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Milchstau: Was dir jetzt wirklich hilft

Die Brust schmerzt, ist verhärtet und rot – ein Milchstau!? Woran du einen Milchstau erkennst und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen es dafür gibt, erklären wir in diesem Artikel. Dazu gibt es Tipps zur Vorbeugung.

Milchstau: Symptome erkennen

Ob gleich nach dem Milcheinschuss, im Wochenbett oder irgendwann in der Stillbeziehung – fast jede Mama erwischt es irgendwann. Meist ist zu viel Stress der Grund. Dann ist er da, der Milchstau. Aua! die Brust schmerzt, ist hart und spannt, genau dort wo die Milch nicht mehr fließt. Das gestaute Areal kann sich röten. Oft kommen auch Entzündungszeichen wie Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber dazu. Alles in allem keine schöne Situation. Schließlich musst du ja noch dein Baby versorgen.

Ein Milchstau ist übrigens nicht dasselbe wie eine ausgewachsene Brustentzündung (Mastitis). Er ist vielmehr die Vorstufe dazu. Sprich: aus einem unbehandelten Milchstau kann sich eine bakterielle Brustentzündung entwickeln, die eventuell mit Antibiotika behandelt werden muss. Aus einer Brustentzündung kann wiederum ein Abszess entstehen. Also unbedingt handeln! Wenn deine Hebamme nicht greifbar ist, kannst du es selbst versuchen. Wir zeigen dir wie!

Milchstau behandeln und selbst lösen

Die Milch muss raus aus der Brust. Egal wie. Und dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

1. Brust anwärmen

Milch fließt besser, wenn die Brust warm ist. Du kannst ein warmes Bad nehmen oder ausgiebig warm duschen. Auch ein vorgewärmtes Tuch, ein warmer Waschlappen oder ein Kirschkernkissen eignen sich, um die Gefäße zu weiten. Wenn die Brust jedoch schon richtig rot und heiß ist, lass diesen Schritt lieber aus.

2. Baby anders anlegen

Dein Baby ist wahrscheinlich richtig gut darin, die gestaute Milch abzutrinken. Unter der Voraussetzung, dass du es richtig anlegst: Versuch es so zu halten / hinzulegen, dass sein Kinn zur verhärteten Stelle zeigt. Notfalls legst du es auf eine feste Unterlage und hängst dich selbst kniend darüber. Auch wenn das erstmal schmerzt. (Im Notfall kennen Ärzte stillfreundliche Schmerzmittel.)

Stillberaterinnen und speziell geschulte Hebammen kennen viele gute Stillpositionen, an die du nicht im Traum gedacht hättest. Wenn du noch nicht lange stillst, lass dich am besten beraten, damit du beim nächsten Mal verschont bleibst.

3. Brust ausstreichen oder abpumpen

Nicht immer will oder kann dein Baby trinken oder die Verhärtung löst sich einfach nicht. Dann muss andere Hilfe her.

Deine Brust kannst du auf drei Arten selbst entleeren: mit der Hand, mit der Handpumpe oder mit einer elektrischen Pumpe. Am effektivsten ist die elektrische. Meist hast du aber keine da, wenn du sie das erste Mal brauchst. Deshalb probiere es erst mal mit der Hand (Seite 5). Am besten suchst du dir einen ruhigen, warmen Ort dafür. Die Milch kann mitunter ganz schön weit spritzen. Hab deshalb lieber eine Stoffwindel parat oder setz dich gleich ins Bad.

Wenn das nicht klappt, lass dir in der Arztpraxis ein Rezept für eine anständige Milchpumpe geben. Die kannst du dann in der Apotheke ausleihen. Handpumpen sind zwar für den Hausgebrauch ganz nett, aber bei einem Milchstau einfach nicht effektiv genug.

4. Brust kühlen

Nach dem Stillen oder Abpumpen solltest du deine Brust kühlen. Denn Kühlen wirkt entzündungshemmend und verringert die Milchbildung.

  • Am besten eignen sich dafür Quarkwickel. Die schmiegen sich besser an die Brust als Kühlpads und der Quark wirkt zusätzlich entzündungshemmend. Toll oder? Jana Friedrich stellt in ihrem Hebammenblog ein super Quarkwickel-Rezept ohne Schmadderei vor.
  • Alternativ kannst du Weißkohlblätter nehmen. Löse dafür zwei Blätter ab, wasche sie und walze sie mit einer sauberen Nudelholz, bis etwas Saft austritt. Schneide Löcher in der Größe deiner Brustwarze hinein. Ab in den Kühlschrank und nach dem Stillen in den BH. Fertig.
  • Von Lansinoh gibt es Kühlpads mit Kügelchen, die auch prima kühlen (oder wärmen). Entzündungshemmende Substanzen haben die aber nicht.

Vorsicht: wenn du wegen der Entzündung Antibiotika einnimmst, darfst du nicht kühlen. Sonst kann sich die Entzündung verkapseln und ein Abzess ist die Folge. Der muss dann rausgeschnitten werden. Aber jetzt bitte keine Angst bekommen. Selbst wenn du ins Krankenhaus müsstest, dein Baby darf mit. Und selbst nach eine OP darfst du stillen.

5. Bitte vorsichtig: Nach zugewachsenen Milchgängen suchen und öffnen

Manchmal bilden sich Häutchen bzw. Pfropfen, die einen Milchgang direkt am Ausgang verstopfen. Du erkennst das an einem weißen Punkt direkt auf der Brustwarze, der sich nicht abwischen lässt. Jetzt keinesfalls mit den Fingernägeln daran herumkratzen! Nimm eine Nadel und koch sie ab oder desinfiziere sie. Versuch das Häutchen damit ganz vorsichtig zu lösen. Nicht in den Milchgang hineinstechen!

Wenn du dich nicht traust, bitte ruhig deine Hebamme oder Frauenärztin dir dabei zu helfen. Manchmal reicht das schon und die gestaute Milch schießt plötzlich heraus. Wenn du keinen weißen Punkt finden kannst, gibt es andere Gründe für den Milchstau. Dann spätestens nach 3 Tagen ab zum Arzt!

Nie wieder Milchstau – das kannst du tun

Um zu wissen, wie du dem nächsten Milchstau vorbeugen kannst, musst du die Ursachen kennen. Denn wenn du einmal einen Milchstau hattest, ist die Brust noch für eine Weile anfällig dafür.

Eher selten, verursacht das Baby selbst den Milchstau, weil es plötzlich länger schläft oder wegen Krankheit viel weniger trinkt als sonst. Das reguliert sich meist ziemlich schnell wieder von allein. Sehr viel öfter ist Stress der Übeltäter. Denn wenn wir Stress haben, hören wir weniger auf unsere Körpersignale und die des Kindes.

Natürlich wäre es schön, wenn dieser Milchstau dein letzter wäre, oder? Probiere es mit folgenden Maßnahmen:

Stress reduzieren

Also keine Hausarbeit im Wochenbett, weniger Besuch, nur die allernötigsten Reisen, endlich Frieden mit der Schwiegermutter schließen … Je nachdem, was es bei dir ist, versuch es abzustellen und denk mehr an dich. Klar lässt sich der Schlafmangel mit Baby nur schwer beheben. Aber alles andere vielleicht?

Eine Stillberatung buchen

Stillberaterinnen sind was Tolles. Auch wenn du denkst, schon alles zu wissen: wahrscheinlich wirst du erstaunt sein, wie viel schöner eure Stillbeziehung noch werden kann. Dazu gehört, dein Baby bei den ersten Hungerzeichen zu stillen. So ist es weniger gierig und beißt nicht an der Brustwarze herum. Die Beraterin wird dir auch zeigen, wie du deine Brust optimal vorbereitest (wärmen und massieren) und was du tun kannst, damit sie in den Stillpausen nicht zu viel Milch produziert (kühlen).

Auf Hygiene achten

Das bedeutet nicht, dass Stillen ein steriler Vorgang sein muss. Aber gerade wenn du zu Milchstau oder gar Brustentzündungen neigst, achte darauf, dass deine und Babys Hände sauber sind. Mit Lanolin kannst du deine Brustwarzen nach jedem Stillen pflegen. Dann sind sie weniger anfällig für Verletzungen. Auch ein paar Tropfen Muttermilch wirken wahre Wunder.

Wenn abstillen – dann langsam

Schwankungen im Milchbedarf deines Babys kannst du nicht vermeiden, so viel steht fest. Aber wenn einer von euch genug vom Stillen hat, plane lieber genug Zeit ein, damit sich deine Brüste umstellen können. Das kann schon ein paar Monate dauern. Wenn dein Baby nur noch wenig trinkt, du aber viel Milch hast, kannst du etwas abpumpen und einfrieren. Aber nicht zu viel, sonst kurbelst du die Produktion zusätzlich an.

Hast du noch Fragen zum Thema „Milchstau“? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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