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Geburtsfotografie: Bilder von dem Tag, der alles verändert

Graustufen-Foto eines Neugeborenen in den Händen seiner Eltern nach der Geburt in der Geburtswanne
Emotionale Momente festhalten, wie Babys erste Momente auf dieser Welt, das ist das Ziel der Geburtsfotografie. / Bild © IdeaBug, Inc. , Adobe Stock

Eine Geburt ist einer der intensivsten Momente im Leben. Sie ist körperlich, emotional und oft ganz anders, als man sie sich vorher vorgestellt hat. Genau deshalb ist Geburtsfotografie für viele Schwangere zunächst ein ungewohnter Gedanke. Noch eine Person im Raum? Eine Kamera während der Geburt? Für manche klingt das sofort stimmig, für andere erst einmal undenkbar.

„Oh mein Gott, das könnte ich nie!“

Diesen Satz hört die Familien- und Geburtsfotografin Léa Tas – Mama & du Fotografie häufig, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Dass viele Schwangere zunächst zurückschrecken, kann sie gut verstehen: „Die Geburt ist ein absolut heiliger und einmaliger Moment, in dem man sich von seiner verletzlichsten Seite zeigt und Kontrolle abgeben muss.“ Professionelle Fotos in diesem Setting? Für viele fühlt sich das im ersten Moment zu intim an.

Doch neben der Unsicherheit entsteht oft auch Neugier – und die Frage, ob ohne solche Bilder vielleicht etwas Unersetzliches verloren geht: die festgehaltene Erinnerung an den Moment, in dem das eigene Kind geboren wird.

Worum geht es bei Geburtsfotografie?

Geburtsfotografie dokumentiert nicht in erster Linie den medizinischen Ablauf einer Geburt. Die Geburtsfotografie dokumentiert nicht die medizinischen Details. Im Mittelpunkt stehen die emotional bedeutsamen Momente, die später in der Erinnerung leicht verschwimmen: das Warten, die Nähe, die Unterstützung, das Ankommen des Babys, das erste Halten und das erste Bonding.

Während der Geburt ist man oft so sehr im Geschehen, dass man sich später nur bruchstückhaft erinnert. Geburtsfotos können helfen, diesen besonderen Tag noch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Ist das nicht zu intim?

Doch, Geburtsfotografie ist intim. Und genau deshalb ist Scham eine der häufigsten Hürden, wenn Schwangere darüber nachdenken, ihre Geburt fotografisch begleiten zu lassen. Schließlich ist eine Geburt kein inszenierter Moment, sondern körperlich und sehr persönlich.

Umso wichtiger ist, dass die Kontrolle immer bei der Gebärenden bleibt. Sie entscheidet, was festgehalten wird und was nicht. Manche Frauen wünschen sich nur Detailaufnahmen von Gesichtern, Händen, dem Raum oder dem Baby. Andere möchten auch kraftvolle, körperliche Bilder. 

Eine professionelle Begleitung sollte sich niemals wie eine Verpflichtung anfühlen. Léa Tas macht deshalb schon im Vorgespräch klar, dass sich die Frau jederzeit umentscheiden kann – vor der Geburt oder währenddessen:

„Eine gute Fotografin oder ein guter Fotograf hält sich im Hintergrund, fotografiert leise, greift nicht ein und verlässt den Raum, wenn es gewünscht ist. Diese Freiheit nimmt Druck heraus. Denn eine Geburt braucht vor allem eines: Sicherheit.”

Für wen ist Geburtsfotografie geeignet?

Geburtsfotografie kann für Frauen passend sein, die sich eine echte, emotionale Erinnerung an die Geburt wünschen. Gerade weil eine Geburt so intensiv ist, erinnern sich viele Frauen später nur an einzelne Phasen. Bilder können helfen, Lücken zu schließen und das Erlebte behutsam einzuordnen.

Nicht geeignet ist Geburtsfotografie, wenn der Gedanke daran dauerhaft belastet. Wer sich durch eine Kamera beobachtet, gehemmt oder unter Druck gesetzt fühlt, sollte dieses Gefühl ernst nehmen. Unter der Geburt muss man sich fallen lassen können. Wenn eine fotografische Begleitung dem im Weg steht, ist ein Nein vollkommen richtig.

Wie läuft eine fotografische Geburtsbegleitung ab?

Geburtsfotografie beginnt lange vor dem Geburtstermin. Jede Fotografin und jeder Fotograf arbeitet etwas anders – bei Léa Tas sieht eine Begleitung zum Beispiel so aus:

Am Anfang steht ein Kennenlerngespräch: Passt die Chemie? Fühlt sich die Schwangere wohl? Kann sie sich vorstellen, diese Person bei der Geburt dabeizuhaben? Für Léa Tas ist dieses Vertrauen entscheidend, damit sich die Gebärende wirklich fallen lassen kann.

Im Vorgespräch werden anschließend konkrete Absprachen getroffen: Was darf fotografiert werden, was nicht? Wer darf auf den Bildern zu sehen sein? Wann soll die Fotografin den Raum verlassen? Auch Unsicherheiten werden besprochen – etwa, was passiert, wenn sich während der Geburt Wünsche oder Grenzen verändern.

Kurz vor dem errechneten Termin kann ein weiteres Gespräch sinnvoll sein, um noch einmal nachzuspüren: Gibt es neue Fragen, Zweifel oder Wünsche?

Dazu kommt die Abrufbereitschaft. Bei Léa Tas beginnt sie etwa zwei Wochen vor dem errechneten Termin und endet ungefähr eine Woche danach. In dieser Zeit ist sie auch nachts erreichbar.

Nach der Geburt verabschiedet sich die Fotografin meist nach dem ersten Anlegen und der ersten Untersuchung. Eltern und Kind bekommen dann Zeit und Raum fürs Ankommen. Ein Nachgespräch folgt, wenn die Familie bereit dafür ist.

Was muss mit Klinik, Geburtshaus oder Hebamme geklärt werden?

Nicht jeder Geburtsort erlaubt eine fotografische Begleitung. Manche Kliniken oder Geburtshäuser sind offen dafür, arbeiten sogar mit konkreten Anbietern zusammen. Andere setzen klare Grenzen, etwa bei Notfällen, im OP oder wenn das geburtshilfliche Team nicht mit dieser Art der Dokumentation einverstanden ist.

Deshalb sollte frühzeitig geklärt werden: 

  • Ist eine Geburtsfotografin am gewählten Geburtsort erlaubt? 
  • Welche Regeln gelten im Kreißsaal, Geburtshaus oder OP? 
  • Wie steht das betreuende Team dazu? 
  • Was passiert bei Komplikationen oder einem Kaiserschnitt? 
  • Und wer entscheidet im Zweifel, ob die Fotografin bleiben darf?

In medizinischen Situationen gilt immer: Die Versorgung von Mutter und Kind hat Vorrang. Wenn das Team entscheidet, dass die Fotografin den Raum verlassen soll, müssen Eltern und Fotografin das respektieren.

Kann auch ein Kaiserschnitt fotografiert werden?

Grundsätzlich ja – wenn Klinik, OP-Team und Eltern einverstanden sind. Im OP gelten jedoch oft strengere Regeln als im Kreißsaal oder Geburtshaus. Wer einen Kaiserschnitt plant oder weiß, dass eine Sectio möglich sein könnte, sollte frühzeitig mit der Klinik klären, ob eine fotografische Begleitung erlaubt ist.

Was kostet Geburtsfotografie?

Die Kosten für Geburtsfotografie können deutlich höher sein als bei einem klassischen Shooting. Das liegt vor allem an der Rufbereitschaft. Eine Fotografin blockt rund um den Geburtstermin mehrere Wochen, hält sich erreichbar, plant private Termine anders und muss jederzeit losfahren können, auch nachts, am Wochenende oder an Feiertagen.

Dazu kommt, dass die Dauer einer Geburt nicht planbar ist. Manchmal ist eine Begleitung kurz, manchmal dauert sie viele Stunden. Auch Vorbereitung, Nachgespräch, Bildauswahl, Bearbeitung und sichere Übergabe der Fotos gehören zur Arbeit dazu.

Deshalb lohnt es sich, genau nachzufragen: Was ist im Preis enthalten? Gibt es eine Backup-Lösung, falls die Fotografin krank wird oder es nicht rechtzeitig schafft?

Was passiert mit den Fotos danach?

Die Fotos einer Geburt sind sehr privat. Deshalb sollte vorab schriftlich geklärt werden, wer sie sehen darf und wofür sie genutzt werden. Eine Veröffentlichung – etwa auf der Website oder in sozialen Medien – sollte nur mit ausdrücklicher Zustimmung erfolgen. Auch die Übergabe der Bilder sollte besprochen werden: Gibt es eine geschützte Galerie? Wann kommen die Fotos? Sind Abzüge oder ein Fotobuch möglich?

Worauf sollte man bei der Auswahl der fotografischen Begleitung achten?

Wer über Geburtsfotografie nachdenkt, sollte nicht nur auf schöne Bilder im Portfolio achten. Mindestens genauso wichtig sind Erfahrung, Haltung und Kommunikation.

Eine passende Fotografin oder ein passender Fotograf sollte Erfahrung mit sensiblen Situationen haben, ruhig auftreten, klare Vorgespräche anbieten und Grenzen ernst nehmen. Wichtig sind außerdem transparente Informationen zu Rufbereitschaft, Ablauf, Kosten, Datenschutz, Bildrechten und möglichen Ausnahmesituationen.

Besonders entscheidend ist das Vertrauensverhältnis. Die Person muss zur Frau beziehungsweise zum Paar passen – menschlich, emotional und fachlich. Léa Tas formuliert es sehr klar:

„Es muss „zu 100 Prozent matchen. Ohne dieses Gefühl sollte keine Geburtsbegleitung stattfinden.“

Anmerkung der Redaktion: Wir danken Léa Tas herzlich für das Gespräch, die fachliche Unterstützung sowie die Bereitstellung der Fotos.

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6b4e11bbba5946c0ac3ac9abe19ab142 - Geburtsfotografie: Bilder von dem Tag, der alles verändert
Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.