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Nabelschnurblut: Das solltest du wissen!

Spenden, privat einlagern oder doch auspulsieren? Zum Thema Nabelschnurblut gibt es viele Befürworter und genauso viele Gegensprecher. In diesem Artikel besprechen wir alle Vor- und Nachteile, damit du für dich und dein Kind die beste Entscheidung in Sachen Nabelschnurblut treffen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Nabelschnur-Stammzellen können über 80 Erkrankungsarten therapiert werden. (z.B. Leukämie)
  • Die Stammzellen kannst du für dein Kind oder deine Familie einsetzen. Fremdtransplantationen sind derzeit jedoch (noch) der Regelfall.
  • Deine Optionen: 1. Nabelschnurblut-Spende; 2. Einlagerung bei privater Nabelschnurblutbank; 3. Gerichtete Spende; 4. Einlagerungen mit Option auf Spende
  • Es geht nur Auspulsieren der Nabelschnur ODER Nabelschnurblutentnahme.
  • Eine private Einlagerung kostet etwa 1.500 bis 3.000 Euro.

Wofür braucht man Nabelschnurblut?

Während der Schwangerschaft bekommt dein Baby Sauerstoff und Nährstoffe über die Nabelschnur. Nach der Geburt bleibt ein Teil des Nabelschnurblutes in der Nabelschnur und in der Plazenta. Dieses Blut enthält Stammzellen, die der Forschung und der Behandlung schwerer Krankheiten dienen. Das Nabelschnurblut ist daher im Grunde viel zu wertvoll, um es nach der Geburt einfach im Klinikmüll zu entsorgen.

Dennoch sind Nabelschnurblutentnahmen nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Statistiken zufolge entscheiden sich weltweit pro Jahr gerade einmal rund 5% aller werdenden Eltern für die Entnahme. Weiß ja auch kaum jemand. Selbst in Geburtsvorbereitungskursen wird es selten angesprochen.

Was Stammzellen können

Stammzellen aus Nabelschnurblut sind jung und fit – völlig unbelastet durch äußere Einflüsse. Sie vermehren sich schnell. Außerdem sind sie undifferenziert. Das heißt, sie können sich in verschiedene Zellarten des Körpers entwickeln. Das macht sie so wertvoll.

Der Deutschen Nabelschnurblutbank (DKMS) zufolge konnten Stammzellen aus dem Nabelschnurblut bereits bei über 80 Erkrankungsarten erfolgreich angewendet werden. Besonders gut wirken sie als Aufbaubehandlung nach der Chemotherapie bei einer Leukämie.

Aber auch die weitere Forschung verspricht so einiges. Denn wegen ihrer Flexibilität könnten Stammzellen in der Zukunft als Ersatz oder zur Reparatur beschädigter Körperzellen zum Einsatz kommen – sofern die klinischen Studien halten, was sie versprechen.

Wer Stammzellen transplantiert bekommen kann

Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten als besonders gut verträglich. Sie können daher (theoretisch) sowohl bei einer Eigentransplantation bei deinem Kind und einer Transplantation innerhalb der Familie als auch bei einer Fremdtransplantation zum Einsatz kommen. Fremdtransplantationen sind derzeit jedoch (noch) der Regelfall.

Dein Kind

Eigenes Gewebe wird nicht abgestoßen. Das heißt das Immunsystem geht nicht dagegen vor. Fremde unentdeckte Krankheitserreger gibt es ebenfalls nicht. An diesen beiden Punkten scheitern andere Transplantationen oft.

Klingt gut? Ist es auch! Dennoch wichtig zu wissen: bei Blutkrebs oder Erbkrankheiten im Kindesalter werden nur selten eigene Stammzellen übertragen. Denn diese besitzen ja dasselbe Erbgut samt aller Gendefekte.

Trotzdem haben Eigentransplantationen großes Potenzial. Künftig könnten Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ I und Zerebralparese (frühkindliche Hirnschädigung) damit behandelt werden. Sicher ist das jedoch nicht.

Deine Familie

Transplantationen innerhalb der Familie versprechen – nach Eigentransplantationen – die besten Ergebnisse z.B. bei angeborenen Anämien und Immunschwächen. Familienmitglieder sind kompatibler als fremde Personen. Ist ein Familienmitglied bereits erkrankt, kann das Nabelschnurblut deines Babys heute schon helfen. Das Blut wird als „gerichtete Spende“ an eine öffentliche Nabelschnurbank für die erkrankte Person reserviert.

Wichtig: Denkst du über eine private Einlagerung nach? Dann stell sicher, dass die Nabelschnurblutbank über eine Abgabegenehmigung für Geschwister verfügt. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die eingelagerten Stammzellen im Ernstfall auch Familienmitgliedern zur Verfügung stehen.

Jemand Fremdes

Wie bereits erwähnt, sind Fremdtransplantationen bislang der Regelfall. Die Stammzellen gelten auch hier als gut verträglich. Sie sind immunologisch noch nicht voll ausgereift. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass das Immunsystem die Zellen angreift. Wegen der Plazentaschranke besteht nur ein geringes Risiko für bakterielle und virale Infektionen.

Fremdtransplantationen werden derzeit u.a. bereits bei Leukämien, Blutbildungsstörungen und genetisch bedingten Erkrankungen angewendet.

Spenden, einlagern oder doch auspulsieren?

Grundsätzlich stehen werdenden Eltern bei einer Nabelschnurblutentnahme zwei Optionen zur Auswahl. Sie können das Nabelschnurblut entweder an eine öffentliche Nabelschnurblutbank spenden und somit womöglich direkt ein (fremdes) Leben retten ODER sie können das Nabelschnurblut bei einer privaten Nabelschnurblutbank einlagern lassen, um es für das eigene Kind und ggf. Familienmitglieder zu „reservieren“.

So oder so, wenn du dich für eine Nabelschnurblutentnahme entscheidest, solltest du wissen, dass das Auspulsieren der Nabelschnur dann nicht mehr möglich ist. Denn für beides reicht das Blut in der Nabelschnur nicht. Doch auch das Auspulsieren hat viele Befürworter.

Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Es hilft aber, wenn du die Vor- und Nachteile kennst, bevor du dich entscheidest:

1.) Spenden

Du kannst das Nabelschnurblut an eine öffentliche Nabelschnurblutbank spenden. Nach der anonymen Aufbereitung im Labor wird deine Spende im Stammzellregister erfasst und von der öffentlichen Nabelschnurblutbank eingelagert. Von nun an steht sie weltweit allen Patienten zur Verfügung, die ein Stammzelltransplantat benötigen.

Das spricht für die SpendeDas spricht gegen die Spende
  • Die Stammzell-Spende ermöglicht einem Patienten mit passenden Gewebemerkmalen die Chance, gesund zu werden.
  • Es fallen keine Gebühren für Transport, Untersuchung, Aufbereitung und Konservierung der Stammzellen an. Die Kosten trägt in vollem Umfang die öffentliche Nabelschnurblutbank.
  • Auch bei einer Spende besteht zumindest die Chance, im Bedarfsfall auf eigene Stammzellen zurückgreifen zu können – sofern die Stammzellen nicht bereits anderweitig gebraucht wurden.
  • Im Falle einer gerichteten Spende können Familienmitglieder von den Stammzellen profitieren.
  • Und last but not least: Wer Nabelschnurblut spendet, kann ein Leben retten.
  • Wer Nabelschnurblut spendet, hat keinerlei Anspruch mehr auf das eingelagerte Präparat. Zwar kann es bei medizinischer Notwendigkeit bei der Spenderbank angefordert werden, es besteht jedoch keine Garantie, dass man es bekommt. Schließlich könnte es bereits anderweitig verwendet worden sein.
  • Die Nabelschnurblutentnahme beeinflusst den Abnabelungsvorgang, da sie eine frühere Abnabelung erfordert. Lässt man die Nabelschnur komplett auspulsieren, kann keine ausreichende Blutmenge mehr erzielt werden.

Diese öffentlichen Nabel­schnur­blutbanken gibt es:

2.) Einlagern

Alternativ kannst du das Nabelschnurblut bei einer privaten Nabelschnurblutbank eingelagern. Auch hierzu wird die Blutprobe im Labor aufbereitet, allerdings nicht anonym. Deine Spende wird nicht im Stammzellregister erfasst (eine Ausnahme bildet die Einlagerung mit Option auf Spende). Die private Nabelschnurblutbank lagert die Stammzellen vielmehr für den persönlichen Bedarfsfall ein. Diese Option wird besonders heftig diskutiert.

Das spricht für die private EinlagerungDas spricht gegen die private Einlagerung
  • Die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut sind und bleiben Eigentum des Spenders. Es kann im Bedarfsfall jederzeit darauf zurückgegriffen werden.
  • Die eingelagerten Stammzellen können in der Regel auch bei erkrankten Familienmitgliedern zum Einsatz kommen (Wichtig: Die private Nabelschnurblutbank muss hierzu über eine Abgabegenehmigung für Geschwister verfügen).
  • Bei einer privaten Einlagerung fallen nicht unerhebliche Kosten für Transport, Untersuchung, Aufbereitung und Konservierung der Stammzellen an. Diese müssen von den Eltern des neugeborenen Kindes getragen werden.
  • Laut Bundesärztekammer ist „für die Aufbewahrung von Nabelschnur-Präparaten zur späteren Eigenbehandlung zurzeit keine medizinische Indikation bekannt“. Zumal Stammzelltransplantationen im frühen Kindesalter (bisher)
  • meist bei Blutkrebs oder Erbkrankheiten durchgeführt werden. Eigentransplantationen werden zur Behandlung dieser Erkrankungen äußerst selten eingesetzt.
  • Die Erfahrung mit gefrorenem Stammzell-Material basiert lediglich auf rund 15 Jahren. Es kann daher nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden, dass die Stammzell-Präparate nach Jahrzehnten noch brauchbar sind.
  • Nach Ablauf der Vertragslaufzeit werden die Stammzellen, die nicht benötigt wurden, vernichtet. Im Falle einer Spende hätten diese Stammzellen womöglich ein Leben retten können.
  • Auch hier gilt (wie bei der Spende) natürlich, dass die Nabelschnurblutentnahme den Abnabelungsvorgang beeinflusst. Ein Auspulsieren der Nabelschnur ist nicht möglich.

Diese privaten Nabelschnurblutbanken gibt es:

Tipp: Einlagerung mit Option auf Spende
Private Nabelschnurblutbanken bieten oftmals auch eine Einlagerung mit Option auf Spende an. Die Rechte an dem eingelagerten Stammzell-Präparat bleiben bei euch als Eltern. Gleichzeitig werden die Daten jedoch im Stammzellregister erfasst. Sollten die Stammzellen als Fremdspende benötigt werden, erhaltet ihr eine Anfrage. Stimmt ihr zu, bekommt ihr das Geld für die Einlagerung zurück. Lehnt ihr ab, bleiben die Stammzellen weiterhin für euer Kind eingelagert.

3.) Auspulsieren

Das Auspulsieren der Nabelschnur ist im Falle einer Nabelschnurblutentnahme nicht möglich, weil die Blutmenge für beides nicht ausreicht. Ihr müsst euch daher vorher für eins entscheiden. Wenn ihr nichts tut, wird weder auspulsiert noch Nabelschnurblut entnommen. Schade, oder?

Das spricht für das AuspulsierenDas spricht gegen das Auspulsieren
  • Das Auspulsieren wirkt sich positiv auf den Eisenwert und das Eigenblutvolumen des neugeborenen Kindes aus. Studien zufolge weisen Kinder, deren Nabelschnur auspulsierte, ein bis zu 30 % höheres Eigenblutvolumen auf.
  • Vor allem bei Früh- und Mehrlingsgeburten, die besonders stark zu Blutarmut neigen, raten Experten dazu, die Nabelschnur möglichst spät zu durchtrennen.
  • Lässt man die Nabelschnur auspulsieren, wird das Baby noch eine Zeit lang über die Nabelschur mit Sauerstoff versorgt. Es kann die Atmung langsam aufnehmen, was ihm einen „sanften“ Start ins Leben ermöglicht.
  • Experten zufolge fördert ein spätes Abnabeln die Mutter-Kind-Bindung.
  • Eine Nabelschnurblutentnahme ist nicht möglich. Nach dem Auspulsieren kann keine ausreichende Blutmenge mehr erzielt werden.
  • Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko einer Neugeborenen-Gelbsucht.

Zwischenfazit

Alle drei Optionen haben Vor- und ihre Nachteile. Welche Argumente am schwersten wiegen, müsst ihr als Eltern entscheiden. Grundsätzlich gilt: jede Entscheidung ist nachvollziehbar und daher richtig! Tipp einer Mutter:

Der Ablauf der Nabelschnurblutentnahme

Nabelschnurblut zu entnehmen tut nicht weh. Weder dir noch deinem Baby. Der gesamte Vorgang dauert wenige Minuten.

So funktioniert die Entnahme

Direkt nach der Abnabelung entnehmen der Arzt oder die Hebamme das Blut aus der Nabelschnur – und zwar aus dem Teil der Nabelschnur, der noch mit der Plazenta, aber nicht mehr mit dem Baby verbunden ist. Das Baby und die Mutter spüren hiervon also nichts. Das Blut, das aus der Nabelschnur gewonnen wird, wird in einem sterilen Beutel aufgefangen.

In einem zweiten Schritt wird auch der frischgebackenen Mutter eine Blutprobe entnommen, um Infektionen auszuschließen. Auch dieser Vorgang dauert lediglich wenige Minuten.

Zusammen mit dem Nabelschnurblut wird die Blutprobe der Mutter anschließend bei einer Raumtemperatur von maximal 22 Grad zur Nabelschnurblutbank transportiert und dort untersucht.

Um Nabelschnurblut abnehmen zu können, wird gleich abgenabelt. Die Nachgeburtsphase ist aber gleich. Das Baby kann bereits auf dem Bauch der Mutter liegen und kuscheln, während der Arzt oder die Hebamme werkeln. Der Vater des Kindes darf trotzdem die Nabelschnur durchtrennen, wenn er das möchte.

Der Einlagerungsprozess

Wenn du dich für eine private Einlagerung entscheidest, solltest du über den Einlagerungsprozess Bescheid wissen.

Damit die Stammzellen auch später noch brauchbar sind, hat die Bundesärztekammer eine Richtlinie herausgegeben. Diese regelt, wie das Nabelschnurblut transportiert und verarbeitet werden soll.

So funktioniert die Einlagerung gemäß dieser Richtlinie:

  1. Das Nabelschnurblut und die Blutprobe der Mutter müssen innerhalb von 24 Stunden im Labor eintreffen.
  2. Dort wird die Probe auf Infektionskrankheiten und den Gehalt an lebensfähigen Stammzellen untersucht.
  3. Sie muss alle Qualitätskriterien erfüllen, die die Bundesärztekammer vorgibt.
  4. Ist dies der Fall, werden die Stammzellen komprimiert und bei minus 196 Grad in Behältern mit flüssigem Stickstoff eingefroren.
  5. Spätestens 48 Stunden nach der Entnahme muss der gesamte Vorgang abgeschlossen sein.

Das kostet die Nabelschnurblutentnahme

Bei einer Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank fallen für euch keine Kosten an. Eine private Einlagerung hingegen kostet viel Geld: etwa 100 bis 200 Euro pro Jahr, als Gesamtsumme je nach Vertragsdauer! Insgesamt kommen rund 1.500 bis 3.000 Euro euch zu.

Um möglichst vielen Eltern die Möglichkeit einer Einlagerung zu ermöglichen, kooperieren die meisten privaten Nabelschnurblutbanken mit einem Kreditinstitut, das individuelle Finanzierungsmöglichkeiten mit günstigen Zinsen anbietet.

Wie sich die Kosten genau zusammensetzen, welche Möglichkeiten es zur Finanzierung gibt und inwiefern sich Krankenkassen an den Kosten beteiligen, erfährst du hier: www.nabelschnurblut.org/kosten

Gesamtfazit

Nabelschnurblut kann Leben retten. Trotzdem ist die Nabelschnurblutentnahme und vor allem die private Einlagerung ein kontrovers diskutiertes Thema. Da kann man schon mal unsicher werden. Schade nur, wenn dann das wertvolle Blut ganz verloren geht.

Egal wie du dich entscheidest: Jeder hat das Recht, für das eigene Kind vorzusorgen! Ob das durch Spende, private Einlagerung oder Auspulsieren der Nabelschnur geschieht, bleibt dir selbst überlassen!

Du möchtest dich gern noch ausführlicher über das Thema Nabelschnurblut informieren? Dann empfehlen wir dir an dieser Stelle das Infoportal Nabelschnurblut.org.

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2 Kommentare
  1. Lisa Lausel sagt

    Danke für den informativen Beitrag!

    Am Anfang wollten wir das Blut nur spenden, aber nach langer Recherche und vielen schlaflosen Nächten haben wir uns doch für eine Einlagerung entschieden. Doch es gibt so viele unterschiedliche Anbieter, teilweise mit Jahreskosten – andere haben keine. Was sollen wir tun?

  2. Anna Lering sagt

    Wir haben lange über eine Spende nachgedacht, damit wir damit einem kranken Kind helfen können.

    Meine Freundin hat vor kurzem eine Einlagerung bei einem privaten Anbieter gemacht, weil sie die Stammzellen für ihr Kind zurückhalten möchte. Nun denken wir auch über eine private Einlagerung nach

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