Eine vertraute Person an der Seite kann den Verlauf der Geburt positiv beeinflussen. Doch was genau kann die Begleitperson während der Geburt wirklich tun? Und was sollte sie lieber vermeiden? Wir fassen die wichtigsten Aufgaben und Regeln für die Geburtsbegleitung zusammen.
Hinweis: Im Text sprechen wir zur Vereinfachung gelegentlich vom „Vater“ – gemeint sind selbstverständlich auch Co-Mütter oder Partnerinnen in gleichgeschlechtlichen Familienkonstellationen. Die Formulierung dient ausschließlich der Lesbarkeit und schließt keine Familienform aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Anwesenheit einer vertrauten Begleitperson gibt der Gebärenden Sicherheit und emotionale Stabilität. Das ist während der Geburt oft wichtiger als jede Massage- oder Atemtechnik.
- Gute Geburtsbegleitung bedeutet hauptsächlich: Ruhe ausstrahlen, flexible Unterstützung bieten, aufmerksam zuhören und respektvoll kommunizieren.
- No-Gos sind Druck, Belehrungen, Witze, Ablenkung durchs Handy oder Stress und Diskussionen
- Väter oder Partnerinnen müssen nicht „perfekt“ sein: Gefühle zeigen, Pausen machen und Unterstützung holen ist erlaubt und wichtig.
- Vorbereitung macht den größten Unterschied: Väter profitieren besonders von speziellen Geburtsvorbereitungskursen, in denen sie Fragen stellen und sich sicherer fühlen können.
Warum die Geburtsbegleitung so wichtig ist
Die Anwesenheit einer vertrauten Person kann hauptsächlich emotional enorm entlastend sein: Sie gibt der Gebärenden das Gefühl von Sicherheit und Unterstützung – ein Halt in einer Situation, die herausfordernd und manchmal überwältigend ist. Eine Begleitperson:
- vermittelt Ruhe und Sicherheit
- unterstützt bei Atmung und Entspannung
- stärkt das Selbstvertrauen der Gebärenden
- hilft bei Entscheidungen und Kommunikation
- schafft eine geschützte, persönliche Atmosphäre
Dabei ist es übrigens egal, ob die Begleitperson der werdende Vater oder der aktuelle Partner oder die aktuelle Partnerin, eine enge Freundin, die Schwester, die Mutter oder eine Doula ist. Wichtiger als die formale Beziehung zueinander ist das Vertrauensverhältnis zwischen der Gebärenden und ihrer Begleitperson.
Muss der Vater bei der Geburt dabei sein?
In den meisten Fällen begleitet der werdende Vater seine Partnerin in den Kreißsaal. Pflicht ist das aber natürlich nicht.
Eine Geburt ist ein intensives, überwältigendes Erlebnis – auch für den Vater, der sich dabei schnell hilflos fühlen oder mit medizinischen Situationen grundsätzlich überfordert sein kann. Deshalb sollte man vorher gemeinsam und ehrlich prüfen, ob seine Anwesenheit im Kreißsaal wirklich sinnvoll ist. Am Ende benötigt die Mutter eine ruhige, kontrollierte Begleitung und keine zusätzliche Sorge um jemanden, der selbst an seine Grenzen kommt. Unter diesen Umständen kann die gemeinsame Entscheidung für eine andere Begleitperson die beste Lösung für alle Beteiligten sein.
Lese-Tipp: So erleben Männer die Geburt ihres Kindes
Seid ihr euch nicht sicher, ob der werdende Vater die Geburt verkraftet, kann eine „Back-up“-Begleitung eine mögliche Lösung sein: Sie kommt mit zum Kreißsaal, wenn es losgeht, und steht zur Ablöse bereit, sollte es dem werdenden Vater zu viel werden.
Emotionale Unterstützung: Der wichtigste Job während der Geburt
Eine der wertvollsten Aufgaben der Begleitperson ist die emotionale Stabilisierung. Eine Geburt ist körperlich wie emotional hochintensiv. Die Frau durchlebt starke körperliche Reaktionen und rasch wechselnde Gefühle von Angst und Anspannung über Hoffnung bis zu Erschöpfung oder Erleichterung. In dieser Ausnahmesituation braucht sie jemanden, der sie ruhig, klar und verlässlich begleitet.
Die Begleitperson kann dabei viel bewirken durch:
- beruhigende und stärkende Worte („Du machst das großartig“)
- liebevollen Blickkontakt
- eine stabile, sichere Ausstrahlung
- Nähe – sei es durch eine Hand zum Festhalten, ein sanftes Streicheln (wenn gewünscht) oder einfach die stille, verlässliche Anwesenheit
Wichtig ist dabei, flexibel zu bleiben. Manchmal sieht die Unterstützung während der Geburt ganz anders aus, als zuvor besprochen oder im Geburtsvorbereitungskurs ‚gelernt‘. Manche wünschen Berührung, andere benötigen Abstand; manche möchten angesprochen werden, andere brauchen Stille. Nicht selten wechseln diese Bedürfnisse im Laufe der Geburt. Die Begleitperson sollte leicht erkennen und respektieren können, was die werdende Mutter gerade braucht und was nicht.
Körperliche Unterstützung: Kleine Handgriffe, große Wirkung
Begleitpersonen können die Gebärende auch körperlich auf einfache, aber wirkungsvolle Weise entlasten. Viele Frauen empfinden Massagen oder leichtes Gegenhalten am Kreuzbein als angenehm, besonders während intensiver Wehen. Auch das feste Drücken der Hände kann dabei helfen, Schmerzspitzen besser auszuhalten.
Eine weitere Möglichkeit der Unterstützung ist eine Atembegleitung. Doch statt Kommandos zu geben, sollte die Begleitperson ruhig mitatmen. Das kann dabei helfen, den Fokus zu halten.
Positionswechsel können den Geburtsverlauf erleichtern. Auch hier spielt die Begleitperson eine wichtige Rolle. In verschiedenen Stellungen kann sie die Gebärende aktiv unterstützen und ihr Halt geben. Mehr darüber erfährst du hier: ➤ Geburtspositionen im Überblick
Auch so einfache Dinge wie das Reichen von Getränken oder einem feuchten, kühlen Tuch können der Gebärenden zwischendurch wichtige Erleichterung verschaffen.
Kommunikative Unterstützung: Anwalt für Mutter und Kind
Während intensiver Wehen fällt es vielen Frauen schwer, ihre Bedürfnisse klar zu äußern. Genau hier übernimmt die Begleitperson eine wichtige kommunikative Rolle. Sie kann an Wünsche aus dem Geburtsplan erinnern und bei Unklarheiten freundlich nachfragen. Ebenso hilft sie dabei, Entscheidungen zu besprechen, etwa in Bezug auf Schmerzmittel, Positionswechsel oder medizinische Maßnahmen.
Bei Missverständnissen oder möglicherweise als übergriffig empfundenem Verhalten durch die Geburtshelfer darf sie behutsam intervenieren, die Situation klären und die Bedürfnisse der Gebärenden respektvoll in den Vordergrund stellen.
No-Gos: Was Begleitpersonen NICHT tun sollten
Manchmal sind es kleine Verhaltensweisen, die sich in sensiblen Situationen wie einer Geburt besonders negativ auswirken können. Deshalb gibt es einige klare No-Gos, die Begleitpersonen unbedingt vermeiden sollten.
Dazu gehören Druck, Belehrungen oder übergriffige Kommentare („Du musst jetzt…“, “Du bist gerade ganz schön laut…”), ebenso wie jegliche Form von Kommandos.
Auch Witze über Schmerzen oder körperliche Prozesse sind unangebracht und können die Gebärende zusätzlich verunsichern.
Genauso wenig hilfreich ist es, die eigene Müdigkeit, Langeweile, Genervtheit oder Unannehmlichkeiten zu betonen, genauso wie der ständige Blick aufs Handy. Selbstverständlich sollten keine Fotos oder Videos gemacht werden, wenn das nicht ausdrücklich und eindeutig von der werdenden Mutter gewünscht ist.
Kurz gesagt: Respekt, Empathie und Zurücknahme sind entscheidend, damit die Gebärende sich sicher und gut unterstützt fühlen kann.
Ebenso wichtig ist aber auch, ehrlich zu sich selbst und zur Partnerin zu sein. Wenn du an deine eigenen Grenzen kommst, dich zum Beispiel Angst oder Ekel übermannen, darfst du sagen, dass du eine Pause brauchst. Väter dürfen während der Geburt auf sich achten, ihre Gefühle zeigen und Pausen machen, wenn sie sie brauchen. Niemand erwartet, dass sie alles wissen oder jederzeit stark sind.
Checkliste für Geburtsbegleitung: Do’s & Don’ts
✔ Do’s – Das solltest du tun
- Ruhe ausstrahlen und emotional unterstützen
- Beruhigende, stärkende und liebevolle Worte
- Mitatmen und beruhigen
- Massagen oder Gegenhalten anbieten
- Getränke, Snacks und Tücher reichen
- Geburtswünsche kommunizieren (dafür musst du mit den Wünschen der Mutter vertraut sein)
- Für eine angenehme Atmosphäre sorgen
- Auf Bedürfnisse flexibel reagieren
- Zuhören und ermutigen
- Medizinische Informationen mit der Gebärenden klären
- Fragen: „Wie kann ich dir gerade helfen?“
✘ Don’ts – Das solltest du vermeiden
- Kommandos oder Belehrungen
- Erwartungen aufdrängen („Du solltest…“)
- Eigene Unsicherheiten auf die Gebärende übertragen
- Witze oder Kommentare über Schmerzen oder Vorgänge
- Ablenkung durch Handy oder Selbstfokus
- Diskussionen, Stress oder Panik im Raum erzeugen
- Fotos/Videos ohne klare Zustimmung
Wichtigster Tipp: Vorbereitung ist ein Muss!
Eine gute Geburtsbegleitung beginnt lange vor dem eigentlichen Geburtstermin. Im Geburtsvorbereitungskurs der betreuenden Hebamme oder der Klinik wird wichtiges Wissen zum Ablauf, den Prozessen, Ausnahmesituationen und Hilfestellungen vermittelt. Leider fühlen sich jedoch viele Väter in den üblichen Paar-Kursen nicht genug angesprochen.
In vielen Regionen werden deshalb mittlerweile spezielle Geburtsvorbereitungskurse für werdende Väter angeboten. Dort fällt es Männern oft leichter, Fragen zu stellen, Unsicherheiten offen anzusprechen und über Ängste zu reden – etwas, was im klassischen Paar-Vorbereitungskurs manchmal zu kurz kommt, da der Fokus dort vorwiegend auf der Frau liegt. In reinen Männer-Kursen fühlen sich Väter mitunter ernster genommen, aktiver einbezogen und besser verstanden.
Hebammen-Tipp: Eine gute Alternative sind auch Online-Geburtsvorbereitungskurse, die sich das Paar in Ruhe und beliebig oft zu Hause anschauen und darüber sprechen kann.
Sich mit der Geburt vertraut zu machen, schafft Sicherheit, sowohl für den Vater selbst als auch für die Mutter. Denn Geburten verlaufen selten exakt nach Plan. Eine gut vorbereitete Begleitperson kann flexibler auf Veränderungen reagieren, medizinische Entscheidungen besonnen begleiten und die Mutter emotional auffangen, wenn Eingriffe nötig werden.
Hier gilt: Anpassen statt festhalten. Die Bedürfnisse der Gebärenden stehen im Mittelpunkt, und je besser der Vater vorbereitet ist, desto verlässlicher und ruhiger kann er diese Rolle ausfüllen.
Fazit: Geburtsbegleitung ist mehr als eine Statistenrolle
Eine Geburt ist eine Ausnahmesituation, in der Vertrauen, Nähe und Unterstützung eine zentrale Rolle spielen. Eine gut vorbereitete und einfühlsame Begleitperson kann der Gebärenden in diesen intensiven Stunden Sicherheit geben, sie emotional stabilisieren und ganz praktisch entlasten. Dabei braucht es weder Heldentum noch perfektes Wissen – entscheidend sind Präsenz, Aufmerksamkeit und der respektvolle Umgang mit den wechselnden Bedürfnissen der Frau.
Wer offen bleibt, Fragen stellt, flexibel reagiert und dabei auch auf sich selbst achtet, schafft die besten Voraussetzungen für eine Geburt, die trotz ihrer Herausforderungen zu einem stärkenden und verbindenden Erlebnis werden kann.
🎧 Podcast: Darum ist Geburtsvorbereitung auch für Väter so wichtig
Der sechsfache Vater Frederik Grun hat mit Pierce Vaughn einen Online-Geburtsvorbereitungskurs im Serienformat speziell für Väter entwickelt, damit Männer die körperlichen und emotionalen Veränderungen besser verstehen und gut auf Geburt und Familienleben vorbereitet sind.
Quellen
- Schmid-Altringer, S.: Die vergessenen Väter. In: Deutsche Hebammen Zeitschrift, 12/2019. https://staudeverlag.de/die-vergessenen-vaeter/ (abgerufen am 28.11.2025)
- Nelles, H.-G. et al.: Aktive Vaterschaft von Anfang an. In: Deutsche Hebammen Zeitschrift, 03/2022. https://staudeverlag.de/aktive-vaterschaft-von-anfang-an/ (abgerufen am 28.11.2025)
- BZgA: Mann wird Vater. Informationen für werdende Väter zur Geburt. https://www.mhh.de/fileadmin/mhh/gleichstellung/Dateien/Audit___Familienportal/Mann_wird_Vater-_2017_BZgA.pdf (abgerufen am 28.11.2025)
- Today’s Parents: I didn’t want my husband in the delivery room. https://www.todaysparent.com/pregnancy/giving-birth/i-didnt-want-my-husband-in-the-delivery-room/ (abgerufen am 28.11.2025)
- Familienportal NRW: Hebammentipps für Väter. https://www.familienportal.nrw/de/aktive-vaterschaft/hebammentipps-fuer-vaeter (abgerufen am 28.11.2025)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Väter und Co-Mütter: Bei der Geburt dabei sein. https://www.familienplanung.de/geburt/rund-um-die-geburt/vaeter-und-co-muetter-bei-der-geburt-dabei-sein/ (abgerufen am 28.11.2025)














