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Beckenendlage oder Steißlage und Steißgeburt

Beckenendlage (Steißlage): Was, wenn das Baby sich nicht dreht?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Bei der Beckenendlage liegt das Baby mit dem Gesäß oder den Füßen Richtung Becken im Bauch der Mutter. Die allermeisten Kinder drehen sich noch rechtzeitig vor der Geburt mit dem Kopf nach unten. Manche Kinder verbleiben jedoch in der Beckenend- oder Steißlage. Was das für die Geburt bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt, das Baby doch noch zum Drehen zu bewegen, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • 3 bis 6 Prozent der Babys drehen sich bis zum Geburtstermin nicht in Schädellage (SL), sondern verbleiben in Beckenendlage (BEL) oder Querlage (QL).
  • Mögliche Ursachen sind unter anderem anatomische Besonderheiten, bestimmte Positionen der Plazenta oder Fehlentwicklungen.
  • Eine spezielle Yoga-Pose sowie alternativmedizinische Methoden sollen das Baby zum Drehen animieren.
  • Ab der 37. SSW kann eine professionelle äußere Wendung versucht werden.
  • Eine BEL macht eine vaginale Entbindung komplizierter, aber nicht unmöglich.
  • Wünschst du dir trotz BEL eine spontane Geburt, sollte die Geburtsklinik auf Steißgeburten spezialisiert sein.
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Was bedeutet Beckenendlage?

In den ersten beiden Trimestern hat dein Baby im Bauch noch viel Platz zum Turnen. Es schlägt Purzelbäume, liegt mal so, mal so herum. Ab Mitte der Schwangerschaft wird es sich jedoch final mit dem Kopf nach unten orientieren. Die Schädellage ist für dich und dein Kind die optimale Ausgangsposition für die Geburt. Manche Kinder schaffen es jedoch nicht oder nicht rechtzeitig, sich in Schädellage zu positionieren. Sie verbleiben in der Beckenendlage (BEL) oder auch Steißlage. Dabei befindet sich der Kopf deines Babys unter deinem Rippenbogen, sein Po liegt in Richtung deines Beckens. Seine Beine sind entweder hochgeschlagen, angewinkelt oder ausgestreckt. Man schätzt, dass etwa 3 bis 6 Prozent der Babys in Beckenendlage geboren werden.

Je nach Beinstellung lassen sich verschiedene Formen der Beckenendlage ausmachen. Welche Lage dein Baby eingenommen hat, hat unter Umständen große Bedeutung für die Geburt.

  1. Reine Steißlage
    Der Po des Babys liegt im Becken, seine Beine sind in den Hüftgelenken gebeugt und an der Bauchseite hochgeschlagen. Für eine spontane Geburt ist das die bestmögliche Ausgangslage bei einer BEL.
  1. Fußlage
    Bei der vollkommenen Fußlage sind die Beine des Babys nach unten ausgestreckt. Bei der unvollkommenen Fußlage ist ein Bein nach ausgestreckt, eins ist hochgeschlagen (ähnlich einem Spagat). Für eine spontane Geburt ist die Fußlage problematisch, da der Geburtskanal von den vorangehenden Füßen unter Umständen nicht genug gedehnt wird für den Rest des Körpers.
  1. Steißfußlage
    Bei der vollkommenen Steißfußlage sind beide Beine angehockt, die Füße liegen neben dem Steiß. Bei der unvollkommenen Steißfußlage ist nur ein Bein angewinkelt, eins ist an der Bauchseite hochgeschlagen. Liegen die Füße neben dem Steiß, erleichtert das eine vaginale Geburt.

Ursachen und Risiken der BEL

Häufig findet man keine eindeutige Erklärung dafür, warum sich ein Kind nicht in die Schädellage begibt. Aber es gibt einige Risikofaktoren, die die Beckenendlage begünstigen. Dazu zählen: 

  • (Fehl)Form des mütterlichen Beckens
  • Fehlbildungen an der Gebärmutter
  • Bestimmte Positionen der Plazenta (Placenta praevia)
  • Zu viel oder zu wenig Fruchtwasser
  • Bestimmte Probleme mit der Nabelschnur
  • Niedriges Geburtsgewicht / Frühgeburt
  • Bestimmte fetale Fehlbildungen
  • Mehrlingsschwangerschaft

Deine Hebamme oder deine Frauenärztin kann eine Beckenendlage ertasten und per Ultraschalluntersuchung feststellen. Sie tragen sie mit dem Kürzel BEL in deinen Mutterpass ein.

Während der Schwangerschaft stellt die Beckenendlage kein akutes gesundheitliches Risiko für dich oder dein Baby dar. Jedoch gibt es Hinweise darauf, dass Kinder, die in Steißlage geboren werden, ein erhöhtes Risiko für Hüftgelenksdysplasien haben. Sie werden bei den ersten U-Untersuchungen genau auf Störungen der Hüftgelenke untersucht, sodass diese im Zweifel frühzeitig erkannt und behandelt werden können. In den allermeiste Fällen heilt die Fehlbildung bei rechtzeitiger Behandlung vollständig aus.

Risiken bestehen bei einer Beckenend- oder Steißlage vorwiegend für die Geburt. Das schon mal vorab: Eine BEL bedeutet nicht zwangsläufig, dass dein Baby per Kaiserschnitt geboren werden muss. In vielen Fällen ist eine spontane vaginale Entbindung möglich. In den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) heißt es konkret: „Wenn eine strenge Risikoselektion erfolgt, ist die vaginale Beckenendlagengeburt eine gleichwertige Alternative zur Sectio.“ Voraussetzung dafür ist ein qualifiziertes Team von Geburtshelfern. 

Die Geburt in Beckenendlage

Eine Geburt in Beckenendlage, also eine Steißgeburt findet heute meistens im Vierfüßerstand statt. In dieser Geburtsposition hat es das Kind am leichtesten, sich aus dem Geburtskanal zu drehen. Die Geburtshelfer müssen es bestenfalls nur „auffangen“. Eine andere Variante ist die Entbindung in Steinschnittposition, also in Rückenlage mit rechtwinklig gelagerten Beinen.

Die erfahrenen Geburtshelfer beherrschen für jede Lage und Entwicklung im Geburtsverlauf spezielle Handgriffe und Techniken, die dich und dein Kind bestmöglich unterstützen. Oft, aber nicht immer ist ein Dammschnitt nötig. Sollte es zu Komplikationen kommen, kann die Geburt im Zweifel durch einen sekundären Kaiserschnitt beendet werden. Eine Geburt in Beckenendlage ist übrigens auch bei Mehrlingen möglich, solange diese gesund und fit genug sind. 

Risiken der spontanen Geburt:

  • Verzögerter Geburtsverlauf: Die Eröffnungsphase dauert meist länger, da der Geburtskanal durch den schmalen Po weniger gedehnt wird als durch das Köpfchen. In der Austreibungsphase kann es vor allem bei der reinen Steißlage zum „Pendeleffekt“ kommen. Dabei federt das Kind in den Wehenpausen immer wieder zurück in den Geburtskanal.
  • Nabelschnurvorfall: Deckt der Steiß den Geburtskanal während des Blasensprungs nicht genug ab, kann es zum Vorfall der Nabelschnur kommen.
  • Sauerstoffmangel: In einer bestimmten Phase der Geburt, wenn Steiß und Beine schon geboren sind, der Kopf aber noch im Geburtskanal steckt, drückt das Köpfchen auf die Nabelschnur. So kommt es kurzzeitig zu einer Mangelversorgung, die gesunde Kinder aber in der Regel ohne Folgen verkraften können. Trotzdem ist es wichtig, dass es nach dem Austritt des Unterkörpers schnell geht und endlich auch das Köpfchen nachkommt.
  • Hochschlagen der Arme: Schlägt dein Kind im Geburtsverlauf die Arme hoch, kann das die Geburt des Köpfchens verzögern.
  • Verletzungen des Kindes: Durch unsachgemäße Geburtshilfe kann es zu Verletzungen beim Kind kommen.

Vorteile der spontanen Geburt:

Nach einer vaginalen Entbindung ist die Mutter in der Regel schneller wieder auf den Beinen als nach einem Kaiserschnitt. Zudem entgehen sie und ihr Kind so den üblichen Risiken, die mit einer Schnittentbindung einhergehen, wie Infektionen, Wundheilungsstörungen der Narbe oder Probleme durch die Narkose. Für das Kind scheint der Weg durch den Geburtskanal gesundheitliche Vorteile zu bringen: Kinder, die bei Kaiserschnitt geboren werden, scheinen anfälliger für Erkrankungen des Immunsystems zu sein wie Allergien, Asthma und verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen.

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Was spricht gegen eine vaginale Geburt und für einen Kaiserschnitt?

  • Entwicklungsverzögerungen des Kindes
  • Deutliche Differenz zwischen Kopf- und Bauchumfang des Kindes
  • Missverhältnis zwischen dem kindlichen Kopf und dem mütterlichen Becken
  • Erwartetes Geburtsgewicht über 4.000 Gramm
  • Diabetes der Mutter / Schwangerschaftsdiabetes
  • Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen, insbesondere Präeklampsie
  • Nabelschnurvorfall
  • Fußlage

Steißgeburt oder Kaiserschnitt?

Tatsächlich ist es so, dass sich etwa  85 Prozent der Schwangeren mit Kind in Beckenendlage für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden. Dafür gibt es mehrere Gründe. Am häufigsten aber wählen die werdenden Mütter aus Angst vor Schmerzen, Komplikationen und davor, es nicht zu schaffen, freiwillig den Weg des Kaiserschnitts. 

Dazu kommt, dass nicht jede Geburtsklinik auf Steißgeburten spezialisiert ist. Eine Geburt in Beckenendlage bedarf spezieller Techniken. Die Geburtshelfer müssen geschult sein und Erfahrungen haben, um die Entbindung für Mutter und Kind so sicher wie möglich zu machen. Nicht jede Klinik verfügt über diese Spezialisierung, sodass sie aus Sicherheitsgründen eher zu einem Kaiserschnitt als zur Steißgeburt raten. 

Fakt ist: Eine Steißgeburt zählt zu den Risikogeburten und verlangt Mutter und Kind einiges an Kraft und Durchhaltevermögen ab. Trotzdem ist sie in vielen Fällen möglich und sicher. Wichtig ist eine professionelle Bewertung der individuellen Situation durch den Facharzt oder der Fachärztin. Die Vorteile und Risiken einer Steißgeburt im Vergleich zu einer Schnittentbindung müssen sorgsam abgewägt und gemeinsam mit euch als Eltern besprochen werden. Hast du kein gutes Gefühl, fühlst dich nicht gut beraten oder zu einer bestimmten Entscheidung gedrängt, holt euch im Zweifel eine Zweitmeinung ein.

Bis wann können sich Babys noch drehen?

Dafür gibt es keinen finalen Zeitpunkt. Fest steht aber: Je näher es Richtung Geburtstermin geht, desto weniger Platz bleibt ihnen dafür. Die meisten Babys positionieren sich spätestens bis zur 34. SSW in Schädellage. Bei Erstgebärenden nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Kind danach noch spontan dreht, stark ab. Spätestens ab der 37. SSW wird es im wahrsten Sinne des Wortes eng. Das heißt aber nicht, dass die Drehung dann gar nicht mehr möglich ist. Es gab schon Fälle, da entschied das Kind erst kurz vor dem ET sich in die Schädellage zu begeben. Das dürften aber die Ausnahmen sein.

Im Allgemeinen warten Hebammen und Ärzte bis zur 34. SSW relativ entspannt ab, ob sich das Kleine noch von allein dreht. Sollte das nicht der Fall sein, können einige traditionelle Anwendungen und Übungen dem Ganzen vielleicht ein wenig nachhelfen. Und wenn auch das nichts bringt, kann unter Umständen eine sogenannte äußere Wendung versucht werden.

Hebammentipps, um das Baby zu drehen 

Indische Brücke: Bei dieser Yoga-Übung legst du dich auf den Rücken, das Becken dabei auf ein dickes Polster, die Beine auf einen Hocker, Stuhl oder das Sofa. Dein Körper nimmt so eine leichte Schräglage ein, die du bis zu 15 Minuten halten solltest. Ziel ist es, dein Baby so aus deinem Becken nach oben rutschen zu lassen. Das ermöglicht ihm bestenfalls doch noch eine letzte Drehung in Schädellage. Du kannst den Effekt verstärken, indem du nach dem Liegen schwungvoll über die Seite aufstehst. Das Ganze machst du 2x täglich. Aber Achtung: In der Rückenlage besteht das Risiko, dass dein Kind auf deine Hohlvene drückt. Das führt zu Schwindel und Übelkeit. Sobald du dich unwohl fühlst, brich die Übung bitte ab.

Eine Alternative zur indischen Brücke ist die Knie-Brust-Position. Dabei gehst du auf alle Viere, legst die Unterarme, den Oberkörper und das Gesicht bequem auf dem Boden ab, sodass nur dein Becken in der Luft ist. Auch hier gilt: Sobald es unangenehm wird, die Position langsam verlassen.

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Moxibution: Das „Moxen“ ist eine Anwendung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Hierbei werden bestimmte Akupunkturpunkte an den kleinen Zehen mit einer Beifußzigarre erwärmt. Das soll die Gebärmutter stimulieren und das Baby zur Bewegung anregen.

Optische und akustische Reize: Mithilfe einer Taschenlampe, einem Glöckchen oder eine Klangschale werden über die Bauchdecke gezielt Reize gesetzt, um das Kleine in Schädellage zu locken.

Ansonsten schlagen Hebammen hin und wieder Meditation und Visualisierungstechniken vor, um auf diesem Wege das Kind zum Drehen zu „überreden“. 

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Äußere Wendung bei Beckenendlage

Bei der äußeren Wendung wird das Kind durch sanften Druck auf den Bauch der Mutter aus der Beckenendlage in Schädellage gebracht. Sie darf ausschließlich von einem Experten oder einer Expertin und stationär, also unter medizinischer Beobachtung und Kontrolle durchgeführt werden.

Ein erster Wendungsversuch wird in der Regel ab der 37. SSW vorgenommen. Während der äußeren Wendung werden die Herztöne deines Babys per CTG überwacht. Als mögliche „Nebenwirkungen“ der äußeren Wendung kann es zu Wehen oder einem Blasensprung kommen. Ein bereitstehendes OP-Team könnte bei Komplikationen schnell agieren und dein Kind per Kaiserschnitt entbinden.

Eine äußere Wendung ist unangenehm, sollte dir aber im Normalfall keine Schmerzen bereiten. Klappt ein erster Wendungsversuch nicht, kann die Prozedur wiederholt werden. Doch nicht immer ist eine äußere Wendung möglich. Bei folgenden Faktoren wäre sie zu riskant:

  • zu wenig oder kein Fruchtwasser (Oligo- oder Anhydramnion)
  • Auffälligkeiten im CTG vor dem Wendungsversuch
  • Auffälligkeiten bei der Dopplersonographie (Ultraschall)
  • Blutungen der Mutter
  • tiefer Sitz der Plazenta oder Placenta praevia
  • das Baby ist zu klein und zart

Häufige Fragen

Wie fühlt sich eine Beckenendlage an?

Viele Frauen berichten davon, den Kopf ihres Babys als etwas Rundes, Hartes unterhalb des Rippenbogens deutlich spüren zu können. Tritte gehen dafür nach unten und nicht nach oben, wie bei Kindern in Schädellage.

Wo spürt man Tritte und Schluckauf?

Bei der Beckenendlage liegt der Kopf des Babys unter deinen Rippen. Schluckauf wirst du daher im Oberbauch spüren. Tritte spürst du dagegen tief im Unterbauch. Je nach Fußlage des Babys kann es dir auf die Blase, den Darm oder Richtung Muttermund treten, was unangenehm sein kann.

Sieht man die Beckenendlage dem Bauch an?

Nein, die Bauchform verrät nichts darüber, ob dein Kind in BEL oder SL liegt.  Bewegt sich den Kind, könnten sein Kopf im Oberbauch und der Po seitlich am Bauch aber gut zu erkennen sein.

Gibt es Folgeschäden?

Kinder, die vor allem gegen Ende der Schwangerschaft und zur Geburt in Beckenendlage liegen, haben ein höheres Risiko für Hüftgelenksdysplasien. Früh erkannt, kann diese Fehlentwicklung aber sanft und erfolgsvorsprechend behandelt werden. Studien geben zudem keine Hinweise darauf, dass die Art der Geburt (Steißgeburt oder Kaiserschnitt) langfristig eine Bedeutung für die Gesundheit und Entwicklung der BEL Kinder hätte.

🎧 Podcast: Was ist eigentlich die Beckenendlage des Babys?

Was die Beckenendlage für euch heißt und wie man das Baby zum Drehen animieren kann, erklärt heute Emely Hoppe. Sie ist Hebamme und auch ihr eigenes Kind lag vor der Geburt mit dem Po nach unten.

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Lag dein Baby auch lange in Beckenendlage? Berichte uns in den Kommentaren, ob und wann sich dein Baby doch noch gedreht hat! Hast du nachgeholfen? Hab ihr eine äußere Wendung probiert? Oder hattest du gar eine Steißgeburt? Wir sind gespannt auf deine Erfahrungen!

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Quellen

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