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Kita Schließung wegen Corona: Was berufstätige Eltern wissen müssen

15 Bundesländer melden inzwischen (Stand: 15.03.2020) die Schließung von Schulen und Kindergärten ab der kommenden Woche zum Schutz vor einer zu schnellen Ausbreitung des Corona-Virus. Für uns arbeitende Eltern steht die große Frage im Raum: Wie soll das funktionieren? Wer ein oder mehrere Kinder zuhause betreut, kann jedenfalls nicht zur Arbeit gehen, ob er will oder nicht. Wer einen Bürojob hat, kann vielleicht noch ins Homeoffice. Aber Homeoffice mit Kindern, geht das überhaupt?

Schließzeiten je Bundesland

Im Folgenden findest du eine Übersicht über die voraussichtlichen Schließzeiten. Unserer Einschätzung nach sollten wir alle jedoch damit rechnen, dass die Schließungen verlängert werden.

  • Baden Württemberg: bis 19.04
  • Bayern: bis 20.04.
  • Berlin: bis 19.04.
  • Brandenburg: bis 19.04.
  • Bremen: bis zum 19.04.
  • Hamburg: bis 29.03.
  • Hessen: bis 19.04.
  • Niedersachen: bis 18.04.
  • NRW: bis 19.04.
  • Mecklenburg Vorpommern: bis 20.04.
  • Rheinland-Pfalz: bis 20.04.
  • Sachsen: bisher keine Schließungen bekannt
  • Sachsen-Anhalt: bis 13.04.
  • Saarland: bis 26.04.
  • Schleswig-Holstein: bis 19.04.
  • Thüringen: bis 17.04.

Kita schließt: Was bedeutet das für berufstätige Eltern?

Wenn die Kinderbetreuung ausfällt, müssen die Eltern einspringen. Das bedeutet aber nicht, dass sie einfach der Arbeit fernbleiben können. Auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales heißt es „Ist bei der Schließung der Kita / Schule unter Berücksichtigung des Alters der Kinder eine Betreuung erforderlich, so müssen die Eltern zunächst alle zumutbaren Anstrengungen zu unternehmen, die Kinderbetreuung anderweitig sicherzustellen (z.B. Betreuung durch anderen Elternteil).“ Für dich als Mama oder Papa ist also wichtig zu erwähnen, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, wenn du mit deinem Arbeitgeber ins Gespräch gehst.

Wenn du keine andere Möglichkeit hast und dein Kind selbst zuhause betreuen musst, kannst du von deinem Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen. Dein Arbeitgeber hat sicher Verständnis dafür. Allerdings verlierst du in den meisten Fällen deinen Lohnanspruch. Denn „Die Vergütung bekommt er nur dann weiter gezahlt, wenn die Unterbrechung der Arbeit nur von sehr kurzer Dauer war, oder der Arbeitgeber für die Ausübung des Leistungsverweigerungsrechts verantwortlich ist.“

Natürlich kannst du auch bezahlten oder unbezahlten Urlaub einreichen.

Abwechseln und den Alltag umstrukturieren

Derzeit ist es wahrscheinlich, dass auch die letzten Bundesländer nachziehen und Kitas, Schulen sowie öffentlich Einrichtungen schließen. Um hohe finanzielle Ausfälle durch die Kitaschließung zu vermeiden, solltest du dich jetzt schon mit deinem Partner und der Familie absprechen. Wie könntet ihr euch so organisieren, dass ihr weiterhin arbeiten könnt? Könnt ihr euch abwechseln, sodass beide nicht komplett für den Arbeitgeber ausfallen? Könnt ihr für einen begrenzten Zeitraum in Teilzeit gehen? Ist es möglich, dass ihr eure Arbeitszeiten aufeinander abstimmt, sodass einer am Vormittag und der andere am Nachmittag das Kind betreut?

Eine Betreuung durch die Großeltern solltest du vorerst nicht in Betracht ziehen, da sie zur Hochrisikogruppe gehören. Möglicherweise können sie aber nach einer zweiwöchigen Quarantäne eingesetzt werden, wenn sicher ist, dass niemand aus der Familie das Virus in sich trägt.

Eigenes Risiko minimieren

Diese Überlegungen muss jeder für sich treffen. Denn jetzt spielen ja noch viele andere Faktoren hinein als „Wer verdient mehr und wo würden wir im Ernstfall mehr Geld verlieren?“. Wer viel mit Menschen in Kontakt kommt, hat natürlich ein höheres Ansteckungsrisiko. Da stellt sie die Frage, ob es sinnvoll ist, dass dieser Elternteil eher zuhause bleibt. Gesunde Kinder sind zwar insofern kaum gefährdet, als das das Virus bei ihnen mild verläuft. Doch sie können das Virus unbemerkt verbreiten.

Arbeiten aus dem Homeoffice

Wer hauptsächlich am Computer arbeitet, kann möglicherweise aus dem Homeoffice arbeiten. Aber Kind betreuen und gleichzeitig arbeiten, kann das funktionieren? Nunja, man wächst an seinen Herausforderungen. Wir in der Babelli-Redaktion werden es jedenfalls so handhaben. Dafür haben wir ganz verschiedene Lösungen gefunden. Jeder so, wie es für ihn am besten passt. Hier ein paar Ideen:

1. Das Kind daran gewöhnen, dass Mama und Papa arbeiten müssen

Ich habe immer gestaunt, wenn ich von Müttern gehört habe, die in der Babyzeit ein Fernstudium gemacht haben oder auch von Eltern, die zuhause arbeiten wenn das Kind Kind krank ist. Für mich war das eine ganze Zeit lang unvorstellbar. Wenn mein Kind zuhause ist, werde ich gefühlt permanent belagert. Das klingt natürlich ziemlich negativ. So schlimm ist es nicht 😀 Aber wir machen halt Dinge zusammen. Am Computer sitzen darf ich vielleicht eine Minute, um eine Mail zu lesen, aber dann möchte mein Sohn „AUCH!“.

Ich glaube allerdings, dass das viel mit Gewöhnung zu tun hat. Was nämlich mittlerweile gut funktioniert ist, dass ich aufräume, koche oder putze. Mein Sohn weiß, dass er mitmachen darf. Aber häufig beschäftigt er sich dann mit etwas anderem. Er hat sich nämlich daran gewöhnt, dass ich diese Aktivitäten erledige. Das ist natürlich eine Altersfrage. Ein schreiendes Baby kann keine Rücksicht darauf nehmen, dass die Mama gerade zu tun hat. Ab einem bestimmten Alter lernen Kinder aber, dass wir eben auch andere Dinge zu tun haben, außer sie zu bespaßen und damit kommen sie im Allgemeinen gut klar. Bei uns klappt das am besten, wenn mein Sohn schon „gesättigt“ von mir ist. Wenn ich morgens eine Stunde mit meinem Sohn intensiv spiele, dann akzeptiert er es auch eher, dass ich dann für eine Weile nicht verfügbar bin. Und dann habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich sage „Nein ich kann jetzt nicht, wir spielen wieder, wenn der Zeiger der Uhr dort ist.“ Kindern hilft es, wenn sie konkrete Ansagen bekommen, die für sie auch greifbar sind. Wenn ich meinem Sohn „später“ sage, dann fragt er mich ständig, wann denn später ist.

2. Zeitinseln zum Arbeiten schaffen und Pausen einplanen

Es wäre gelogen, wenn ich behaupte, dass mein Kind sich acht Stunden allein beschäftigen kann, während ich in Ruhe arbeite. Vielmehr sind es mehrere Zeitinseln, die ich mir täglich auf diese Weise schaffe. Wer arbeitet, während er sein Kind betreut, muss Abstriche machen. Und damit müssen Arbeitgeber natürlich rechnen. Und auch damit, dass du auch im Homeoffice Pausen machst. Denn die Kinderbetreuung ist meist keine Pause, in der du auch mal Durchatmen kannst. Die brauchst du aber dringend, wenn du längerfristig produktiv sein und eine entspannte Mama sein möchtest.

3. Abwechseln und Schlafzeiten nutzen

Mach dir einen konkreten Zeitplan mit deinem Partner. Wer macht wann was und wann kannst du täglich Zeiträume schaffen, in denen du ungestört arbeitest. Wenn dein Kind regelmäßig mittags schläft, dann kannst du die Zeit natürlich einplanen. Wenn das Einschlafen bei euch eher schwierig ist oder du regelmäßig mit einschläfst, solltest du realistisch bleiben und diese Zeit ausklammern. Möglicherweise kannst du auch an den Wochenenden ein paar Stunden arbeiten und dir so Freiräume unter der Woche schaffen.

4. Arbeitsplatz einrichten

Richte dir einen festen Arbeitsplatz ein, am besten mit einer Tür die du schließen kannst. Dein Kind wird sich erst daran gewöhnen müssen, dass es dich in dem Raum – außer im Notfall – nicht stören darf, wenn du dort arbeitest. Richte dich auf Widerstand ein. Das Gute ist: Kinder können sich tatsächlich daran gewöhnen und das ist auch nicht schädlich. Langeweile ist nicht per se gefährlich für ein Kind. Im Gegenteil. Sie macht kreativ. Probier es aus und du wirst sehen, dass dein Kind Ideen entwickelt, sich selbst zu beschäftigen.

5. Gelassen und flexibel bleiben

Ein Kind ist nunmal kein Gerät, das man an- und ausschaltet, wie es einem gefällt. Das wissen alle Eltern. Wenn du zuhause arbeitest, solltest du dich schon vorab mit dem Gedanken anfreunden, dass es eben nicht immer so läuft wie geplant. Ob du nur mal kurz eine Panne beseitigen musst oder einen längeren Wutanfall begleitest und danach eine Stunde mit deinem Kind liest – vieles lässt sich eben doch nicht planen. Deshalb: Eine gute Planung hilft euch, euren Alltag mit Arbeit und Kinderbetreuung gut zu strukturieren. Und auch dein Kind weiß dann, was wann dran ist. Stress vermeidest du, wenn du dennoch flexibel bleibst. Und deinen Plan kannst du ja notfalls auch jederzeit ändern, wenn du merkst, dass es so noch nicht ganz stimmig ist.

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