Breast is best, und längeres Stillen hat vor allem Vorteile – das bestätigt nun auch die neue Leitlinie, die Fans früher Beikost umdenken lassen könnte.
Seit Februar gibt es die „S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“, an der sich all jene orientieren können, die Schwangere und Eltern begleiten. Die Leitlinie wurde von 26 Fachverbänden und -gesellschaften gemeinsam erarbeitet und im Februar 2026 veröffentlicht.
Dieses Dokument hat es in sich
Nun ist auch in Deutschland klar: Wer stillt, tut das am besten 6 Monate voll und startet erst mit Beginn des 7. Lebensmonats langsam mit Beikost. Auch danach wird zu begleitendem Weiterstillen mindestens bis zum 1. Geburtstag geraten.
Vorher hieß es verbreitet, dass der erste Brei schon mit 4 bis 6 Monaten eingeführt werden darf – und spätestens mit 6 Monaten eingeführt werden muss. Die meisten Hebammen und Stillberaterinnen sahen das anders, jetzt haben sie Recht bekommen.
Es ist ein echter Meilenstein, denn auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dieses Vorgehen schon sehr lange. Deutschland hatte sich für einen Sonderweg entschieden – auch, weil man annahm, dass frühe stillbegleitende Beikosteinführung Allergien vorbeugen könne.
Das stimmt zwar manchmal, dennoch überwiegen die Vorteile längeren Vollstillens und längeren Stillens insgesamt deutlich, weil es den kindlichen Darm auf festere Nahrung vorbereitet und das Immunsystem des Kindes (und der Mutter) optimal unterstützt.
Leitlinien sind lediglich Empfehlungen, keine Verbote. Doch sie basieren auf jahrzehntelanger, intensiver Forschung.
Auf welchen Studien die Empfehlungen genau beruhen, kannst du bei Interesse in der Langfassung der Leitlinie nachlesen.
Der Verband Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen BVKJ sieht die neue Leitlinie übrigens kritisch. Eine Stellungnahme der Verbandsführung findest du hier.
Warum nur „mindestens 12 Monate“?
In einem Punkt weicht die deutsche Empfehlung noch immer von der WHO-Empfehlung ab. Letzte rät zu mindestens 2 Jahren Stillen, parallel zur Beikost. Hier konnte man sich nur zu „mindestens 12 Monaten“ durchringen.
Deutsche Frauen stillen im Vergleich zu Frauen weltweit kürzer. Die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes Ulrike Geppert-Orthofer ordnet es in einer Pressemitteilung so ein:
„Stillen bietet nicht nur zahlreiche gesundheitliche Vorteile für das Kind, sondern auch für die Mutter. Im Gesamtkollektiv sind stillende Mütter, korreliert mit der Stilldauer, auch im Alter gesünder als Personen, die nicht gestillt haben. Insofern kann die Neuerung auch die Frauengesundheit, der leider immer noch viel zu selten Beachtung geschenkt wird, fördern.“
Es bleibt deshalb abzuwarten, ob sich auch diese Empfehlung in den kommenden Jahren anpassen wird.
Und für dich heißt das: Höre am besten auf dein Gefühl. Was sich richtig anfühlt, wird auch richtig für euch sein.
Und falls du schon abgestillt hast und dich nun fragst, ob das richtig war: Auch deinem Kind wird es gut gehen, du darfst also vertrauen.
Quellen
- AWMF Register: S-3 Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072
- DHV: Neue Leitlinie empfiehlt späteren Beikoststart – DHV begrüßt Rückkehr zu WHO-Empfehlung: https://hebammenverband.de/neue-s3-leitlinie-stillen-beikost
- BVKJ: Kinder- und Jugendärzt*innen äußern erhebliche Bedenken gegenüber der neuen Stillleitlinie: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/kinder-und-jugendaerztinnen-aeussern-erhebliche-bedenken-gegenueber-der-neuen-stillleitlinie/ (abgerufen am 04.03.2026)













