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So viel tägliche Bewegung braucht ein Kleinkind

Kleines Mädchen rollt über eine Wiese
Wild und frei – einmal wieder Kleinkind sein dürfen. / Bild © Ramona Heim, Adobe Stock

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren täglich mindestens 180 Minuten körperlich aktiv sind. 

Auch die deutschen nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung nennen für Kindergartenkinder 3 Stunden Bewegung pro Tag und mehr.

Ob auf dem Sofa klettern und hüpfen, durch die Wohnung und über den Hof flitzen, auf dem Spielplatz matschen, Treppen steigen, tanzen, balancieren oder beim Anziehen zehnmal wieder wegrennen: Hat dein Kind im Alltag genug Gelegenheiten, seinen Körper frei zu bewegen?

Je älter das Kind ist, desto intensiver sollte ein Teil der Bewegung sein. Für 3- und 4-Jährige empfiehlt die WHO, dass mindestens 60 Minuten der täglichen Bewegung eine mittlere bis hohe Intensität haben.

Bewegung mit mittlerer bis hoher Intensität erkennst du daran, dass dein Kind schneller atmet, warm wird oder kurz aus der Puste kommt. Bei Kleinkindern passiert das oft ganz automatisch. Und es muss gar nicht lange am Stück sein, mehrere kurze Momente zählen genauso.

Was zählt alles als Bewegung?

Viele Eltern denken bei Bewegung an Sportvereine. Für Kleinkinder gehören aber auch alltägliche Aktivitäten dazu, wie:

  • Gehen
  • Rennen und Fangen spielen
  • Hüpfen
  • Klettern
  • Rollen und Purzeln
  • Balancieren
  • Tanzen
  • Werfen
  • Ball spielen
  • Laufrad und Roller fahren
  • Rangeln und Raufen

Schon mehrere kurze Bewegungseinheiten über den Tag verteilt sind ideal.

Klettern, Balancieren und Springen sehen für Erwachsene manchmal wilder und gefährlicher aus, als sie sind. Für Kinder sind solche Bewegungen wichtig: Sie lernen, ihren Körper einzuschätzen, Abstände zu beurteilen, Kraft zu dosieren und sich nach einem kleinen Wackler wieder zu fangen. Natürlich braucht es sichere Rahmenbedingungen. Aber nicht jede Herausforderung muss sofort verhindert werden.

Bewegungsideen für drinnen

Auch ohne Garten und Spielplatz kann Bewegung entstehen:

Kissenparcours bauen, über Klebeband-Linien balancieren, Tierbewegungen nachmachen, Luftballon-Ball spielen, zur Lieblingsmusik tanzen, Matratzen zum Klettern nutzen oder gemeinsam „Der Boden ist Lava“ spielen.

Warum ist Bewegung so wichtig?

Regelmäßige Bewegung unterstützt:

  1. die Entwicklung von Muskeln und Knochen,
  2. Gleichgewicht und Koordination,
  3. die Gehirnentwicklung und Konzentration,
  4. einen gesunden Schlaf,
  5. das Herz-Kreislauf-System,
  6. und stärkt das Selbstvertrauen, wenn Kinder neue Fähigkeiten entdecken.

Elternhack: Viele Kinder brauchen Bwegung um „runterzukommen“. Gerade draußen, beim Klettern, Rennen oder Matschen bekommen Kinder oft genau die Körpererfahrung, die ihnen später am Tag beim Entspannen hilft.

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Ist Sitzen verboten?

Natürlich nicht. Aber oft merken wir bewegungsärmeren Erwachsenen gar nicht, wie viel Bewegung unsere Kleinkinder tatsächlich brauchen.

Natürlich sitzen die Kinder auch mal: beim Essen, Vorlesen, Puzzeln, Basteln oder im Auto. Das ist völlig in Ordnung. Problematisch wird es eher, wenn Kinder sehr lange am Stück angeschnallt oder vor einem Bildschirm geparkt werden.

Übrigens: Für Kinder unter 2 Jahren empfiehlt die WHO keine sitzende Bildschirmzeit, für 2- bis 4-Jährige höchstens eine Stunde pro Tag, weniger ist besser. 

Als Faustregel hilft: Längere Sitzzeiten immer wieder unterbrechen. Nach der Autofahrt darf dein Kind rennen. Nach dem Vorlesen darf es klettern. Nach dem Kinderwagen kommt der Spielplatz. So entsteht Bewegung ganz nebenbei.

Wenn dein Kind wenig Bewegungsdrang zeigt

Nicht jedes Kind rennt von allein los. Manche Kinder sind vorsichtiger, schneller überreizt oder brauchen länger, bis sie sich an neue Bewegungen herantrauen. Oder ihre Muskelspannung ist geringer. Dann helfen kleine, wiederholbare Angebote: gemeinsam balancieren, kurze Wege laufen lassen, Treppen statt Aufzug nehmen, Musik anmachen, draußen Stöcke sammeln oder Bewegungen spielerisch vormachen.

Wenn dein Kind dauerhaft auffällig wenig Kraft, Gleichgewicht oder Koordination zeigt, häufig stolpert oder Bewegungen stark vermeidet, sprich es beim Kinderarzt oder bei der Kinderärztin an.

Mini-Check für euren Alltag – genug Bewegung?

  • Hat dein Kind heute draußen gespielt?
  • Konnte es rennen, klettern, hüpfen oder balancieren?
  • Wurden längere Sitzzeiten unterbrochen?
  • Gab es freie Bewegung ohne Anleitung?
  • Hatte es auch genug Ruhepausen?

Wenn du mehrere Fragen mit Ja beantworten kannst, seid ihr wahrscheinlich schon ziemlich nah dran. Falls nicht, ist morgen ja ein neuer Tag…viel Spaß beim Bewegen!

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Quellen

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.