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So bereitest du dein Kind auf eine Impfung vor

Kleinkind bekommt Impfung, während es bei Mutter auf Schoß sitzt.
Wie bereite ich mein Baby oder Kleinkind gut auf eine Impfung vor? / Bild © Prostock-studio, Adobe Stock.

Impfungen sind notwendig, um dein Kind vor potenziell lebensbedrohlichen (Infektions-)Krankheiten zu schützen. Doch wie bereitet man ein Baby oder Kleinkind eigentlich darauf vor? Wir zeigen, wie’s achtsam und liebevoll möglich ist!

Das Wichtigste in Kürze

  • Informiere dich selbst mit seriösen Quellen über die jeweils anstehende Impfung.
  • Erkläre dem Kind, was bei der Impfung passieren wird. Ja, auch schon dem Baby.
  • Jegliche Handlungen am Körper deines Kindes sollten ihm immer sprachlich erklärt werden, selbst wenn es das (noch) nicht inhaltlich versteht. So zeigst du deinem Kind von Anfang an, dass du die Privatsphäre und Schutz seines Körpers wahrst.
  • Nutze kindgerechte, kurze Erklärungen und sprich die bevorstehende Impfung ein paar Tage vorher zuhause erstmalig an. So kann sich dein Kind gut darauf vorbereiten.
  • Vermeide eine übertriebene Angst und Panik. Dein Baby oder Kleinkind könnte es spüren und übernehmen.
  • Besprich vorab mit der Kinderarztpraxis, welche Ablenkungstechniken sie nutzen. Unten findest du ergänzende Ideen.
  • Danach: Unternehme etwas Schönes mit dem Kind, wobei es sich sicher, frei und geborgen fühlt.
  • Nachbereitung: Sprich mit deinem Kleinkind über die Erfahrung.

Wichtig: Die Rubrik “Das Wichtigste in Kürze” ist nur ein Überblick. Sie kann niemals die Komplexität von Themen widerspiegeln. Themen sollten immer individuell und ganzheitlich betrachtet werden. Wir möchten dich daher dazu ermutigen, dir den ganzen Artikel durchzulesen, für alle Infos zu diesem Thema.

Die Vorbereitung: Von dir selbst

Wenn bei deinem Baby oder Kleinkind eine Impfung ansteht, ist das nicht nur für dein Kind eine große Sache, sondern auch für dich. Umso wichtiger, dass du dich vorab bei seriösen Quellen über die anstehende Impfung informierst und dich von der Kinderarztpraxis gut beraten lässt. Sie haben die besten Erfahrungswerte. 

Denn je mehr Sicherheit du für dich selbst hast, desto mehr Sicherheit kannst du auch auf dein Kind übertragen. 

Kinder haben feine Antennen für die Stimmung ihrer Eltern. Spürt dein Kind, dass du ruhig an die Sache ran gehst, wird es die Impfsituation womöglich weniger aufgeregt oder unangenehm wahrnehmen.

Die Kinderarztpraxis vorab einbinden

Wenn möglich, kontaktiere vorab die Kinderarztpraxis und erfrage:

  • Gibt es dort bewährte Ablenkungsstrategien von Babys und Kleinkindern während einer Impfung?
  • Wie wird die Impfung konkret ablaufen?

Unsere Empfehlung: Meist hilft es, wenn du während der Impfung mit deinem Kind sprichst, während das medizinische Fachpersonal die Spritze setzt. Bleibe dabei möglichst ruhig und unaufgeregt. Ideen dazu findest du weiter unten.

Wichtig: Jede körperliche Handlung am Körper des Kindes sollte immer angekündigt und begleitet werden.

Gutes Fachpersonal einer Kinderarztpraxis sagt dem Kind zum Beispiel so etwas, wie: „Jetzt spritze ich dir mit dieser Spritze hier dort in deine Haut. Es piekst kurz und dann ist es vorbei.“

Dein Baby vorbereiten – ja, das ist wichtig!

Auch wenn dein Baby inhaltlich noch nicht versteht, was du sagst, nimmt es deine Tonlage und deine Energie wahr. Es spürt, dass du etwas ankündigst und vorbereitest. Und das ist, was zählt.

Schließlich wird eine Handlung an seinem Körper vorgenommen. Darauf sollte es vorbereitet werden, damit es sich weiterhin sicher und geborgen fühlt.

Je regelmäßiger du dein Baby sprachlich mitnimmst und auf Unbekanntes vorbereitest, desto besser kann es im Laufe seiner Entwicklung verstehen: „Mama/Papa sind da und begleiten mich. Ich bin sicher und geborgen, auch wenn ich das, was jetzt kommt, noch nicht kenne oder wenn es unangenehm ist.”

Das Kleinkind frühzeitig abholen und begleiten

Im Kleinkindalter zwischen ein und drei Jahren versteht dein Kind möglicherweise schon, was „Kinderarztpraxis“ oder „Spritze“ bedeutet. Dennoch solltest du es auf jede Impfung weiterhin sprachlich vorbereiten. 

Denn auch hier gilt: Es wird etwas an seinem Körper vorgenommen. Es muss also altersgerecht abgeholt und darüber informiert werden. Sprich hier in kurzen, liebevollen und klaren Sätzen, die Sicherheit, Geborgenheit und deine Verantwortung als Elternteil vermitteln:

  • „Wir fahren heute zur Kinderärztin.”
  • “Dort bekommst du eine Impfung.”
  • “Die Ärztin gibt dir eine Spritze, wo die Impfung drin ist.”
  • “Die Spritze piekst kurz, aber dann ist es auch schon vorbei.”
  • “Sie hilft deinem Körper, gesund zu bleiben.”
  • “Ich bin immer bei dir während der Impfung.” 
  • “Dir kann nichts passieren, auch wenn es weh tun sollte.”

Tipp: Sprich etwa drei Tage vor dem Impftermin zum ersten Mal mit deinem Kleinkind darüber. Wiederhole es dann täglich bis zum Termin. Und zwar ruhig, wertfrei und natürlich.

Tipps: Ablenkungsmanöver während der Impfung

Vorab: Du kennst dein Kind am besten, weißt, welche Worte es von dir in schwierigen Momenten braucht und was in manchen Momenten auch ablenken könnte. Wie oben bereits beschrieben hat die Kinderarztpraxis möglicherweise ebenfalls bewährte Strategien für Impfungen.

Hier findest du zusätzliche Beispiele, was du in den Momenten tun oder sagen kannst, wenn die Kinderärztin die Spritze ansetzt:

  • Körperliche Nähe: Hand halten, Präsent sein, wachsam beobachten, Ruhe ausstrahlen (deine Körpersprache ist sehr wichtig fürs Kind)
  • Offene Fragen: “Möchtest du, dass ich dich währenddessen festhalte?” oder “Möchtest du hinschauen, wenn die Ärztin dir die Spritze setzt? Oder lieber wegschauen?”
  • Ablenkungsmanöver: “Schau man an der Wand die Zeichnung ist das etwa ein Elefant? Was macht der denn da? Hat der einen Ballon?”
  • Ablenkungsmanöver über Fragen: “Weißt du, was wir heute Nachmittag machen? Hab ich dir schon gesagt, dass Tante Lisa vorbei schaut?”

Nachbereitung: Was braucht dein Kind nach der Impfung?

Wie dein Kind die Impfung erlebt hat, hängt von vielen Faktoren ab. Vielleicht war es ganz unproblematisch, vielleicht gab es auch Tränen oder Unsicherheit.

Stelle danach offene Fragen, wie:

  • “Hat es wehgetan, als die Spritze kam?“
  • „Hast du es gespürt, als die Ärztin dir die Impfung gegeben hat?“

Du kannst auch Sätze anbieten und schauen, wie dein Kind darauf reagiert:

  • „Impfungen pieksen kurz, aber sie schützen uns vor Krankheiten.”
  • “Spritzen pieksen und das ist wirklich unangenehm. Aber es gehört dazu. Du hast das toll gemacht, mein Schatz.“

Nach der Impfung macht es Sinn, etwas Schönes mit dem Kind zu unternehmen, wo es sich sicher und frei fühlt. Vor allem, wenn die Impfung unangenehmer war, als gedacht.

Ihr könntet zum Beispiel danach zusammen auf den Spielplatz gehen oder zuhause sein Lieblingsspiel spielen.

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Wenn etwas nicht gut lief

Wenn du das Gefühl hast, dass ihr nicht gut begleitet wurdet, sich dein Kind unwohl gefühlt hat oder du selbst unsicher warst, nimm es ernst. Denn dein Kind spürt sofort, ob du den Erwachsenen im Raum vertraust oder nicht. Und wenn seine Intuition “Nein” sagt, zeigt es das ebenso. Euer Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ist das Wichtigste.

Manche Kinderarztpraxen sind im Umgang mit Kindern besonders feinfühlig, andere weniger. Wenn du dich dauerhaft unwohl fühlst oder die Erfahrung für dein Kind belastend war, zögere nicht, die Kinderarztpraxis zu wechseln. Medizinische Übergriffigkeit (körperlich oder emotional) sollte immer angesprochen werden, wenn du den Eindruck hast, etwas war „zu viel“.

Fazit

Impfungen gehören zum Leben dazu, um uns vor Krankheiten zu schützen. Aber die Art und Weise, wie sie erlebt werden, prägt das Kind nachhaltig.

Du darfst und solltest bei der Kinderarztpraxis die Vorgehensweise bei Impfungen immer hinterfragen und euer Erlebtes reflektieren.

Mit einer liebevollen, ruhigen Vorbereitung und Begleitung des Babys oder Kleinkindes, vermittelst du: „Du bist sicher. Was jetzt passiert, ist wichtig und gehört dazu. Ich bin immer da. Dein Körper gehört dir.“

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.