen musst, lohnt sich ein sanfterer Kurs: kleinere Schritte, später starten oder erst einmal nur ein kürzeres Nachtfenster.

Es bleibt eben nur ein Weg von vielen, der klappen kann, aber nicht muss. Aber auch dann wird irgendwann die letzte Stillnacht kommen, versprochen!

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 02.04.2026
Dieser Artikel wurde von Christine Müller geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.