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Zwiemilch: Das solltest du wissen

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Zwiemilch wird unter anderem bei Stillproblemen angewendet. Auch Frauen, die sich mehr Unabhängigkeit wünschen, schätzen die Fütterungskombination aus Muttermilch und Fläschchennahrung. Dennoch wird Zwiemilch häufig skeptisch betrachtet. Zu Unrecht? Wir verraten dir, weshalb Zwiemilch besser ist als ihr Ruf und worauf es bei der Kombi-Ernährung ankommt!

Um es direkt vorwegzunehmen: Muttermilch ist und bleibt für Babys die beste und gesündeste Art der Ernährung. Das möchten wir gar nicht infrage stellen. Dennoch möchten wir allen Mamas, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr voll stillen können oder wollen gerne eine Alternative zum reinen Stillen aufzeigen. Denn ob und wie lange eine Frau stillt, sollte ihre Entscheidung sein. Es sagt nichts über ihre Qualitäten als Mutter aus, wenn sie nicht oder nicht lange (voll) stillt. Also mach dich frei von der Meinung anderer und lass dir von anderen kein schlechtes Gewissen einreden. Du weißt am besten, was gut für eure Familie ist. Falls es die Zwiemilch ist, ist das absolut legitim.

Definition: Zwiemilch

Zwiemilch bezeichnet die Kombination aus Stillen und Fläschchen geben. Das Baby wird sowohl mit Muttermilch als auch mit industriell gefertigter Babynahrung ernährt. Zusätzlich zur Muttermilch wird also Fläschchennahrung „zugefüttert“. Daher wird die Zwiemilch auch als Zweimilchernährung oder Teilstillen bezeichnet.

Gründe für Zwiemilch

Es gibt verschiedene Gründe für eine Zwiemilchernährung – sowohl gesundheitliche als auch persönliche. Zu den häufigsten Gründen gehören folgende:

  • Stillprobleme: Die Milchmenge reicht nicht aus. Das Baby nimmt trotz häufigen Anlegens zu wenig Muttermilch zu sich und nimmt nicht genug zu.
  • Gesundheitliche Probleme der Mutter: Die Mutter muss Medikamente nehmen und kann vorübergehend nicht stillen. Auch die abgepumpte Milch darf nicht verwendet werden.
  • Wunde Brustwarzen: Das Stillen verursacht Schmerzen. Das Zufüttern ermöglicht längere Stillpausen, in denen sich die Brustwarzen erholen können.
  • Schlafmangel/Erschöpfung der Mutter: Die Mutter ist erschöpft und leidet durch das nächtliche Stillen an Schlafmangel. Bei der Zwiemilchernährung kann der Partner das nächtliche Füttern übernehmen.
  • Stillen in der Öffentlichkeit wird als unangenehm empfunden: Auch wenn es ganz natürlich ist, ist es manchen Frauen unangenehm, in der Öffentlichkeit zu stillen. Sie greifen lieber auf Flaschennahrung zurück.
  • Wunsch nach mehr Unabhängigkeit: Viele Mütter schätzen die Unabhängigkeit, die das Fläschchen geben ermöglicht. Auch der Partner kann das Füttern übernehmen.
  • Die Mutter startet wieder in den Beruf: Während die Mama arbeitet, kann das Baby mit Flaschennahrung gefüttert werden, falls die abgepumpte Muttermilch nicht ausreicht oder die Mama nicht abpumpen möchte. Die Milchproduktion der Mutter passt sich mit der Zeit an, sodass es während der Arbeit nicht zum Milchstau kommt. Das Angebot wird quasi über die Nachfrage geregelt.
  • Der Partner soll beim Füttern eine Rolle spielen: Es ist gut für die Vater-Kind Beziehung, wenn auch der Papa zwischendurch das Füttern übernimmt.
  • Langsames Abstillen: Zwiemilch kann auch als sanfte Methode zum Abstillen angewendet werden.

Sprich mit deiner Hebamme!

Wenn du über Zwiemilch nachdenkst, solltest du mit deiner Hebamme darüber sprechen. Sie kann dich beim Stillen und Zufüttern unterstützen und hat sicher ein paar gute Tipps für dich parat!

So funktioniert die Kombi-Ernährung

Es gibt keine Eins-zu-eins-Anleitung, die du übernehmen kannst. Wie du den Rhythmus zwischen Stillen und Fläschchen geben gestaltest, bleibt dir überlassen. Du kannst dein Baby weiterhin bei jeder Mahlzeit stillen und ihm lediglich ein Fläschchen geben, falls es nach dem Stillen noch hungrig ist. Oder du kannst Fläschchennahrung füttern, wenn du außer Haus bist, und die restlichen Mahlzeiten stillen. Falls dir der Schlafmangel durch das nächtliche Stillen zu schaffen macht, kannst du auch nur nachts auf Flaschennahrung umsteigen. Dann kann dein Partner das nächtliche Füttern übernehmen.

Die Zwiemilchernährung lässt sich flexibel auf deine Bedürfnisse anpassen. Mit der Zeit werdet ihr euren ganz eigenen Rhythmus finden.

Welche Fläschchennahrung zur Zwiemilch-Ernährung?

Du solltest zum Zufüttern eine Pre-Nahrung verwenden. Sie kommt der Muttermilch am nächsten und du kannst sie wie die Brust nach Bedarf geben. Nach Bedarf bedeutet, immer dann und soviel dein Baby möchte. Folgemilch (1er/2er/3er-Milch) solltest du nicht mehr nach Bedarf füttern. Sie enthält bereits Stärke und kann Verdauungsprobleme verursachen. Du musst also sehr genau auf die Gesamttagesmenge inklusive Stillen achten, damit du dein Baby mit der Gabe von Folgemilch nicht „überfütterst“. Rein ernährungstechnisch ist es auch nicht notwendig, von Pre- auf Folgemilch umzusteigen.

Falls dein Kind allergieanfällig ist, kannst du HA-Pre-Nahrung (hypoallergene Säuglingsnahrung) zufüttern. Bei HA-Nahrung ist das Milcheiweiß aufgespalten und dadurch verträglicher. Da gerade Kinder, die allergieanfällig sind, von Muttermilch profitieren, solltest du aber möglichst nur dann Fläschchen geben, wenn es nicht anders geht. Vollstillen ist bei Babys, die zu Allergien neigen, eigentlich die optimale Lösung.

Gut zu wissen…

Wenn du mit Zwiemilch beginnst, ändert sich der Stuhl deines Babys in Konsistenz und Menge. Reine Stillkinder verwerten die Nahrung fast vollständig. Sie haben oft nur alle paar Tage Stuhlgang. Durch das Zufüttern wird dein Schatz vermutlich häufiger eine volle Windel haben. Mehr Infos erhältst du hier.

Vor- und Nachteile der Zwiemilch-Ernährung

Muttermilch ist ohne Frage die gesündeste und natürlich günstigste Ernährung für ein Baby. Dennoch gibt es Gründe, die eine Zwiemilchernährung attraktiv machen. Denn Zwiemilch bietet die Möglichkeit, die Vorteile beider Ernährungsformen zu kombinieren.

Vorteile der Zwiemilch:

  • Dein Baby erhält weiterhin die wertvollen Nähr- und Immunstoffe aus der Muttermilch, die optimal auf deinen Schatz zugeschnitten sind und seine Abwehrkräfte stärken.
  • Dein Baby kann weiterhin die besondere Nähe beim Stillen genießen.
  • Du kannst Muttermilch-Engpässe jederzeit mit Pre-Milch füllen.
  • Du gewinnst mehr Unabhängigkeit, da auch andere das Füttern mit dem Fläschchen übernehmen können.
  • Du musst keine Muttermilch abpumpen, wenn du mal länger nicht zuhause bist. Es ist immer ausreichend Nahrung für dein Baby vorhanden.
  • Du musst in der Öffentlichkeit nicht stillen, wenn du das nicht möchtest.

Nachteile der Zwiemilch:

  • Zwiemilch bedeutet höhere Kosten in Form von Ersatzmilch, Fläschchen und Sauger. Vollstillen ist umsonst.
  • Die Milchproduktion kann zurückgehen. Es besteht die Gefahr, dass du vorzeitig abstillst. Lass dich nicht dazu hinreißen, einen Tag lang komplett auf das Stillen zu verzichten. Sonst denkt dein Körper, dass er weniger Milch produzieren muss, weil sie nicht mehr benötigt wird.
  • Es kann zu einer Saugverwirrung kommen.
  • Es besteht das Risiko, dass das Baby nicht mehr von der Brust trinken möchte, weil das Trinken aus der Flasche „bequemer“ ist.
  • Dein Baby könnte Bauchweh oder Verstopfung bekommen. (Wird dein Schatz stark durch Bauchweh oder Verstopfung geplagt, könnte eine Kuhmilch-Unverträglichkeit die Ursache sein. Dann solltest du den Kinderarzt darauf ansprechen.)

Hilfreiche Tipps: So gelingt die Zwiemilchernährung

Teilstillen ist für euch eine gute Option? Dann probiere es aus! Folgende Tipps können beim Einstieg in die Zwiemilchernährung helfen:

  • Beginne nicht zu früh mit dem ersten Fläschchen. Die Milchproduktion braucht sechs bis acht Wochen, um richtig in Gang zu kommen. Bis dahin solltest du (sofern es möglich ist) voll stillen. Dann ist auch eure Stillbeziehung eingespielt. Dein Baby weiß, wie der Saugvorgang funktioniert und das Risiko, dass es zu einer Saugverwirrung kommt, ist geringer.
  • Gib deinem Baby zuerst die Brust. Das Trinken aus der Brust ist anstrengender als das Trinken aus der Flasche. Wenn du zuerst die Flasche gibst, nimmt dein Schatz die Brust womöglich nicht mehr an. Gerade bei der Einführung der Zwiemilch ist es ratsam, das Baby immer zunächst aus der Brust trinken zu lassen.
  • Verwende einen Sauger, der der Brustwarze nachempfunden ist und ein kleines Loch hat. So muss dein Baby auch beim Fläschchen trinken „arbeiten“ und du reduzierst die Gefahr einer Saugverwirrung samt Brustverweigerung.
  • Falls dein Schatz die Flasche nicht nehmen möchte, gib ein paar Tropfen Muttermilch auf den Sauger. So kannst du dein Baby ein wenig locken und ihm die Flasche schmackhaft machen. Weitere Tipps für den Fall, dass dein Baby nicht aus der Flasche trinken möchte, erhältst du hier.
  • Fülle zunächst Muttermilch in das Fläschchen. Manche Stillkinder gewöhnen sich erst langsam an das Trinken aus dem Fläschchen. Es kann hilfreich sein, zunächst abgepumpte Muttermilch in das Fläschchen zu füllen und diese erst später durch industrielle Babynahrung zu ersetzen. Dann muss sich dein Schatz nicht gleichzeitig an das Fläschchen und an die neue Nahrung gewöhnen. Ist dein Baby an das Fläschchen gewöhnt, kannst du es mit industrieller Milch probieren.  
  • Füttere nicht zu viel Babymilch zu. Sonst fährt dein Körper die Milchproduktion womöglich so stark zurück, dass dein Baby an deiner Brust nicht mehr satt wird. Die Stillmahlzeiten sollten die Fläschchenmahlzeiten überwiegen.
  • Behalte ein Schema bei. Überlege dir, wann du dein Baby stillen möchtest und wann du zufütterst. Halte dich möglichst an dieses Schema. So „lernt“ deine Brust, wann sie wie viel Milch produzieren muss. Auch für dein Baby ist ein regelmäßiger Ablauf wichtig. So pendelt sich seine Verdauung ein.
  • Pumpe zwischendurch Muttermilch ab. So hältst du die Milchproduktion aufrecht und stellst sicher, dass du durch das zusätzliche Fläschchen nicht versehentlich abstillst.
  • Gib das Fläschchen nicht selbst. Manche Stillkinder akzeptieren das Fläschchen nur, wenn es nicht von der Mutter gegeben wird. Lass deinen Partner oder Oma und Opa die Flaschenfütterung übernehmen. Sie riechen nicht nach Muttermilch. Dadurch akzeptiert dein Baby die neue Nahrungsquelle leichter.
  • Falls dein Baby die Flasche nicht akzeptiert, probiere alternative Fütterungsmethoden aus. Gib deinem Schatz die Babynahrung mit einem Löffel oder mit dem Becher. Eine gute Alternative zur Flasche ist auch ein Brusternährungsset.

Von Zwiemilch wieder auf Vollstillen umsteigen: Geht das?

Du kannst wieder auf Vollstillen umzusteigen. Deine Milchproduktion passt sich dem Bedarf deines Babys an. Wenn du dein Baby also wieder öfter zum Stillen anlegst, wird die Milchproduktion angekurbelt. Am besten lässt du die Zufütterung langsam ausschleichen, indem du die Fläschchen nach und nach durch Brustmahlzeiten ersetzt.

Fazit

Zwiemilch ist besser als ihr Ruf. Sie kombiniert die gesundheitlichen Vorteile der Muttermilch mit dem Vorteil der Unabhängigkeit, die die Flaschennahrung ermöglicht. Wenn du also – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr voll stillen kannst oder willst, ist Zwiemilch eine gute Alternative und allemal besser als ganz abzustillen.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit der Zwiemilchernährung gemacht, die ihr mit uns teilen möchtet? Wir freuen uns über eure Kommentare!

Quellen

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