Unsere Social Media Redakteurin Isabell möchte ihre Abende zurück. Was sie sich vorgenommen hat und warum, verrät sie dir hier …
Ich habe zwei Töchter – 2 und 5 Jahre alt. Seit fünf Jahren mache ich Einschlafbegleitung. Jeden Abend. Das sind 1.825 Abende singen, summen, brummen, Geschichten erzählen. Immer wieder ‘Lalelu’. Nein, ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Könnte ich noch einmal neu wählen, würde ich die Einschlafbegleitung radikal verändern.
Wir haben um 19 Uhr die Zähne geputzt. Jetzt ist es 20:30 Uhr und eeendlich geht ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Ich hab’s geschafft, lobe ich mich selbst. Ich schleiche auf Zehenspitzen raus, stupse im Dunkeln einen Duplo-Stein an und sie schnellt in die Höhe: „Mamaaa – wo willst du hin?“
Einschlafbegleitung – ein neues Phänomen?
Mit meinen zwei Babys habe ich gekuschelt, bis sie in meinen Armen eingeschlafen sind. Das würde ich auch jedes Mal wieder so machen. Bekäme ich noch mal ein Kind, würde ich die Einschlafbegleitung aber nach dem ersten Babyjahr ausschleichen lassen.
Einige mögen jetzt sagen: ‘Echt?! Sowas würdest du übers Herz bringen? Dein Kind braucht doch deine Nähe!’ In der heutigen Zeit ist die ‘Einschlafbegleitung’ in aller Munde und viele Eltern sprechen sich dafür aus. Die Eltern-Bubble auf Instagram vermittelt das Bild: Einschlafbegleitung ist der einzig richtige Weg.
Doch wie war das in meiner Kindheit? Meine Eltern haben keine Einschlafbegleitung gemacht. Damals existierte dieses trendige Wort nicht einmal. Als ich klein war, aßen wir zusammen Abendbrot, mein Bruder und ich schauten noch eine Folge Sandmännchen oder Biene Maja, dann machten wir uns bettfertig und unsere Eltern lasen uns noch eine Geschichte vor. Danach gab es noch einen Kuss und ein liebevolles „Gute Nacht“. Dann knipsten sie das Licht aus und zogen die Tür hinter sich zu. Und das war vollkommen okay für uns. Ich habe es sogar geliebt, mich einzukuscheln und meinen eigenen Gedanken und Erinnerungen an den Tag nachzuhängen, bis ich friedlich in den Schlaf driftete.
Ich glaube, meine Töchter könnten genauso gut alleine einschlafen, wenn ich sie nicht von Anfang an mit der Einschlafbegleitung geprägt hätte. Sie haben es ja nicht anders kennengelernt und beharren nun mit Schreien und Treten darauf, dass ich es gefälligst weiter mache.
Meine Tränen fließen
Nun will ich aber endlich Schluss machen. Es reicht. Ich habe 1.825 Abende aus vollem Herzen gesungen und erzählt. Gestreichelt und versucht, ruhig zu bleiben, wenn die Kids nicht schlafen wollten. Es gab immer wieder schwierige Phasen. Aktuell stecken wir wieder mittendrin: Mindestens eine Stunde sitze ich im Kinderzimmer und begleite die beiden kleinen Rumpelstilzchen, die immer wieder aus ihren Betten hüpfen, rumlaufen, spielen wollen und „Nein Mama!“ schreien. Die Große ist gerade in der Wackelzahnpubertät. Sie haut und wirft mit Spielzeug, wenn sie etwas soll, was sie nicht will. Sie will keine Zähne putzen und nicht den Schlafanzug anziehen. Sie will malen und basteln. Um 20:30 Uhr. Ich habe wirklich alles gegeben und kein Fitzelchen Energie mehr in mir. Ja, ich habe schon Abende erlebt, die mich so an meine Grenzen geführt haben, dass ich weinen und schreien musste. Zum Beispiel, wenn die Große noch um 21:30 Uhr im Kinderzimmer herumturnt und „blöde Mama“ ruft. An solchen Abenden wurde mir bewusst: Die Einschlafbegleitung muss enden!
Meine bisherigen Entzugsversuche sind allerdings gescheitert. Sobald ich den Raum verlasse, schreien die beiden und laufen hinter mir her. „Mama, komm wieder mit ins Bett!“ Und dann gehe ich doch wieder rein, weil ich ihre Bedürfnisse nicht ignorieren möchte. Und dann gebe ich meinen Plan für ein paar Tage auf, bis ich wieder damit anfange: „Mama geht jetzt noch die Küche aufräumen. Gute Nacht!“ Nun muss ich durchhalten …
Ich glaube, ich habe mir unser abendliches Problem selbst gemacht. Ich wette, dass meine Kinder viel früher auf natürliche Weise alleine eingeschlafen wären. Eine singende und erzählende Mama ist eine Ablenkung vom Schlaf. Da ist ja immer jemand, der weiterhin Entertainment übernimmt. Und jemanden, den man ärgern kann mit Ausrufen wie „blöde Mama!“ Ich glaube, meine Große hätte gar nicht mehr das Bedürfnis, aufzustehen und rumzuturnen, wenn ich nicht da wäre. Ihr Autonomiebestreben wäre gar nicht mehr aktiv.
Warum müssen wir bitte Einschlafbegleitung machen? Weil es uns zu besseren Eltern macht, wenn wir am Bett unseres Kindes völlig erschöpft sitzen, anstatt uns auf dem Sofa vom anstrengenden Tag zu erholen? Sind wir bessere Eltern, wenn wir mehr leiden? Ich finde, wir werden bessere Eltern, wenn wir gut auf uns selbst achten und Energie haben. Dann können wir bei abendlichen Streits auch gelassener bleiben.
Einschlafbegleitung – Entwöhnung in drei Schritten
Wenn ich nochmal ein Kind bekäme, würde ich die Einschlafbegleitung also folgendermaßen gestalten:
- Mein Kind bekommt im ersten Jahr das volle Kuschelprogramm, bis es einschläft.
- Ab dem 1. Geburtstag begleite ich ein Stück. Singe, kuschle und signalisiere dann: Nun ist es Zeit zu schlafen und Mama geht die Küche aufräumen. Wahrscheinlich bräuchte es ein paar Wochen, bis sich mein Kind daran gewöhnt hat.
- Mit spätestens zwei Jahren schläft mein Kind selbstständig ein. Es hat keine Angst, allein im Zimmer zu sein. Es hat keine Ablenkung durch meine Stimme oder Musik. Es kann geistig runterfahren und fühlt sich sicher.
Ich kenne meine Töchter. Ich weiß, dass ich Ihnen mit meiner Entscheidung Gutes tue. Es würde sie abends schneller runterfahren lassen. Und ich schenke meinem Nervensystem genau das, was es jetzt braucht: Entspannen. Loslassen. Ich komme wieder bei mir selbst an. So sind wir alle drei happy. Drückt mir die Daumen, dass die Entwöhnung dieses Mal klappt.
Isabell Schumann (_isabellschumann_), Mutter von 2 Kindern (2 und 5 Jahre)
Redaktionelle Anmerkung
Vielen Dank, liebe Isabell, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Etliche Eltern werden sie nachvollziehen können und drücken dir die Daumen, dass die Entwöhnung diesmal klappt!
Wenn auch du Kleinkinder oder größere Kinder intensiv beim Einschlafen begleitest, fragst du dich eventuell, ob du etwas daran ändern solltest. Doch eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Du kennst deine Kleinen am besten und es gibt Kinder, die Ängste haben oder intensivere Co-Regulation brauchen als andere. Gleichzeitig sind auch die elterlichen Bedürfnisse wichtig und eine Balance zu finden, ist wohl DIE Königsdisziplin schlechthin. Doch sei dir sicher, so wie dir geht es vielen und ein Rezept für alle gibt es einfach nicht.
Wir wünschen allen Eltern und ihren Kindern da draußen das Allerbeste und vor allem: inneren Frieden!







