Gestern war es so weit, der letzte Tag vor dem Kita- und Schulstart. Ich lag auf der Couch, mir war kalt, weil die Gasheizung noch nicht an ist, und ich spürte ganz deutlich: Der Herbst naht.
Es war kein schönes Gefühl, kann ich euch sagen. Nicht, dass ich Hitze besonders gut abkann – dieser Sommer hat uns ja einiges abverlangt – aber der Spätsommer/Frühherbst ist doch immer auch ein Vorbote eines halben Jahres ohne warme Sonnenstrahlen. Die Leichtigkeit des Sommers vermisse ich vorbeugend jetzt schon. Und in genau vier Monaten ist Weihnachten!
Kennst du das auch? Dann lass uns gemeinsam kurz jammern, bevor wir uns gegenseitig wieder aufhelfen.
Mit Kind ist Herbst eben nicht nur gemütlich
… das muss mal gesagt werden (dürfen).
Kerzen an, Tee kochen, unter der Decke zusammen einkuscheln: So sieht der Herbst zumindest auf Bildern gern aus. Der echte Familienherbst kann davon je nach Temperament durchaus abweichen.
Mein Kind möchte bei 11 Grad partout keine Jacke tragen oder zumindest nicht DIE. Die einzige Matschhose, ja die mit dem Loch am Knie – sie war neu! – hängt noch nass im Bad und die Gummistiefel sind seit heute Morgen zu klein (nachdem ich sie lange gesucht habe).
Seit drei Wochen hat immer irgendjemand Schnupfen oder Husten. Und während das Kind drinnen – trotz Schniefnase! – erstaunlich viel Energie entwickelt, ist meine eigene längst aufgebraucht.
Im Sommer kann man abends noch lange draußen sein. Im Herbst und Winter verlagert sich das Familienleben stärker nach drinnen. Für uns Eltern samt Kinder bedeutet das: weniger Frischluft, weniger Vitamin D und weniger zufällige Kontakte zu anderen à la „Guck mal, da kommt Mila“ – bei gleichzeitig engerer Begleitung des Kindes.
Das kann nicht nur anstrengend sein, das IST anstrengend!
Und nun ist es also wieder so weit…
Basteln, juché!
Jetzt beginnen auch die Bastelnachmittage, bei denen pädagogisch und motorisch wertvolle Kastanienobjekte unklarer Form und noch unklarerer Bestimmung produziert werden, die dann im Regal umfallen und einschrumpeln – und schließlich heimlich entsorgt werden müssen. Oder Drachen, die nicht fliegen. Oder Laternen, die wir Eltern tragen, weil sie dem Kindlein beim Laternenumzug dann doch zu schwer sind. Hach.
Ich bin mit den Jahren entspannter geworden. Wenn es mir Spaß macht und mir die Aufräumprozedur danach aushaltbar erscheint, basteln wir, und wenn nicht, eben nicht.
Alles kann, nichts muss.
Bitte erleuchte mich
Licht muss her. Dringend! Auch wenn die graue Wattesuppe von drinnen wenig verlockend aussieht: Sobald ich mit den richtigen Klamotten mittendrin stehe, gehts eigentlich. Das Licht – auch bei dicken Wolken immer noch deutlich mehr als in Innenräumen – hebt meine Stimmung jedes Mal gewaltig. Eigens dafür habe ich mir eine knallgelbe Regenjacke samt passender Gummistiefel und ebenso farbenfrohem Regenschirm zugelegt. Zumindest auf diese Kombi freue ich mich ein bisschen.
Schwierig bleibt nur das Aufraffen, also der erste Schritt. Hier helfen mir hoffentlich feste Routinen wie eine feste Rausgehzeit, damit mein innerer Schweinehund die Klappe hält.
Und oft sind es ohnehin die simplen Dinge, die Kinder glücklich machen: durch Pfützen patschen, Blätter und Steine sammeln oder eine Schnecke vom Gehweg retten.
Ohne festes Ziel entdecken auch wir Erwachsene erstaunlich viel.
Braucht der Herbst andere Erwartungen?
Ich denke schon.
Der Wechsel vom Sommer in die dunklere Jahreszeit ist für unsere Familie wie für die meisten eine echte Umstellung.
Mir hilft es, nicht direkt in Aktionismus zu verfallen, sondern die Jahreszeit so anzunehmen, wie sie von der Natur gemeint ist: als eine Zeit, um runterzukommen und durchzuatmen.
Einatmen. Halten. Ausatmen.
Einatmen. Halten. Ausatmen.
Und nochmal.
Merkst du schon, wie es wirkt?
Und jetzt raus mit der Rasselbande und danach ab auf die Couch!













