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Was ist mit mir? – Wenn es Oma & Opa nur noch ums Baby geht

Großmutter küsst Hand von Baby. Mutter sitzt daneben.
Was tun, wenn das Umfeld NUR NOCH aufs Baby schaut? / Bild © TRAVELARIUM, Adobe Stock.

Gefühlt dreht sich bei deinen Eltern und Schwiegereltern alles nur noch um dein Baby und keiner fragt mehr nach dir? Warum du das nicht einfach hinnehmen musst und wie du das Ganze galant ansprechen kannst!

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Eltern fühlen sich nach der Geburt oder während der Babyzeit übersehen, wenn nahe Angehörige (z. B. Großeltern) scheinbar nur noch Interesse am Baby zeigen.
  • Diese Dynamiken entwickeln sich meist schleichend und oft unbewusst.
  • Du darfst deine eigenen Bedürfnisse nach echtem Interesse sichtbar machen, als Elternteil und Mensch.
  • Ein achtsames Gespräch mit den betreffenden Personen kann klärend und verbindend wirken.
  • Selbstfürsorge und ein “Sich selbst sehen und anerkennen” ist kein Luxus, sondern notwendig, gerade in dieser sensiblen Lebensphase.
  • Du bist mit diesen Gefühlen nicht allein. Viele Eltern erleben genau das Gleiche.

Wichtig: Die Rubrik “Das Wichtigste in Kürze” ist nur ein Überblick. Sie kann niemals die Komplexität von Themen widerspiegeln. Themen sollten immer individuell und ganzheitlich betrachtet werden. Wir möchten dich daher dazu ermutigen, dir den ganzen Artikel durchzulesen, für alle Infos zu diesem Thema.

„Zählt jetzt nur noch das Baby?“

Manchmal ergibt sich eine Dynamik, die man vorher kaum erahnen konnte. Im Neugeborenen-Stadium und während des Wochenbetts wirkt das Verhalten des Umfelds noch annähernd erklärbar. Doch spätestens, wenn das Baby zum Kleinkind wird, kommt bei vielen Mamas und Papas Frust auf.

Nicht selten sind es nahestehende Herzensmenschen – vor allem die eigenen Eltern oder Großeltern –, die plötzlich nicht mehr ihre Kinder, sondern nur noch ihre Enkelkinder im Fokus haben. 

Das Gefühl „Zähle ich gar nicht mehr? Zählt jetzt nur noch mein Kind?“ schleicht sich dabei oft langsam ein. Die Veränderung wird meist erst bei wiederholten Situationen bewusst:

Beispiele aus dem Alltag:

  • Du (die Mutter) bist mit deiner Mutter auf einen Kaffee verabredet. Sie fragt empört: „Warum ist das Baby nicht dabei?“
  • Ihr fahrt in den Urlaub. Die Großeltern möchten vor der Reise unbedingt noch die Enkelkinder sehen, nicht euch.
  • Beim sonntäglichen Besuch stehen ausschließlich das Baby oder Kleinkind im Mittelpunkt. Obwohl es in eurem (Eltern-)Leben gerade große Veränderungen gibt.
  • Nach der Geburt des Kindes besuchen euch plötzlich Familienmitglieder, die ihr zuvor nur an Feiertagen gesehen habt und die sonst scheinbar nichts von euch wissen wollten.

Wenn echtes Interesse an dir auf der Strecke bleibt

Diese Situationen sind nicht nur fragwürdig, sie können sich auch emotional belastend anfühlen. 

Denn: Die eigene Lebensrealität dreht sich ohnehin bereits stark um die Fürsorge, Nähe und Verantwortung für das Kind. Selbstfürsorge und Me-Time kommen in dieser Lebensphase oft zu kurz.

Wenn dann auch noch nahe Bezugspersonen scheinbar lieber mit dem Baby Zeit verbringen als mit dir, führt das schnell zu Irritationen oder sogar tiefer Enttäuschung.

Was jetzt wirklich helfen kann!

Die eigenen Gefühle ernst nehmen und rauslassen

Dass diese Reaktionen deiner Liebsten bei dir Trauer, Wut oder Enttäuschung auslösen, ist völlig normal. Nimm deine Gefühle ernst und gib ihnen Raum. Am besten gemeinsam mit deinem Partner oder einer vertrauten Person.

Hier ein paar Möglichkeiten zur emotionalen Entlastung:

  • In ein Kissen schreien.
  • Weinen. Egal, wo.
  • Gedanken in einem Journal niederschreiben.
  • Yoga, Meditation, Sport oder ein Spaziergang. Und wenn es nur 5 Minuten sind.

Mach dir klar: Das Baby hat nichts damit zu tun!

Wichtig ist jetzt, zu differenzieren, dass deine Gefühle nichts mit deinem Baby zu tun haben! 

Denn Babys haben feine Antennen. Wenn du die Situation vorher nicht für dich differenzierst, könnte dein Baby deine Gefühle missverstehen und auf sich oder deine Liebe zu ihm beziehen. Und das willst du ja auf keinen Fall. 

Denn das ist einzig eine Situation zwischen dir und deinen eigenen Eltern, in der Regel. Die Verantwortung zur Klärung liegt bei euch.

Das Gespräch suchen!

Früher oder später kommst du nicht darum herum, mit den betreffenden Personen zu sprechen. Wichtig ist, wie du das Ganze formulierst. (Unterschwellige) Vorwürfe führen selten weiter. 

Stattdessen hilft es, in einem wertschätzenden Ton zu kommunizieren. Zum Beispiel mit der sogenannten Giraffensprache aus der gewaltfreien Kommunikation …

Die „Giraffensprache“ beschreibt in 4 Schritten den groben Ablauf der gewaltfreien Kommunikation (kurz: GFK) nach Marshall B. Rosenberg.

Ihren Namen verdankt sie der Fähigkeit der Giraffe, eine Situation (insbesondere die eigene Gefühlswelt) durch ihren langen Hals zunächst aus einer oberen Perspektive zu überblicken, ehe man sich wieder hinunter zum Problem beugt, um ins Handeln zu kommen.

Die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist eine Kommunikationsstrategie, die darauf ausgerichtet ist, dass der Mensch seine Worte bewusster und vor allem gewalt-freier wählt und so stimmigere und kreativere Kompromisse mit seinem Gegenüber finden kann.

Das Ganze ansprechen und galant auflösen!

Das könnte zum Beispiel so aussehen:

1. (Wertfreie) Beobachtung der Ist-Situation: 

Probiere mal aus, die Situation nicht zu bewerten, also sie nicht sofort in „gut“ oder „schlecht“ einzuteilen sowie sie nicht kleinzureden. Nimm einfach wahr, was ist, ohne es zu verurteilen. 

Beispiel des inneren Dialogs: „Das Baby steht bei meinen eigenen Eltern klar im Fokus. Um mich oder uns als Eltern geht es nicht mehr.”

2. Gefühl: Was fühle ich gerade?

Beobachte, welche Gefühle sich aufgrund der Situation in dir regen. Versuche – ähnlich wie eine Giraffe – das Ganze weiterhin von oben zu betrachten und innerlich zu beschreiben.

Beispiel des inneren Dialogs: „Ich fühle mich unsichtbar und das macht mich wütend. Als würde ich, seit ich Mama/Papa bin, nicht mehr existieren.”

3. Bedürfnis: Was brauche ich?

Hinterfrage nun, was das unerfüllte Bedürfnis hinter deinen Gefühlen sein könnte.

Beispiel des inneren Dialogs: „Ich wünsche mir echte Verbindung und ein echtes Interesse von meinen eigenen Eltern. Auch an meiner Person und als Mensch, nicht nur in meiner Rolle als Elternteil.”

4. Bitte: Was ist mein Wunsch, damit sich mein Bedürfnis erfüllen kann?

Jetzt, wo du weißt, was du brauchst, damit sich dein Bedürfnis erfüllen kann, gehst du in ein achtsames, aktives Gespräch mit deinen Eltern (oder den betreffenden Personen).

Beispiel: „Ich habe den Eindruck, dass sich, wenn wir uns sehen, alles nur ums Baby dreht. Und das verstehe ich. Gleichzeitig brauche ich selbst auch Raum und wünsche mir ein ehrliches Interesse an mir und meinem Leben. Nicht nur in meiner Rolle als Mama, sondern als Mensch.“

Fazit

Wenn es sich so anfühlt, als würden andere Menschen nur noch das Baby oder Kleinkind sehen – und dich übergehen –, kann das ziemlich enttäuschend sein.

Doch meist geschieht dieses Verhalten nicht absichtlich, sondern unbewusst. Umso wichtiger ist es, deine Wahrnehmung sichtbar zu machen, deine Gefühle ernst zu nehmen  und mutig ins Gespräch zu gehen.

Denn: Sobald du deine Gefühle rauslässt, werden sie oft schon ein Stück leichter. Und bestenfalls fällt den Angesprochenen auf, dass sie sich tatsächlich nicht besonders sensibel verhalten haben und die Situation löst sich, weil sie ihren Fokus jetzt wieder über das Baby hinaus ausweiten. Zumindest etwas.

Quellen

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.