Was das “ABER” in diesem Zusammenhang auslösen kann und was du eher sagen kannst. Spoiler: Es braucht nur eine klitzekleine Veränderung des Wordings!
Wir alle wissen: Reibungen gehören zu jeder Beziehung dazu – auch zu der mit unseren Kleinkindern. Es ist normal, dass Kinder manchmal Dinge tun, die uns auf die Palme bringen. Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, wie wir unsere Gefühle ausdrücken.
Ein Satz, der dann häufig unbewusst fällt, ist: „Ich hab’ dich lieb, aber kannst du XYZ lassen?“ Er ist überhaupt nicht problematisch.
Jedoch ist es das Wort “ABER”, denn …
Liebe mit Bedingungen?
Das “ABER” vermittelt unbewusst, dass die elterliche Liebe zum Kind an Bedingungen geknüpft sein könnte.
Dein Kind lernt dadurch eventuell, dass es erst bestimmte Leistungen, erwünschtes Verhalten erbringen oder Erwartungen erfüllen muss, um geliebt zu werden.
Beispiel: „Meine Eltern lieben mich nur, wenn ich mich so verhalte, wie sie es wollen.“
Diesen Glaubenssatz könnte es langfristig betrachtet verinnerlichen und denken, dass es von all seinen Mitmenschen nur dann geliebt wird, wenn es so verhält, wie es von anderen erwartet wird. Das kann seine innere Sicherheit, sein Selbstwertgefühl und seine Rolle in der Familie und später in der Gesellschaft nachhaltig verringern und belasten.
Kein Vorwurf an dich selbst – Perfektionismus vermeiden
Natürlich möchtest du das deinem Kind nicht vermitteln – und meistens passiert so ein Satz auch unbewusst und in bester Absicht. Unsere eigene Erziehung, Stresssituationen und familiäre Dynamiken beeinflussen, wie wir sprechen. Niemand ist perfekt, und genau deshalb sind solche Sätze auch absolut menschlich und werden immer wieder vorkommen.
Wichtig ist: Werde dir bewusst, wann und wie du das Wörtchen “Aber” in diesem Zusammenhang verwendest.
Ein erster Schritt: Die bessere Alternative
Wenn du möchtest, dass dein Kind ein gesundes Selbstbewusstsein und Vertrauen in die bedingungslose Liebe seiner Eltern entwickelt, hilft es, deine Botschaft anders zu formulieren.
- Statt: „Ich hab dich lieb, aber …“
- kannst du sagen: „Ich hab dich lieb, und gleichzeitig (oder nur UND) finde ich nicht gut, dass du gerade die Pflanze kaputt gemacht hast.”
Diese Formulierung trennt Liebe und Verhalten klar voneinander. Sie zeigt deinem Kind, dass deine Liebe nicht an sein Verhalten geknüpft ist, sondern dass du eine bestimmte Handlung seinerseits GLEICHZEITIG nicht gut finden kannst.
Der nächste Schritt: Vertrauen durch sichere Eltern-Kind-Bindung
Wenn du über die Jahre eine sichere und fundierte Beziehung zu deinem Kind aufgebaut hast, braucht es oft gar nicht den Satz „Ich hab dich lieb, und gleichzeitig …“.
Eine starke Bindung ermöglicht es, Konflikte auszuhalten und Grenzen zu setzen, ohne dass das Kind sich sofort ungeliebt fühlt oder du es im Satz vorher an deine Liebe erinnern müsstest. Ist es sich deiner Liebe sicher, ist es auch in diesen Situationen sicher.
Um zu wissen, wo ihr da steht, hilft ehrliche Selbstreflexion, die Absprache mit dem anderen Elternteil und das wachsame Beobachten des Kindes in solchen Situationen.
- Wie reagiert es auf dich, wenn du es “kritisierst” für ein bestimmtes Verhalten?
- Hast du das Gefühl, es löst ein komplettes “Erstarren/Einfrieren” oder Unsicherheit in ihm aus?
- Achte auf die Körpersprache deines Kindes – fühlt es sich weiterhin sicher, oder wirkt es ängstlicher?
Wenn du das Gefühl hast, es ist sich in diesen Situationen deiner Liebe nicht sicher, suche das ehrliche Gespräch mit ihm. Wichtig ist, dass du dir bewusst machst, was es von dir noch braucht, damit dein Kind sich künftig deiner Liebe sicher ist.
Oder, um es mit Astrid Lindgrens Worten zu sagen …
„Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein.“
Weniger angepasste Menschen, mehr liebevolle Friedensstifter
Diese Welt braucht nicht noch mehr akribisch angepasste Menschen, die gelernt haben, dass sie einzig für “perfekte” Leistung Liebe bekommen, sondern mehr liebevolle Friedensstifter.
Eltern sind die ersten Vorbilder für Kinder, wie man respektvoll kommuniziert, Grenzen setzt und dabei dennoch liebevoll, wertschätzend und umsichtig bleibt. So lernt es, selbst friedlich und achtsam mit sich, seiner Umwelt und anderen umzugehen.
Warum Kinder ihre Eltern auf die Palme bringen dürfen – und sogar müssen
Dinge zu machen, die anderen Menschen nicht passen, ist ein essenzieller Teil des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung.
Kinder müssen sich ausprobieren, Grenzen austesten und auch mal anecken dürfen, um sich selbst in dieser Welt zu erfahren – auch, wenn das für Eltern manchmal herausfordernd ist. Nur durch diese kleinen Reibungen kann ein Kind Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und emotionale Resilienz entwickeln. Dass Kinder Eltern auch mal „auf die Palme bringen“, ist also nicht nur normal, sondern gesund.
Wir möchten dich deshalb dazu ermutigen, diesem Prozess Vertrauen zu schenken.
Dinge können gleichzeitig existieren – das darf dein Kind lernen
Wichtig ist, deinem Kind zu zeigen, dass verschiedene Gefühle und Wahrheiten gleichzeitig bestehen können. Du kannst dein Kind lieben und gleichzeitig nicht gut finden, was es gerade gemacht hat. Dieses „Gleichzeitig-Sein“ zu lernen, stärkt womöglich auch sein Verständnis für Bedürfnisse, Wünsche, Beziehungen, Emotionen und das Leben selbst.
Als Eltern dürfen wir dieses Gleichgewicht vorleben: Liebe und erzieherische Grenzen sind keine Gegensätze, sondern können harmonisch nebeneinander bestehen. Wichtig ist hier immer die Sprache und der Ton, den wir dafür wählen.
Fazit
Eine starke und vertrauensvolle Eltern-Kind-Bindung lebt von bedingungsloser Liebe – auch in Konfliktsituationen.
Wenn du deine Grenzen und Bedürfnisse achtsam kommunizierst, ohne durch wertende Sprache oder Ton deine Liebe zum Kind unbewusst infrage zu stellen, gibst du ihm Halt und Sicherheit. Das stärkt sein Selbstvertrauen und schafft eine stabile Basis für eine gesunde, langfristige Eltern-Kind-Beziehung.













