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Hypnobirthing als Geburtsvorbereitung: Was bringt es und was nicht?

Hypnobirthing ist nicht der esoterische Quatsch, für den es viele halten. Es kann durchaus helfen, die Geburt entspannter und vor allem angstfreier zu erleben. Aber was genau steckt hinter diesem englischen Begriff? Wir erklären, worum es dabei geht, wann ein Hypnobirthing-Kurs sinnvoll ist und was du beachten musst, damit es auch für dich funktioniert.

Was ist Hypnobirthing?

Hypnobirthing ist ein Kurs-Konzept zur Vorbereitung auf eine möglichst entspannte und selbstbestimmte Geburt, frei von Ängsten. Die Idee selbst ist bereits etwa 70 Jahre alt. Sie beruht auf den Untersuchungen  des englischen Gynäkologen Dick-Reed, der erkannt hatte, dass es möglich ist, die Geburt durch gezielte Einstimmung der Schwangeren zu erleichtern. Er ging zurecht davon aus, dass Zuversicht, Vertrauen und Entspannung erlernbar sind und das dies der Schlüssel zu einer schönen Geburt ist. Nicht umsonst hieß schwanger zu sein früher, dass du „guter Hoffnung“ bist.

Ab den 70er Jahren wurden Geburten mehr und mehr zu einer medizinischen Angelegenheit, die in Krankenhäusern stattfand. Selbstbestimmung wich Fremdbestimmung. Und Fremdbestimmung schürt Ängste. Eine verkrampfte Frau kann aber nicht entspannt gebären. Sie braucht mehr Schmerzmittel und die Geburt dauert im Schnitt 2 Stunden länger.

Als Gegenmaßnahme wurde die jetzt populäre Methode des Hypnobirthing Ende der 80er Jahre in den USA von Marie F. Mongan entwickelt. In mehrteiligen Kursen lernst du (und dein Geburtsbegleiter) wieder in dich selbst und deine ureigene Kraft zu vertrauen. Du lernst achtsam zu sein, richtig zu atmen, dich gezielt zu entspannen und mithilfe von Vorstellungskraft und Selbsthypnose dein Baby möglichst aus eigener Kraft zu gebären.

Hypnobirthing garantiert keine schmerzfreie Geburt

Manche Frauen denken, dass sie mit Hypnobirthing eine Geburt ganz ohne Schmerzen und ohne medizinische Eingriffe erleben werden und sind dann von sich selbst enttäuscht, wenn es nicht so ist. Dass eine Geburt mit Hypnobirthing als schmerzfrei empfunden wird, kann vorkommen, muss aber nicht. Viele Frauen haben dennoch Schmerzen. Sie können aber besser damit umgehen.

Und manchmal sind medizinische Unterstützung wie PDA und Schmerzmittel oder gar ein Eingriff wie ein Kaiserschnitt trotzdem nötig, selbst wenn du alles getan hast, um bestmöglich vorbereitet zu sein. Auch hier sind die Übungen sinnvoll. Denn sie helfen dir, unvorhergesehene Wendungen besser anzunehmen und dich nicht ausgeliefert zu fühlen.

Den oder die Geburtshelfer ersetzt Hypnobirthing übrigens nicht.

Wie geht Hypnobirthing?

Beim Hypnobirthing wird viel Wissen über die natürliche Geburt, die eigene Wahrnehmung und die Kraft des Unterbewusstseins vermittelt. Die Kursleiterinnen zeigen dir Übungen, die dich deinem Ziel von einer entspannten Geburt näher bringen. Wichtig ist bei diesen, dass du sie am besten Monate vorher in einem Kurs erlernst und dann regelmäßig zuhause übst. Nur dann kannst du sie auch wirklich abrufen, wenn du sie brauchst.

Achtsamkeit und die Kraft des Geistes

Hier geht es darum, dir bewusst zu werden, wie sehr sich negative Gedanken, Worte und Erfahrungen auf dein Erleben im Jetzt auswirken und dass du alles beeinflussen kannst. Dazu musst du Hinderliches erst einmal wahrnehmen und dann durch hilfreiche Gedanken und kraftvolle Glaubenssätze* ersetzen. Die Übung dazu heißt Handshake-Übung, bei der du dich durchschießende Gedanken wahrnimmst, begrüßt und wieder ziehen lässt, ohne dir weiter den Kopf zu zerbrechen.

Anders gesagt: wenn du es schaffst, dir die Geburt als ein schönes Erlebnis vorzustellen und auch so davon zu reden, wirst du sie freudvoller wahrnehmen. Umgib dich mit schönen Geschichten und positiven Menschen, die dein Vertrauen in dich selbst nähren, statt Sorgen zu schüren.

*Glaubenssätze sind Gedanken, die sich tief in das Unterbewusstsein eingebrannt haben und dein Handeln und Erleben unmerklich steuern. Ein Beispiel: „Meine Mutter hatte eine schwierige Geburt, also werde ich wahrscheinlich auch eine haben.“ Das Risiko eines medizinischen Eingriffs steigt dann einfach nur, weil du es dir im Innersten so vorstellst. Um das geradezubiegen, musst du herausfinden, welche Glaubenssätze dir im Weg stehen und sie dann durch andere ersetzen, wie zum Beispiel: „Ich habe ganz viel Kraft in mir, die mir helfen wird, mein Baby entspannt zu gebären.“

Tiefenentspannung kannst du lernen

Entspannung ist alles, selbst in schwierigen Situationen, wenn nichts nach Plan läuft. Denn wenn dein Körper vor lauter Angst verkrampft, wirkt sich das auch auf die Gebärmutter und den Beckenboden aus. Wenn alles fest wird, kommt die Geburt ins Stocken und du spürst die Schmerzen viel mehr, als du eigentlich müsstest. Experten sprechen vom Angst-Anspannungs-Schmerz-Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt.

Es gibt Frauen, die brauchen keine Hilfe von außen, weil sie von Natur aus entspannt und bereit sind. Andere haben durchaus ein wenig Unterstützung nötig, damit sie wieder zu sich selbst finden. Wie du dich selbst dazu bringen kannst, alle Anspannung fallen zu lassen, lernst du in den Kursen. Und je mehr du im Alltag übst, desto schneller wird es dir gelingen, in die Tiefenentspannung zu kommen. Das kann dir auch später im Alltag noch von Nutzen sein.

Selbsthypnose und Trance

Die Selbsthypnose ist ein zentraler Bestandteil des Hypnobirthing. Wir alle haben die Fähigkeit dazu, uns selbst zu hypnotisieren und in Trance zu versetzen. Wenn du zum Beispiel in ein Buch vertieft bist oder konzentriert an etwas arbeitest, bist du einer Trance. Die Welt um dich herum wird unwichtig. Während der Geburt heißt das, du bist zwar wach, aber ganz verbunden mit dir und deinem Baby. Schmerzen und andere störende Dinge treten in den Hintergrund. Wie du diesen Zustand willentlich erreichen kannst, lernst du durch gezielte Übungen in den Hypnobirthing-Kursen.

Die richtige Atemtechnik für jeden Zeitpunkt

Für jede Phase der Geburt gibt es Atemtechniken, die dir und deinem Baby die Kraft geben, die ihr braucht, um gut zusammenzuarbeiten. Vor dem Geburtsbeginn und zwischen den Wellen (Wehen) benutzt du die Ruheatmung, um dich tief zu entspannen. Wenn die Wehe anrollt, hilft dir die Wellenatmung über den Berg. Und in der letzten Phase kommt die Geburtsatmung zu Einsatz, damit dein Körper das Baby hinausschieben kann.

Was Hypnobirthing bringt

Ein ganz großer Pluspunkt von Hypnobirthing ist, dass es deine Körperwahrnehmung schult und dich erkennen lässt, wie wichtig positives Denken und gezielte Entspannung für einen guten Geburtsverlauf sind.

Auch wenn es weit mehr Entspannungstechniken wie z.B. autogenes Training gibt, sind die in den Hypnobirthing-Kursen vermittelten Techniken ein super Handwerkszeug, das genau auf die Geburt zugeschnitten ist, dir aber auch später noch nützlich sein kann. Geführte Übungen bekommst du zum Buch und in den Kursen, wobei ein Buch allein nicht ausreicht.

Geburtsvorbereitung ist super, aber…

Eltern, die sich mit Hypnobirthing vorbereitet haben, wissen meist mehr über den natürlichen Geburtsverlauf, als Eltern, die völlig unvorbereitet in die Geburt gehen. Dadurch sind sie in der Regel sicherer und zuversichtlicher als jene, die alles den Ärzten und Hebammen überlassen. Genau deshalb funktionieren Hypnobirthing Geburten bei Hausgeburten und in Geburtshäusern am besten. Denn dort ist Selbstbestimmung besonders gern gesehen.

Kritik an der Hypnobirthing Methode

So schön die Idee von einer angstfreien, entspannten Geburt mit Hypnobirthing ist, in Krankenhäusern scheint sie nicht immer zu funktionieren. Dass liegt zum einen daran, dass durch die bloße Lektüre des Buches der Eindruck entstehen könnte, dass es ganz allein an dir liegt, ob du Schmerzen hast oder nicht. Das weckt hohe, oft zu hohe Erwartungen, die dann in Enttäuschung und Angst umschlagen, wenn es doch anders kommt. Es reicht also nicht, das Buch zu lesen und allein zu üben. Du musst schon einen Kurs besuchen, der bestenfalls von einer Kursleiterin geführt wird, die dich auch für andere Geburtsverläufe öffnet.

Unser Tipp

Damit Hypnobirthing auch in einer Geburtsklinik funktioniert, ist es wichtig, dass du im Kurs lernst, von vornherein offen und vertrauensvoll zu sein, ganz gleich, wie die Geburt abläuft und wo du deinem Baby das Leben schenkst. Erwarte nicht zu viel von dir selbst und auch nicht von deinen Geburtshelfern. Ihr seid alle nur Menschen. Eine gute Idee ist auch bei der Besichtigung der Geburtsstation zu erfragen wie die Einstellung zum Hypnobirthing in diesem Haus ist. Fällt die Antwort negativ aus, kannst du überlegen, von vornherein eine andere Klinik zu wählen.

Viele Hebammen haben die Erfahrung gemacht, dass gerade solche Frauen eine Kaiserschnitt-Geburt erwartet, die sich allzu sehr auf einen bestimmten Ablauf eingeschossen hatten. Deshalb sind viele Klinik-Hebammen Hypnobirthing gegenüber nicht so offen eingestellt, wie man sich das wünschen würde, auch wenn sich das durch Seminare und Schulungen langsam ändern sollte. Dennoch, schon wenn eine Frau mit einer detaillierten Wunschliste ankommt, fühlen sich einige von ihnen in ihrer Arbeit eingeschränkt. Das kann zu Spannungen führen, die kontraproduktiv für Vertrauen und Tiefenentspannung sind.

Das kostet ein Hypnobirthing-Kurs

Hypnobirthing-Kurse sind leider nicht ganz günstig. 300 bis 600 Euro sind drin. Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten und dann auch nur teilweise. Wenn die Kursleiterin selbstständige Hebamme ist, kann sie den Kurs als Geburtsvorbereitung mit der Kasse abrechnen. Eine Alternative ist die hypnomentale Geburtsvorbereitung durch ausgebildete Hypnose-Therapeuten oder ähnliche Kurse durch Hypnose-Coaches. Hierfür bedarf es jedoch keiner Ausbildung.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wann sollte ich mit dem Hypnobirthing-Kurs beginnen?

Um genug Zeit für die Übungen zu haben, ist es sinnvoll, wenn du spätestens zur Hälfte der Schwangerschaft mit dem Kurs beginnst. Manche Kursleiter begrüßen auch schon Paare ab der 15. Schwangerschaftswoche. Aber auch, wenn die Geburt gar nicht mehr lang hin ist, können dir die Entspannungsübungen helfen, dich positiv darauf einzustimmen.

Bin ich unter Hypnose nicht manipulierbar?

Nein, denn du wirst hier nicht von einem Außenstehenden hypnotisiert, sondern du du erreichst die Trance von ganz allein. Währenddessen bist du wach und ansprechbar, aber eben in einem entspannten Zustand.

Gibt es auch Kompakt- oder Online-Kurse?

Ja die gibt es mittlerweile. Inwieweit sie ausreichen, um das Gelernte wirklich zu verinnerlichen, so dass es bei der Geburt zur Verfügung steht, sei dahingestellt.

Funktioniert Hypnobirthing auch bei einem Kaiserschnitt?

Ja, das tut es, wenn du für jede Wendung bereit bist und dich nicht auf einem Geburtsverlauf festgelegt hast. Denn auch während eines Kaiserschnitts kann Entspannung u.U. dafür sorgen, dass dein Körper gelassener auf die Medikamente reagiert und die Blutung zum Beispiel schneller stoppt. Auch lernst du beim Hypnobirthing zu jeder Zeit mit deinem Baby in Kontakt zu bleiben.

Hast du noch Fragen oder Anmerkungen zum Thema Hypnobirthing? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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