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Saugglockengeburt: wann ist sie nötig und welche Risiken gibt es?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Eine Saugglockengeburt entspricht bestimmt nicht deiner Vorstellung von einer Traumgeburt, aber manchmal ist sie nötig. In Geburtsvorbereitungskursen ist sie oft kein Thema. Warum manche Babys mit der Saugglocke geholt werden, wie das geht und welche Risiken die Methode birgt, erfährst du jetzt.

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Was ist eine Saugglockengeburt und wann ist sie nötig?

Eine Saugglockengeburt wird gemacht, wenn die natürliche Geburt in der Austreibungsphase stockt. Also dann, wenn das Baby schon im Geburtskanal steckt und es nicht schnell genug weitergeht. Ein Kaiserschnitt wäre zu diesem Zeitpunkt schwierig, weil das Kind im kleinen Becken nur noch schlecht für die helfenden Hände erreichbar ist.

Wenn sich dann die Herztöne verschlechtern, hilft eine Saugglocke, die Geburt so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Diese besteht aus zwei über einen Schlauch verbundenen Teilen:

  • einem Aufsatz für das kleine Köpfchen (die eigentliche Saugglocke)
  • und einer Vakuumpumpe

Kurz gesagt erzeugt die Pumpe einen Unterdruck, der Köpfchen und Saugglocke fest zusammenhält. Während die Geburtshelfer bei einer Wehe von oben drücken (Kristeller-Handgriff), wird der Kopf des Babys aus dem Geburtskanal gezogen. Das klingt rabiat, kann aber lebensrettend sein. Medizinisch heißt die Saugglockengeburt „Vakuumextraktion“.

Voraussetzungen für eine Saugglockengeburt

Einfach mal nachhelfen, damit es schneller geht? Nein, keine Sorge. Eine Saugglockengeburt wird mittlerweile nicht einfach so gemacht. Es muss dafür schon wirklich gute Gründe geben. Das sind folgende:

  • Geburtsstillstand in der Austreibungsphase (Ausnahme Frühchen) und große Erschöpfung der Mutter
  • Sauerstoffmangel oder schlechte Herztöne beim Baby
  • in seltenen Fällen Erkrankungen der Mutter, die ein Pressen unmöglich machen

Bedingungen: Das Baby liegt mit dem Köpfchen voran tief genug im Geburtskanal, die Fruchtblase ist bereits geplatzt und der Muttermund komplett offen.

Ganz ohne Betäubung geht es nicht. Wenn du keine PDA hattest, bekommst du eine lokale Betäubung. Die Blase wird mittels Katheter entleert. Meist gibt es einen Dammschnitt. Alles damit genug Platz ist, um dein Baby so sanft wie möglich während einer Wehe herausziehen zu können, während du mitpresst.

Wie häufig sind Saugglockengeburten?

Laut statistischem Bundesamt sind knapp 6% aller deutschen Geburten Saugglockengeburten. Diese Zahl variiert von Region zu Region (Berlin liegt mit 7,7% vorn) und mit Sicherheit von Krankenhaus zu Krankenhaus. Wenn du wissen willst, wie es deine Wunschklinik handhabt, frag am besten nach. Bedenke aber, dass gerade große Fachkliniken mehr Risiko-Geburten betreuen. Die Zahlen wären dann automatisch höher.

Zum Vergleich: rund 30% aller deutschen Babys kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Saugglockengeburten sind also viel seltener.

Saugglockengeburt: Chancen und Risiken für dein Baby

Eine Saugglockengeburt kann das Leben deines Babys retten. Halte dir das immer vor Augen. Meist bleibt eine solche Geburt ohne Folgen. Mutter und Kind sind wohlauf, wie schön! Anders als bei der noch selteneren Zangengeburt wird Babys Kopf nicht verformt.

Trotzdem solltest du vorher wissen, dass der Einsatz eines solchen Instruments nicht ganz risikolos ist. Denn durch das Vakuum wirken große Kräfte auf den kleinen Kopf. Deshalb schwillt dieser an der Stelle an, wo die Saugglocke saß. Das ist normal und geht wieder weg. Durch den Bluterguss auf dem Kopf kann die Neugeborenengelbsucht etwas stärker ausfallen. Keine Sorge, dafür gibt es einfache Behandlungsmöglichkeiten.

Ist der Unterdruck am Kopf des Babys zu groß, kann es in Einzelfällen zu Hirnblutungen kommen. Frühchen sind empfindlicher, deshalb ist diese Methode nichts für sie. Aber auch wenn das Baby sehr groß oder die Mutter sehr klein ist, kann es Probleme geben. Laut einer schwedischen Studie ist das Risiko für Hirnblutungen bei Babys, die mit Saugglocke geholt wurden, etwa sechsmal höher als bei einer natürlichen Geburt. Je größer das Geburtsgewicht, desto höher das Risiko.

Zu deiner Beruhigung: nur 20 von 10.000 Neugeborenen waren überhaupt von Hirnblutungen betroffen. Die meisten davon hatten nur leichte Blutungen, die keine bleibenden Schäden hinterließen.

Mögliche Spätfolgen nach Saugglockengeburt

Viele Mütter, die eine Saugglockengeburt hinter sich haben, fürchten Spätfolgen für ihr Kind. Die kann es geben. Sie sind aber selten.

Leichte Hirnblutungen machen meist wenig bis keine Probleme und werden vom Körper resorbiert. Wichtig: die allermeisten Babys haben gar keine!

Größere Blutungen können Nervenzellen beschädigen. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, wo die Blutung auftrat. Manche Kinder entwickeln sich motorisch oder kognitiv langsamer. Andere zeigen im neurologischen Bereich Auffälligkeiten. Echte Behinderungen zeigen sich deutlicher und schneller. Hast du einen Verdacht, sprich mit deiner Kinderärztin darüber. Sie wird euch gegebenenfalls weiter überweisen.

Wenn es durch die schwere Geburt zu Blockaden gekommen ist, kann das Baby viel schreien, weil es Schmerzen hat. Manche entwickeln eine Lieblingsseite. Unbehandelt kann das zu Verformungen des Kopfes führen, die weitere Probleme nach sich ziehen. Kinderosteopathen sind hierfür die richtige Anlaufstelle.

Griechische Wissenschaftler meinen außerdem, einen Zusammenhang zwischen Saugglockengeburten und Hirntumoren gefunden zu haben. Medizinisch validiert ist die Studie bisher jedoch nicht.

Hast du noch eine Frage zum Thema Saugglockengeburt? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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