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Silikongeschirr für Babys: Sicher oder doch problematisch?

Babygeschirr aus Silikon in sanften Naturfarben
Bei Silikongeschirr lohnt sich ein Blick auf Qualität und Herstellerangaben. / Bild © shine.graphics, Adobe Stock

Bunt, weich und bruchsicher: Silikonteller und -löffel sind beim Beikoststart praktisch. Gleichzeitig fragen sich viele Eltern, ob aus dem Material Stoffe ins Essen übergehen können. Die kurze Antwort: Gut hergestelltes Silikongeschirr kann für Babys geeignet sein. Allerdings gibt es Unterschiede bei der Qualität. Deshalb lohnt es sich, beim Kauf und bei der Verwendung auf ein paar Dinge zu achten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gut verarbeitetes Silikongeschirr kann für Babys geeignet sein.
  • Achte auf einen nachvollziehbaren Hersteller und verständliche Gebrauchshinweise.
  • Verwende das Geschirr nur so, wie es der Hersteller vorsieht. Achte vor allem auf die Angaben zu Mikrowelle, Backofen und Spülmaschine.
  • Bleiben Geruch oder Geschmack trotz gründlicher Reinigung bestehen, solltest du das Produkt austauschen.
  • Auch Risse, eine klebrige Oberfläche oder sichtbarer Abrieb sind Gründe für einen Wechsel.

Wie sicher Silikon für Babys ist

Silikon hat sich in den vergangenen Jahren als Material für Babygeschirr durchgesetzt, vor allem, weil es viele praktische Eigenschaften verbindet: Es ist leicht, bruchsicher, langlebig und flexibel. Weiche Silikonlöffel stoßen zudem nicht so hart gegen Mund und Zähne wie Metallbesteck. Das Material hat außerdem keine scharfen Kanten und lässt sich in der Regel unkompliziert reinigen. Viele Produkte dürfen auch in die Spülmaschine oder Mikrowelle, sofern der Hersteller sie dafür freigegeben hat. 

Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick. Silikon ist kein Naturmaterial, sondern ein synthetisch hergestelltes Polymer. Zwar unterscheidet es sich in Aufbau und Eigenschaften deutlich von klassischen Kunststoffen, produziert wird es aber ebenso industriell.

Rechtliche Grundlagen

Geschirr und andere Gegenstände für den Lebensmittelkontakt müssen so beschaffen sein, dass bei üblicher Nutzung keine gesundheitsschädlichen Mengen an Stoffen ins Essen übergehen. Auch Geruch und Geschmack der Lebensmittel dürfen dadurch nicht merklich beeinträchtigt werden. Die Grundlage dafür bildet die EU-Verordnung über Materialien mit Lebensmittelkontakt

Eine spezielle Zulassung für einzelne Teller, Becher oder Löffel gibt es aber nicht. Die Verantwortung für die Sicherheit liegt beim Hersteller.

Für Silikon fehlt bislang zudem eine eigene EU-Regelung, wie sie für Kunststoffe existiert. In Deutschland orientiert man sich stattdessen an der BfR-Empfehlung XV zu Silikonen, die beschreibt, unter welchen Bedingungen Silikonprodukte für den Lebensmittelkontakt geeignet sind. Wichtig zu wissen: Diese Empfehlung ist keine gesetzliche Zulassung und kein amtliches Prüfsiegel.

Gibt Silikongeschirr Mikroplastik ab?

Silikon ist kein klassischer Kunststoff, deshalb lässt sich die Sorge vor Mikroplastik nicht direkt darauf übertragen. Entscheidend ist eher, ob Bestandteile aus dem Material ins Essen übergehen. Stark beschädigtes oder sichtbar abgeriebenes Geschirr solltest du vorsichtshalber ersetzen.

Große Unterschiede in der Qualität

Dass längst nicht jedes Silikonprodukt gleich sorgfältig verarbeitet ist, zeigte eine Untersuchung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aus dem Jahr 2023. Geprüft wurden 15 Silikonprodukte für Kinder, die meisten davon aus dem Onlinehandel.

Das Ergebnis: Bei zehn Produkten war alles unauffällig. Fünf Produkte – ausnahmslos aus Online-Shops – fielen dagegen wegen erhöhter Freisetzung flüchtiger organischer Bestandteile auf. Hinzu kam, dass bei vielen Produkten Sicherheits- und Verwendungshinweise fehlten oder unzureichend waren.

Natürlich ist eine Stichprobe von 15 Produkten nicht repräsentativ für den gesamten Markt. Sie zeigt aber ziemlich deutlich, dass sich ein genauer Blick auf Hersteller, Kennzeichnung und Gebrauchshinweise lohnt.

Woran du geeignetes Silikongeschirr erkennst

Beim Kauf kannst du auf folgende Punkte achten:

  • Der Hersteller oder ein verantwortliches Unternehmen innerhalb der EU ist mit Namen und Anschrift angegeben.
  • Hinweise zur Reinigung und zur sicheren Verwendung sind verständlich und auf Deutsch vorhanden.
  • Es ist klar ausgewiesen, ob das Produkt in die Spülmaschine oder Mikrowelle darf und welche Temperaturen es verträgt.
  • Das Geschirr besitzt keine klebrige, poröse oder auffällig schlecht verarbeitete Oberfläche.
  • Das Produkt stammt möglichst von einem nachvollziehbaren Händler und nicht von einem unbekannten Anbieter ohne Angaben zu Herkunft und Verwendung.

Ein Hinweis noch zu zwei gängigen Kennzeichnungen: Das Glas-Gabel-Symbol bzw. der Vermerk „Für Lebensmittelkontakt“ zeigt an, dass ein Gegenstand für Lebensmittel gedacht ist. Bei Produkten, deren Zweck offensichtlich ist, etwa einem Essteller, muss es aber nicht zwingend vorhanden sein. Und „LFGB-geprüft“ kann zwar auf eine Laboruntersuchung hindeuten, ist aber kein offizielles staatliches Siegel.

Wenn der Teller nach Spülmittel riecht

Ein Phänomen, das du vielleicht kennst: Manches Silikongeschirr riecht nach einiger Zeit nach Spülmittel oder verändert den Geschmack von den Speisen. Besonders stark parfümierte Spülmittel oder Spülmaschinentabs begünstigen das.

Was hier hilft: 

  • die Reinigungshinweise des Herstellers befolgen
  • ein mildes und möglichst unparfümiertes Spülmittel verwenden
  • gründlich mit klarem Wasser nachspülen
  • das Geschirr vollständig trocknen lassen, bevor es weggeräumt wird

Vertiefungen, Kanten und Bereiche um einen Saugnapf verdienen bei der Reinigung besondere Aufmerksamkeit.

Ein kurzzeitiger Geruch ist noch kein Alarmsignal. Anders sieht es aus, wenn Geruch oder Geschmack trotz gründlicher Reinigung bestehen bleiben. Dann solltest du das Geschirr vorsichtshalber aussortieren. Geschirr, egal aus welchem Material, sollte Geschmack und Geruch von Speisen grundsätzlich nicht beeinflussen.

Mikrowelle und Spülmaschine? Kommt darauf an!

Eine pauschale Antwort gibt es hier leider nicht. Silikon kann zwar prinzipiell hitzebeständig sein, doch Zusammensetzung, Verarbeitung und zulässige Höchsttemperatur unterscheiden sich von Produkt zu Produkt teils erheblich.

Gebe Teller, Becher oder Löffel deshalb nur dann in Mikrowelle, Backofen oder Spülmaschine, wenn der Hersteller das ausdrücklich erlaubt.

Wann du Silikongeschirr ersetzen solltest

Es lohnt sich, das Geschirr von Zeit zu Zeit zu kontrollieren. Ein Austausch ist angebracht bei: 

  • Rissen, Schnitten oder ausgefransten Stellen
  • einer klebrigen oder porösen Oberfläche
  • sichtbarem Abrieb,
  • starken Verformungen,
  • dauerhaft auffälligem Geruch oder Geschmack sowie 
  • bei Stellen, die sich nicht mehr richtig reinigen lassen.

Keine Sorge übrigens bei Verfärbungen durch Tomatensoße, Möhren & Co. – die sind für sich genommen kein Zeichen für ein unsicheres Produkt.

Alternativen zu Silikongeschirr

Möchtest du auf Silikon verzichten, kommen insbesondere diese Materialien infrage:

Welche Variante am besten zu euch passt, hängt vom Alter deines Kindes und eurem Alltag ab. 

Fazit: Auf die Qualität kommt es an

Silikongeschirr ist nicht automatisch bedenklich. Gut hergestellte Produkte können im Babyalltag praktisch und für den Lebensmittelkontakt geeignet sein. Entscheidend sind ein nachvollziehbarer Hersteller, verständliche Gebrauchshinweise und die richtige Verwendung.

Von sehr günstigen Produkten ohne Herstellerangaben oder klare Hinweise zur Reinigung und Temperatur solltest du eher Abstand nehmen. Riecht, schmeckt oder verändert sich das Material dauerhaft auffällig, ist ein Austausch sinnvoll.

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Quellen

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Ihr Schwerpunkt bei babelli liegt auf Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen.