Von Anfang an dabei!

Wald statt Kinderyoga – Warum du mit deinem Kind die Natur erforschen solltest

Naturerfahrungen sind wichtig für Kinder. Wenn ich den Kindheitsgeschichten meiner Mutter zuhöre, spielen die sich alle draußen ab und klingen nach Abenteuer. Da kommt selten teures Spielzeug vor, dafür Wiesen, Brachland und zugefrorene Bäche. Heute beschäftigen wir unsere Kinder aktiv in Kursen und Krabbelgruppen. Beim Kinderyoga lernen sie dann, sich zu entspannen und machen Fantasiereisen in den Wald. Und der echte Wald? Den kennen unsere Kinder fast nur noch aus Büchern.

Warum Kinder Naturerfahrungen brauchen

Je grüner der Lebensraum eines Kindes, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es im Verlauf seines Lebens eine psychische Krankheit erleidet, so das Ergebnis einer dänischen Studie. Dabei muss es nicht gleich ein Wald sein, so die Wissenschaftler, auch das Spielen in städtischen Parkanlagen wirkt sich positiv auf die kindliche Psyche aus.

Draußen spielen ist heute nicht mehr praktikabel

Eigentlich brauchen wir gar keine Studie, die uns sagt, dass Kinder an die frische Luft gehören. Das wissen wir ganz instinktiv. Nur haben wir es uns irgendwie abgewöhnt. Früher war es ja auch viel einfacher draußen zu spielen. Es lebten weniger Menschen in Städten und selbst in denen gab es unbebautes Brachland. Es gab viel weniger Verkehr und die Autos die fuhren, sahen noch nicht aus wie Panzer. Und auch für unsere Eltern war es praktischer uns vor die Tür zu schicken. Denn wir mussten uns beschäftigen, ganz ohne Pekip, Singmäuse und Kinderyoga.

Heute haben wir es super bequem. Eine Familienkutsche, die uns bei jedem Wetter von A nach B fährt zu all den bequemen Indoor-Angeboten, bei denen unsere Kinder die Erfahrungen nachahmen können, die sie verpassen, weil sie nicht draußen spielen. Versteh mich nicht falsch. Ich habe überhaupt nichts gegen Kinderyoga. Aber wo könnte ein Kind besser balancieren lernen, als beim Klettern in der freien Natur? Wo könnte es besser erfahren, wo seine körperlichen Grenzen liegen? Wo könnte es so selbstverloren spielen wie am Ufer eines Bachs? Manchmal scheint es mit so, als wäre die Natur für uns eine Art Lückenbüßer für den Tag, an dem wir keine Aktivität für unser Kind geplant haben. Sollte es nicht eher andersherum sein? Also dass wir uns nette Aktivitäten ausdenken, wenn’s wirklich mal ne Woche am Stück regnet?

Warum draußen spielen 1000 Mal besser ist

  • Draußen muss man nicht aufräumen
  • In der Natur erfahren Kinder ihre Umwelt mit allen Sinnen gleichzeitig
  • Man kann mit Wasser, Matsch, Steinen, Sand, Moos, Blättern und allem spielen, das in der Wohnung verboten ist
  • Kinder erfahren natürliche Grenzen, anstatt zuhause ständig zu hören „Nein, das geht kaputt, tu dies und lass das“
  • Kinder werden kreativ, es gibt kein Spielzeug und keine vorgegebenen Regeln
  • Es kostet nix
  • Kinder entwickeln aus sich selbst heraus ein Umweltinteresse und -bewusstsein
  • Draußen kann man Stress abbauen und aufdringliche Gedanken vergessen
  • Natur gibt es fast überall. Du musst nicht weit fahren. Kleine Parks, Pfützen, Pflanzen am Wegrand, Spatzen im Café
  • Draußen muss man nicht ständig aufpassen, dass nichts kaputt geht oder dreckig wird
  • Dein Kind tankt automatisch Vitamin D
  • Die Natur bietet auch Widerstände. Mal regnet es, mal wird es kalt und ungemütlich. Das härtet ab und zwar auf ganz natürliche Weise
  • … und viel mehr!

Wie du mehr Natur in den Alltag mit deinem Kind bringst

Naturerfahrungen kannst du mit deinem Kind schon im ganz kleinen machen, zum Beispiel auf dem Weg vom Kindergarten nach Hause. Hol dein Kind zu Fuß ab und lauft nach Hause. Schaut, was ihr auf dem Weg entdeckt. Fast jede Jahreszeit hat andere kleine Wunder zu bieten: Frühlingsblüher und frühe Knospen am Ende des Winters, duftender Flieder und bunte Sträucher im Frühling, Beeren und Blumen im Sommer und natürlich die Früchte der Bäume im Herbst. Achte auf Vogelgezwitscher und Marienkäfer, auf vorüberziehende Wolken und ihre Formen. Untersuche unterschiedliche Blätter mit deinem Kind, hebt das Moos auf einem Baumstamm an und wundert euch, was ihr darunter entdeckt. Wenn du deinen Blick schulst und dein Kind daran teilhaben lässt, könnt ihr so viel entdecken. Und dabei geht es gar nicht nur darum zu wissen, welcher Blatt zu welchem Baum gehört. Du bist einfach achtsam und im Moment mit deinem Kind. Ihr seid im hier und jetzt zufrieden mit dem was gerade ist, anstatt immer gleich zur nächsten Verabredung zu hetzen.

Waldspaziergänge

Waldbaden wird in Japan als Therapieform eingesetzt und vom Gesundheitsministerium gefördert. Großstädter werden in Wald-Therapiezentren geschickt, um Burnout und stressbedingte Krankheiten zu heilen. Und auch in Deutschland ist Waldbaden eine beliebte Methode, wieder zu sich selbst zu kommen und innere Ruhe zu finden. Du musst ja nicht gleich Bäume umarmen (obwohl das mit Kindern durchaus lustig sein kann). Fakt ist: Wald tut gut. Das gilt nicht nur für dein Kind, sondern auch für dich und deine Familie. Fahrt in den Wald, sowie das Wetter einigermaßen angenehm ist und schaut, was ihr dort entdeckt. Nehmt euch keine endlos langen Spaziergänge vor, sondern lasst euch inspirieren. Im Sommer könnt ihr auch eine Badestelle im Wald ansteuern. Dort können sich Kinder stundenlang damit beschäftigen, kleine Steinchen oder Blätter ins Wasser zu werfen, zu baden und einfach die Natur zu beobachten. Und du kannst dich einfach mal entspannen und durchatmen.

Wer noch Inspiration für den nächsten Waldbesuch braucht, dem empfehlen wir das Naturspaßbuch von Jako-o. Hier erfährst du alles über die wichtigsten Wald- und Wiesenbewohner, häufigsten Bäume und Pflanzen, Tiere und Insekten. Das Buch steckt voller toller Ideen, wie du den Wald mit deinen Kindern erlebbar machen kannst. Das sind zum Beispiel Kochideen mit Waldpflanzen, spannende und spielerische Naturbeobachtungen sowie Ideen für ganze Exkursionen je nach Jahreszeit. Mehr Outdoor-Spielzeug von Jako-o…

Was ist das für ein Baum?

Du musst nicht alles über die Natur wissen, um sie deinem Kind näher zu bringen. Aber du kannst seine natürliche Neugier am Leben halten. Nimm ein Buch mit auf eure Erkundungstouren und schlagt gemeinsam nach, welche Tiere oder Pflanzen euch gerade begegnen und was ihre speziellen Merkmale sind. Es gibt auch Apps, mit denen du ganz einfach Pflanzen bestimmen kannst wie zum Beispiel PlantNet. Einfach ein Foto der Pflanze machen und in Sekundenschnelle hast kennst du ihren Namen. Online kannst du auf pflanzen-bestimmung.de anhand verschiedener Merkmale wie Gewächsart, Blütenform, Pflanzenhöhe etc… Pflanzen bestimmen. Das kannst du auch mit deinem Kind zusammen machen, wenn ihr Blätter mit nach Hause genommen oder Pflanzen fotografiert habt.

Aktivitäten in der Natur

Wer du es nicht gewohnt bist, mal einfach ungeplant drauflos zu entdecken, kannst du dir je nach Alter deines Kindes auch schöne Aktivitäten überlegen:

  • Ein Piknick in der Natur
  • Ein Tipi aus Stöckern bauen
  • Eine Schnitzeljagd machen
  • Geocaching
  • Den Sonnenuntergang beobachten
  • Im Dunkeln die Sterne beobachten
  • Am Flussufer Blätter treiben lassen
  • Schätze (Blätter, Steine, Rindenstücke, Baumfrüchte) sammeln
  • Pilze sammeln im Herbst – Achtung: Pilze solltest du immer mit einem Pilzmesser abschneiden, nicht pflücken
  • Den Wald hören, riechen, beobachten, anfassen
  • Einen Barfußpfad bauen oder einfach barfuss laufen
  • Verstecken spielen
  • Tannenzapfen-Weitwurf
  • Und im Sommer: Baden, baden, baden!
  • Auf Baumstämmen balancieren und klettern

Im Prinzip brauchst du erstmal gar nichts, um in die Natur zu gehen, außer wetterfester Kleidung. Denn wenn deinem Kind kalt wird, ist es verständlich, dass es nach Hause möchte. Ein paar praktische Spielzeuge gibt es aber, die Naturerkundungen unterstützen wie zum Beispiel: Becherlupen, Taschenlampe, Stirnlampe, Lupe, Fernglas, wasserdichter Fotoapparat.

Die Natur mit nach Hause nehmen

Du kannst mit deinem Kind tolle Dinge aus Naturmaterialien basteln. Sucht euch draußen die schönsten Schätze und nehmt sie mit nach Hause. Kostet wenig, macht Spaß und ihr habt noch eine schöne Erinnerung oder ein kleines Geschenk für Omi und Opi.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem schönen Mobile aus Ästen und Naturmaterialien?

Gesammelte Schätze wie Steine könnt ihr auf viele verschiedene Arten bemalen und damit eigenes Spielzeug basteln.

Kleineren Kindern reicht es oft völlig aus, eine Tüte voller Kastanien mit nach Hause zu nehmen. Sie werden ganz allein kreativ und fangen an zu sortieren, sie aufzureihen, sie in Schüsseln zu verteilen oder im Waschbecken schwimmen zu lassen.

Geh raus!

Wenn es dich jetzt gepackt hat, kannst du ganz einfach anfangen. Geh ohne Plan und Ziel in den nächsten Park und schau, welche Ideen deinem Kind einfallen. Am besten eignet sich ein Ort, wo dein Kind sich wirklich frei bewegen kann, ohne dass du ständig sagen musst „Pass auf“ oder „bleib auf dem Weg…“. Denn genau da wo die Beschränkungen aufhören, kann sich die Kreativität erst richtig entwickeln. Oder du planst gleich einen richtigen Familienausflug am Wochenende. Auf naturorte.de findest du tolle Ausflugstipps ins Grüne. Du kannst auch speziell nach Webseiten mit Tipps für deine Region schauen. Oder wie wäre es, wenn du im Sommer Fallobst mit deinen Kindern sammelst? Auf mundraub.org findest du wilde Obststräucher, Apfelbäume und andere spannende Fundorte für Essbares aus der Natur. Und wenn ihr dann satt und zufrieden am Abend wieder zuhause seid, könnt ihr euch ja noch ein bisschen Kinderyoga gönnen 😀

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