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Warum manche Kinder eine Aufwachbegleitung brauchen

Kleinkind und Vater liegen im Bett und wachen auf.
Wie kann eine Aufwachbegleitung aussehen? / Bild © Masson, Adobe Stock.

Brauchen Kleinkinder neben einer Einschlafbegleitung wirklich auch eine Aufwachbegleitung? Nun …

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht nur die tägliche Einschlafbegleitung ist wichtig. Kleinkinder profitieren immer auch von einer Aufwachbegleitung der Eltern.
  • Zeitlich ist sie häufig nicht so lang, wie die Einschlafbegleitung. Schon 5 bis 10 Minuten mehr Zeit zum gemeinsamen Aufwachen machen hier den Unterschied.
  • Denn der Übergang vom Schlaf in den Tag ist für Babys und Kleinkinder oft herausfordernd. Kinder verarbeiten im Schlaf Erlebtes und integrieren die unzähligen Lernerfahrungen dieser Lebensphase.
  • Der Tag beginnt leichter, wenn sie sanft und sicher im Wach-Sein ankommen dürfen. Einige Kinder brauchen morgens mehr Nähe, Zeit und Zuwendung, bevor sie aktiv werden können.
  • Morgendliche Mini-Rituale (liebevoll wecken, kuscheln, ein ruhiges Spiel) können den Tag harmonischer und mit mehr Leichtigkeit starten lassen.
  • Du setzt den Rahmen und das Kind darf mitgestalten.

Wichtig: Die Rubrik “Das Wichtigste in Kürze” ist nur ein Überblick. Sie kann niemals die Komplexität von Themen widerspiegeln. Themen sollten immer individuell und ganzheitlich betrachtet werden. Wir möchten dich daher dazu ermutigen, dir den ganzen Artikel durchzulesen, für alle Infos zu diesem Thema.

Wusstest du, dass nicht nur das Einschlafen, sondern auch das Aufwachen vom Baby oder Kleinkind begleitet werden darf? Wir erklären dir, warum eine Aufwachbegleitung wichtig ist und was sie deinem Kind geben kann.

Warum manche Morgende dein Kind herausfordern können

Der Schlaf ist für uns Menschen ein besonderer Zustand. Wir träumen, verarbeiten Erlebtes und haben auch mal unruhige Nächte. Bei Kindern ist das nicht anders. 

Gerade im Kleinkindalter durchlaufen sie enorme Entwicklungsschritte. Die Autonomiephase beginnt, sie lernen jeden Tag etwas Neues und wachsen, was das Zeug hält. Und all das muss integriert werden. 

Hinzu kommen dann noch Albträume, der Nachtschreck oder einfach Schlafprobleme durch Krankheiten und Co. Nicht zu vergessen herausforderndere Lebens- und Familienphasen, wie ein Umzug, ein neues Geschwisterchen, die Kita-Eingewöhnung oder andere Veränderungen in seinem Leben.

Verständlich also, dass dein Kind dich am Morgen möglicherweise – gerade nach solchen Nächten – braucht, um gut und sicher in den Tag starten zu können, oder?

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Übergänge wollen gelernt sein – gib deinem Kind dafür Zeit

Beispiel: Du bereitest mit allen deinen To-Dos im Kopf schon das Frühstück vor, aber dein halbwaches Kind liegt noch im Bett und du spürst, es braucht dich jetzt eigentlich. 

Oder es wacht mit einem lauten Schrei oder Weinen auf. Wieder andere Kinder brauchen morgens einfach insgesamt länger, um „in Gang zu kommen“. Hier gibt es kein “richtig” oder “falsch”.

Das alles können Anzeichen dafür sein, dass dein Kind eine sanfte Aufwachbegleitung benötigt. Gerade der Übergang vom Schlaf zum Wachzustand ist für Kleinkinder eine Herausforderung. 

Denn Übergänge wollen gelernt sein, besonders wenn man – wie im Baby- oder Kleinkindalter – alles im Leben gerade zum ersten Mal erlebt. Deine Begleitung ist hier der Schlüssel zum Glück. 

Ideen für deine Aufwachbegleitung

Wie du die Aufwachbegleitung gestaltest, hängt ganz von euch, eurer Familienrealität, eurem Alltag und deinem Kind ab. Du kennst es am besten.

Frage dich: “Was braucht mein Kind morgens, um sicher, geborgen und gut in den Tag starten zu können?”

  • Ist es ein “Guten Morgen”-Lied, das du summst?
  • Eine ordentliche Kuscheleinheit? 
  • Oder einfach ein kurzes Gespräch zwischen dir und ihm zum Wachwerden?
  • Liebevolle Worte und offene Fragen, wie „Guten Morgen mein Schatz“, „Wie hast du geschlafen?“, “Was hast du im Traum erlebt?”
  • Leise Musik oder ein lustiges Fingerspiel im Bett?
  • Oder auch einfach mal Stille?
  • Oder zum Beispiel alles zusammen und nacheinander?

Kleine Beispiele, wie du vorgehen kannst:

  • Stelle deinen Wecker 5 bis 10 Minuten früher, um in Ruhe mit deinem Kind aufzuwachen und ihm die Zeit zum Aufwachen zu geben, die es braucht.
  • Erinnerung: Jedes Kind ist anders. Manche Kinder brauchen möglicherweise 20 bis 30 Minuten dafür. Hier gibt es kein Regelwerk. Alles ist richtig und stimmig, wenn es auf das Wohlbefinden deines Kindes einzahlt.
  • Nach einer Kuscheleinheit, einem leisen Gespräch und möglicherweise einem Lied kannst du übergehen in ein sanftes Spiel (z. B. Bauklötze, leises Rollenspiel). Du setzt den zeitlichen Rahmen dafür, dein Kind bestimmt den Inhalt.
  • Kündige Übergänge liebevoll und geduldig an: „Noch 5 Minuten spielen/kuscheln, dann müssen wir uns umziehen für den Tag.” Nach 5 Minuten (Dein Kind hat noch kein Zeitgefühl) leitest du den Übergang ein: „Jetzt ist es soweit. 5 Minuten sind vorüber. Lass uns zusammen ins Bad gehen.“

Wenn du weiterhin offene Fragen stellst und deinem Kind Angebote machst, die ihm den Übergang ins Bad oder an den Frühstückstisch erleichtern, bist du auf der sicheren Seite.

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Fazit: Sanfte Übergänge im Alltag brauchen Zeit – und dich

Es ist nicht notwendig, vom Kleinkind zu erwarten, von einem Moment auf den nächsten wie ein Fingerschnippen umschalten zu können.

Übergänge dürfen sanft und liebevoll von dir als Elternteil gestaltet und begleitet werden. Dein Kind erlebt sie gerade zum ersten Mal und du gibst den Rahmen vor, wie es sie erlebt.

Gerade im so lebendigen und wichtigen Kleinkindalter, wo allzeit jede Menge erfahren, gelernt und integriert wird, sind Geduld, Ruhe und Liebe am Morgen der Schlüssel zum Glück.

Eine Aufwachbegleitung ist deshalb genauso wichtig wie eine Einschlafbegleitung.

Wenn du Geduld zeigst, den Rahmen gibst und deinem Kind vermittelst: „Du hast Zeit, um wach zu werden. Ich bin da. Du bist sicher und geborgen.“ … dann bestimmst du seinen Start in den Tag maßgeblich mit.

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.