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Jetzt wird getobt – warum du mit deinem Kind raufen solltest

Eltern rennen zuhause freudig hinter Kleinkind her.
Zusammen mit dem Kleinkind raufen & toben – warum wir es empfehlen ... / Bild © Ivan, Adobe Stock.

Ja, du hast richtig gelesen! Raufen zwischen Eltern und Kleinkind stärkt nicht nur die Problemlösefähigkeit, Kreativität und das Selbstbewusstsein des Kindes, es fördert auch eure Eltern-Kind-Bindung. DIESE Regeln solltest du allerdings unbedingt beachten …

Das Wichtigste in Kürze

  • Raufen stärkt das Selbstbewusstsein, die Kreativität, die Problemlösefertigkeiten sowie soziale Fähigkeiten deines Kindes.
  • Richtig umgesetzt fördert es auch die Eltern-Kind-Bindung.
  • Wichtig ist immer, dass du die “Spielregeln” beachtest: Das Toben vorschlagen, die Reaktion abwarten, bei einem “Ja” ruhig beginnen, die Intensität steigern, danach unbedingt abflachen oder Auszeiten einbauen, ehe das Raufen beendet wird.
  • Beim Raufen und Toben sind die vorigen Absprachen der Körpergrenzen sowie eine körperliche Unversehrtheit das A&O.

Spielen ist mehr als Zeitvertreib

Beim Spielen lernen Kinder ganz nebenbei und mit Freude all das, was sie stark fürs Leben macht: soziale Kompetenzen, Ausdauer, Motivation, Problemlösefähigkeit, Kreativität, Flexibilität und Selbstvertrauen.

Und jetzt kommst du ins Spiel!

Wie wohltuend – und oft auch dringend nötig – ist es, in unserer oft viel zu ernsten Erwachsenenwelt einfach mal mitzumachen? Mitzutoben, zu raufen, zu lachen? Denn Spielen verbindet.

Es bringt dich nicht nur näher zu deinem Kind – sondern auch zu deinem eigenen inneren Kind. Und ganz nebenbei stärkst du damit die Entwicklung deines Kindes und eure Beziehung.

Oder, wie Benjamin Blümchen schon wusste: „Nichts, was Spaß macht, ist unnütz!“

Warum Raufen so gut für dein Kind ist

Raufen – mit beachteten Spielregeln, dazu weiter unten gleich mehr – fördert die Entwicklung und das Wohlbefinden deines Kindes. Es kann unter anderem stärken:

  • die Kreativität
  • die Flexibilität
  • die Problemlösefähigkeit (durch die Absprachen vorher und währenddessen, aber auch durch das körperliche Erleben)
  • ein gesundes Nähe-Distanz-Verhältnis (auf körperlicher aber auch emotionaler Ebene)
  • das Selbstbewusstsein, den Selbstglauben und die Selbstwirksamkeit (durch das körperliche Ausprobieren)
  • ein gesundes, soziales Miteinander und das Respektieren und Einhalten von Regeln und Grenzen (durch die Absprachen vorher und währenddessen)

Und der absolute Benefit …

Wie Raufen eure Beziehung stärkt

Liebe kann auch die Form wilder, gemeinsamer Bewegung annehmen. 

Durch gemeinsames Raufen lernt dein Kind: “Wir spielen in wilder, ausgelassener Bewegung, während wir dabei unsere körperlichen Grenzen wahren und respektieren. Auch das ist Liebe.”

Wichtig ist hierbei allerdings …

Vorab wichtig: Grenzen benennen & Absprachen einhalten!

Damit dein Kind diese Lernerfahrungen machen und sich im Spiel sicher fühlen kann, gilt: Trefft vorher kurze, klare Absprachen und benennt körperliche Grenzen. So weiß dein Kind auch direkt, welchen Rahmen ihr für das Toben und Raufen habt. 

So wird es lernen, seine eigenen Grenzen zu kommunizieren und die anderer Menschen zu schützen. Das wird ihm in späteren sozialen Situationen in Kita, Schule und Freizeit zugute kommen. 

Wie du das handhabst, ist dir überlassen. 

Hier haben wir einige Beispiele, einfach als Inspiration für eure Rauf-Regeln:

  1. “Raufen ist ein Spiel. Wenn wir es beenden wollen oder keine Lust darauf haben, sagen wir es.”
  2. “Wir raufen nur miteinander, ohne Gegenstände.”
  3. “Stopp heißt Stopp. Und Nein heißt nein.”
  4. “Wir können toben und raufen, aber wir tun uns nicht weh. Wir ziehen, kratzen und beißen nicht am Körper des Anderen.”
  5. “Wenn wir das Spiel beenden, ist es wirklich vorbei.”
  6. “Wir halten uns an unsere Absprachen.”

Achtung: Beachte die Rauf-Regeln

Die Art, wie ihr rauft und tobt, ist entscheidend. 

Denn gerade ein körperliches Miteinander kann ohne vorige Regeln schnell ausarten und dann sogar negative Auswirkungen auf das Kind und eure Bindung haben.

Fachleute der Entwicklungspsychologie empfehlen deshalb folgende Schritte beim Raufen/gemeinsamen Toben:

  1. Das Toben vorschlagen, die Reaktion des Kleinkindes abwarten (es kann auch sein, dass das Kleinkind es von sich aus startet oder vorschlägt)
  2. NUR bei einem “Ja” ruhig und langsam beginnen.
  3. Die Intensität des Tobens langsam steigern.
  4. Danach unbedingt abflachen oder Auszeiten einbauen.
  5. Das Raufen klar beenden. Beispiel: “Jetzt lass uns aufhören und etwas anderes spielen.”

Achtet darauf, dass ihr genügend Platz habt und euch nicht an herumliegenden oder -stehenden Dingen verletzen könnt. 

Bedenkt auch unbedingt, dass euer Kind möglicherweise zügiger Schmerzen bzw. Grenzen empfindet, als ihr und akzeptiert das IMMER (ansonsten lernt das Kind, dass seine Grenzen nicht respektiert werden). Geht niemals nur von euren eigenen Grenzen aus. 

Fazit: Raufen & Toben mit Regeln tut gut!

Raufen und Toben ist ein tolles Spiel, das dein Kind und eure Beziehung fürs Leben stärkt. Wichtig ist, dass ihr wie bei allen Spielen vorab Regeln festlegt, an die ihr euch haltet. 

Ansonsten wünschen wir euch ganz viel Freude beim gemeinsamen wilden Spiel!

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Quellen

  • Perls, Frederick S., Hefferline, Ralph F., Goodman, Paul (2015). Gestalttherapie. Grundlagen der Lebensfreude und Persönlichkeitsentfaltung. (9. Auflage). Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
  • Siegel, Elaine V. (1997): Tanztherapie. Seelische und körperliche Entwicklung im Spiegel der Bewegung. Ein psychoanalytisches Konzept. (4. Auflage) Stuttgart: Klett-Cotta Verlag.
  • Singleton, D. (2023, April). The benefits of roughhousing with your children. Psychology Today. https://www.psychologytoday.com/us/blog/singletons/202304/benefits-of-roughhousing-with-your-children (abgerufen am 18. Juni 2025).
Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.