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Familenpate mit Mutter und Kind

Familienpaten leisten Alltagshilfe für überlastete Familien

Wenn es Eltern zu viel wird und sie drohen, im Strudel aus Verantwortung und Ansprüchen unterzugehen, können Familienpaten ihnen die nötige Unterstützung geben. Was du dir genau darunter vorstellen kannst und wie du einen Familienpaten findest, erfährst du hier.

Was sind Familienpaten?

Familienpaten sind Freiwillige, die auf Wunsch praktische Unterstützung im Alltag von Familien leisten. Sie verschaffen den überlasteten Eltern dringend benötigte Verschnaufpausen. Etwa, indem sie ihnen den Nachwuchs abnehmen, mit ihm spielen, spazieren gehen oder mit älteren Geschwistern auch mal Hausaufgaben machen. Sie habe ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Eltern (und Kinder!) und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Sie helfen bei der Kita-Suche, begleiten die Eltern zu Behördengängen oder lotsen sie bei Bedarf gezielt zu den geeigneten Beratungsstellen. Kurzum: Familienpaten füllen die Lücke, wenn den Eltern Familie und Freunde in der Nähe fehlen.

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Eine Familienpatenschaft ist ein Ehrenamt. Das heißt, dass alle Familienpaten freiwillig als solche arbeiten und dies in ihrer Freizeit tun. Anders als Familienhebammen oder Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegende haben sie keine spezielle Ausbildung für ihre freiwilligen Dienste. Aber sie werden geschult und bringen bestimmte Eigenschaften und Erfahrungen mit, die sie für den Einsatz in Familien qualifiziert. Familienpaten können etwa Studierende sein, Mütter und Väter oder Senioren. Sozial engagierte Großeltern, deren eigene Enkelkinder weit weg wohnen, bieten sich in diesem Rahmen gern als Leih- oder Ersatz-Omas und -Opas an.

Die Familienpaten sind ganz klar eine praktische Alltagshilfe für Eltern gedacht, jedoch nicht als Haushaltshilfe oder exklusive Kindertagesbetreuung.

Für wen sind Familienpaten geeignet?

Im Grunde für alle Familien, die Unterstützung benötigen. Dabei ist die Ausgangssituation ganz egal. Das können Familien aus sozial schwierigen Verhältnissen sein, ebenso wie Familien aus der gehobenen Mittelschicht. Das kann das junge Paar sein, dem der neugeborene Nachwuchs den Schlaf und letzten Endes die Nerven raubt. Das können Mehrlingseltern sein oder Eltern von Kindern mit speziellem Förderbedarf. Das kann die zugezogene Familie sein, die noch niemanden vor Ort kennt, genauso wie die Einwanderer-Familie mit Sprachbarriere. Oder aber auch die alleinerziehende Mama, die neben Job und Kindern dringend mal wieder mehr Zeit für sich braucht, um nicht auszubrennen. Auch plötzliche Schicksalsschläge oder Krankheiten können dazu führen, dass Eltern den Boden unter den Füßen verlieren. 

Es gibt so viele Situationen, in denen Eltern an ihre Grenzen stoßen. Da tut es gut zu wissen, dass sie damit nicht allein dastehen, sondern es Angebote gibt, die sie unterstützen und auffangen können. Das Angebot der Familienpatenschaft ist übrigens, wie alle Frühen Hilfen, kostenlos und einfach in Anspruch zu nehmen.

Wie funktioniert die Familienpatenschaft?

Interessierte Eltern melden ihren Bedarf ganz einfach bei einer der regionalen Koordinierungsstellen für Familienpatenschaften (siehe unten). Dort schaut man dann, welcher der freiwilligen Familienpaten am besten zu den Bedürfnissen der Familie passt. Bei einem Kennenlern-Gespräch können beide Seiten dann einen Eindruck voneinander bekommen. Stimmt die Chemie, werden die Eckpunkte vereinbart: Wie oft wird der Familienpate gebraucht? Welche Zeiten passen ihm und der Familie? Welche Aufgaben kann er übernehmen? Wenn sich beide Seiten einig sind, steht der Zusammenarbeit nichts mehr im Weg.

Während der Patenschaft gibt es regelmäßige Gespräche zwischen der Koordinierungsstelle und beiden Parteien. So soll sichergestellt werden, dass sich beide Seiten der Patenschaft wohlfühlen. Im Normalfall wird eine Familienpatenschaft auf ein Jahr begrenzt, manchmal kann dieser Zeitraum auch kürzer oder länger sein. Es gibt aber keine „Vertragslaufzeiten“. Die Patenschaft kann zu jeder Zeit von beiden Seiten beendet werden. Das kann der Fall sein, wenn die Familie keine Hilfe mehr braucht oder der Pate an seine eigenen Belastungsgrenzen stößt.

Die Voraussetzungen für einen Familienpaten:

  • Mindestens 18 Jahre alt, besser noch mehr Lebenserfahrung
  • Vorlage eines erweiterten Führungszeugnis
  • Unterschreiben einer Schweigepflichtserklärung
  • Hilfreich: Erfahrungen im Umgang mit Kindern
  • Besondere Eigenschaften: Kontaktfreudigkeit, Offenheit sowie Toleranz und respektvolles Verhalten gegenüber anderen Kulturen und Lebensweisen, die Fähigkeit zur Selbstreflexion (v.a. auf eigene Grenzen achten und auch „Nein“ sagen können)

Schulung der Familienpaten:

Die Familienpaten werden von den Koordinierungsstellen geschult, zum Beispiel im sensiblen Umgang mit Eltern in Krisensituationen. Regelmäßige Seminare und Meetings bieten ihnen Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit andere Paten. Bei Fragen und Problemen können sie sich jederzeit Rat bei der Koordinierungsstelle holen.

Familienpaten gesucht!

Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Koordinierungsstellen durchgängig auf der Suche nach ehrenamtlichen Familienpaten. Wenn du dich sozial engagieren möchtest und selbst Interesse daran hast, Familien in Krisensituationen zu unterstützen, dann wende dich einfach an eine der Koordinierungsstellen in deiner Nähe (siehe unten).

Wo und wie findet man Familienpaten?

Es gibt bundesweit verschiedene regionale Familienpaten-Projekte, die unter anderem durch die Bundesstiftung Frühe Hilfen gefördert werden. Anlaufstellen, wenn du einen Familienpaten suchst, sind zum Beispiel Wohlfahrtsverbände (z.B. AWO, Caritas, Diakonie), Kirchen oder der örtliche Kinderschutzbund

Eine schnelle Internet Recherche mit den Stichwörtern „Dein Wohnort / dein Bundesland + Familienpate“ kann dir hier meist schon weiterhelfen. Einige konkrete Projekte und Anlaufstellen verlinken wir dir hier:

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Interview mit Familienpatin Barbara 

Barbara (68) engagiert sich seit 2016 ehrenamtlich als Familienpatin für das Berliner Projekt „Känguru – hilft und begleitet!“*. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen als freiwillige Familien-Unterstützerin.

Babelli: Barbara, warum arbeiten Sie ehrenamtlich als Familienpatin? Welche Motivation haben Sie?
Barbara: Nachdem ich aufgehört hatte zu arbeiten, suchte ich eine Aufgabe, die mir Freude macht und die gleichzeitig andere Menschen unterstützt. Es macht mir sehr viel Freude, mit Kindern zusammen zu sein. Auf das Projekt kam ich durch eine Freundin. Sie war selbst Patin. Inzwischen betreue ich die 5. Familie.

Mit welchen Sorgen und Nöten wenden sich die Familien an Sie? Gibt es „typische“ Szenarien?
Typisch für die Mütter ist das Thema Zeit bzw. Zeitmangel. Durch die zeitintensive Betreuung der Babys bleibt sehr wenig Freiraum. Besonders gilt das für alleinerziehende Mütter, die keine Minute für sich haben, sondern den ganzen Tag, jeden Tag für das Baby da sind. Diese Mütter sind meist total erschöpft.

Wie unterstützen Sie die Familien?
Ich biete den Müttern an, mich 1 x wöchentlich für 2 bis 3 Stunden um das Baby zu kümmern. Meist gehen wir dann spazieren, besuchen den Spielplatz oder ich spiele mit den Kindern zuhause. Dafür vereinbaren wir einen festen Tag und eine feste Uhrzeit. Die Feinabstimmung erfolgt dann kurzfristig und situativ. So kann die Mutter diesen Freiraum fest für sich einplanen. Meist freuen sich die Mütter auch über einen Gesprächspartner für die normalen Alltags-Herausforderungen. 

Wie erleben Sie die Eltern bei Ihren Einsätzen?
Der Kontakt besteht zu den Müttern – auch bei Paaren, wobei ich immer die Partner auch kennengelernt habe. Ich wurde bisher immer sehr offen aufgenommen und konnte eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu dem Kind und der Mutter aufbauen. Bei gemeinsamen Spaziergängen oder einer Tasse Kaffee oder Tee entstehen oft sehr gute Gespräche.

Was ist Ihnen wichtig an der Zusammenarbeit mit den Familien?
Der Aufbau von Verlässlichkeit und Vertrauen – mir wird schließlich ein Kind anvertraut. Die Bedürfnisse der Familie berücksichtigen und nicht die eigenen Wünsche und Vorstellungen überstülpen. Nicht bevormunden oder werten, sondern zuhören. Ausnahme: bei gefährlichen Verhaltensweisen für das Kind. Eine solche Situation habe ich aber bisher nie erlebt. Schon beim Kennenlernen ehrlich die eigenen Vorstellungen kommunizieren und so prüfen, ob es zwischen der Familie und mir passt. Und schließlich: Eine Beziehung sich entwickeln lassen.

An welchen Einsatz erinnern Sie sich besonders gern?
An die Kita-Eingewöhnung des einjährigen Sohnes einer alleinerziehenden Mutter. Ich habe den kleinen Jungen öfter von der Kita abgeholt. Sobald er mich gehört hat, kam er angekrabbelt, wollte sofort auf den Arm und hat dann stolz um sich geschaut. 

Welchen Rat haben Sie für Familien in Krisensituationen?
Immer professionelle Hilfe suchen – nicht warten, bis die Situation eskaliert. Gelassen bleiben, auf sich selbst und das Baby hören. Jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus.

Danke Barbara für den Einblick in Ihre wichtige Arbeit!

*Über „Känguru – hilft und begleitet“

„Känguru – hilft und begleitet“ ist ein spendenfinanziertes Familienpaten-Angebot des Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.. Es richtet sich an Familien mit Kindern unter 12 Monaten, die einen Unterstützungsbedarf haben. Die Känguru-Paten und Patinnen begleiten die Familien für 6 bis 12 Monate einmal pro Woche für ca. 2 bis 3 Stunden. Sie werden in ihrem Engagement eng begleitet und erhalten Fortbildungen. Aktuell gibt es in 11 Berliner Bezirken einen Känguru-Standort. Du suchst Unterstützung oder möchtest selbst ehrenamtlich aktiv werden? Eine Übersicht der Ansprechpartner*innen findest du unter www.kaenguru-diakonie.de

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Quellen

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