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Schwanger bei Hitze: Risiken, Warnsignale und Tipps

Schwangere liegt schwitzend auf einem Sofa
Gönn dir bei Hitze viele Pausen und Abkühlung! / Bild © Михаил Решетников, Adobe Stock

Die Sommer werden wärmer und das spürst du in der Schwangerschaft besonders. Hohe Temperaturen stellen deinen schwangeren Körper zusätzlich auf die Probe. Doch keine Sorge: Mit dem richtigen Wissen und ein paar einfachen Tipps kannst du dich und dein Baby gut durch heiße Tage bringen. In unserem Artikel erfährst du, warum Hitze in der Schwangerschaft eine Herausforderung sein kann, welche Warnsignale wichtig sind und wie du dich bestmöglich schützt.

Hohe Temperaturen können für dich als Schwangere mehr als nur unangenehm sein. Anhaltende Hitze ohne Abkühlung kann sogar ein Gesundheitsrisiko für dich und dein Baby darstellen. Warum?

Warum Hitze für Schwangere gefährlich werden kann

Während der Schwangerschaft ist dein Kreislauf besonders gefordert, um dich, die Plazenta und dein heranwachsendes Baby optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Dein Herz muss schneller schlagen, um das erhöhte Blutvolumen durch den Körper zu pumpen, und auch, weil der wachsende Bauch zunehmend auf wichtige Blutgefäße drückt.

Bei hohen Temperaturen muss dein Organismus sogar noch stärker arbeiten, um eine Überhitzung zu vermeiden. Um Wärme über die Haut abgeben zu können, weiten sich etwa die Blutgefäße. Dein Herz muss nun noch schneller schlagen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Dazu kommt der Verlust von Flüssigkeit und Mineralien durch vermehrtes Schwitzen. Zudem zeigen Studien, dass Hitzestress die Durchblutung der Gebärmutter negativ beeinflusst.

Auf Dauer kann ein solcher hitzebedingter „Zustand am Limit“ die Versorgung und damit die gesunde Entwicklung des Babys gefährden.

Wichtig für dich: Wir sprechen hier von tage- und wochenlang anhaltendem Hitzestress ohne Pause. Wir möchten dich nicht verunsichern, nur sensibilisieren. Achte auf die Warnsignale deines Körpers (siehe unten) und gehe anstrengender Hitze bestmöglich aus dem Weg, dann bist du auf der sicheren Seite.

Risiken anhaltender Hitze für Mutter und Kind

Komplikationen für die Mutter

Hitze kann sowohl niedrigen Blutdruck (inklusive Kreislaufprobleme) als auch hohen Blutdruck verursachen. Das Risiko für ernsthafte Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes oder Präeklampsie steigt, die sowohl Mutter als auch Kind gefährden können.

Verminderte Versorgung des Babys

Wenn die Mutter anhaltend unter Hitzestress steht, kann sich die Durchblutung der Plazenta verschlechtern. Das bedeutet, dass das Baby weniger Sauerstoff und weniger Nährstoffe erhält, was sein Wachstum und seine Entwicklung beeinträchtigen kann.

Frühgeburten

Besonders besorgniserregend: Hitzestress steigert nachweislich das Risiko für eine späte Frühgeburt (zwischen SSW 34+0 und SSW 36+6). Frühgeborene Kinder sind grundsätzlich anfälliger für gesundheitliche Probleme.

In den vergangenen Jahren sind mehrere hochwertige Studien erschienen (u. a. diese und diese), die den Zusammenhang zwischen Hitze und Frühgeburten wissenschaftlich belegen. Eine große Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) mit mehr als 42.000 Patientinnendaten etwa hatte zum Ergebnis: 

Anhaltende Temperaturen von über 30 Grad erhöhen das Frühgeburtsrisiko um 20 Prozent. Bei Temperaturen ab 35 Grad kann das Risiko sogar auf 45 Prozent steigen.

Der Klimawandel verschärft die Gefahr

Laut einem aktuellen Bericht der Nachrichtenorganisation Climate Central hat sich die Zahl der Tage mit gesundheitlich bedenklicher Hitze für Schwangere* in 90 Prozent der Länder weltweit mindestens verdoppelt – als direkte Folge des Klimawandels. In Deutschland sind rund 55 Prozent dieser extremen Hitzetage auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen. Zwischen 2020 und 2024 traten hierzulande im Durchschnitt 22 solcher Tage pro Jahr auf.

* Tage, an denen es heißer war als an 95 Prozent der Tage in den Jahren 1991 bis 2020. Laut dem Forschungsteam beginnt ab diesem Punkt ein deutlich erhöhtes Risiko für Frühgeburten.

In einer aktuellen gemeinsamen Erklärung betonen verschiedene Gesundheits- und Hebammenorganisationen, dass die Klimakrise eine akute Bedrohung für die Gesundheit von Schwangeren, Neugeborenen und Familien darstellt. Sie fordern deshalb eine klimasensible Gesundheitsversorgung, bessere Arbeitsbedingungen für Hebammen sowie entschlossenes politisches Handeln zum Schutz vulnerabler Gruppen in der Klimakrise.

Symptome, auf die Schwangere achten sollten

Nicht jede Schwangere reagiert gleich auf Hitze. Besonders vorsichtig solltest du sein, wenn du im 3. Trimester bist, du Vorerkrankungen hast (wie Bluthochdruck oder Diabetes) und/oder du in einer großen Stadt lebst (da sich Hitze hier besonders stark staut). Bei Hitze sollten aber alle Schwangeren achtsam auf die Warnzeichen ihres Körpers reagieren, nicht nur die Risikogruppe. 

Typische Symptome, die auf eine Überhitzung oder Kreislaufbelastung hinweisen können, sind:

  • Schwindel
  • starker Durst
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • ungewöhnlich starkes Schwitzen 
  • trockene, heiße Haut
  • Muskelkrämpfe
  • Herzrasen
  • Kurzatmigkeit 

Alarmzeichen bei Schwangeren sind zudem:

Treten solche Beschwerden auf, ist es wichtig, dich sofort in den Schatten oder einen kühlen Raum zu begeben, ausreichend Flüssigkeit zu trinken und ärztlichen Rat einzuholen. 

8 Tipps bei Hitze für Schwangere

Zum Glück gibt es viele einfache Maßnahmen, mit denen du dich und dein Baby schützen kannst:

Hitze bestmöglich meiden: An heißen Tagen nur unbedingt notwendige Ausflüge nach draußen unternehmen; Wege möglichst nur in den Morgen- oder Abendstunden erledigen. Mittags nicht in der Sonne aufhalten. Räume abdunkeln; nur morgens oder nachts lüften. Ventilatoren oder Klimageräte nutzen. Schatten aufsuchen. Das gilt zu Hause, aber auch im Urlaub (hier besser gleich Reiseziele mit gemäßigten Klimazonen wählen).

Viel trinken: Am besten Wasser oder ungesüßten Tee, mindestens 2 bis 2,5 Liter täglich, bei starker Hitze auch mehr. Tipp: Lauwarme Getränke kühlen besser als gekühlte!

Leichte Mahlzeiten: Vermutlich zeigt es dir dein Appetit bereits an: Bei Hitze lieber auf leichte Speisen setzen, die schnell und leicht verdaut werden können. Gemüse und Obst versorgen dich mit Vitaminen und Flüssigkeit, Quark und Joghurt machen satt.

Leichte Kleidung tragen: Am besten aus Baumwolle oder Leinen.

Beine hochlegen: Bei Hitze staut sich Wasser in den Beinen. Hochlagern kann helfen. Mehr dazu: Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft: Unsere SOS-Tipps

Abkühlen: Eine Sprühflasche mit Wasser oder eine Dusche zwischendurch (Achtung, Wasser nicht zu kalt!) spenden erholsame Abkühlung. Wenn es schnell gehen muss: Wasser über die Unterarme laufen lassen.

Auf Sport verzichten: Sollte klar sein, an der Stelle aber auch Erwähnung finden. Körperliche Betätigungen, wie Sport, Gartenarbeit oder lange Spaziergänge, sollten auf kühlere Temperaturen verschoben werden. Achte stattdessen auf vermehrte Pausen.

Auf Warnsignale achten: Schwindel, Herzrasen, Kopfschmerzen oder ungewöhnliche Kontraktionen und Schmerzen können ein Warnzeichen sein – in dem Fall vorsichtshalber die Ärztin oder die Hebamme kontaktieren.

Fazit: Hitze ist mehr als nur unangenehm

Anhaltende Hitze stellt für Schwangere ein Gesundheitsrisiko dar, das weit über bloße Kreislaufbeschwerden hinausgeht. Die körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft – etwa der erhöhte Blutfluss, die veränderte Wärmeregulation und der Druck auf zentrale Blutgefäße – machen dich als werdende Mutter besonders empfindlich gegenüber hohen Temperaturen. 

Studien zeigen, dass anhaltende, extreme Hitze nicht nur die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Kindes beeinträchtigen kann, sondern auch das Risiko für späte Frühgeburten, Präeklampsie und andere Komplikationen deutlich erhöht. 

Achte auf dich und dein Baby, indem du Hitze möglichst aus dem Weg gehst, dich schonst und regelmäßig für Abkühlung sorgst. Wenn du unsicher bist oder dich unwohl fühlst, kontaktiere deine Hebamme oder deine Ärztin. Sicher ist sicher.

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Quellen

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✔ Inhaltlich geprüft am 08.07.2025
Dieser Artikel wurde von Christine Müller geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.