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Intimität in der Babyzeit neu gedacht

Elternpaar umarmt sich still auf der COuch
Absichtslose Umarmungen lassen euch in stressigen Zeiten nah fühlen. / Bild © LIGHTFIELD STUDIOS, Adobe Stock

Unsere Umfrage unter babelli-Leserinnen ergab, dass die große Mehrheit der Frauen keine Lust auf Sex im ersten Babyjahr hatte. Viele von ihnen fühlten sich dennoch dazu verpflichtet. Falls es euch auch so geht, hilft vielleicht eine neue Sichtweise auf Intimität. Denn auch ohne Sex kann Nähe entstehen, die allen guttut.

In der Babyzeit kann es zu einem großen hormonellen Ungleichgewicht bei den Eltern kommen. Die primäre Kümmerperson – oft die stillende Mutter – ist mit Kuschelhormonen gesättigt, während der andere Elternteil zu wenig davon bekommt. Auch andere Hormone und Stress verhindern lustvolle Gedanken und Gefühle bei den meisten Frauen. Unlust in der Babyzeit ist also normal.

Die logische Folge: Einer möchte Sex, während der andere froh ist, mal nicht berührt zu werden. 

Tiermütter beißen aufdringliche Bewerber notgedrungen weg. Wir Menschen dürfen es anders lösen. 

Wie wäre es mit diesem Ansatz, der Raum und Zeit für Heilung lässt und Frauen nicht unnötig unter Druck setzt? Denn sei dir gewiss, irgendwann entsteht bei den allermeisten die Lust ganz natürlich neu.

Nähe statt Sex: Unsere Tipps

13 Tipps, die Nähe und Intimität schaffen und den Druck rausnehmen. Denn Sex zu haben, ohne es eigentlich zu wollen, kann und sollte nicht der Weg sein und hinterlässt auch beim anderen ein schales Gefühl. Probiert es stattdessen vielleicht lieber so.

1. Zuhören und sich Zeit nehmen

„Ich verstehe dich.“
Sich Zeit zu nehmen, um über Gefühle, Sorgen oder kleine Freuden zu sprechen, schafft emotionale Nähe. In Ruhe und Geduld ganz bewusst beim Anderen sein. 

Ihr könntet etwa probieren, dass jeder von euch mal 5 bis 10 Minuten Gedanken und Gefühle ausspricht und der andere nur zuhört, ohne darauf unmittelbar zu reagieren. Danach könnt ihr wechseln.

2. Liebevolle Blicke

„Ich sehe dich.“
Gerade im Trubel der Babyzeit sagen tiefe Blicke oft mehr als tausend Worte.

3. Berührungen und Umarmungen im Alltag

„Ich spüre dich.“
Eine Hand auf dem Rücken, ein Streicheln beim Vorbeigehen, in den Arm nehmen: Sanfte Berührungen verbinden, auch wenn keine Zeit und/oder Kraft für mehr bleibt. Und sie schütten Kuschelhormone aus. Wichtig ist, dass sie nicht in sexueller Absicht geschehen und dass es nicht schlimm ist, wenn einer nicht kuscheln mag, weil er oder sie sich „overtouched“ fühlt.

4. Gemeinsames Schweigen

„Mit dir ist Ruhe am schönsten.“
Manchmal bedeutet Nähe, einfach nebeneinander zu sitzen – ohne reden zu müssen.

5. Zeit zu zweit

„Du bist mir wichtig.“
Ein kurzer Moment voller Aufmerksamkeit für den anderen, ohne Baby, ohne To-do-Liste.

6. Bewusst Entspannung geben

„Ich helfe dir, dich selbst zu spüren.“
Ob Rückenmassage oder etwas anderes – Entspannung heilt und verbindet euch.

7. Einander Raum schenken

„Ich gönne dir Zeit für dich.“
Freiheit und Verständnis füreinander fördern Nähe ganz ohne Klammern und ohne Erwartungen. Je gerechter die Care-Arbeit aufgeteilt wird, desto mehr Zeit bekommt auch der überkuschelte Partner zum Durchatmen und sich-selbst-Sortieren. Und je mehr Hautkontakt der andere mit dem Baby hat, desto mehr Kuschelhormone bildet er und desto weniger fühlt er sich ausgegrenzt. Papas können natürlich nicht stillen. Aber sie können mit ihrem Baby kuscheln, es dich an der Brust tragen und wickeln, mit ihm spielen und spazieren gehen. 

8. Zusammen lachen

„Mit dir fühle ich mich leicht.“
Über Chaos, Müdigkeit oder die verrückten Seiten des Elternseins gemeinsam lachen, um den Druck rauszunehmen.

9. Dankbarkeit zeigen

„Ich sehe, was du leistest.“
Wertschätzung schafft emotionale Nähe und die ist gerade im Alltag mit Baby oft wichtiger als Romantik.

10. Erinnerungen teilen

„Schau, was wir zusammen erlebt haben.“
Gemeinsam Babyfotos anzuschauen oder alte Geschichten zu erzählen, stärkt das Wir-Gefühl.

11. Kleine Rituale pflegen

„Das ist uns gemeinsam wichtig.“
Morgens gemeinsam Kaffee trinken, abends ein kurzes Kuscheln im Bett. Rituale geben Halt und schaffen auch im größten Babychaos Nähe.

12. Einander emotional halten

„Ich bin immer für dich da.“
Einander Trost spenden, wenn die Kräfte nachlassen. Denn Nähe entsteht oft dort, wo Schwäche sein darf und der andere einfach „da“ ist.

13. Erwartungen loslassen

„Du bist gut, wie du bist.“
Liebe darf auch müde und ungeduscht sein, und Intimität beginnt oft mit Selbstmitgefühl, Akzeptanz für sich und den anderen.

Große Lust auf Sex, was tun?

Jedes Paar, jeder Mensch ist anders. Wenn einem der Elternteile diese Form von Intimität nicht ausreicht, müssen andere, machbare Lösungen her. Denn aufgestauter Frust tut keiner Beziehung gut und Sex hat bei manchen Menschen einen hohen Stellenwert. Vielleicht ist exzessiver Sport übergangsweise ein hilfreicher Kanal, um das überschießende Feuer auszugleichen. Auch Selbstbefriedigung oder Sex-Toys und andere Hilfsmittel wären denkbar. Gut ist, wenn ihr darüber im Gespräch bleiben könnt, damit sich niemand übergangen fühlt. Noch besser, wenn ihr schon in der Schwangerschaft darüber sprecht, was sein kann, auch wenn niemand sicher weiß, wie es bei euch letztlich kommen wird.

Und wenn ihr dann doch mehr wollt, genießt es!

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✔ Inhaltlich geprüft am 15.08.2025
Dieser Artikel wurde von Christine Müller geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.