Manchmal braucht es rund um die Geburt besondere medizinische Unterstützung. In solchen Situationen bieten Perinatalzentren spezialisierte Hilfe für Mutter und Kind.
Das Wichtigste in Kürze
- Perinatalzentren sind spezialisierte Kliniken für Schwangere sowie für Früh- und Neugeborene, wenn besondere medizinische Risiken bestehen.
- Es gibt zwei Versorgungsstufen (Level 1 und Level 2), die sich in Spezialisierung, Ausstattung und intensivmedizinischen Möglichkeiten unterscheiden.
- Eine Geburt im Perinatalzentrum ist insbesondere bei Frühgeburten mit niedrigem Geburtsgewicht, Fehlbildungen oder schweren Schwangerschaftskomplikationen sinnvoll oder notwendig.
- Welche Versorgungsstufe geeignet ist, entscheidet das medizinische Team anhand der individuellen Situation.
Was ist ein Perinatalzentrum?
In einem Perinatalzentrum werden Schwangere, Frühgeborene und Neugeborene mit besonderen medizinischen Bedürfnissen versorgt. Diese spezialisierten Kliniken sind darauf ausgerichtet, Mutter und Kind rund um die Geburt bestmöglich zu betreuen, wenn ein erhöhtes Risiko für sie besteht.
Perinatalzentren gibt es in zwei Versorgungsstufen: Level 1 und Level 2. Sie unterscheiden sich darin, wie stark sie spezialisiert sind, über welche Ausstattung sie verfügen und wie umfangreich das medizinische Personal vor Ort ist. Welches Level im Einzelfall empfohlen wird, hängt vom Schwangerschaftsverlauf, dem erwarteten Geburtszeitpunkt und dem Gesundheitszustand des Kindes ab.
Alle Perinatalzentren sind mit moderner Medizintechnik ausgestattet und verfügen über speziell geschultes Fachpersonal aus der Frauen- und Kinderheilkunde. Das Team ist auf komplizierte Schwangerschaften und Geburten sowie auf die Versorgung von sehr kleinen und/oder kranken Neugeborenen spezialisiert und arbeitet eng zusammen, um schnell und gezielt helfen zu können.
Welche Anforderungen eine Klinik im Detail erfüllen muss, um als Perinatalzentrum zertifiziert zu werden, ist in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegt. Mehr dazu weiter unten.
Wann ist eine Geburt in einem Perinatalzentrum sinnvoll oder notwendig?
Verläuft deine Schwangerschaft ohne größere Probleme, kann die Geburt außerklinisch oder in einem Krankenhaus mit Geburtsklinik ohne Spezialisierung stattfinden. Es gibt jedoch Situationen, in denen es für dich und dein Kind sicherer ist, in einem Perinatalzentrum zu entbinden. Dazu zählen:
- bei dir eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt
- es zu Komplikationen in der Schwangerschaft kommt
- bereits vor der Geburt Probleme bei der Entbindung absehbar sind
- dein Kind sehr früh zur Welt kommen könnte (vor Vollendung der 32. SSW)
- ein sehr niedriges Geburtsgewicht erwartet wird (unter 1.500 Gramm)
- beim ungeborenen Kind Fehlbildungen festgestellt wurden
- nach der Geburt eine Erkrankung des Neugeborenen zu erwarten ist
In all diesen Fällen geht es darum, die bestmögliche medizinische Versorgung für dich und dein Kind sicherzustellen.
Welche Arten von Perinatalzentren gibt es?
In Deutschland gibt es insgesamt vier verschiedene Versorgungsstufen für Schwangere und Neugeborene: die einfache Geburtsklinik, die Klinik mit perinatalem Schwerpunkt, das Perinatalzentrum Level 2 und schließlich das Perinatalzentrum Level 1.

Normale Geburtskliniken betreuen Schwangere ohne besondere Risiken und betreuen Geburten ab der 37. SSW. Hier kommen die meisten Kinder zur Welt. Rund 90 Prozent aller Geburten finden in solchen Kliniken statt.
Kliniken mit perinatalem Schwerpunkt sind auf den normalen Geburtsbetrieb ausgerichtet, aber zusätzlich darauf vorbereitet, plötzlich auftretende Notfälle bei Neugeborenen für eine begrenzte Zeit zu versorgen. Sie verfügen über entsprechende medizinische Möglichkeiten, jedoch nicht über eine spezialisierte Neugeborenen-Intensivstation.
Perinatalzentrum Level 2
Ein Perinatalzentrum Level 2 versorgt Schwangere und Neugeborene mit erhöhtem Risiko, zum Beispiel bei:
- drohender Frühgeburt zwischen SSW 29+0 und 31+6
- einem geschätzten Geburtsgewicht zwischen 1.250 und 1.499 Gramm
- schweren Schwangerschaftskomplikationen
- deutlichen Wachstumsverzögerungen des ungeborenen Kindes
- einem insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes
Perinatalzentren Level 2 werden von erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten für Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin geleitet und verfügen über eine moderne medizinische Ausstattung. Rund um die Uhr steht ein speziell geschultes Team aus Hebammen, Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung. Früh- und Neugeborene können intensiv überwacht und bei Bedarf auch intensivmedizinisch behandelt werden. Die Anzahl der vorgeschriebenen Intensivtherapieplätze für Neugeborene ist jedoch geringer als in Level-1-Zentren. Benötigt ein Baby eine noch intensivere Behandlung, ist eine Verlegung in ein Perinatalzentrum Level 1 möglich.
Perinatalzentrum Level 1
Das Perinatalzentrum Level 1 bietet die höchste Versorgungsstufe für Schwangere und Neugeborene mit sehr hohem Risiko, zum Beispiel bei:
- extrem frühen Frühgeburten vor SSW 29+0
- einem geschätzten Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm
- Mehrlingsschwangerschaften mit Drillingen vor SSW 33+0
- Mehrlingsschwangerschaften mit mehr als vier Kindern
- Verdacht auf angeborene Fehlbildungen
- Erkrankungen von Mutter oder Kind, die direkt nach der Geburt intensivmedizinisch behandelt werden müssen
Ein Perinatalzentrum Level 1 wird von besonders erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten für Geburtshilfe und Neugeborenenmedizin geleitet und verfügt über eine hochmoderne medizinische Ausstattung. Der Personalschlüssel ist sehr hoch: Rund um die Uhr ist ein spezialisiertes Team aus Hebammen, Pflegekräften sowie Ärztinnen und Ärzten im Einsatz. Die intensivmedizinische Betreuung der Neugeborenen ist durch eine besonders hohe Anzahl qualifizierter Pflegekräfte abgesichert.
Geburtsmedizin und Neugeborenenmedizin arbeiten hier eng zusammen – Kreißsaal, Operationssäle und Neugeborenen-Intensivstation befinden sich im selben Gebäude. Zusätzlich gelten klare Vorgaben zur Anzahl und Ausstattung der Intensivtherapieplätze.
Level-1-Zentren müssen pro Jahr eine Mindestanzahl sehr kleiner Frühgeborener betreuen, damit das medizinische Team ausreichend Erfahrung sammelt und die Versorgung auf hohem Niveau sichergestellt ist.
Die vier Versorgungsstufen im Überblick:
| Versorgungsstufe | Kriterien |
|---|---|
| IV - Geburtsklinik | Schwangere ab 37 + 0 SSW ohne zu erwartende Komplikationen |
| III - Perinataler Schwerpunkt | mäßige bis späte Frühgeburten (32+0 bis 36+6 SSW, ab 1500 g); Wachstumsverzögerung (kleines Baby); Schwangere mit insulinpflichtigem Diabetes ohne absehbare Gefährdung für Fetus/Neugeborenes |
| II - Perinatalzentrum Level 2 | sehr frühe Frühgeburt (29+0 und 31+6 SSW bzw. 1250 bis 1499 g); schwere schwangerschaftsbedingte Erkrankungen; starke Wachstumsverzögerung; Frauen mit insulinpflichtigem Diabetes, wenn für das Kind eine Gefährdung absehbar ist |
| I - Perinatalzentrum Level 1 | extrem frühe Frühgeburt (bis 29+0 SSW oder weniger als 1250 g); Mehrlinge (3+); fetale oder mütterliche Erkrankungen, bei denen das Neugeborene unmittelbar spezialisierte intensivmedizinische Versorgung braucht |
Wer entscheidet, welches Zentrum geeignet ist?
Welche Spezialisierung der Klinik für die Geburt deines Kindes geeignet ist, hängt davon ab, wie hoch das Risiko für euch eingeschätzt wird. Diese Einschätzung trifft das behandelnde medizinische Team.
Erfüllt die Klinik, in der du ursprünglich entbinden wolltest, nicht die notwendigen Voraussetzungen für deine individuelle Situation, wird eine Verlegung in ein geeignetes Zentrum organisiert. Ziel dieser Regelung ist es, sicherzustellen, dass du und dein Kind immer in einer Einrichtung betreut werdet, die die passende Erfahrung, Ausstattung und Spezialisierung für eure Situation bietet.
Wie findet man ein geeignetes Perinatalzentrum?
Wird dir von ärztlicher Seite eine Entbindung in einem Perinatalzentrum empfohlen, solltest du dich frühzeitig über geeignete Kliniken in eurer Nähe informieren. Bestimmt kann dir deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt ein passendes Zentrum empfehlen.
Zusätzliche Orientierung bieten öffentliche Übersichten und Listen aller Perinatalzentren in Deutschland, zum Beispiel auf der Website des IQTIG. Dort findest du auch veröffentlichte Qualitätsdaten. Sie zeigen unter anderem, wie häufig sehr kleine Frühgeborene behandelt werden und wie die Behandlungsergebnisse ausfallen. Diese Informationen helfen euch dabei, die Versorgungsqualität besser einzuordnen.
Welche Klinik im konkreten Fall infrage kommt, entscheidet ihr am besten gemeinsam mit euren behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Denn neben dem medizinischen Bedarf spielen auch die aktuellen Kapazitäten und die Auslastung der Kliniken eine wichtige Rolle.
Deshalb kann es sein, dass eine Entbindung nicht im nächstgelegenen Zentrum erfolgen kann, sondern dort, wo Mutter und Kind zum Zeitpunkt der Entbindung optimal versorgt werden können.
Muss ein Kind längerfristig versorgt werden, ist aber eine Verlegung (Rückverlegung) von einem spezialisierten Perinatalzentrum in eine wohnortnahe Kinderklinik möglich, sobald der medizinische Zustand des Babys stabil ist.
Fazit: Gut versorgt, wenn es darauf ankommt
Perinatalzentren sind wichtige Anlaufstellen, wenn Schwangerschaft oder Geburt mit besonderen Risiken verbunden sind. Sie bieten spezialisierte medizinische Versorgung für Schwangere sowie für Früh- und Neugeborene, die besondere Unterstützung benötigen. Dank moderner Technik, klarer Qualitätsvorgaben und erfahrener Teams sind Mutter und Kind hier bestmöglich aufgehoben.
Das abgestufte Versorgungssystem mit Level 1 und Level 2 stellt sicher, dass jeweils die passende medizinische Behandlung erfolgt.
Welche Klinik im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet das medizinische Team auf Grundlage der individuellen Situation und der aktuellen Kapazitäten – mit dem gemeinsamen Ziel, Mutter und Kind zum richtigen Zeitpunkt bestmöglich zu versorgen.
Quellen
- IQTIG (perinatalzentren.org): Häufig gestellte Fragen. https://perinatalzentren.org/informationen/faq/ (abgerufen am 06.01.2026)
- Wikipedia: Perinatalzentrum. https://de.wikipedia.org/wiki/Perinatalzentrum (abgerufen am 06.01.2026)
- Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Reifgeborenen gemäß § 136 Absatz 1 Nummer 2 SGB V in Verbindung mit § 92 Absatz 1 Satz 2 Nummer 13 SGB V, Stand 23. August 2025. https://www.g-ba.de/downloads/62-492-3916/QFR-RL_2025-06-18_iK-2025-08-23.pdf (abgerufen am 06.01.2026)
- periZert GmbH:
- Anforderungskatalog zur Zertifizierung von Geburtskliniken und Perinatalzentren Level 1 und 2, Stand 2024-01. Zum Download unter: https://perizert.com/downloads/













