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Ohrenschmerzen bei Kindern: Ursachen, Symptome & Behandlung

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Ohrenschmerzen sind schon für Erwachsene höchst unangenehm. Kindern setzen sie erst recht zu. Der oft plötzlich einsetzende, quälende Schmerz verängstigt und verunsichert sie. Was du tun kannst, wenn dein Kind von Ohrenschmerzen geplagt wird und welche Ursachen sich dahinter verbergen können, verraten wir dir in diesem Artikel!

Ohrenschmerzen: Das steckt dahinter

Hinter Ohrenschmerzen können sich verschiedene Ursachen verbergen. Der äußere Gehörgang, das Mittelohr oder das Innenohr können von den Schmerzen betroffen sein. Besonders häufig sind Entzündungen und Infekte wie beispielsweise bei einer Mittelohrentzündung die Auslöser. Aber auch andere Ursachen kommen infrage.

Mögliche Ursachen von Ohrenschmerzen:

  • Erkältung: Gelangen bei einer Erkältung Keime aus dem Rachenraum über die Eustachische Röhre ins Ohr, können sie eine schmerzhafte Entzündung hervorrufen.
  • (Mittelohr-)Entzündung: Bei Kindern ist die Ohrtrompete kürzer und enger als bei Erwachsenen. Schwillt die Schleimhaut an (beispielsweise bei einer Erkältung), wird das Mittelohr nicht richtig belüftet. Bakterien oder Viren können über die Eustachische Röhre aufsteigen, sich ausbreiten und eine eitrige Entzündungsreaktion auslösen.
  • Mumps: Bei Kindern, die an Mumps erkranken, entzündet sich die Ohrspeicheldrüse und schwillt an. Die Folge sind starke Schmerzen.
  • Mandel- oder Rachenentzündung: Auch Mandel- oder Rachenentzündungen können mit Ohrenschmerzen einhergehen. Vergrößerte Rachenmandeln verhindern, dass das Hörorgan richtig belüftet wird. Durch den daraus resultierenden Unterdruck gelangen Bakterien und Viren über die Eustachische Röhre ins Mittelohr.
  • Paukenerguss: Bildet sich während einer Erkältung verstärkt Sekret und schwellen die Schleimhäute an, wird die Paukenhöhle nicht richtig belüftet. Dadurch ist der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Nasenrachenraum beeinträchtigt. Infolgedessen kann es zu einem Paukenerguss kommen. Die Erkältung schlägt also auf die Ohren.
  • Zahn- oder Kiefer­probleme: Entzündungen der Zähne oder des Kiefergelenkes können bis zum Ohr ausstrahlen und Schmerzen verursachen.
  • Ohrenschmalzpfropf: Bildet sich ein Pfropf aus Ohrenschmalz, kann dies zum Verschluss des Gehörgangs und starken Schmerzen führen.
  • Wasser im Ohr: Wasser im Ohr (etwa nach dem Baden) kann Entzündungen hervorrufen.
  • Verletzungen: Verletzungen etwa durch Wattestäbchen, einen Schlag oder einen Sturz verursachen stechende Schmerzen im Ohr – vor allem, wenn das Trommelfell verletzt oder gar durchstochen ist.
  • Fremdkörper im Gehörgang: Es kommt vor, dass Kleinkinder sich beim Spielen etwas ins Ohr stecken. Der Fremdkörper kann starke Schmerzen verursachen. Du solltest nicht versuchen ihn selbst aus dem Ohr zu kriegen. Das unsachgemäße Entfernen kann Verletzungen im Gehörgang beziehungsweise im Trommelfell hinterlassen.
  • Mangelnder Druckausgleich: Gelingt Kindern der Druckausgleich nicht (etwa beim Fliegen), kommt es zu heftigen Schmerzen im Ohr. Einblutungen ins Mittelohr sind möglich, im schlimmsten Fall sogar ein gerissenes Trommelfell. Reißt das Trommelfell, sind die Ohrenschmerzen sofort weg, das Kind leidet jedoch plötzlich unter Schwindel und Übelkeit.

Die häufigsten Symptome

Ohrenschmerzen treten häufig in Kombination mit anderen Symptomen auf. Mögliche Begleitsymptome sind etwa:

  • Schwindel
  • Ohrgeräusche
  • Hörprobleme
  • Druckgefühl im Ohr
  • Juckreiz im Ohr.

Meist sind Ohrenschmerzen einseitig. Es können aber auch beide Ohren betroffen sein. Je nachdem, welche Ursache den Ohrenschmerzen zugrunde liegt, halten die Schmerzen durchgehend an oder treten anfallsartig auf. Nicht immer sind Ohrenschmerzen jedoch klar als Ohrenschmerzen zu erkennen. Babys und Kleinkinder können ihre Beschwerden nicht in Worte fassen. Hier solltest du auf bestimmte Warnsignale achten.

Typische Warnsignale bei Babys:

  • Schmerzen bei Berührung des Ohrs
  • erhöhte Temperatur oder Fieber
  • verstopfte Nase
  • Husten
  • Nahrungsverweigerung
  • vermehrtes Quengeln
  • eitriger Ausfluss.

Typische Warnsignale bei Kleinkindern:

  • häufiges „Ans-Ohr-Fassen“
  • unruhiger Schlaf
  • vermehrtes Quengeln
  • eitriger Ausfluss.

Wenn du nicht sicher bist, ob dein kleiner Schatz an Ohrenschmerzen leidet, kannst du einen kurzen Test durchführen. Durch das Auslösen des sogenannten Tragus-Schmerzes erkennst du, ob es sich um Ohrenschmerzen handelt. Der Test funktioniert folgendermaßen: Drücke vorsichtig auf den knorpeligen Höcker (Tragus), der sich vorne am Ohr Richtung Wange befindet. Zuckt dein Kind zusammen oder weint es sogar, kann das als Indiz für Ohrenschmerzen gedeutet werden.

Die Behandlungsmöglichkeiten

Ohrenschmerzen können durch verschiedene Maßnahmen bekämpft werden. Bei leichten Ohrenschmerzen kannst du es mit Nasenspray, kindgerechten Hausmitteln und Globuli versuchen.

Die besten Hausmittel gegen Ohrenschmerzen:

  • Kochsalz-Nasentropfen: Werden die Ohrenschmerzen durch eine Erkältung ausgelöst, helfen Kochsalz-Nasentropfen. Sie sorgen dafür, dass die Nase deines Schatzes frei ist und der Druck im Ohr nachlässt. Kochsalz-Nasentropfen kannst du selbst herstellen. Löse 9 Gramm Kochsalz in einem Liter abgekochtem Wasser auf und gib diese Kochsalzlösung in eine Pipettenflasche oder ein Fläschchen mit Sprühaufsatz. Die Salzlösung solltest du alle zwei Tage erneuern.
  • Zwiebelsäckchen: Die ätherischen Öle einer Zwiebel wirken antibakteriell und schleimlösend. Steckt eine Entzündung hinter den Ohrenschmerzen, bringt ein Zwiebelsäckchen Linderung. Hacke einfach eine Zwiebel klein, erhitze sie bis sie glasig ist und wickele sie in ein Geschirrtuch. Den warmen Wickel legst du für circa 30 Minuten auf das schmerzende Ohr. Am besten fixierst du ihn mit einer Mütze oder einem dünnen Schal.
  • Kamille-Auflage: Eine Kamille-Auflage verspricht ebenfalls Linderung. Gib einfach eine Handvoll Kamillenblüten in ein Tuch, knote es zu einem Säckchen und erwärme es über heißem Wasserdampf. Anschließend legst du es für mindestens eine halbe Stunde auf das Ohr deines Kindes.
  • Kirschkernkissen: Wärme hat sich generell bei Ohrenschmerzen bewährt. Viele Patienten empfinden Wärme als angenehm. Auch ein lauwarmes Kirschkernkissen hilft. Ausnahme: Bei akuten bakteriellen Entzündungen ist Kälte das bessere Mittel.
  • Rotlicht: Die Wärme der Rotlichtlampe regt die Durchblutung und den Stoffwechsel des Ohres an. Dadurch kann das Entzündungssekret besser aus dem Gehörgang abfließen. Zwar ist dieser Effekt nicht wissenschaftlich nachgewiesen, viele Patienten empfinden Rotlicht jedoch als wohltuend. Wichtig: Rotlicht sollte nicht bei Kindern unter 6 Jahren und nur unter Aufsicht eines Erwachsenen für maximal zehn Minuten angewendet werden. Die Lampe sollte mindestens 50 Zentimeter vom Ohr entfernt sein, um Verbrennungen zu vermeiden.

Die besten homöopathischen Mittel (Globuli) gegen Ohrenschmerzen:

  • Aconitum: hilft, wenn die Ohrenschmerzen plötzlich auftreten, beispielsweise nach Kälte oder kaltem Wind.
  • Apis: hilft bei rechtsseitigen Ohrenschmerzen, wenn das Trommelfell, der Gehörgang und die Ohrmuschel entzündet, gerötet oder geschwollen sind.
  • Belladonna: hilft bei rechtsseitigen Ohrenschmerzen und Fieber.
  • Bryonia: hilft bei Gehörgangsentzündungen, die stechende Schmerzen verursachen.
  • Chamomilla: hilft bei hoher Schmerzempfindlichkeit und wenn die Ohrenschmerzen mit Reizbarkeit und Unruhe einhergehen.
  • Mercurius solubulis: hilft, wenn Ohrenschmerzen mit starkem Schwitzen und Schwäche einhergehen.
  • Pulsatilla: hilft bei linksseitigen Beschwerden und wenn das Kind sehr weinerlich ist.

Bei mittelstarken bis starken Ohrenschmerzen solltest du auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Er wird dir kindgerechte Schmerzmittel für deinen Schatz verschreiben.

Die gängigsten medizinischen Behandlungsmethoden zur Linderung von Ohrenschmerzen:

  • Nasentropfen: Nasentropfen wirken abschwellend auf die Eustachische Röhre. Sie werden als erste Maßnahme bei Ohrenschmerzen angewendet.
  • Schmerzmittel: Paracetamol und Ibuprofen helfen gegen die Schmerzen und senken gegebenenfalls das Fieber.
  • Antibiotikum: Klingen die Symptome nach zwei bis drei Tagen nicht ab, prüft der Arzt, ob eine­ Antibiotika-Therapie sinnvoll ist.

Bringen alle diese Behandlungsmethoden keine Linderung, kann ein operativer Eingriff notwendig sein. Ein kleiner Schnitt im Ohr sorgt dafür, dass eventuell angesammeltes Sekret im Mittelohr abfließen kann. Bei wiederkehrenden Mittelohrentzündungen kann ein Paukenröhrchen zum Einsatz kommen. Durch das Paukenröhrchen wird das Mittelohr belüftet, sodass es nicht zu einer Sekretansammlung (einem Paukenerguss) kommt. Eine solche Paukendrainage stößt sich nach circa 8 bis 12 Monaten wieder ab. Mit einem Paukenröhrchen ist es allerdings nicht mehr möglich den Kopf unter Wasser zu tauchen.

Wann du zum Arzt gehen solltest

Bei Kindern verbirgt sich in den meisten Fällen eine Mittelohrentzündung hinter den Beschwerden. Andere mögliche Ursachen sollten aber ausgeschlossen werden. Wir raten dir daher, Ohrenschmerzen bei deinem Kind grundsätzlich ärztlich abklären zu lassen, in jedem Fall aber wenn folgendes eintritt:

  • Zusätzlich zu den Ohrenschmerzen tritt Fieber auf.
  • Dein Kind ist bei schlechtem Allgemeinbefinden.
  • Du bemerkst Hör- oder Gleichgewichtsstörungen bei deinem Kind.
  • Es treten Blutungen auf.
  • Dein Kind ist jünger als zwei Jahre.

Mit Babys bis sechs Monate solltest du sofort zum Arzt. Halten die Beschwerden an oder in den Ohren an, kann das das Hörvermögen beeinträchtigen. Auf Dauer wirkt sich das auch negativ auf die Sprachentwicklung aus. Daher gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig!

So kannst du Ohrenschmerzen vorbeugen

Um das Risiko zu verringern, dass dein Schatz Schmerzen an oder im Ohr bekommt, ist es ratsam, einige vorbeugende Maßnahmen durchzuführen.

  • Viel trinken: Nimmt dein Schatz viel Flüssigkeit zu sich, hilft das seinem Körper Sekret zu bilden und Keime von den Schleimhäuten zu spülen. Verdünnte Fruchtsäften, die Vitamin C enthalten, unterstützen zudem das Immunsystem.
  • Zugluft meiden: Achte darauf, dass dein Schatz keiner Zugluft ausgesetzt ist. Seine Ohren kannst du gegebenenfalls mit einer Mütze schützen.
  • Schnupfen und Husten frühzeitig behandeln: Damit das Sekret, das sich bei Erkältungen bildet, gut ablaufen kann, solltest du frühzeitig zu abschwellenden Nasensprays greifen.
  • Ohrstöpsel beim Baden verwenden: Ohrstöpsel halten das Wasser aus den Ohren fern.
  • Keine Watte­stäbchen verwenden: Wattestäbchen bergen immer auch eine Verletzungsgefahr.

Fazit

Kinder leiden häufig unter Ohrenschmerzen. Die Mittelohrentzündung ist sogar eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter bis etwa zum 6. Lebensjahr. Leichte Ohrenschmerzen kannst du zunächst mit Hausmitteln bekämpfen. Sie wirken besser als du vielleicht vermutest. Bei mittelstarken bis starken Ohrenschmerzen oder wenn dein Kind jünger als sechs Monate ist, solltest du immer einen Arzt aufsuchen. Sicher ist sicher.

Quellen

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