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Kleinkinder trauern anders – was du wissen musst

Kleinkind ist auf Friedhof.
Kleinkinder trauern anders – wenn du dir das klar machst, kannst du dein Kind in seiner Trauer bestmöglich begleiten. / Bild © zerogami, Adobe Stock.

Jemand in eurem (nahen) Umfeld ist verstorben und du fragst dich, wie du dein Baby oder Kleinkind jetzt überhaupt einbinden kannst und über den Tod aufklären solltest? Dann bist du hier genau richtig!

Früher oder später erlebt es jeder Mensch: Trauer durch eine Verlusterfahrung. Egal ob Opa, die nette Nachbarin, das geliebte Haustier oder ein plötzlicher Todesfall innerhalb der Kernfamilie: Der Tod betrifft uns alle – egal wie alt wir sind. 

Allerdings trauern Babys und Kleinkinder etwas anders als Erwachsene …

Trauer bei Babys & Kleinkindern bis 2 Jahre

Beispiel: Opa Karl ist gestern gestorben.

Babys und Kleinkinder zwischen 10 Monaten und 2 Jahren verstehen in der Regel noch nicht, was der Begriff “Tod” bedeutet und haben auch noch keine Vorstellung von Zeit. 

Mit dem Satz “Opa Karl ist gestern gestorben” alleine können sie bislang also wenig anfangen. Allerdings kennen sie die Angst, verlassen zu werden. Die altersentsprechende Reaktion darauf zeigt sich in ersten Trennungsituationen, etwa wenn das Kind erstmalig woanders schläft, in der Kita eingewöhnt wird oder in akuten Fremdelphasen. 

Wenn sie also hören “Opa Karl ist gestern gestorben” und Opa Karl war ein großer Teil des Lebens, dann löst das etwas in ihnen aus. Sie zeigen die Trauer nur anders als ältere Kinder oder Erwachsene.

In Fachkreisen spricht man von altersentsprechenden Trauer-Phasen, die einzeln auftreten, abwechselnd oder sogar gleichzeitig beim Kind stattfinden können:

  1. Protest und Schock: Möglicherweise zeigt das Kleinkind als erste Reaktion ein ablehnendes Verhalten oder äußert seine Wut und Trauer auf andere Weise nach außen. 
  2. Stille Trauer und Verzweiflung: Das Kind zieht sich möglicherweise etwas zurück oder wird stiller. Das kann auch in der Kita oder Freizeit spürbar sein. 
  3. Gleichgültigkeit: Das Kind scheint möglicherweise “ungestört” durch den Todesfall. 
  4. Mögliches “regressives Verhalten”: Auch Verhalten, das auf die Eltern wirkt, als würde das Kind in seiner Entwicklung wie “zurückfallen”, ist möglich. Beispiele: Das Kleinkind möchte wieder gefüttert werden, spricht wieder in Babysprache oder klammert sich an die Eltern. Wichtig: Bitte lehne das nicht ab, kommentiere es oder werte es ab! Hier zeigt sich die starke Verlustangst deines Kindes, ausgelöst durch den Todesfall von Opa Karl.
  5. Phase der Adaption: In dieser Phase hat es womöglich schon realisiert: Opa kommt nicht mehr zurück. Allerdings sind auch hier nach wie vor jegliche Reaktionen möglich. 

Wichtig: Das hier sind lediglich Beispiele. Nicht mehr und nicht weniger. Wie das Kind reagiert, ist immer auch eine individuelle Frage, von der Nähe der verstorbenen Person zum Kind, seiner Entwicklung und den Umständen des Todes sowie der Begleitung danach abhängig.

Trauer bei 2 bis 3-jährigen

Ein 2 bis 3-jähriges Kind kann möglicherweise durch bisher erlangte Erfahrungen, Bücher oder deine Begleitung schon verstehen, dass der Tod bedeutet, dass jemand für immer fort ist.

Möglicherweise hat es auch in hitzigen Streits schon mal zu anderen Kindern gesagt: “Du sollst tot sein. Du sollst gehen.” oder aber es hat eine bestimmte innere Vorstellung davon, was es bedeutet, wenn du sagst: “Opa war alt. Deswegen ist er gestorben.” 

Vielleicht stellt dein Kleinkind dir auch schon folgende Fragen. Dann weißt du, dass du es noch gezielter begleiten und sprachlich einbinden darfst:

  • “Ist Opa jetzt ein Engel?”
  • “Warum war Opa alt?”
  • “War Opa krank?”
  • “Sterben alte Menschen immer?”
  • “Wo ist Opa hin?”
  • “Wie sieht es im Himmel aus?”
  • “Was passiert mit Opas Sachen?”
  • “Hat er nichts in den Himmel mitgenommen?”

Beantworte die Fragen des Kindes, bleibe offen und immer zugänglich für es. Jetzt ist wichtig, dass das Kind sich in seiner Trauer gesehen, ernst genommen und gehalten fühlt und nicht ausgeschlossen wird. 

Hilfreich kann auch sein, das Kind (sofern du das Gefühl hast, dass es das verarbeiten kann) in die Trauerprozesse kindgerecht einzubinden, wie etwa bei der Farbauswahl des Blumengestecks für Opas Beerdigung. Vielleicht möchte dein Kind jetzt auch Bilder für die Beerdigung malen. Es kann jetzt auch helfen, Musik, Kunst und Bücher zum Thema hinzuzuziehen. 

Wir sind in diesem Artikel näher darauf eingegangen. Hier findest du auch einige Buchempfehlungen für verschiedene Altersklassen:

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Wichtig: Ob dein 2 bis 3-jähriges Kind offen ist, im Trauerprozess bereits etwas mehr mitgenommen zu werden als Babys oder U2-jährige, hängt IMMER von der Situation des Todes, der Beziehung zur verstorbenen Person, der individuellen Persönlichkeit und Entwicklung des Kindes sowie den bisherigen Erfahrungen ab.

Halte dich also eher daran, als an die in der Alterstufe “erwartbaren” Reaktionen. Du kennst dein Kind am besten und wirst spüren, was es jetzt braucht und was es eher belasten könnte.

Jeder Mensch – egal wie alt – trauert anders. Hier gibt es kein “richtig” oder “falsch”, denn Trauer IST einfach. Sie lässt sich nicht kontrollieren.

Wir Menschen sind individuell. Wie wir trauern, hängt auch mit unseren bisherigen Erfahrungen, unserer Entwicklung, unserer Persönlichkeit und unserem Umfeld zusammen.

Nicht jede Verhaltensweise nach einer Verlusterfahrung ist automatisch auf Trauer zurückzuführen und gleichzeitig ist jede Reaktion erwartbar und legitim. Wir können Trauer nur verarbeiten, wenn wir sie zulassen. Wie auch immer das aussieht.

Wichtig: Nimm dein Kleinkind in seiner Trauer ernst!

Egal ob es 1,2 oder 3 Jahre alt ist: Nimm die Reaktionen deines Kleinkindes ernst, auch wenn es seine Trauer anders zeigt, als du. 

Zu denken “Das Kleinkind bekommt doch eh noch nichts davon mit.” wäre fatal.

Denn selbst wenn dein Kind noch etwas braucht, um Opas Tod in seiner Vorstellung wirklich zu begreifen, fühlt es deine Trauer und deinen Schmerz. Allein aus diesem Grund solltest du es jetzt gut, sorgsam und altersgerecht in seinen Gefühlen begleiten. 

Wie, das haben wir in diesem Artikel erklärt:

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Um die Trauer deines Kleinkindes besser nachzuvollziehen, hilft dir vielleicht dieses Bild:

Kleinkinder äußern Trauer, wie beim hinein- und hinausspringen aus einer Pfütze. Springen sie hinein, sind sie in dieser tiefen Trauer und äußern sie. Aber genau so schnell können sie dort auch wieder rausspringen und sich anderem zuwenden.

Frag nach Unterstützung und nimm dir Zeit für deine Trauer

Entlaste dich selbst und frage gezielt nach Hilfe, wenn dich der Trauerfall selbst so stark einnimmt, dass du Schwierigkeiten hast, für dein Kind da zu sein oder es zu begleiten. 

Halte andere Bezugspersonen nahe, die dich jetzt mit dem Kind entlasten können. Am besten ist das nicht die ebenfalls trauernde Oma, sondern vielleicht ein anderer Herzensmensch, dem das Kind vertraut. 

Falls der Trauerfall eure ganze Familie stark belastet, ist es auch ratsam, der Kita Bescheid zu geben. So können die Kita-Fachkräfte dein Kind nun bestmöglich begleiten und auffangen. Es kann jetzt auch gut sein, dass dein Kind die Gefühle, die zuhause geteilt werden, in der Kita durch ein bestimmtes Verhalten äußert.

Wichtig: Falls es ein traumatischer oder noch näherer Todesfall war, suche dir auf jeden Fall Unterstützung in der Kinderarztpraxis, in kostenlosen Familienberatungsstellen oder bei Hilfetelefonen! Du und ihr müsst durch starke, psychische Belastungen nicht alleine durch.

Binde dein Kind in den Trauer-Prozess ein – Beispiele

Erkläre deinem Kind, was los ist – in kurzen, liebevollen und klaren Sätzen:

  • “Heute holt dich Tante Tina von der Kita ab, weil ich die Beerdigung von Opa organisieren muss.”
  • “Ich bin noch so traurig wegen Opa Karls Tod. Das hast du bestimmt gemerkt, oder? Heute Nachmittag nehme ich mir Zeit zum Weinen. Papa geht mit dir auf den Spielplatz.”
  • “Ich bin nachher noch mit Tante Tina bei Oma Anna. Gerade sind wir alle ganz schön traurig, das hast du sicher gemerkt. Das gehört dazu, wenn ein Mensch von der Erde in den Himmel geht.”

Auch offene Fragen können mehr Verständnis und Verbindung schaffen: 

  • “Ich werde gleich Opa Karls Grab besuchen. Möchtest du mitkommen oder bei Papa bleiben?”
  • “Vermisst du Opa Karl? Wo spürst du das? Ich spüre es im Bauch…”
  • “Was glaubst du, was Opa Karl im Himmel jetzt gerade wohl tut?”

Bedenke: Trauer hat viele Gesichter und lässt sich nicht planen

Es gibt kein “gut” oder “schlecht”. Es kann sein, dass das Kleinkind ganz anders trauert, als du es erwartet hast oder Jahre später nochmal Fragen dazu stellt. 

Das gilt für alle Angehörigen. Jegliche Reaktionen sind legitim, richtig und wichtig. Trauer ist ein Teil von uns und sie kann unendlich viele Gesichter haben. Planen lässt sie sich nicht. Meist erwischt sie uns in Wellen oder in Momenten, wenn wir gar nicht damit rechnen.

Wenn wir zulassen, sie zu fühlen und sie nicht unterdrücken, können wir sie in Liebe annehmen, durchleben und eines Tages wieder ziehen lassen. 

In dem Wissen, dass die tiefe Trauer da ist, weil wir Menschen sind, die lieben und geliebt werden. Und das ist das Privileg dieses Lebens.

Unser Podcast zum Thema!

Wenn du tiefer ins Thema einsteigen möchtest, können wir dir diese Podcastfolge aus unserem babelli-Podcast von Herzen empfehlen:

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Falls du gerade einen Verlust mit Baby oder Kleinkind meisterst und selbst trauerst, sei dir sicher: Du bist nicht allein. Du wirst gesehen. Und – so schwermütig und furchtbar diese Phase ist – sie wird dich stärken und dich mit der verstorbenen Person auf ewig verbinden.

Quellen

  • Diakonie Deutschland: Wie Kinder trauern. Kinder in ihrer Trauer begleiten. Berlin 2010.


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Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.