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Einleitung mit Stäbchen (Dilapan-S): Sicher und schonend

Schwangere Frau sitzt am Tisch im Gespräch mit ihrer Gynäkologin
Vor der Einleitung mit Stäbchen wirst ärztlich aufgeklärt. / Bild © New Africa, Adobe Stock

Die Stäbchen-Methode (Dilapan-S) ist eine besonders sanfte Möglichkeit, die Geburt einzuleiten. Wie sie funktioniert, welche Vorteile sie hat und ob es Nebenwirkungen gibt, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sanfte Alternative: Das Dilapan-S-Stäbchen ist eine mechanische und sanfte Methode, die Zervix reifen zu lassen und damit die Geburt einzuleiten.
  • Hohe Sicherheit: Sie birgt geringe Risiken für Mutter und Kind, insbesondere keine Gefahr für eine Überstimulation.
  • Ambulant möglich: In vielen Fällen können Schwangere nach der Einlage der Stäbchen erst einmal wieder nach Hause gehen.
  • Unterstützend wirksam: Allein reicht die Methode nicht immer aus, sie erleichtert aber oft die weitere Einleitung und senkt den Medikamentenbedarf.
  • Vergleichbar mit Ballonkatheter: Beide Methoden wirken ähnlich; das Stäbchen wird mitunter als angenehmer empfunden.

Manchmal gibt es medizinische Gründe, die dafür sprechen, den Beginn der Geburt einzuleiten (mehr dazu: Geburtseinleitung). Dafür gibt es unterschiedliche Methoden. 

Am häufigsten werden Medikamente eingesetzt, die den Muttermund weich machen und die Wehen anregen sollen. Sie wirken zuverlässig, allerdings nicht ganz vorhersehbar, und gehen deshalb mit bestimmten Risiken und Nebenwirkungen einher.

Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte mechanische Geburtseinleitung, bei der keine oder deutlich weniger Medikamente nötig werden. Dazu zählt neben der Einleitung mittels Ballonkatheter auch die Einleitung mittels Stäbchen (Dilapan-S). 

Wie funktioniert die Geburtseinleitung mit Stäbchen?

Bei der Stäbchen-Methode werden drei bis fünf kleine Hydrogel-Stäbchen in den Gebärmutterhals (Zervix) eingeführt. Die dünnen Stäbchen nehmen dort Flüssigkeit aus dem Gewebe auf und schwellen langsam an. 

Im Produktflyer des Herstellers der Dilapan-S-Stäbchen wird damit geworben, dass die Zervixreifung so auf gleich drei Arten angeregt wird:

  • Der Flüssigkeitsentzug macht das Zervixgewebe weicher.
  • Die anschwellenden Stäbchen üben gleichmäßigen und stärker werdenden Druck auf den Gebärmutterhals aus, sodass er sich sanft weitet.
  • Der Druck regt zudem die körpereigene Ausschüttung von Hormonen (Prostaglandine) an, die die Zervix reifen lassen und den natürlichen Geburtsvorgang unterstützen.

Insgesamt können die Dilapan-S-Stäbchen 12 bis 24 Stunden im Körper verbleiben, danach werden sie entfernt. Bei Bedarf kann das Verfahren ein zweites Mal wiederholt werden. 

Aufgrund der Wirkweise der Stäbchen nennt man sie in der Medizin übrigens „hygroskopische“ oder „osmotische Dilatatoren“. 

Was bringt es? Erfolgsquote der Stäbchen-Einleitung

In den aktuellen Leitlinien heißt es: „Zervixdilatatoren können zur Geburtseinleitung bei einem unreifen Zervixbefund verwendet werden“ (DGGG Leitlinien S2k Geburtseinleitung, Stand 09/2025). Es ist jedoch nicht die Rede davon, wie zuverlässig sie wirken. Wichtig zu wissen: 

Zervixdilatatoren, wie die Dilapan-S oder auch Ballonkatheter, zielen in erster Linie auf die Reifung und Öffnung des Muttermunds ab und nicht darauf, geburtswirksame Wehen anzuregen.

Das heißt: Die Methode allein reicht nicht immer aus, um die Geburt auch wirklich in Gang zu setzen. Sie bereitet den Gebärmutterhals jedoch darauf vor und kann die Menge der benötigten Medikamente reduzieren. Dennoch ist in den meisten Fällen der zusätzliche Einsatz von künstlichen Prostaglandinen und Oxytocin notwendig.

Bislang gibt es leider noch keine größeren Studien, die eindeutig zeigen, wie wirksam diese Methode zur Geburtseinleitung am Termin ist. Allerdings war die Stäbchen-Methode bereits Gegenstand mehrerer kleiner Untersuchungen. Dabei zeigte sie sich vor allem als sicheres Verfahren, das keine relevanten Risiken für Mutter oder Kind birgt. 

Aufgrund ihrer ähnlichen Wirkweise – der sanften Dehnung des Gebärmutterhalses – wird die Stäbchen-Methode häufig mit dem Ballonkatheter verglichen. Hinsichtlich der Zervixreifung sowie des mütterlichen und kindlichen Wohlbefindens schneiden beide Verfahren ähnlich ab. Möglicherweise empfinden Frauen das Stäbchen-Verfahren als angenehmer.

Vorteile der Stäbchen-Einleitung

Die Einleitung mit Stäbchen hat mehrere Vorteile: 

  • Einsatz bei unreifer Zervix: Auch, wenn es noch keine natürlichen Geburtsbestrebungen gibt und der Muttermund geschlossen ist, kann Dilapan-S zur Einleitung angewendet werden.
  • Kein oder geringerer Medikamentenbedarf: Die Methode zur Zervixreifung kommt zunächst ohne Medikamente und künstliche Hormone aus. Idealerweise reicht die Dehnung des Gebärmutterhalses allein aus, um eine wirksame Menge körpereigener Hormone freizusetzen, die den Muttermund öffnen und Wehen anregen. Die Methode gilt deshalb als besonders schonend. Sollten Medikamente nötig sein, dann in einer geringeren Menge als ohne vorherige Stäbchen-Einlage.
  • Geringe Risiken und Nebenwirkungen: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das Dilapan-Stäbchen eine Überstimulation der Gebärmutter (und damit Risiken für das Baby) provoziert. Das macht es zu einem sicheren Verfahren für Mutter und Kind.
  • Auch ambulant möglich: In vielen Fällen kann die werdende Mutter nach dem Einlegen des oder der Stäbchen nach Hause gehen und den weiteren Verlauf in vertrauter Umgebung abwarten. 
  • Auch nach Kaiserschnitt möglich: Da die Stäbchen-Einleitung so sanft wirkt, kann sie auch bei Frauen zum Einsatz kommen, die in vorherigen Schwangerschaften per Kaiserschnitt entbunden haben.

Risiken und Nebenwirkungen – gibt es welche?

Wie schon erwähnt ist die Einleitung per Stäbchen ein sicheres Verfahren, das kaum Risiken birgt. Das größte Problem bei der rein medikamentösen Einleitung ist die Gefahr einer Überstimulation der Gebärmutter. Das kann zu heftigen und schnell aufeinanderfolgenden Wehen führen (Wehensturm), die Mutter und Kind belasten können. Beim Dilapan-S brauchst du davor keine Angst zu haben, da eine Überstimulation sehr unwahrscheinlich ist.

Manche Frauen berichten, dass das Einsetzen oder Tragen der Stäbchen mit leichten Blutungen und unangenehmen Gefühlen verbunden sein kann – von Druck bis zu Schmerzen. Manipulationen am Gebärmutterhals sind nie besonders angenehm. In seltenen Fällen kann der Körper beim Einsetzen mit einer kurzen Kreislaufreaktion reagieren, die sich durch Schwindel, Übelkeit oder sogar eine kurze Ohnmacht äußern kann (medizinisch „vasovagale Reaktion“ genannt).

Auch wenn das erschreckend klingen mag: Diese Reaktion klingt in der Regel nach wenigen Minuten vollständig ab. Das Gleiche kann übrigens auch bei anderen Methoden wie dem Einsetzen eines Ballonkatheters oder Zervixpessars passieren. Wichtig zu wissen ist: Nicht jede Frau erlebt solche Beschwerden – viele spüren nur wenig oder beschreiben das Gefühl als „unangenehm, aber auszuhalten“.

Für wen eignet sich Dilapan-S, für wen nicht?

Im Gegensatz zu anderen Einleitungsmethoden gibt es bei Dilapan-S nur ein einziges Ausschlusskriterium: Bei einer bestehenden Infektion im Genitalbereich sollte es nicht angewendet werden. 

Wie sieht es bei einem vorzeitigen Blasensprung aus? Laut Hersteller kann das Dilapan-S-Stäbchen selbst dann sicher angewendet werden. 

Grundsätzlich gibt es auch keine Einschränkungen hinsichtlich des Zeitpunkts der Anwendung. Es kann jedoch sein, dass deine Klinik interne Regelungen zu ihren angebotenen Einleitungsmethoden hat.

Häufige Fragen von Schwangeren zur Einleitung mit Stäbchen

Tut das weh?“
Beim Einsetzen der Stäbchen kann es, wie oben erwähnt, zu einem Druckgefühl kommen, ähnlich wie bei einer gynäkologischen Untersuchung. Manche Frauen empfinden es als sehr unangenehm, andere spüren nur wenig. 

Kann ich währenddessen nach Hause?“
Normalerweise kann mit der Stäbchen-Methode ambulant eingeleitet werden. Liegen keine Risikofaktoren vor, kannst du nach der Einlage in der Regel nach Hause gehen. Nach etwa 12 bis 24 Stunden musst du wieder ins Krankenhaus. Dann werden der Fortschritt kontrolliert und die Stäbchen entfernt.

Was passiert, wenn es nicht wirkt?“
Reicht die Wirkung der Stäbchen allein nicht aus, um den Muttermund ausreichend zu öffnen, wird die Zervixreifung in der Regel durch künstliche Prostaglandine (z. B. Misoprostol) unterstützt. 

Konnten die Stäbchen den Muttermund wirksam öffnen, aber keine Wehen auslösen, wird wahrscheinlich mit einem Oxytocin-Tropf nachgeholfen. Gegebenenfalls können auch erst andere Methoden versucht werden (z. B. Eipollösung).

Ist das für mein Baby sicher?“
Ja. Da zunächst einmal keine Medikamente eingesetzt werden, gilt die Stäbchen-Methode als sehr sicher für dein Baby. Studien zeigen, dass das Risiko für Komplikationen wie eine Überstimulation der Gebärmutter sehr gering ist.

Fazit: Sicher und schonend

Die Stäbchen-Methode (Dilapan-S) ist eine sichere und schonende Möglichkeit, den Muttermund auf die Geburt vorzubereiten. Sie kommt ohne Medikamente aus, birgt nur wenige Nebenwirkungen und kann in vielen Fällen sogar ambulant angewendet werden. 

Auch wenn die Methode nicht immer allein ausreicht, um die Geburt vollständig in Gang zu setzen, erleichtert sie oft die weitere Einleitung und reduziert den Bedarf an zusätzlichen Medikamenten. 

Damit stellt sie für viele Schwangere eine verträgliche Alternative zu klassischen, rein medikamentösen Einleitungsmethoden dar.

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Quellen

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.