5 typische Großeltern-Konflikte – und wie du sie charmant auflösen kannst: Wir zeigen, wie ihr auch ohne Eskalation und Anspannung die Fronten mit Oma und Opa klären könnt.
Vorab wichtig: Unsere Beispiele für die Klärungsgespräche sollen lediglich Inspiration schenken. Du kennst sowohl die Großeltern als auch die Situation am besten und solltest daher immer individuell entscheiden, wie du es handhabst.
1. Zu viel des Guten: Geschenkeflut von Oma & Opa
Wird das das Kind zu Anlässen oder zwischendurch mit Geschenken überflutet, wirft das häufig Fragen, Zweifel und Unmut auf. Vielleicht hast du sogar das Gefühl, dass sie einfach viel zu viel von “irgendwas” schenken, ohne vorher nach den Interessen und Wünschen des Kindes zu fragen.
Wenn du nicht weißt, wohin mit dem ganzen Kram, es viel zu übertrieben findest und das Gefühl hast, dass dein Baby oder Kleinkind von der Spielzeugwucht sogar überfordert oder überreizt ist, muss eine Lösung her.
Beispiel: Wie du die Situation ansprechen und auflösen kannst
„Wir freuen uns sehr, dass ihr Lotte eine Freude machen wollt! Für uns ist es im Moment wichtig, dass wir bei Spielzeug auf Nachhaltigkeit, weniger Reize und Minimalismus achten. Könnten wir uns beim nächsten Geburtstag vielleicht vorher kurz miteinander abstimmen?”
2. „Früher hat das auch nicht geschadet.“ – Wenn Erziehungskonzepte aufeinanderprallen
Beispiel: Lotte bekommt von Oma und Opa Süßigkeiten zum Frühstück. Du sprichst es nach dem Großeltern-Wochenende an und bekommst als Reaktion den Klassiker: “Aber früher hat euch das doch auch nicht geschadet.”
Nichts ist unschöner, als wenn die Großeltern die Erziehung des Enkelkindes infrage stellen oder sogar zu sabotieren versuchen. Ob bewusst oder unbewusst.
Beispiel: Wie du die Situation ansprechen und auflösen kannst
“Wir verstehen total, dass ihr Lotte etwas Gutes tun wolltet und ihr zum Frühstück deswegen Eis gegeben habt. Allerdings haben wir mit Lotte die Regel, dass es Süßigkeiten nur zum Nachtisch gibt. Denn Süßes ist nichts, woran man sich satt essen sollte, das möchten wir Lotte vorleben. Wir würden euch bitten, unsere Regeln zu respektieren und einzuhalten. Sonst verwirrt das Lotte, wenn es so viele unterschiedliche Regeln gibt. Nach dem Mittagessen dürft ihr Lotte demnächst gerne etwas anbieten.” (*So habt ihr direkt einen Kompromiss mit eingebaut, der Offenheit und Zugänglichkeit klarmacht)
3. „Familienkonflikte? Bei uns doch nicht!“
Viele Menschen tun sich schwer damit, Konflikte überhaupt als solche zu benennen. Verständlich – denn oft steckt die Angst dahinter, dass ein Konflikt die „Familienharmonie“ stören oder gar zerstören könnte. Dahinter verbirgt sich meist eine erlernte Verlustangst, die sich in Vermeidungsverhalten äußert.
Doch die „Bei uns ist alles okay“-Taktik ist vor allem eines: anstrengend, unauthentisch – und trotzdem spürbar. Gerade Babys und Kleinkinder haben feine Antennen für unausgesprochene Spannungen. Das kann sie verwirren oder sogar belasten.
Harmoniestreben ist verständlich – Harmoniesucht schädlich
Gerade in engen Beziehungen gehört Reibung einfach dazu. Harmonie wahren zu wollen, ist nachvollziehbar, aber Harmoniesucht führt oft zu Konfliktvermeidung. Auch wenn ein Konflikt nicht ausgesprochen wird, bleibt er meist spürbar – was gerade für Kleinkinder oft belastender ist als ein klärendes Gespräch zwischen den Erwachsenen.
Du kennst das vielleicht: Ist der „Elefant im Raum“ einmal benannt, fühlt man sich oft erleichtert – selbst wenn der Moment selbst zunächst unangenehm ist.
Beispiel: Wie du die Situation ansprechen und auflösen kannst
„Vielleicht seht ihr es anders, und das ist okay – wir haben alle unsere individuelle Perspektive und das ist wichtig und richtig so. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass Thema XY zwischen uns steht, gerade weil wir nicht darüber sprechen. Wie wäre es, wenn wir das gemeinsam klären – damit der Elefant im Raum verschwindet?“
4. „Jetzt sei doch nicht so!“ – Wenn Grenzen nicht ernst genommen werden
Ein Beispiel: Oma und Opa mischen sich wiederholt in eure Erziehung ein, z. B. bei den Medienzeiten des Kindes. Doch warum passiert das überhaupt?
Grenzüberschreitungen – Wer spielt welche Rolle?
Nicht die Großeltern sind die Eltern des Kindes, sondern ihr. Sie sind eure Eltern – nicht die eures Kindes. Als Eltern solltet ihr klar für eure Werte und euer Kind einstehen – auch, wenn ihr kein Paar mehr sein solltet. Ein gemeinsames Auftreten ist entscheidend: Ihr entscheidet, was das Beste für euer Kind ist, als Team. Damit steht ihr automatisch nicht nur für euer Kind, sondern auch füreinander ein.
Achtet darauf, dass sich nicht unbewusst Allianzen bilden, z. B. ein Elternteil „verbrüdert“ sich bei Erziehungsfragen mit den eigenen Eltern gegen den anderen. Das führt zu Rollenverschiebungen – mit oft belastenden Folgen für das Kind und die Beziehung.
Stellt euch ehrlich die Frage: Wer übernimmt hier gerade eigentlich welche Rolle – und warum?
Beispiel: Wie du die Situation ansprechen und auflösen kannst
„Wir verstehen, dass ihr Lotte etwas Gutes tun wollt und sie länger Tablet schauen lassen möchtet. Uns als Eltern ist wichtig, dass sie mit ihren zwei Jahren sehr wenig Bildschirmzeit hat. Wir haben die Regel: maximal einmal im Monat 20 Minuten. Bitte respektiert das – es ist uns wirklich wichtig.“
5. „Aber wir wollten doch nur …“ – Wenn guter Wille Routinen sprengt
Beispiel: Die Großeltern kommen spontan vorbei, obwohl das Kind überreizt ist, ihr einen langen Tag hinter euch habt – und morgen früh in den Urlaub fahrt.
Hier stört guter Wille eine für euch wichtige Routine. Das darf benannt werden.
Wertschätzung & Klarheit schließen sich nicht aus
Nicht alle Menschen können Kritik gut annehmen – oft, weil sie gelernt haben: Kritik = Liebesentzug. Umso wichtiger ist es, regelmäßig echte Wertschätzung zu zeigen. Großeltern sind wichtige Bezugspersonen. Fühlen sie sich gesehen, fällt es ihnen oft leichter, Grenzen zu akzeptieren.
Beispiel: Wie du die Situation ansprechen und auflösen kannst
„Wir wissen, dass ihr Lotte eine Freude machen wolltet – danke dafür. Aber morgen fahren wir in den Urlaub, und Lottes Schlaf ist heute besonders wichtig, damit der Tag für sie gut startet. Könnt ihr das nächste Mal vorher kurz anrufen? Dann finden wir sicher einen Moment, der für alle passt.“ (Wieder zeigt ihr Zugänglichkeit, indem ihr den Kompromiss fürs nächste Mal vorschlagt)
Fazit
Wo Menschen sich lieben, entsteht auch Reibung. Konflikte mit den Großeltern sind daher manchmal unvermeidbar.
Entscheidend ist, wie ihr damit umgeht: mit Klarheit, Wertschätzung und dem Mut, Dinge anzusprechen – bevor sie größer werden. Gerade im Sinne eures Kindes.
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