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Mein Baby schielt: Was jetzt wichtig ist

Dieser Artikel wurde inhaltlich geprüft von Christine Müller, Hebamme.

Schielen beim Baby – verwächst sich das oder nicht? Wir erklären, warum kleine Babys manchmal schielen und wann du wegen eines Silberblicks doch zum Arzt solltest.

Schielen ist am Anfang ganz normal

Marlene ist drei Monate alt und schon ziemlich müde. Aber gerade hat sie gelernt, dass sie die interessanten Dinge am Spielbogen mit ihrem Grabschhändchen erwischen kann. Höchst erfreut zieht sie die Stoffraupe ganz dicht zu sich heran. Und schielt ganz arg dabei!? Oje. Mama Sabina ist irritiert. Ob das normal ist? Muss sie sich Sorgen machen?

Geht es dir wie Sabina? Ist dein Baby noch unter sechs Monate und schielt ab und zu, wenn es etwas fokussieren will? Dann ist wahrscheinlich alles gut. Denn gelegentliches Schielen ist in den ersten Lebensmonaten ganz normal. Es hat sogar einen eigenen Namen: Babyschielen. Die Augen müssen erst lernen, anständig zusammenzuarbeiten. Und das auch, wenn das Baby müde ist.

Was zusammenarbeiten bedeutet? Damit wir scharfe 3D Bilder sehen können, senden parallel schauende Augen jeweils ein leicht versetztes Bild ans Gehirn. Dieses setzt die beiden Aufnahmen dann zu einem Bild zusammen. Nur dadurch können wir räumliche Tiefe überhaupt wahrnehmen. Dafür müssen Muskeln, Nerven und Synapsen aber ein eingespieltes Team sein. Und das dauert eben. Also keine Sorge! Das Schielen verwächst sich wahrscheinlich mit etwa einem halben Jahr. Wenn nicht, steht weiter unten, wann du zum Arzt gehen solltest.

Die Sache mit dem Pseudoschielen

Manchmal stellen Eltern fest, dass ihr Kind immer einen leichten Silberblick nach innen hat. Kann stimmen, muss aber nicht. Denn bei Babys ist der Nasenrücken inklusive Lidfalten mitunter so breit, dass er ein wenig vom Weiß des Auges verdeckt. Die Augen schauen also parallel, aber es sieht so aus, als schielt das Kind. Eben weil innen weniger Weiß zu sehen ist.

Wenn du dir sicher bist, dass dein Kleines wirklich schielt, lies gern weiter.

Wann bei Schielen mit dem Baby zum Arzt?

Natürlich gibt es Fälle, wo Babys oder Kleinkinder eben doch schielen. Zum Beispiel dauerhaft oder noch lange nach dem Babyschielen. Das nennt man dann Strabismus. Dabei kann ein oder beide Augen nach innen oder außen gedreht sein.

Auch wenn es süß aussieht, selbst nur leicht schielende Augen können nicht richtig zusammenarbeiten. Ist nur ein Auge betroffen, blendet das Gehirn dessen Sehinformationen einfach aus. Die Folge: das schielende Auge wird schwächer und schwächer. Und dein Kind kann später nicht räumlich sehen.

Deshalb sollte Strabismus so früh es geht behandelt werden. Je länger du wartest, desto schwieriger lässt sich die Fehlsichtigkeit korrigieren. Zum Glück gibt es die U-Untersuchungen. Dort wird schon so einiges frühzeitig erkannt. Darüber hinaus kannst du schon dein 6-monate-altes Baby in einer auf Kinder spezialisierten Augenarztpraxis vorstellen.

Es gibt bestimmte Anzeichen, die einen Augenarztbesuch sinnvoll erscheinen lassen:

  • Dein Kind reagiert sehr empfindlich auf Licht. Oder überhaupt nicht.
  • Es fällt ihm schwer, Dinge oder gar dich gerade anzusehen.
  • Dein Kind blinzelt häufig oder kneift oft ein Auge zu.
  • Es greift häufig daneben und kann Gegenstände schlecht mit den Augen verfolgen.

Ist dir so etwas aufgefallen, sprich es ruhig das nächste Mal in der Kinderarztpraxis an. Wenn nötig, bekommst du eine Überweisung zum Facharzt.

Wie Strabismus behandelt wird

Solange Kinder noch klein sind, lässt sich Schielen sehr gut ausgleichen. Je früher, desto besser. Meist gibt es eine Babybrille, bei der jeweils ein Auge eine Weile abgeklebt wird. Okklusionstherapie heißt das. Keine Sorge, Kinder gewöhnen sich sehr schnell daran. Durch das Abkleben kann das Schielen tatsächlich verschwinden oder zumindest deutlich abnehmen. Oft ist eine Weit- oder Kurzsichtigkeit schuld am Schielen. Die wird durch die Brille ebenfalls ausgeglichen.

Nur selten braucht es eine OP, um zum Beispiel besonders große Schielwinkel zu korrigieren.

Risikofaktoren für’s Schielen

Manche Babys haben ein größeres Risiko zu schielen als andere. Schielt dein Baby sehr oft oder durchgehend? Dann schau doch mal, ob du eine oder mehrere der folgenden Fragen mit Ja beantworten kannst:

  1. Ist einer von euch Eltern stark fehlsichtig? Oder gar beide?
  2. Ist Schielen in eurer Familie schon vorher aufgetreten?
  3. War dein Kind ein Frühchen?
  4. Hat dein Kleines eine nachgewiesene Entwicklungsstörung?

Konntest du alles verneinen? Dann darfst du dich entspannen. Wenn nicht, mach einen Termin beim Augenarzt (Überweisung nötig!), auch wenn dein Baby erst 3 Monate alt ist. Wahrscheinlich gibt es dann Entwarnung. Aber selbst wenn nicht, sind die Behandlungsmöglichkeiten mittlerweile super. Also mach dir keine Sorgen!

Hast du noch Fragen zum Thema Schielen bei Babys und Kleinkindern? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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