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Coronavirus: So schützt ihr Oma und Opa

Wenn Schulen und Kitas wegen Corona schließen, fragen sich viele Eltern, ob sie ihre Kinder durch die Großeltern betreuen lassen sollten oder ob das zu riskant ist. Wir helfen beim Abwägen.

Das neue Coronavirus ist nicht so harmlos, wie viele gedacht haben. Die Politik trifft endlich längst überfällige Entscheidungen und schließt Schritt für Schritt Kitas und Schulen. Warum die ganze Panikmache? Ist das nicht alles etwas unverhältnismäßig? Wir glauben nein. Laut Amtsärzten und Virologen kommt das alles sogar schon etwas spät.

Natürlich ist es richtig, dass jüngere Menschen – und dazu zählen auch viele Baby- und Kleinkindeltern – oft (aber nicht immer!) weniger schwere Krankheitsverläufe haben. Kinder haben meist sogar so milde Symptome, dass eine Erkrankung gar nicht erkannt wird. Also alles halb so schlimm, wären da nicht die Großeltern und andere ältere Menschen.

Warum Oma & Opa so gefährdet sind

Italiens Beispiel zeigt, das die Gefährlichkeit des Coronavirus steigt, je älter ein Mensch ist. Schon 50-jährige haben ein höheres Risiko, daran zu versterben, als 30-jährige. Am gefährlichsten ist das Virus für Menschen 80+. Bis zu 20% in dieser Altersgruppe überleben eine Infektion damit nicht, also jeder fünfte. Warum?

Viele Ältere haben durch Vorerkrankungen ein geschwächtes Immunsystem. Diabetes, eine geschädigte Lunge, Bluthochdruck oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Krebs und sogar schlecht eingestelltes Asthma erhöhen das Risiko enorm, dass sich der Erreger in der Lunge festsetzt.

Dazu kommt, dass sich Ältere oft weniger bewegen, manche einseitig essen oder auch sonst einen ungesunden Lebensstil pflegen.

Corona ist gefährlicher als Grippe

Corona ist doch nur wie eine Grippe? Ein gefährlicher Trugschluss! Natürlich gab es in extremen Grippejahren wie 2017/18 sehr viele Influenza-Tote. Aber:

  1. Corona ist ansteckender.
  2. Die Sterblichkeit ist etwa zehnmal höher.
  3. Es wird noch für eine ganze Weile keinen Impfstoff geben.

In diesem Grippejahr gab es deutschlandweit bisher „nur“ etwa 200 Grippetote. Trotzdem ist unser Gesundheitssystem dank vieler Sparmaßnahmen schon am Anschlag. Etwa 10-15% der mit Corona Infizierten müssen im Krankenhaus 5% intensiv betreut werden. Viele mit Hilfe von Beatmungsgeräten. Das ist rein rechnerisch nur möglich, wenn die Welle langsam auf uns zu rollt. Wenn es so schnell geht wie in Italien, bricht auch bei uns alles zusammen.

Es geht darum, die Ausbreitung zu verlangsamen

Viele Virologen sind davon überzeugt, dass sich 60-70% der deutschen Bevölkerung mit Corona infizieren werden. Das liegt daran, dass es keinerlei Immunität in der Bevölkerung gibt, also auch keinen Herdenschutz in irgendeiner Form. Im Klartext bedeutet das, dass sich bis zu 57 Millionen Deutsche früher oder später anstecken werden.

Die Frage ist, wie lange das dauert. Wenn es keine rigorosen Maßnahmen gibt und die Kurve weiter steil ansteigt, müssten anhand der Zahlen oben schon in wenigen Monaten Millionen Menschen auf die Intensivstation (5% der Infizierten). Deutschland hat etwa 28.000 Betten für solche Zwecke. Die meisten davon belegt durch Herzinfarkte, Schlaganfälle, Unfälle und andere Notfälle…

Chinas Beispiel, aber auch die Eindämmung der spanischen Grippe Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zeigen deutlich, dass nur einschneidende Maßnahmen die Zahl der Neuinfektion nach unten drücken können, damit das Gesundheitssystem hinterher kommt.

Kinder durch die Großeltern betreuen lassen?

Auch wenn es die Großeltern von sich aus anbieten, wir würden die Kinder im Moment nicht von ihnen betreuen lassen, wenn sie vorher in der Kita oder Schule waren. Denn die Kinder könnten das Virus schon in sich tragen, ohne dass es jemand merkt. Ansteckend sind sie trotzdem.

Eine Idee wäre, zwei Wochen zuhause ohne Oma und Opa durchzuhalten und erst danach ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit dieser Form von Selbstquarantäne wäre so gut wie ausgeschlossen, dass sich das Virus von den Kindern auf die Großeltern überträgt. Dazu müsstet ihr natürlich sämtliche soziale Kontakte herunterfahren.

Unser Tipp aus eigener Erfahrung: Wenn deine Eltern oder Schwiegereltern bzw. Großeltern selbst noch nicht den Ernst der Lage erkannt haben, darfst du ruhig versuchen, mit viel Feingefühl etwas auf sie einzuwirken. Wenn diese sich draußen selbst anstecken, ist das zwar nicht eure Schuld, aber auch sie haben eine Verantwortung ihren Nachkommen gegenüber. Manchen ist das nicht gleich klar. Diese Maßnahmen empfehlen wir:

  • Ältere Menschen sollten so wenig wie möglich unter Leute gehen und möglichst auch keine Besuche empfangen. Der eigene Garten ist natürlich okay und gegen einen Waldspaziergang ist auch nichts einzuwenden, im Gegenteil!
  • Einkäufe kann man sich liefern lassen. Zur Not stellt ihr was vor die Tür.
  • Arztbesuche sollten auf ein Minimum reduziert werden. Rezepte kann jemand anders einlösen und die Medikamente vorbei bringen. Manche Apotheken liefern auch.
  • Häufiges Händewaschen ist jetzt wichtiger denn je. Selbst dann, wenn nur ein Paket oder der Einkauf angekommen sind.
  • Obst und Gemüse sollte noch mehr als sonst abgewaschen werden, denn es geht durch viele Hände.
  • Häufiges Lüften reduziert Keime und hilft den Lungen.
  • Handy-Displays abwischen oder desinfizieren bringt jetzt auch viel.

Wenn sich Eltern oder Großeltern nicht einschränken lassen wollen, hast du zumindest alles getan, was du konntest.

Was sollen Alleinerziehende machen?

Uns ist bewusst, dass gerade Alleinerziehende manchmal keine Wahl haben. Ähnlich sieht es bei Eltern aus, die nicht zuhause arbeiten können. Denn die Versorgung der Bevölkerung muss ja sichergestellt und die Wirtschaft halbwegs am Laufen gehalten werden.

Wenn du davon betroffen bist, hilft nur, das Risiko gut abzuwägen. War dein Kind in einer gefährdeten Einrichtung? Sprich: gab es Fälle in der Nähe? Sind die Großeltern gesundheitlich belastet und damit noch stärker gefährdet als andere?

Wenn ja, solltest du zusammen mit ihnen überlegen, ob es das wert ist oder ob es noch andere Wege gibt. Manche Eltern organisieren jetzt untereinander eine Betreuung. Das ist natürlich eine Möglichkeit, sollte aber nur in kleinen, festen Gruppen geschehen. Bei wechselnden Kindern ist das Risiko zu groß, dass ihr das Virus weiter tragt.

Für bestimmte Berufsgruppen wird es wahrscheinlich eine Notbetreuung für die Kinder geben, die noch nicht allein zuhause bleiben können. Ob du das in Anspruch nehmen willst, musst du natürlich selbst entscheiden.

Eine Krankschreibung auf dich oder das Kind wären eine andere Möglichkeit. Im Moment ist das nach telefonischer Absprache mit dem Arzt auch ohne Praxisbesuch für eine Woche möglich. Ansonsten lassen sich viele Chefs auf bezahlten oder unbezahlten Urlaub ein. Das tut natürlich weh, ist aber immer noch besser, als das Leben eines lieben Menschen zu riskieren.

Ideen, wie sich Großeltern und Urgroßeltern nicht einsam fühlen

Viele ältere Menschen fühlen sich auch ohne Corona-Angst oft allein. Wenn sie sich dann noch zuhause isolieren sollen, ohne wenigstens ihre Verwandten sehen oder mit Nachbarn reden zu dürfen, sind Depressionen vorprogrammiert.

Wie wäre es, wenn ihr diese schwere Zeit als Chance nutzt? Denn ihr könnt auch auf anderen Wegen Kontakt halten. Mit etwas Geschick kann das Verhältnis danach besser sein, als es jemals war. Hier kommen unsere Ideen:

1. Viel telefonieren

Viele von uns sind genervt, wenn die Mama das gefühlt hundertste Mal in dieser Woche anruft. Aber gerade, wenn ihr euch nicht sehen dürft, werden Anrufe richtig wichtig. Immerhin gibt es nun endlich ein gemeinsames Thema, zu dem jeder eine Meinung hat. Also ran an den Hörer und den täglichen Kontrollanruf starten. Er muss ja nicht ewig dauern!

2. Skype verwenden

Manche Ältere sind mittlerweile wirklich fit am Handy oder Laptop. Nutzt doch einfach Skype oder Whatsapp für Videoanrufe. Das ist meist noch viel besser, als ein Anruf und die Großeltern fühlen sich plötzlich mittendrin im Leben.

3. Briefe und Postkarten schreiben

Klingt altmodisch, ist aber eigentlich eine ziemlich coole Möglichkeit, das Herz älterer Menschen zu berühren. Ihr könnt es ja als eine Art Tagebuch gestalten. Wenn die Kinder schon größer sind, können sie (mit sauberen Händen) den Brief verzieren oder die ein oder andere Malerei mit hineinstecken.

Alternativ kannst du Postkarten online mit frisch geschossenen Fotos designen und ebenfalls online verschicken. Das geht zum Beispiel bei mypostcard.com. Alles natürlich, solange die Post noch austrägt. Ansonsten bleibt natürlich auch die gute alte E-Mail.

Sag uns deine Meinung

Würdest du dein Kind im Moment von Oma oder Opa betreuen lassen?

Was meinst du zum Thema Coronavirus und Großeltern? Siehst du das ähnlich?

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