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Wie bleibe ich geduldig, auch wenn ich innerlich koche?

Vater mit zwei Kleinkindern ist wütend.
Geduldig bleiben, wenn man innerlich kocht? Das ist nicht so utopisch, wie du vielleicht denkst… / Bild © astrosystem, Adobe Stock.

Wo (Eltern-Kind-)Liebe ist, kommt es auch zu Reibung. Die größte Herausforderung dabei? Geduldig zu bleiben, auch wenn du innerlich bereits kochst! Wir erklären, wie es möglich sein kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Es ist normal und menschlich, dass dein Kleinkind dich gelegentlich auf die Palme bringt.
  • Dein Kind lernt durch dich, wie man mit diesen Gefühlen konstruktiv umgeht. Es lernt: Alle Gefühle sind okay – aber nicht jede Reaktion ist es!
  • Gelegentliche Wutausbrüche von Eltern sind nicht das Problem – wichtig ist das Bewusstsein sowie die Reflexion und Erklärung danach.
  • Selbstregulation ist erlernbar: durch Selbstreflexion, Atemübungen und kleine Pausen.
  • Es geht nicht um Perfektion – sondern um Bewusstsein und Verbindung.

Wichtig: Die Rubrik “Das Wichtigste in Kürze” ist nur ein Überblick. Sie kann niemals die Komplexität von Themen widerspiegeln. Themen im Kleinkindalter sollten immer individuell und ganzheitlich betrachtet werden. Wir möchten dich daher dazu ermutigen, dir den ganzen Artikel durchzulesen, für alle Infos zu diesem Thema.

Das Beispiel: Du musst dringend los zur Arbeit und das Kind will partout alle seine Kuscheltiere mit in die Kita nehmen. Ihr wolltet eigentlich schon vor 45 Minuten in der Kita sein. Du bist kurz davor, die Geduld zu verlieren und kochst innerlich.

Reibung ist normal – und sogar wichtig!

Dein Kleinkind hat einen eigenen Kopf, eigene Bedürfnisse, Wünsche und Interessen. Gerade in der Autonomiephase (beginnt zwischen 1 und 3 Jahren) ist es sogar sehr gesund, wenn es diese äußert – auch wenn das zu Reibung und Konflikten zwischen euch führen sollte.

Du kochst innerlich? –  Das ist menschlich & erklärbar!

Job, Haushalt, familiäre Verpflichtungen, Zeitdruck: Dass du da als Elternteil manchmal an deine Geduldsgrenze kommst, ist verständlich und menschlich.

Vor deinem Kind zu platzen ist nicht per se „schlecht“. Du bist ein Mensch – und dein Kind darf genau das lernen: Auch Erwachsene kommen mal an ihre Grenzen. Wichtig ist, dass du die Situation (im Nachgang) kindgerecht erklärst:

„Ich bin gerade gestresst. Das liegt nicht an dir. Meine Gefühle sind grad sehr intensiv in mir.”

So lernt dein Kind: Alle Gefühle sind okay und haben nichts mit deiner Liebe zu ihm zu tun. Nicht jede Reaktion ist okay, aber manchmal auszuflippen gehört auch dazu, wenn man dabei niemanden verletzt und sich im Nachhinein entschuldigt. 

Dein Kind erlebt an deinem Beispiel, wie man Verantwortung übernimmt.

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DEINE Tools für mehr Geduld in Stress-Situationen

Eine mögliche Hilfe? Finde dein Beruhigungs-Ritual. Was hilft dir, um in kürzester Zeit wirklich bei dir zu bleiben? 

Was wir dir empfehlen können, für diese Akut-Situationen:

  • Eine kurze Atemübung, Beispiel: 5 tiefe, bewusste Atemzüge nehmen.
  • Zählen: vorwärts, rückwärts, in Dreierschritten…
  • Mit dem Kind zusammen dein Lieblingslied anhören.
  • Raus aus der Wut: Das Fenster öffnen und kurz den Blick schweifen lassen und Bäume oder Autos zählen.
  • Dir selbst eine lange Selbstumarmung schenken und dann dein Kind umarmen.

Finde dein persönliches Tool – und baue es bewusst in diese Situation ein, selbst wenn es nur wenige Sekunden sind.

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Beispiel: Das Kind geduldig begleiten, auch wenn du kochst.

Zurück zu unserem Beispiel: Du musst dringend los zur Arbeit und das Kind will partout alle seine Kuscheltiere mit in die Kita nehmen. Ihr wolltet eigentlich schon vor 45 Minuten in der Kita sein. Du bist kurz davor, die Geduld zu verlieren und kochst innerlich. 

  • Du bist kurz davor, die Geduld zu verlieren und dein Kind anzuschreien. 
  • Du atmest tief durch und entscheidest dich bewusst für einen anderen Umgang mit der Situation. 
  • Vielleicht sagst du deinem Kind: „Ich bin gerade gestresst und brauche kurz einen Moment.“
  • Du nutzt ggf. eines der oben genannten Tools, um dich mit dir selbst zu verbinden. 
  • Du schlägst einen Kompromiss vor: So gibst du eine liebevolle Grenze vor und lässt dein Kind dennoch mitbestimmen. Hilfreich ist hier immer das 2-Optionen-Prinzip. Beispiel: “Wir müssen jetzt los. Du musst in die Kita und ich zur Arbeit. Wir haben keine Zeit mehr. Du kannst 1 Kuscheltier mit in die Kita nehmen, nicht alle. Schau mal, möchtest du lieber den rosa Elefanten oder das blaue Kaninchen? Du darfst entscheiden.”

So bleibst du nicht nur in Verbindung mit dir, sondern auch mit deinem Kind.

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SOS: Vielleicht kann dir unser Podcast Abhilfe schaffen?

Kennst du schon unseren “babelli Meditationen” Podcast? Hier findest du kleine Meditationen für kurze Auszeiten im Alltag, die für genau solche Situation hilfreich sein können.

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Der erste Schritt für mehr Geduld: Selbstbegegnung!

Gerade als Elternteil brauchst du Kraft, Ruhe und Geduld – und das ist nicht immer verfügbar. Deshalb ist es entscheidend, dass du weißt:

  • Was bringt mich so richtig auf die Palme und warum?
  • Woran erkenne ich, dass ich kurz vorm Explodieren bin?
  • Wie kann ich mich in diesen Momenten selbst wieder beruhigen? 
  • Wie kann ich mich selbst erinnern: “Mein Kind kann nichts dafür, dass es mich mit seinem Verhalten aufregt. Es sind eher die Umstände, die hier zusammenkommen.”

Allein die Tatsache, dass du es merkst, ist der erste Schritt. In dem kleinen Raum zwischen Reiz und Reaktion liegt dein Handlungsspielraum, es anders zu machen.

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Fazit: Sei authentisch, ehrlich & nimm dein Kind mit!

Du bist ein Mensch – keine Maschine. Immerzu geduldig zu sein, wäre unrealistisch. 

Allein, dass du diesen Artikel liest, zeigt: Du willst bewusster mit deinem Kind umgehen. Das ist der erste und wichtigste Schritt.

Denn Veränderung entsteht dort, wo Bewusstsein da ist. Du machst das wundervoll – und dein Kind darf genau das sehen. Wenn du ihm bewusst begegnest und es kindgerecht einbindest, lebst du ihm genau das vor. 

Und bist ihm damit das beste Vorbild, was es sich wünschen kann.

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Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.