Du fragst dich, wie du mit Geschwister-Eifersucht umgehen und die Bindung deiner Kinder von Anfang an stärken kannst, sodass sie möglichst ihr ganzes Leben lang Freunde sind? Hier findest du Antworten!
Du bietest den Rahmen – sitzt aber nicht am Steuer!
Als Elternteil bietest du deinen Kindern einen sicheren Raum zum Wachsen, Lernen und für ihre individuelle Entwicklung in diesem Leben.
Möglicherweise wird es dir bereits bei der Erziehung deines Erstgeborenen aufgefallen sein: Du kannst deinem Kind Angebote machen, Dinge anleiten und so weiter – aber du sitzt nicht am Lebenssteuer deines Kindes! Es hat einen eigenen Kopf, mit individuellen Bedürfnissen, Wünschen und Interessen.
Druck oder Drängen rufen häufig nur den gegenteiligen Effekt hervor. In Erziehungsfragen genauso, wie, bei dem Versuch, Geschwister von Tag 1 an füreinander zu begeistern.
Du merkst schon, worauf wir hinauswollen: Du kannst diesen Prozess zwischen den Geschwistern nicht kontrollieren und solltest es auch nicht. Was du aber tun kannst, ist …
Was Geschwisterbeziehungen WIRKLICH brauchen …
Wichtig ist, dass deine Kinder individuell sein dürfen und spüren, dass sie genau dafür geliebt werden. Kein Mensch auf dieser Welt gleicht einem anderen und das ist richtig und wichtig so. Jede Person ist mit einem individuellen Fußabdruck hier und hinterlässt einzigartige Spuren der Liebe durch seine Existenz, für die Entwicklung dieser Gesellschaft.
Und Menschen – jeden Alters – haben eben unterschiedlichste Bedürfnisse, Wünsche und Interessen.
Deswegen ist es unvermeidbar, dass deine Kinder auch mal in Streit geraten, sich uneinig sind oder aber (gerade in den ersten gemeinsamen Jahren) eine Eifersucht oder der Drang nach der alleinigen Aufmerksamkeit der Eltern besteht.
Für dich ist es deswegen umso wichtiger, dass du durch deine sprachliche, körperliche und emotionale Begleitung jedem einzelnen der Geschwister signalisierst: “Ich sehe dich in deiner Individualität und liebe dich dafür.”
Vergleiche bitte immer vermeiden!
Denn von den Eltern immer mit dem Bruder oder der Schwester verglichen zu werden, ist das Schlimmste für Kinder.
Dann hat jeweils das eine Geschwisterkind das Gefühl, es wäre “falsch” wie es ist und müsste mehr wie das andere Kind sein, um deine Liebe, Fürsorge und Präsenz zu verdienen und umgekehrt.
Im Übrigen ist es auch genau das, was Eifersucht fördert.
Die Sache mit der Eifersucht …
Es ist vollkommen natürlich, dass das ältere Kind gerade in der Anfangszeit eifersüchtig auf das jüngere Geschwisterkind ist und deine Aufmerksamkeit für sich alleine will.
Um das zu verstehen, machen wir mal einen Ausflug in seine mögliche Wahrnehmung: “Seit das Baby da ist, kümmern sich Mama und Papa nur noch um das Kleine und haben gar keine Zeit mehr für mich. Immer sind sie müde oder haben was zu tun. Wenn das Baby schreit, laufen sie gleich hin, aber ich muss immer warten, wenn ich was von ihnen will. Und dann soll ich mich auch noch über das Baby freuen, dabei kann es gar nichts und liegt nur rum. Voll langweilig. Nicht mal spielen kann ich mit ihm, weil ich immer nur vorsichtig mit ihm sein muss, damit es nicht kaputtgeht oder ich ihm wehtue.“
Verständlich, dass dein Großes da auch mal eifersüchtig ist, oder?
Lass deinem älteren Kind genügend Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Gerade mit Baby im Wochenbett ist das eine riesige Herausforderung für alle Beteiligten, die Ruhe, Zeit, Geduld, Kapazitäten und eine große Prise Gelassenheit und vor allem Vertrauen erfordert.
Vielleicht hilft dir dieser Gedanke, um da durchzugehen: Du bist nicht allein und du wirst in dieser so schwierigen neuen Aufgabe gesehen!
Teilen ist kein Muss – “sich mögen” übrigens auch nicht …
Nein, dein Erstgeborenes muss sein Spielzeug nicht zwingend mit dem Baby teilen, wenn es das nicht möchte. Die Hintergründe dazu haben wir in diesem Artikel beschrieben.
Wichtig ist auch, dass dein Erstgeborenes keinen (unbewussten) Druck von dir bekommt, es müsse das Jüngere unbedingt mögen.
Du wirst es von dir selbst aus dem Erwachsenenleben und Freundschaften kennen: Beziehungen jeglicher Art brauchen Pflege und verändern sich immerzu. Nichts anderes ist es mit Familienmitgliedern. Schließlich stehst du selbst sicherlich auch nicht allen Familienmitgliedern gleich nah, nur weil du mit ihnen verwandt bist, oder?
Geschenke vom Baby ans Erstgeborene? Lieber nicht!
Viele Eltern möchten Eifersucht von Anfang an vermeiden und besorgen daher ein Geschenk für das Erstgeborene “vom” Baby. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar und gut gemeint.
Dennoch empfehlen wir eher, die natürliche Geschwisterverbindung über andere Wege zu stärken, als über etwas Materielles. Denn vermutlich versteht das Erstgeborene diese Geste nicht so, wie du sie gemeint hast. Bei ihm kommt möglicherweise an: “zur Geburt meines Geschwisterchens bekomme ich ein Geschenk.” – that’s it.
Kommt es regelmäßiger vor, dass das Kind vor neuen Lebenssituationen oder großen Veränderungen ein Geschenk bekommt, könnte das im Übrigen auch zur Folge haben, dass es künftig Geschenke erwartet, sobald etwas Neues bevorsteht. Und dass es diese externe Motivation immer öfter braucht oder sogar einfordert.
Besser als mit Geschenken kannst du dein Erstgeborenes etwa so begleiten:
Gemeinsame Rituale & Quality Time schaffen ein Familiengefühl
Du siehst bereits: Um die Geschwisterbeziehung von Anfang an zu stärken, ist es wichtig, dass du nichts erzwingst, sondern nur den Rahmen dafür herstellst.
Und das geht am besten über wertvolle Familienzeit und gemeinsame Rituale, die euer WIR-Gefühl als Familie stärken. Dabei muss es sich übrigens nicht um etwas Großes handeln.
Schon gemeinsame Mahlzeiten, Spielnachmittage oder Spaziergänge auf den Spielplatz nur unter euch als Familie können diesen Rahmen schaffen.
Quality Time nur mit dem Erstgeborenen
Vermutlich hast du es dir schon gedacht, aber wir können es nicht oft genug betonen: Bewusste Zeit mit dem größeren Kind spielt hier ebenfalls eine große Rolle.
Denn wenn Mama oder Papa mit dem Baby beschäftigt sind, kann der andere Elternteil etwas mit dem Erstgeborenen unternehmen, ganz nach seinen Wünschen. Manchmal können auch feste “Mama/Papa-und-Lina-Tage” (Beispiel) helfen, damit das ältere Kind sich auf diese tolle 1:1-Zeit mit nur einem Elternteil fest verlassen kann. Denn flexible aber besprochene Strukturen geben deinem Kind Sicherheit.
Diese bewusste Aufmerksamkeit kann eine mögliche Eifersucht lindern. Obendrein merkt das Ältere: “Ich werde immer noch geliebt und es sind immer noch auch MEINE Mama und MEIN Papa.”
Dann fällt es möglicherweise vielleicht nicht so schwer, die Aufmerksamkeit der Eltern im Alltag zu teilen oder dem Baby etwas mehr davon abzugeben. In der Wochenbettzeit mit Kind 2 kann es auch zusätzlich helfen, wenn die Paten, die Großeltern oder Freunde regelmäßig etwas mit dem älteren Kind unternehmen.
Ansonsten gilt …
Fazit: Öfter mal die Perspektive des Vogels wählen!
Schaffe einen Rahmen für Gemeinsamkeit, Family-Time und Aufmerksamkeit für beide Kinder, aber erzwinge nichts.
Dafür empfehlen wir, als Elternteil öfter mal die Vogelperspektive einzunehmen (wir wissen, wie schwer das ist, wenn man in einer Situation drinsteckt). Doch das könnte dir gerade in der Anfangszeit mit mehreren Kindern möglicherweise helfen, die Situation unter den Geschwistern mit etwas Abstand, Gelassenheit und Vertrauen zu betrachten.
Für alle weiteren Fragen zum Thema Eifersucht und Geschwisterstreit kann dir möglicherweise diese Podcastfolge aus unserem babelli-Podcast weiterhelfen:













