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Verhütung per Speicheltest? So funktioniert es!

Frau schaut auf digitalen Zykluskalender auf ihrem Handy
Eine App wertet das Ergebnis der Speichelprobe in Echtzeit aus. / Bild @ Anastassiya

Wer hormonelle Verhütung ablehnt, hat die Wahl zwischen diversen anderen Möglichkeiten. Aufmerksamkeit erregte vor Kurzem die offizielle EU-Zertifizierung einer Verhütungsmethode, die auf einem Speicheltest basiert. Wie genau das funktioniert und wie sicher die Anwendung vor einer unerwünschten Empfängnis schützt, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das inne Minilab bestimmt den Progesteronspiegel im Speichel, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen.
  • Die Anwendung ist offiziell zugelassen zur Fruchtbarkeitsbestimmung und neuerdings auch als Verhütungsmethode.
  • Wirksamkeit: Pearl-Index 0,0 bei perfekter Anwendung, 7,98 bei typischer Anwendung – vergleichbar mit anderen hormonfreien Verhütungsmethoden.
  • Die Methode ist nicht geeignet u.a. für Stillende, Frauen mit untypischen Zykluslängen, PCOS, Endometriose oder Wechseljahresbeschwerden.
  • Die Kosten belaufen sich auf einmalig 99 Euro sowie 21 bis 39 Euro / Monat.

Worum geht es?

Wenn (aktuell) kein Kinderwunsch besteht, kommen Frauen um eine sichere Verhütungsmethode nicht herum. Neben den klassischen hormonellen Methoden (z.B. Pille, 3-Monats-Spritze, Hormonspirale) gibt es verschiedene hormonfreie Alternativen. Dazu zählen unter anderem die Kupferspirale, Kondome oder die symptothermale Methode

Eine weitere hormonfreie und relativ neue Verhütungsmethode stellt das inne Minilab dar. Der Zyklustracker basiert auf einem einfachen Speicheltest und konnte in einer Effektivitätsstudie überzeugen – mehr dazu später. 

Inzwischen wurde die Methode in der EU und in den UK sowohl für die Anwendung zur  Fruchtbarkeitsbestimmung als auch als natürliche Verhütungsmethode zertifiziert. Das bedeutet:

  • Die Validität der Testergebnisse für beide Anwendungsbereiche wurde durch klinische Studien bestätigt und von einer offiziellen Zertifizierungsstelle anerkannt.
  • Nutzerinnen können sich darauf verlassen, dass der Minilab medizinisch sicheren Standards entspricht.

Wie funktioniert die Speichelmethode?

Das Minilab besteht aus drei Komponenten: 

  • Strip: Teststreifen für den Einmalgebrauch, um die Speichelprobe zu entnehmen.
  • Reader: Ein kleines Gerät, das die Testung der Speichelprobe übernimmt.
  • App: Sie wertet das Ergebnis aus und zeigt es der Nutzerin an (ab September 2025 in einem neuen, speziellen Verhütungs-Modus).

Die Testung sollte regelmäßig innerhalb eines vierstündigen Zeitfensters erfolgen. Das heißt zum Beispiel immer vormittags zwischen 6 und 10 Uhr. 

Zunächst wird Speichel auf einen Teststreifen aufgetragen, indem man ihn in den Mund nimmt und etwas Speichel darauf laufen lässt. Der Streifen mit der Probe wird dann in den Reader gesteckt. 

Der Reader misst den Progesteronspiegel im Speichel und kann anhand dessen ableiten, in welcher Phase des Zyklus sich die Testerin gerade befindet: Sobald der Progesteronwert ansteigt, ist der Eisprung durch und die fruchtbaren Tage sind vorbei. Bleibt der Anstieg noch aus, markiert die App diese Tage mit „hohes Schwangerschaftsrisiko“.

Wie verlässlich und sicher ist das Testergebnis?

In einer unabhängigen klinischen Studie mit 300 Frauen und einer Laufzeit von einem Jahr (das entspricht 1.467 dokumentierten Zyklen), zeigte die Methode:

  • eine 100-prozentige Wirksamkeit bei perfekter Anwendung. Das entspricht einem Pearl-Index von 0,0.
  • eine 92-prozentige Wirksamkeit bei typischer Anwendung. Das entspricht einem Pearl-Index von 7,98.

Der Pearl-Index bewertet die Sicherheit eines Verhütungsmittels. Je geringer er ist, desto sicherer schützt die Methode vor einer unerwünschten Empfängnis. Zum Vergleich der Pearl-Index verschiedener hormonfreier Verhütungsmethoden:

  • Kupferspirale: 0,3 – 0,8
  • Symptothermale Methode: 0,4 – 1,8
  • Diaphragma: 1 – 20 
  • Kondom: 2 – 12

Das bedeutet: Unter idealen Bedingungen und wenn die Speichelmethode genau nach Vorgabe angewendet wird, ist sie absolut verlässlich für eine Empfängnisverhütung. Keine der Studienteilnehmerinnen, die sich genau an die Anwendungsvorgaben hielten, wurde innerhalb des Untersuchungsjahres schwanger.

Außerhalb solcher idealen Bedingungen bleibt jedoch, wie bei jeder Verhütungsmethode, ein Restrisiko. Denn im Alltag läuft nicht immer alles nach Plan: Vielleicht vergisst man eine Messung, entspricht unbewusst den Ausschlusskriterien (siehe unten), übersieht eine Anzeige in der App oder verzichtet an einem fruchtbaren Tag auf zusätzliche Verhütung.  

Wird inne so genutzt, wie es im echten Leben oft vorkommt, ergibt sich ein Pearl-Index von 7,98. Das bedeutet: Etwa 8 von 100 Frauen, die die Methode ein Jahr lang anwenden, werden schwanger.

Kurz gesagt: Bei einer konsequenten Anwendung ist die Verhütung mit dem inne Minilab sehr zuverlässig. Im Alltag können jedoch kleine Abweichungen die Wirksamkeit verringern.

Was kann das Testergebnis beeinflussen?

Der Anbieter wirbt damit, dass Alkoholkonsum, ein unruhiger Schlaf oder Erkrankungen beispielsweise nicht das Testergebnis verfälschen, wie es bei anderen Zyklusmonitoring-Methoden der Fall sein kann.

Für wen ist die Speichelmethode geeignet?

Um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen, gibt es jedoch einige Ausschlusskriterien. So ist die Minilab Verhütungsmethode nach Hersteller-Angabe NICHT geeignet für Frauen, die:

  • stillen
  • innerhalb der letzten drei Monate hormonell verhütet haben
  • Medikamente einnehmen, die den Zyklus beeinflussen könnten
  • PCOS haben (Polyzystisches Ovarialsyndrom)
  • Endometriose haben 
  • Wechseljahresbeschwerden haben
  • eine Zykluslänge < 22 oder > 35 Tage oder unregelmäßige Zyklen haben
  • jünger als 18 Jahre sind

Was kostet das?

Ganz günstig ist das Minilab nicht. Für die Erstlieferung (Reader, Ladegerät, Strips für den ersten Anwendungsmonat) werden derzeit einmalig 99 Euro fällig. Dazu kommen die Kosten für die regelmäßige Nachlieferung der Speichelstrips. Die belaufen sich, je nach Abo- und Bezahlmodell, auf 21 bis 39 Euro pro Monat (Stand August 2025).

Was sagen die Fachgesellschaften?

In ihrem Leitlinienprogramm zur nicht-hormonellen Empfängnisverhütung spricht die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe aktuell noch keine Empfehlung für die Verhütung mittels Speichelmethode aus. Die bisherigen Apps und Messsysteme seien noch als “experimentell” zu werten.

Allerdings stammt die letzte Fassung der Leitlinie von Dezember 2023 (die Patientenfassung von März 2025). Es kann sein, dass eine zukünftige Aktualisierung der Leitlinie die Zertifizierung des inne Minilabs aufgreift und die Empfehlungen sich dann ändern. 

Fazit: Neuartig, hormonfrei, zuverlässig aber mit Restrisiko

Das inne Minilab bietet eine zertifizierte, hormonfreie Verhütungsmethode auf Basis eines Speicheltests. Studien belegen hohe Sicherheit bei konsequenter Anwendung, im Alltag können jedoch Anwendungsfehler die Wirksamkeit senken. 

Für Frauen, die eine technikgestützte, hormonfreie Alternative suchen, diszipliniert messen und nicht vor den monatlichen Kosten zurückschrecken, ist es eine spannende Option.

🎧 Podcast: Natürliche Familienplanung bei Kinderwunsch & Verhütung

In dieser Podcast-Folge erklärt Anne Schmuck, zertifizierte NFP-Beraterin, wie natürliche Familienplanung funktioniert. Sie beschreibt, wie Zyklusbeobachtung, Temperaturmessung, Zervixschleim- und Muttermundkontrolle helfen, fruchtbare Tage zu bestimmen – sowohl zur gezielten Schwangerschaftsplanung als auch als sichere Verhütungsmethode.

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Quellen

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.