Bei einer Geburtseinleitung kommt zunehmend der Ballonkatheter zum Einsatz – eine mechanische Methode, die die Reifung der Zervix sanft unterstützen soll. Wie läuft die Einleitung mit Ballonkatheter ab und welche Vor- und Nachteile hat sie? Wir fassen das Wichtigste für dich zusammen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Einleitung mit Ballonkatheter ist eine schonende mechanische Methode, die die Reifung (Öffnung) des Muttermunds unterstützt.
- Sie gilt als sicher und gut verträglich, auch bei Frauen nach Kaiserschnitt.
- Oft reicht der Ballonkatheter zur Geburtseinleitung allein nicht aus, kann aber die Menge an Einleitungsmedikamenten reduzieren und so deren Nebenwirkungen verringern.
- Manche Frauen empfinden das Legen oder Tragen des Katheters als unangenehm oder schmerzvoll, insgesamt wird die Methode aber meist positiv bewertet.
Geburtseinleitung: Medikamente vs. mechanische Methoden
Manchmal sprechen medizinische Gründe für eine künstliche Einleitung der Geburt, bevor es zum natürlichen Wehenbeginn kommt. Typisch dafür sind etwa deutliche Terminüberschreitungen oder bestimmte Schwangerschaftserkrankungen.
Um die Geburt einzuleiten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Es können beispielsweise Medikamente zum Einsatz kommen, die die Reifung/Öffnung des Muttermunds beschleunigen und Wehen provozieren. Medikamentöse Methoden sind sehr effektiv, aber ihre Wirkung ist nicht genau vorhersagbar und birgt Risiken.
Schonender sind sogenannte mechanische Methoden. Dabei wird in der Regel der Muttermund manuell stimuliert, um die Ausschüttung der geburtsrelevanten Hormone (Prostaglandine) anzuregen und die Geburt in Gang zu setzen.
Eine solche mechanische Methode zur Geburtseinleitung, die in den vergangenen Jahren unter Geburtshelfern und Schwangeren immer beliebter wurde, ist der Ballonkatheter.
So funktioniert die Einleitung mit Ballonkatheter
Beim Ballonkatheter handelt es sich um einen flexiblen, dünnen Schlauch, an dessen Ende einer oder zwei kleine Ballons sitzen. Meistens wird ein Doppelballonkatheter genutzt.
Dieser wird in den Gebärmutterhals eingeführt, und zwar so, dass ein Ballon hinter und ein Ballon vor dem Muttermund liegt. Dann werden die Ballons über den Schlauch von außen mit Kochsalzlösung gefüllt (je max. 80 ml), sodass sie von beiden Seiten aus sanft Druck auf den Muttermund ausüben. Dieser Reiz setzt körpereigene Prostaglandine frei. Sie bewirken, dass der Muttermund weicher wird und sich öffnet.

Vor der Einlage des Katheters wird in der Regel ein CTG geschrieben, um die Herztätigkeit des Babys zu kontrollieren. Das Ganze wird 20 bis 40 Minuten nach der Einlage wiederholt.
Manchmal darf die werdende Mutter danach nach Hause gehen, um dort noch etwas zu entspannen und auf den Geburtsbeginn zu warten. Gibt es Risikofaktoren, wird sie jedoch stationär aufgenommen.
Der Doppelballonkatheter bleibt in der Regel bis zu 12 Stunden im Körper. Bestenfalls löst er sich innerhalb dieser Zeit von selbst und rutscht spontan heraus. Das würde bedeuten, dass sich der Muttermund, wie gewünscht, geöffnet hat. Sollte er sich innerhalb dieses Zeitraums nicht von allein lösen, wird er anschließend trotzdem entfernt.
Ziel dieser Einleitungsmethode ist es in erster Linie, die Zervix reifen zu lassen und nicht unbedingt, Wehen anzuregen. Dafür wird nach der Entfernung des Katheters meist mit Medikamenten nachgeholfen.
Einleitung mit dem Ballonkatheter: Erfolgsquote
Im ersten Moment willst du als werdende Mama sicher wissen, wie zuverlässig der Ballonkatheter die Geburt anregt. In der Medizin versteht man unter Erfolg aber auch, wie eine Methode das „Outcome“ beeinflusst. In der Geburtshilfe zählen dazu:
- die Geburtsdauer,
- das Auftreten von Komplikationen,
- das Ausmaß von Geburtsverletzungen,
- die Art der Geburt (vaginal oder Kaiserschnitt)
- der mütterliche und kindliche Gesundheitszustand nach der Geburt sowie
- die Zufriedenheit der Mutter mit dem Geburtserlebnis.
Warum wir dir das alles erklären? Weil die Erfolgsquote des Ballonkatheters allein zunächst nicht besonders vielversprechend wirkt, schaut man lediglich darauf, wie oft er – allein angewendet – tatsächlich zum Geburtsbeginn führt. Denn das ist bei gerade einmal 20 bis 30 Prozent der Fall.
Aber: Trotzdem wird der Ballonkatheter in Fachkreisen als „wirksames Verfahren zur Zervixreifung und Geburtseinleitung bei unreifem Zervixbefund“ angesehen (DGGG Leitlinien S2k Geburtseinleitung, Stand 09/2025). Die Leitlinien, die sich am aktuellen Forschungsstand orientieren, vergleichen die Effektivität des Katheters sogar mit der vaginalen Anwendung künstlicher Prostaglandine (z. B. Misoprostol oder Dinoproston).
Am wirksamsten ist laut Leitlinien jedoch eine Kombination aus beiden Methoden: dem Ballonkatheter und künstlichen Hormonen.
Das gilt besonders für Frauen, die ihr erstes Kind bekommen: Werden nach Entfernen des Ballonkatheters zusätzlich künstliche Hormone eingesetzt, verkürzt sich in der Regel die Zeit von der Einleitung bis zur Geburt im Vergleich zur Anwendung nur einer der beiden Methoden.
Das bedeutet: Der Ballonkatheter kann die Geburt zwar nur manchmal ganz allein anregen. Dafür kann er das Outcome gegenüber rein medikamentösen Einleitungen verbessern. Und das vor allem, weil er die benötigte Menge der eingesetzten Medikamente wesentlich reduziert.
Weitere Vorteile der Ballonkatheter-Einleitung
Abgesehen von dem verkürzten Einleitung-Geburt-Intervall hat der Ballonkatheter viele weitere Vorteile:
- Einsatz auch bei unreifer Zervix möglich: Er kann auch bei geschlossenem Muttermund angewendet werden.
- Geringes Risiko für Überstimulation: Im Gegensatz zu einer rein medikamentösen Einleitung verringert der Ballonkatheter das Risiko für eine Überstimulation der Gebärmutter (Stichwort Wehensturm).
- Sicherer fürs Baby: Mit dem Risiko für eine Überstimulation sinkt auch die Gefahr von ernsten Komplikationen für das Kind, wie eine unregelmäßige Herzfrequenz oder ein Sauerstoffmangel.
- Kaum bis keine Nebenwirkungen: Während medikamentöse Verfahren bei der Gebärenden mitunter Übelkeit auslösen können, ist Vergleichbares vom Ballonkatheter nicht bekannt. Studien zeigten generell eine geringe Komplikationsrate.
- Geringe Infektionsgefahr: Es gibt Hinweise darauf, dass der Ballonkatheter im Vergleich zur vaginalen Anwendung künstlicher Prostaglandine weniger Infektionen verursacht.
- Individuell zu regulieren: Je nachdem, wie gut oder schlecht die Schwangere das Druckgefühl toleriert, kann die Füllmenge des Ballons individuell reguliert werden.
- Auch ambulant möglich: Unter günstigen Voraussetzungen kann mit dem Ballonkatheter ambulant eingeleitet werden. Das heißt, die werdende Mutter kann nach dem Einlegen noch einmal nach Hause gehen und muss nicht sofort stationär aufgenommen werden. Das ambulante Verfahren hat mehrere Vorteile, unter anderem eine höhere Zufriedenheit der Frauen. Laut Leitlinien bietet sich der Ballonkatheter aufgrund seines geringen Risikos für eine Überstimulation für eine ambulante Einleitung an. Am Ende entscheidet darüber aber immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
- Auch geeignet bei „Zustand nach Sectio caesarea“: Der Ballonkatheter wird in den aktuellen Leitlinien auch für Frauen als sicher eingeschätzt, die schon einmal einen Kaiserschnitt hatten. Er bietet demnach im Vergleich zu anderen Methoden das geringste Risiko für eine Gebärmutterruptur.
- Hohe Akzeptanz bei Schwangeren: Schwangere bewerten die Ballonkatheter-Methode in Studien rückblickend überwiegend als positiv.
Gibt es auch Nachteile?
Bisher sind tatsächlich kaum Nachteile und keine relevanten Risiken bekannt.
Einige Frauen berichten von Schmerzen beim Legen des Katheters und/oder beim Füllen der Ballons. Andere wiederum empfanden die Prozedur nicht als schmerzhaft, maximal als unangenehm. Hier spielen die eigene Schmerztoleranz sowie die Erfahrung und Sensibilität der Ärztin oder des Arztes eine Rolle.
Zudem ist in manchen Erfahrungsberichten zum Ballonkatheter von einem durchgängig spürbaren Fremdkörpergefühl die Rede, das sich auf die Bewegungsfähigkeit oder das Sitzen auswirkt.
Auch, dass sich der Ballonkatheter selten als alleinige Methode zur Geburtseinleitung eignet, könnte als Nachteil ausgelegt werden. Vor allem dann, wenn man den Einsatz von Medikamenten gänzlich ablehnt. Zumindest scheint der Katheter die Menge der benötigten Medikamente aber zu reduzieren, was ihre Risiken und Nebenwirkungen verringern kann.
Ein weiterer Nachteil, wenn man so will: Der Ballonkatheter eignet sich nicht für alle Schwangeren.
Für wen ist die Ballonkatheter-Einleitung geeignet?
Bestimmte Gründe können den Einsatz eines Ballonkatheters zur Geburtseinleitung ausschließen. Zu den Ausschlusskriterien gehören:
- vorzeitiger Blasensprung (Infektionsgefahr)
- tiefer Plazentasitz (Plazenta praevia)
- Beckenend- oder Querlage des Kindes
- Mehrlinge
- Muttermundreife >2 cm
Fazit: Schonend und sicher
Der Ballonkatheter ist eine sanfte und sichere Methode, um die Geburt einzuleiten, besonders wenn der Muttermund noch geschlossen ist.
Auch wenn er nicht immer geburtswirksame Wehen auslöst, kann er helfen, die benötigte Menge an Einleitungsmedikamenten zu reduzieren und dadurch Risiken wie eine Überstimulation der Gebärmutter zu verringern.
Vor allem bei Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, zeigt sich die Kombination aus Ballonkatheter und Medikamenten besonders effektiv.
Viele Mütter berichten, dass sie die Methode (trotz möglicher Schmerzen) gut vertragen und das Vorgehen insgesamt als schonend und nachvollziehbar erleben.
Quellen
- DGGG, OEGGG, SGGG: Leitlinienprogramm: Geburtseinleitung. Version: 1.1 Addendum vom März 2021, Stand Dezember 2020. Geburtseinleitung AWMF-Registernummer 015-088 Leitlinienklasse S2k Stand: Dezember 2020 Version 1.1 Addendum vom März 2021 (abgerufen am 18.09.2025)
- Radan, A.P., Surbeck, D. (2019): Geburtseinleitung bei Status nach Sectio. In: Gynäkologie 3/2019. https://www.rosenfluh.ch/media/gynaekologie/2019/03/Geburtseinleitung-bei-Status-nach-Sectio.pdf (abgerufen am 18.09.2025)
- Kehl, S. et al. (2016): Geburtseinleitung mit dem Ballonkatheter? In: Deutsche Hebammen Zeitschrift 2/2016. https://staudeverlag.de/geburtseinleitung-mit-dem-ballonkatheter/ (abgerufen am 18.09.2025)
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- de Vaan, M.D.T. et al (Cochrane, 2023): Mechanical methods for induction of labour. https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001233.pub4/full (abgerufen am 18.09.2025)
- Rath, W. et al. (2021): Ambulante Geburtseinleitung – sind Ballonkatheter eine geeignete Methode? In: Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 2021; 81: 70–80. https://doi.org/10.1055/a-1308-2341 (abgerufen am 18.09.2025)













