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Vollzeitjob mit drei Kindern – geht das überhaupt? 

vollzeitjob mit drei kindern - Vollzeitjob mit drei Kindern – geht das überhaupt? 
Bild © Eduard Bergmann

Wie ich als alleinerziehender Vater Familie und Beruf vereinbare. 

„Wie? Mit drei Kindern arbeitest du Vollzeit?!“ Eine Frage, die ich in meinem Leben schon ziemlich häufig gehört habe. Und die oft auch nicht nach ehrlichem Interesse klingt, sondern wie ein entsetzter Vorwurf. 

Ja, ich habe drei Kinder.
Ja, ich bin alleinerziehend.
Und ja, ich arbeite Vollzeit. 

Natürlich ist das nicht immer leicht. Ganz im Gegenteil. Wer Kinder hat, weiß, was das bedeutet: spontane Planänderungen, Krankheitstage, Ferienorganisation, Hausaufgaben und/oder Elternabende.
Drei Kinder bedeuten drei Stundenpläne und natürlich drei unterschiedliche Bedürfnisse. Und oft genug auch das Gefühl, sich zerreißen zu müssen. 

Aber: Es funktioniert. Und das nicht, weil ich so ein ultra krasser Typ bin. Sondern, weil mir mein Arbeitgeber die passenden Rahmenbedingungen bietet. 

Flexibilität ist kein Bonus, sondern die Grundlage 

Ich bin ganz ehrlich: Ich könnte keinen einzigen Tag in Vollzeit arbeiten, wenn mein Job keine Flexibilität bieten würde. Wenn ich immer um Punkt 8 Uhr im Büro sein müsste. Wenn niemand Verständnis hätte, wenn ich mal mitten im Meeting rausmuss, weil ein Kind krank aus der Schule abgeholt werden will. 

Und deshalb bin ich einfach super happy, dass ich einen Arbeitgeber (s. u.) habe, der mir vertraut. Und ein Team, das nicht nur Verständnis hat, sondern mich echt supportet. 

Ich kann ohne Probleme zwischen Büro und Homeoffice switchen. Ist eine super Sache, gerade, wenn mal wieder ein Kind krank daheim ist. Ich kann meine Termine so legen, dass sie mit dem Familienalltag vereinbar sind. Und ja, manchmal sitze ich deshalb halt auch abends noch einmal am Laptop, wenn die Kinder schlafen. 

Das alles funktioniert, weil mein Arbeitgeber versteht, dass Arbeitszeit eben nicht bedeutet, 8 Stunden am Stück vor dem Rechner zu hängen. Dass Leistung nicht daran gemessen werden sollte, wer am längsten im Büro sitzt. Und dass Eltern keine Sonderbehandlung brauchen – sondern einfach faire, realistische Bedingungen. 

Du hast nen Plan … und dann kommt das Leben dazwischen 

Konkretes Beispiel aus den letzten Wochen: Ich fahre auf dem Weg ins Büro morgens zur Schule, bringe zwei Kinder weg – und die Kleinste kotzt mir kurz vorm Ziel ins Auto. So ein richtiger Klassiker im Leben von Eltern. 

In einem anderen Job hätte das für mich Stress pur bedeutet. Ich hätte mich fragen müssen: „Was mache ich mit meinem Kind?“, „Wie sag ich das jetzt meinem Chef?“ und „Hat der Arzt eigentlich auf, damit ich mich kindkrank schreiben lassen kann?“ 

Das sind alles Fragen, die ich mir zum Glück nicht mehr stellen muss. Und deshalb bin ich einfach umgedreht, nach Hause gefahren, hab meine Tochter versorgt, das Auto halbwegs wieder klargemacht und ne Maschine Wäsche angeschmissen. Als schließlich alles wieder unter Kontrolle war, hab ich den Laptop aufgeklappt und gearbeitet. War dann eben ein Tag mehr Homeoffice als geplant. 

Das klappt aber nur, weil keiner doof guckt, wenn mir mal wieder das Leben dazwischenkommt. Mein Team und meine Vorgesetzten vertrauen mir.  Und es steht halt auch nie die Vermutung im Raum, ob ich denn „wirklich“ arbeite, wenn ich zu Hause bin. Weil ich zuverlässig bin, kommuniziere – und alle wissen: Ich bin da, wenn ich gebraucht werde. Im Job, aber auch für meine Kinder. 

Warum mache ich mir den Stress? 

Natürlich könnte ich sagen: „Ich reduziere auf Teilzeit, dann ist alles leichter.“ Aber so einfach ist das nicht. 

Zum einen, weil ich meinen Job liebe. Ich arbeite als People & Culture-Manager – also mit Menschen, für Menschen. Das ist genau das, was ich machen will. Zum anderen aber auch, weil ich meinen Kindern etwas bieten möchte. Ich hab halt Kosten, die ich nur mit einem Vollzeitjob stemmen kann. Und indem ich das mache, zeige ich meinen Kids, dass alles mit den richtigen Bedingungen, mit Organisation und auch mit Rückhalt möglich ist. 

Ich möchte ihnen ein Vorbild sein. Ihnen zeigen, dass man Verantwortung übernehmen kann, ohne sich selbst komplett zu verlieren. Dass Familie und Beruf kein Widerspruch sein müssen.  

Was es wirklich braucht: Vertrauen und Verständnis 

Ich weiß, dass mein Modell nicht für alle funktioniert. Nicht jeder Job lässt sich einfach ins Homeoffice verlegen. Du kannst auch nicht überall den Stift fallen lassen und losfahren, wenn was mit den Kids ist. Und – so wünschenswert das halt wäre – nicht jede Führungskraft hat Verständnis für Care-Aufgaben. Aber in vielen Fällen wäre heute definitiv deutlich mehr möglich, als tatsächlich erlaubt oder gelebt wird. 

Das Problem ist oft nicht die Struktur, sondern das Mindset. Noch immer gibt es Unternehmen, die glauben, nur wer im Büro sitzt, arbeitet auch. Oder die Eltern misstrauen, statt ihnen zu vertrauen. Dabei ist Vertrauen die Basis für Produktivität, Loyalität und Motivation. 

Wer Flexibilität nur predigt, aber nicht lebt, braucht sich über Fachkräftemangel nicht zu wundern. Und wer Eltern das Leben zusätzlich schwer macht, erst recht nicht. 

Denn Eltern – auch alleinerziehende – brauchen keine Extrawurst. Sie brauchen einfach Arbeitsbedingungen, die sich mit ihrem Alltag vereinbaren lassen.  

Wir brauchen mehr Sichtbarkeit und weniger schlechtes Gewissen  

Als alleinerziehender Vater bin ich in Deutschland immer noch eher die Ausnahme. Laut Statistischem Bundesamt gibt es über 2,3 Millionen alleinerziehende Mütter – aber nur rund 500.000 alleinerziehende Väter. Und genau deshalb möchte ich sichtbar machen, dass auch Väter Care-Arbeit leisten.  

Denn noch immer gibt es diese Klischees: Mütter gelten als zu sehr mit Familie beschäftigt, Väter als zu wenig. Mütter werden belächelt, wenn sie wieder arbeiten gehen. Väter werden bestaunt, wenn sie es schaffen, Kinder und Job zu managen. 

Ich finde: Beides ist falsch. Familie ist kein Frauen- oder Männerthema. Es ist ein Menschenthema. Ein wichtiges gesellschaftliches Thema. 

Arbeitgeber müssen flexibler werden 

Meine Meinung: Wir stehen vor gravierenden gesellschaftlichen Herausforderungen. Und deshalb darf Vereinbarkeit kein Zufall sein. Es sollte keine Glückssache sein, ob jemand einen verständnisvollen Chef oder flexible Arbeitszeiten hat. 

Wenn Unternehmen Eltern wirklich halten und gewinnen wollen, müssen sie Strukturen schaffen, die das Leben mit Kindern realistisch abbilden.
Dazu gehören: 

✅ Flexible Arbeitszeiten statt Stechuhr
✅ Vertrauen statt Kontrolle
✅ Verständnis statt Misstrauen
✅ Homeoffice, wo immer es möglich ist
✅ Positionen, die im Tandem besetzt werden können
✅ Und eine Kultur, in der Elternsein nicht als Handicap gesehen wird 

Denn die Wahrheit ist: Wer Eltern beschäftigt, bekommt keine „Risiko-Gruppe“. Er bekommt Menschen, die Verantwortung übernehmen, die organisiert, effizient und belastbar sind. 

Und die wissen, wie man auch im Chaos die Nerven und den Überblick behält.

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Veröffentlicht von Eduard Bergmann

Eduard Bergmann ist alleinerziehender Vater von 3 Kindern und arbeitet als People & Culture-Manager bei orgaMAX in Detmold. Seine Vision, die er bei LinkedIn und als Speaker sichtbar macht: Eine modernere und vor allem flexiblere Arbeitswelt – gerade auch für Eltern.