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Mädchen mit Schwimmflügeln

Kinder ertrinken in 90 Sekunden: lautlos!

Sommer, Sonne, Badespaß – Wasser ist so toll! Warum du deine Kinder beim Planschen stets im Blick (und kleinere in Reichweite) behalten musst, erfährst du jetzt.

Ein Nachmittag an der Badebucht: Kind eins (8) und zwei (5) planschen vergnügt mit dem aufblasbaren Schwimmdelfin im hüfthohen Wasser. Kind drei (1,5) buddelt am Ufer. Alles easy. Papa daddelt auf dem Handy. Mama quatscht auf der Decke mit einer anderen Mutter und lässt ab und zu ein Auge übers Wasser schweifen. Sicher ist sicher. Bei der nächsten Runde ist Kind zwei nicht zu sehen. Nanu? 

Kein Grund zur Panik? Oh, doch! Denn was viele nicht wissen: Kinder ertrinken geräuschlos und verdammt schnell. Laut DLRG meist innerhalb von dreißig bis neunzig Sekunden – auch solche, die schon das Seepferdchen hatten. Kurze Zeit ohne Sauerstoff reicht, um das kleine Hirn dauerhaft zu schädigen. Denn der kindliche Körper kann noch nicht so viel Sauerstoff speichern.

Lautes Rufen oder panisches Wasserschlagen? Fehlanzeige! Denn ein überraschtes oder ermüdetes Kind geht unter wie ein Stein. Es verfällt in Schockstarre, reckt nach Luft schnappend den Kopf nach oben und sinkt mit offenen Augen auf den Grund – ganz ohne zu kämpfen und sich bemerkbar machen zu können, wie man es von einem Erwachsenen erwarten würde. Selbst Jugendlichen kann das noch passieren, wenn plötzlich der Kreislauf schlapp macht oder sie sich selbst überschätzen.

Auch mit Schwimmhilfen nur unter Aufsicht

„Aber mein Kind hat doch Schwimmflügel!?“

Mag sein. Nur leider reichen die nicht aus, um es ohne Aufsicht im Wasser zu lassen. Auch dann nicht, wenn Flügel, Schwimmring, Bauchgurt und Co. alle Prüfsiegel der Welt haben. Egal welche Schwimmhilfe, sicher ist keine. Weil sie abgehen können und weil sie den Körperschwerpunkt ungünstig verlagern. Deshalb gibt es Rettungswesten, die „ohnmachtsicher“ sind. Sie drehen das Kind automatisch in eine Position, in der Nase und Mund keinen Wasserkontakt mehr haben. Für ungetrübten Badespaß sind die natürlich nicht geeignet, sondern eher für Bootsfahrten gedacht.

Vor allem Kinder bis drei Jahre neigen dazu, einfach kopfüber ins Wasser zu kippen. Das Problem dabei: Sie richten sich in der Regel nicht von allein wieder auf, verlieren unter Wasser sofort die Orientierung. Und so reicht bei Babys und Kleinkindern schon eine Pfütze, um darin in einem unbeobachteten Moment zu ertrinken – auch ein Grund, warum Eltern ihre Nichtschwimmerkinder nie allein in der Badewanne lassen sollten.

Generell gilt: kleinere Kinder stets in Reichweite haben, größere Kinder im Blick. Auch Jugendliche sollten nie allein schwimmen.

Das bedeutet nun nicht, dass du deine Kinder nicht mehr ins Wasser lassen darfst. Im Gegenteil, Wassergewöhnung ist wichtig, damit sie später mit Freude schwimmen lernen können. Aber bleib bitte jederzeit wachsam, selbst wenn du direkt daneben stehst!

Vier gefährliche Mythen rund ums Plantschen

Mythos 1: Ertrinkende Kinder schlagen um sich und schreien.
Falsch. Ertrinken passiert meist lautlos.

Mythos 2: Ein paar Minuten Unaufmerksamkeit sind nicht gefährlich.
Falsch. Wenn dein Kind unterzugehen droht, hast du rund 60 Sekunden, um es vor Schlimmerem zu bewahren.

Mythos 3: Die Eltern müssen nicht auf ihre Kinder aufpassen, wenn ein Rettungsschwimmer im Dienst ist.
Falsch. Bademeister können ihre Augen nicht überall gleichzeitig haben. Ihr als Eltern seid für die Gesundheit eures Kindes auch dann verantwortlich, wenn ein Profi den Badebereich überwacht.

Mythos 4: Kinder, die Schwimmunterricht gehabt haben, können nicht ertrinken.
Auch falsch. Selbst ältere Kinder können im Pool ertrinken, obwohl sie Schwimmabzeichen haben. Und das Seepferdchen allein reicht für sicheres Schwimmen noch lange nicht aus.

Quelle: kinderaerzte-im-netz.de

Zum Glück selten: Verzögertes Ertrinken nach der Rettung

Stilles, verzögertes, sekundäres oder zweites Ertrinken – das Problem hat viele Namen. Gemeint ist, dass ein Kind ein bis zwei Tage nach einem scheinbar gut ausgegangenen Badeunfall Atemprobleme bekommt. Manche sterben daran, wenn sie keine Hilfe bekommen.

Der Grund ist, dass verunreinigtes Wasser eingeatmet wurde und tief unten in der Lunge zurückbleibt. Dort verursacht es Entzündungen. Schleim sammelt sich. Der Gasaustausch funktioniert nicht mehr und das Kind (oder der Erwachsene) bekommt zu wenig Sauerstoff. 

Aber keine Sorge: Beim versehentlichen „Wasser schlucken“, wie es im Alltag oft passiert, droht so etwas eher nicht. Denn der menschliche Hustenreflex ist stark und katapultiert jegliche Flüssigkeit ziemlich schnell aus den Atemwegen. Gemeint sind echte Ertrinkungsunfälle, bei denen das Kind gerade noch gerettet werden konnte und schon zu lange unter Wasser war. Einer der Gründe, warum betroffene Kinder im Krankenhaus noch eine Weile beobachtet werden müssen.

Symptome eines Ertrinkungsunfalls

Wie lange ein Kind unter Wasser war, ist manchmal nicht ersichtlich. Auch wenn Symptome erst fehlen, können sie sich noch nach mehreren Stunden zeigen: 

  • Husten, Keuchen, Atemnot, schaumiger Auswurf, rasselnde Atmung
  • Unterkühlung
  • Rascher Puls
  • Bläulich-gräuliche Hautfarbe vor allem der Lippen und Fingernägel
  • Verwirrtheit oder Bewusstseinseintrübung, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, Herzstillstand

Quelle: www.netdoktor.de

Erste Hilfe am Kind

Badeunfälle mit tödlichem Ausgang gibt es jedes Jahr. Die meisten Eltern bekommen beim Lesen solcher Nachrichten ein mulmiges Gefühl in der Magengegend – und vergessen es dann zum Glück schnell wieder. Aber was tun, wenn du dein oder ein anderes Kind bewusstlos aus dem Wasser ziehst? 

Die erste Regel bei Babys und Kleinkindern: sofort fünfmal beatmen, noch bevor du mit der Herzdruckmassage beginnst! Und natürlich einen Notruf absetzen (lassen).

Wenn du mit den Abläufen nicht vertraut bist, mach am besten einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind. Das geht auch online. Für Babys haben wir einen Artikel mit Infoblättern zum Download, die die einzelnen Schritte beschreiben.

Quellen

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