Fünf Kriterien, ein Wert. Direkt nach der Geburt wird bei deinem Baby der sogenannte APGAR-Score ermittelt. Er gibt einen schnellen Überblick über seinen gesundheitlichen Zustand. Was dabei genau kontrolliert wird, was das Ergebnis aussagt und was es für dein Kind bedeutet – wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Apgar-Score ist ein schneller Mini-Check direkt nach der Geburt, der zeigt, wie gut dein Baby in den ersten Minuten ankommt.
- Bewertet werden fünf Kriterien: Atmung, Herzschlag, Muskeltonus, Hautfarbe und Reflexe – jeweils eine, 5 und 10 Minuten nach der Geburt
- Ein hoher Wert ist beruhigend, ein niedriger Wert zeigt vor allem, dass dein Baby kurzfristig Unterstützung benötigt.
- Der Apgar-Score sagt nichts über die langfristige Gesundheit oder Entwicklung deines Kindes aus.
- Für Frühgeborene sowie Babys mit mittlerem oder dunklerem Hautton ist er nur eingeschränkt aussagekräftig.
Was ist der Apgar-Score?
Der Apgar-Score gibt einen Überblick darüber, wie gut sich ein Neugeborenes in den ersten Minuten nach der Geburt vom Leben im Mutterleib auf das Leben außerhalb umstellt. Damit lässt sich systematisch und schnell erkennen, ob es medizinischer Unterstützung bedarf – zum Beispiel Hilfe beim Atmen – oder ob es den Start ins Leben ohne zusätzliche Maßnahmen gut bewältigt.
Entwickelt wurde der Apgar-Score Mitte des 19. Jahrhunderts von der US-amerikanischen Chirurgin und Anästhesistin Virginia Apgar. Seine Bezeichnung geht also ursprünglich auf seine Erfinderin zurück, lässt sich jedoch auch als Eselsbrücke für die gemessenen Parameter nutzen. Praktisch!
Apgar-Schema: Was wird bewertet?
Um den Apgar-Score zu ermitteln, überprüft die anwesende Kinderärztin, der Kinderarzt oder die Hebamme folgende fünf Kriterien:
- A – Atmung
- P – Puls (Herzaktion)
- G – Grundtonus (also die Muskelspannung, Aktivität und Bewegung)
- A – Aussehen (die Hautfarbe als Parameter für die Sauerstoffversorgung)
- R – Reflexe
… und ordnet jedem von ihnen einen Punktwert von 0 bis 2 zu:

Die fünf Einzelwertungen werden jeweils zusammengezählt und ergeben einen Wert von maximal 10. Das Ganze wird insgesamt dreimal gemacht: eine Minute, fünf Minuten und zehn Minuten nach der Geburt. Die drei Werte werden in den Mutterpass eingetragen, zum Beispiel 9/10/10 oder 5/9/9.
Was bedeutet das Ergebnis?
Ein Gesamtwert von 10 bis 7 pro Testung gilt als durchschnittlich und „lebensfrisch“. Der Organismus des Babys konnte sich offensichtlich gut an den Wechsel zur Außenwelt anpassen.
Beträgt der Wert unter 4 nach einer Minute und unter 6 nach fünf Minuten, ist das ein Hinweis darauf, dass das Baby möglicherweise zu wenig Sauerstoff bekommen hat.
Bei Werten zwischen 4 und 6 nach einer Minute können einfache Maßnahmen wie Sauerstoffgabe oder das Absaugen der Atemwege helfen. Die erneute Testung des Schemas wenige Minuten später gibt dann Aufschluss darüber, ob die Maßnahmen Wirkung zeigen.
Was sagt der Apgar-Score aus – und was nicht?
Der Apgar-Score ist kein umfassender Gesundheitscheck, sondern ein schneller Test, der zeigt, wie viel Unterstützung ein Neugeborenes in den ersten Minuten braucht.
Was der Apgar-Score NICHT kann:
- Er zeigt nicht, wie gesund ein Baby insgesamt ist. Der Apgar erfasst nur den unmittelbaren Zustand in den ersten Minuten, nicht den generellen Gesundheitszustand.
- Er macht keine Aussage über die langfristige Entwicklung.
Weder die geistige noch die motorische oder neurologische Entwicklung eines Kindes lässt sich daraus ableiten. - Er kann keine späteren Erkrankungen vorhersagen.
Der Apgar-Score sagt nichts über mögliche spätere gesundheitliche Probleme aus. - Er ist kein verlässlicher Indikator für Risiken wie Sterblichkeit oder Behinderungen.
Auch wenn er Hinweise auf Anpassungsschwierigkeiten gibt, kann man daraus keine sicheren Schlussfolgerungen ableiten. - Er berücksichtigt Besonderheiten von Frühgeborenen nur eingeschränkt.
Da Frühchen naturgemäß viele Kriterien aufgrund der fehlenden Reife noch nicht vollständig erfüllen, ist der Apgar für sie weniger aussagekräftig. - Er ist nicht objektiv und immer eindeutig. Einschätzungen zum Aussehen oder zum Muskeltonus sind teilweise subjektiv und können je nach Untersucherin bzw. Untersucher oder Ethnie des Kindes schwanken.
In den vergangenen Jahren wurde insbesondere der Parameter Aussehen kritisiert. Denn Einschätzungen zur Hautfarbe können verzerrt sein, wenn das Kind dunkelhäutiger oder asiatischer Abstammung ist, da sich die Bewertung „rosig“ auf helle Hauttypen bezieht. Das könnte im schlimmsten Fall zu verzögerter medizinischer Hilfe oder unnötigen Maßnahmen für diese Kinder führen. Daher fordern Experten eine Anpassung des Apgar-Scores auf objektivere Messmethoden, wie die Sauerstoffsättigung.
Fazit: Was du über den Apgar-Wert wissen musst
Der Apgar-Score ist ein kurzer Mini-Check direkt nach der Geburt. Er zeigt, wie gut dein Baby in den ersten Minuten ankommt und ob es Unterstützung benötigt. Ein hoher Apgar-Wert ist ein beruhigendes Zeichen, ein niedriger Wert bedeutet vor allem, dass das medizinische Team schnell reagieren und deinem Baby helfen kann.
Wichtig ist: Der Apgar-Score sagt nichts über die langfristige Gesundheit, Entwicklung oder spätere Fähigkeiten deines Kindes aus. Er bewertet nur den momentanen Zustand kurz nach der Geburt. Besonders bei Frühgeborenen oder Babys mit bestimmten Hautfarben kann der Score weniger aussagekräftig sein, weil insbesondere der Hautfarbton schwer objektiv zu beurteilen ist.
Für dich als Elternteil bedeutet das: Der Apgar-Score hilft dem Team, dein Baby in den ersten Minuten bestmöglich zu versorgen, ist aber kein Grund, sich Sorgen über die Zukunft zu machen. Entscheidend ist, dass dein Kind nach der Geburt die Unterstützung erhält, die es in diesem Moment braucht. Und genau dafür wurde der Apgar-Score entwickelt.
Quellen
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: APGAR-Test. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/nach-der-geburt/das-wochenbett-von-a-bis-z/das-kind-im-wochenbett/apgar-test/ (abgerufen am 02.12.2025)
- Altorfer, R.: Wer war eigentlich … – Virginia Apgar? Erschienen in: ARS Medici Dossier IV, 2014. https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2014/04/Editorial.pdf (abgerufen am 02.12.2025)
- Flexikon DocCheck: Apgar-Score. https://flexikon.doccheck.com/de/Apgar-Score (abgerufen am 02.12.2025)
- NHS Race & Health Observatory: Review of neonatal assessment and practice in Black, Asian, and minority ethnic newborns Exploring the Apgar score, the detection of cyanosis, and jaundice. July 2023. https://www.nhsrho.org/wp-content/uploads/2023/08/RHO-Neonatal-Assessment-Report.pdf (abgerufen am 02.12.2025)
- Wise, J.: Newborn health checks are unreliable for black and Asian babies, review finds. BMJ 2023; 382 :p1620. doi:10.1136/bmj.p1620 (abgerufen am 02.12.2025)
- Grünebaum, A. et al.: Is it time to modify the Apgar score? Erschienen in: Perspective, Vol. 230/3, März 2024. https://www.ajog.org/article/S0002-9378%2823%2900175-8/fulltext (abgerufen am 02.12.2025)














