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Warnung an Eltern: Bei „White Noise“ nicht übertreiben

KI generiertes Bild mit farbig visualisierten Tönen eines Rauschens
Manchen Kindern hilft White Noise, wissenschaftlich belegt ist die Wirkung jedoch nicht. / Bild © agnes, Adobe Stock (KI-generiert)

White Noise kann ein Hilfsmittel sein, wenn das Baby oder Kleinkind nicht zur Ruhe kommt. Dauerbeschallen solltest du dein Kind jedoch auf keinen Fall. 

Worum es hier geht

Immer mehr Eltern spielen ihrem Baby zum Einschlafen „White Noise“ vor, also monotone Geräusche wie Regenprasseln, Wellenrauschen, Vogelzwitschern oder Staubsauger-Brummen, für die es online Playlists gibt – eine von mehreren Beruhigungsstrategien, wenn Babys Nervensystem in Aufruhr ist.

Aber Achtung: Zu laute und/oder zu lange Beschallung kann unerwünschte Nebenwirkungen haben, die sich erst später zeigen!

Die Frankfurter Rundschau titelte deshalb: „‚Entwicklung gestört‘ – Kinderneurologin warnt vor beliebter Einschlafhilfe bei Kindern“ und meint damit eben jenen White Noise, den auch wir mitunter empfehlen.

Hat die Headline recht? Ist White Noise tatsächlich so schädlich? Wir bringen Klarheit:

Was die Studie wirklich untersucht hat

Die zitierte Wissenschaftlerin Prof. Dr. med. Ursula Felderhoff-Müser leitet die Klinik für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Essen und ist Fachärztin für Neonatologie und Neuropädiatrie. Sie wurde ursprünglich von BuzzFeed zu einer Untersuchung befragt, die im Juli 2024 im Wissenschaftsmagazin „ScienceDirect“ erschien.

Dabei handelt es sich um eine Meta-Studie, also eine Auswertung etlicher wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Studien zu diesem Thema.

In besagter Untersuchung ging es jedoch nicht um White Noise allgemein, sondern um „White-Noise-Maschinen“ und Babyschlaf-Apps mit diesen Geräuschen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass viele verkaufte Tools zu laut und zu lange beschallten. Auf diese Weise beruhigte Babys (und je nach Studie auch Tiere) erlitten durch die zusätzliche Geräuschkulisse teils dauerhafte Hörschäden, ihr Sprachzentrum entwickelte sich mit Verzögerung und blieb teilweise auch später unter der Norm. Einige zeigten in der Folge Verhaltensauffälligkeiten.

Ist White Noise also schädlich?

Es kommt darauf an. Als erwiesen gilt: Dauerlärm schadet und längere Ruhepausen sind wichtig für die Hirnentwicklung. Das war schon vorher bekannt.

Die Studie sagt aber nichts darüber aus, ob maßvoll eingesetzter White Noise ebenfalls schädigt. 

Babys sollten ungeschützt möglichst keinen Geräuschen über 85 Dezibel (dB) ausgesetzt werden, damit das Gehör keinen Schaden nimmt. Noch viel weniger dürfen es sein, wenn das Geräusch länger einwirkt. 

Schon mittlerer Verkehrslärm aber auch Baustellenlärm erreicht diese Werte. Arbeitnehmer müssen ab 85 dB verpflichtend Kopfhörer tragen.

Viele untersuchte White-Noise-Maschinen erreichten Werte über 91 dB und die Lautstärke der Apps hing vom jeweiligen Handy oder Tablet ab und wurde nicht automatisch gedrosselt.

Zum Vergleich: Zimmerlautstärke liegt zwischen 30 dB (nachts) und 40 dB (tagsüber). Ein Staubsauger oder ein Föhn haben etwa 70 dB

Unser Fazit

Wie immer scheint ein bewusster Einsatz von Hilfsmitteln wichtig zu sein.

Unsere Empfehlung lautet daher: Wenn du White Noise nutzen willst, weil es euch wirklich hilft, achte auf eine möglichst geringe Lautstärke und schalte ihn ab, sobald dein Kind fest schläft. 

Auch mit leisem Sprechen oder Singen machst du nichts falsch, sofern dein Kind dadurch ruhiger wird – nicht bei allen klappt das. Und am besten beruhigen sich Babys, wenn sie die Atemgeräusche ihrer Eltern hören.

Wir wünschen euch ruhige Nächte!

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 16.03.2025
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.