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Beckenendlage (Steißlage): Was, wenn das Baby sich nicht dreht?

Grafik eines Babys in Beckenendlage
Eine Beckenendlage muss nicht automatisch zum Kaiserschnitt führen. / Bild © zffoto, Shutterstock.com

Bei der Beckenendlage liegt das Baby mit dem Gesäß oder den Füßen Richtung Becken im Bauch der Mutter. Die allermeisten Kinder drehen sich noch rechtzeitig vor der Geburt mit dem Kopf nach unten. Manche Kinder verbleiben jedoch in der Beckenend- oder Steißlage. Was das für die Geburt bedeutet und welche Möglichkeiten es gibt, das Baby doch noch zum Drehen zu bewegen, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • 3 bis 6 Prozent der Babys drehen sich bis zum Geburtstermin nicht in Schädellage (SL), sondern verbleiben in Beckenendlage (BEL) oder Querlage (QL).
  • Mögliche Ursachen sind unter anderem anatomische Besonderheiten, bestimmte Positionen der Plazenta oder Fehlentwicklungen.
  • Eine spezielle Yoga-Pose sowie alternativmedizinische Methoden sollen das Baby zum Drehen animieren.
  • Ab der 37. SSW kann eine professionelle äußere Wendung versucht werden.
  • Eine BEL macht eine vaginale Entbindung komplizierter, aber nicht unmöglich.
  • Wünschst du dir trotz BEL eine spontane Geburt, sollte die Geburtsklinik auf Steißgeburten spezialisiert sein.

Was bedeutet Beckenendlage?

In den ersten beiden Trimestern hat dein Baby im Bauch noch viel Platz zum Turnen. Es schlägt Purzelbäume, liegt mal so, mal so herum. Ab Mitte der Schwangerschaft wird es sich jedoch final mit dem Kopf nach unten orientieren. Die Schädellage ist für dich und dein Kind die optimale Ausgangsposition für die Geburt.

Manche Kinder schaffen es jedoch nicht oder nicht rechtzeitig, sich in Schädellage zu positionieren. Sie verbleiben in der Beckenendlage (BEL) oder auch Steißlage. Dabei befindet sich der Kopf deines Babys unter deinem Rippenbogen, sein Po liegt in Richtung deines Beckens. Seine Beine sind entweder hochgeschlagen, angewinkelt oder ausgestreckt. Man schätzt, dass etwa drei bis sechs Prozent der Babys in Beckenendlage geboren werden.

Je nach Beinstellung lassen sich verschiedene Formen der Beckenendlage ausmachen. Welche Lage dein Baby eingenommen hat, hat unter Umständen große Bedeutung für die Geburt.

Grafik der verschiedenen Formen der Beckenandlage oder Steißlage
Grafik © vesvocrea, Adobe Stock
  1. Reine Steißlage: Der Po des Babys liegt im Becken, seine Beine sind in den Hüftgelenken gebeugt und an der Bauchseite hochgeschlagen. Für eine spontane Geburt ist das die bestmögliche Ausgangslage bei einer BEL.
  2. Steißfußlage: Bei der vollkommenen Steißfußlage sind beide Beine angehockt, die Füße liegen neben dem Steiß. Bei der unvollkommenen Steißfußlage ist nur ein Bein angewinkelt, eins ist an der Bauchseite hochgeschlagen. Liegen die Füße neben dem Steiß, erleichtert das eine vaginale Geburt.
  3. Fußlage: Bei der vollkommenen Fußlage sind die Beine des Babys nach unten ausgestreckt. Bei der unvollkommenen Fußlage ist ein Bein ausgestreckt, eins ist hochgeschlagen (ähnlich einem Spagat). Für eine spontane Geburt ist die Fußlage problematisch, da der Geburtskanal von den vorangehenden Füßen unter Umständen nicht genug gedehnt wird für den Rest des Körpers.

Ursachen und Risiken der BEL

Häufig findet man keine eindeutige Erklärung dafür, warum sich ein Kind nicht in die Schädellage begibt. Aber es gibt einige Risikofaktoren, die die Beckenendlage begünstigen. Dazu zählen: 

Deine Hebamme oder deine Frauenärztin kann eine Beckenendlage ertasten und per Ultraschalluntersuchung feststellen. Sie tragen sie mit dem Kürzel BEL in deinen Mutterpass ein.

Während der Schwangerschaft stellt die Beckenendlage kein akutes gesundheitliches Risiko für dich oder dein Baby dar. Jedoch gibt es Hinweise darauf, dass Kinder, die in Steißlage geboren werden, ein erhöhtes Risiko für Hüftgelenksdysplasien haben. Sie werden bei den ersten U-Untersuchungen genau auf Störungen der Hüftgelenke untersucht, sodass diese im Zweifel frühzeitig erkannt und therapiert werden können, zum Beispiel durch breites Wickeln, eine Spreizhose oder das Tragen im Tragetuch.

Risiken bestehen bei einer Beckenend- oder Steißlage vorwiegend für die Geburt. Das schon mal vorab: Eine BEL bedeutet nicht zwangsläufig, dass dein Baby per Kaiserschnitt geboren werden muss. In vielen Fällen ist eine spontane vaginale Entbindung möglich. In den DGGG-Leitlinien heißt es konkret: „Wenn eine strenge Risikoselektion erfolgt, ist die vaginale Beckenendlagengeburt eine gleichwertige Alternative zur Sectio.“ Voraussetzung dafür ist ein qualifiziertes Team von Geburtshelfern. 

Die Geburt in Beckenendlage

Eine Geburt in Beckenendlage, also eine Steißgeburt, findet heute meistens im Vierfüßlerstand statt. In dieser Geburtsposition hat es das Kind am leichtesten, sich aus dem Geburtskanal zu drehen. Die Geburtshelfer müssen es bestenfalls nur auffangen. Eine andere Variante ist die Entbindung in Steinschnittposition, also in Rückenlage mit rechtwinklig gelagerten Beinen.

Die erfahrenen Geburtshelfer beherrschen für jede Lage und Entwicklung im Geburtsverlauf spezielle Handgriffe und Techniken, die dich und dein Kind bestmöglich unterstützen. Oft, aber nicht immer, ist ein Dammschnitt nötig. Sollte es zu Komplikationen kommen, kann die Geburt im Zweifel durch einen Kaiserschnitt beendet werden. Eine Geburt in Beckenendlage ist übrigens auch bei Mehrlingen möglich, solange diese gesund und fit genug sind. 

Risiken der spontanen Geburt:

  • Längerer Geburtsverlauf: Wenn ein Baby mit dem Po zuerst geboren wird, dauert die Geburt oft länger. Der Po ist kleiner und weicher als der Kopf und dehnt den Geburtskanal deshalb nicht so stark. Gegen Ende der Geburt kann es außerdem passieren, dass das Baby sich zwischen den Wehen wieder ein Stück zurückzieht (pendelt). Das kann den letzten Teil der Geburt etwas verzögern.
  • Nabelschnur kann nach unten rutschen: Beim Blasensprung sollte der Geburtskanal gut „abgedichtet“ sein. Wenn der Po das nicht ausreichend tut, kann es in seltenen Fällen passieren, dass die Nabelschnur vor das Baby rutscht. Dann braucht es schnelle medizinische Hilfe.
  • Kurzzeitiger Sauerstoffmangel: Es gibt einen Moment, in dem der Körper des Babys schon geboren ist, der Kopf aber noch feststeckt. Dabei kann der Kopf kurz auf die Nabelschnur drücken und die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen. Gesunde Babys verkraften das meist gut. Trotzdem ist es wichtig, dass der Kopf zügig nachkommt.
  • Arme liegen ungünstig:  Manchmal streckt ein Baby während der Geburt die Arme nach oben. Das kann es schwerer machen, den Kopf zu gebären, und die Geburt verlängern.
  • Verletzungen: Wenn eine Steißgeburt nicht fachgerecht begleitet wird, kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen beim Baby kommen. Deshalb sind Erfahrung und gute Betreuung hier besonders wichtig.

Vorteile der spontanen Geburt:

Nach einer vaginalen Geburt ist die Mutter meist schneller wieder auf den Beinen als nach einem Kaiserschnitt. Mutter und Kind vermeiden zudem typische Risiken der Schnittentbindung wie Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Probleme durch die Narkose. Auch für das Kind kann der Weg durch den Geburtskanal Vorteile haben: Nach Kaiserschnitt geborene Kinder scheinen anfälliger für Erkrankungen des Immunsystems zu sein, etwa Allergien, Asthma und verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen.

Was spricht GEGEN eine vaginale Geburt und für einen Kaiserschnitt?

  • Entwicklungsverzögerungen des Kindes
  • deutliche Differenz zwischen Kopf- und Bauchumfang des Kindes
  • Missverhältnis zwischen dem kindlichen Kopf und dem mütterlichen Becken
  • erwartetes Geburtsgewicht über 4.000 Gramm
  • Diabetes der Mutter / Schwangerschaftsdiabetes
  • schwangerschaftsbedingte Erkrankungen, insbesondere Präeklampsie
  • Nabelschnurvorfall
  • Fußlage

Steißgeburt oder Kaiserschnitt?

Rund 85 Prozent der Schwangeren mit Kind in Beckenendlage entscheiden sich für einen geplanten Kaiserschnitt. Mögliche Gründe dafür sind die Angst vor Komplikationen oder davor, die Geburt nicht zu schaffen. Hinzu kommt: Nicht jede Klinik ist auf Steißgeburten spezialisiert. Eine Geburt aus Beckenendlage erfordert besondere Techniken sowie geschulte, erfahrene Geburtshelfer. Fehlt diese Spezialisierung, wird aus Sicherheitsgründen oft eher zum Kaiserschnitt geraten.

Eine Steißgeburt gilt als Risikogeburt und verlangt Mutter und Kind viel Kraft ab, ist aber in vielen Fällen möglich und sicher. Entscheidend ist die fachärztliche Einschätzung eurer individuellen Situation: Vorteile und Risiken gegenüber dem Kaiserschnitt sollten sorgfältig abgewogen und mit euch besprochen werden. Wenn ihr euch schlecht beraten oder gedrängt fühlt, holt euch im Zweifel eine Zweitmeinung.

Bis wann können sich Babys noch drehen?

Dafür gibt es keinen finalen Zeitpunkt. Fest steht: Je näher es Richtung Geburtstermin geht, desto weniger Platz bleibt ihnen dafür. Die meisten Babys positionieren sich spätestens bis zur 34. SSW in Schädellage. Bei Erstgebärenden nimmt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Kind danach noch spontan dreht, stark ab. Spätestens ab der 37. SSW wird es im wahrsten Sinne des Wortes eng. Das heißt aber nicht, dass die Drehung dann gar nicht mehr möglich ist. Es gab schon Fälle, da begab sich das Kind erst kurz vor dem ET in die Schädellage. Das dürften aber die Ausnahmen sein.

Im Allgemeinen warten Hebammen und Ärzte bis zur 34. SSW relativ entspannt ab, ob sich das Kleine noch von allein dreht. Sollte das nicht der Fall sein, können einige traditionelle Anwendungen und Übungen dem Ganzen vielleicht ein wenig nachhelfen. Und wenn auch das nichts bringt, kann unter Umständen eine sogenannte äußere Wendung versucht werden.

Hebammentipps, um das Baby zu drehen 

Indische Brücke: Bei dieser Yoga-Übung legst du dich auf den Rücken, das Becken dabei auf ein dickes Polster, die Beine auf einen Hocker, Stuhl oder das Sofa. Dein Körper nimmt so eine leichte Schräglage ein, die du bis zu 15 Minuten halten solltest. Ziel ist es, dein Baby aus deinem Becken nach oben rutschen zu lassen, sodass es sich noch einmal drehen kann. Das Ganze machst du 2 × täglich. Aber Achtung: In der Rückenlage besteht das Risiko, dass dein Kind auf deine Hohlvene drückt (Vena-cava-Syndrom). Das führt zu Schwindel und Übelkeit. Sobald du dich unwohl fühlst, brich die Übung bitte ab.

Eine Alternative zur indischen Brücke ist die Knie-Ellenbogen-Position. Dabei gehst du auf alle Viere, und stützt den Oberkörper mit den Unterarmen ab, sodass dein Becken erhöht ist. Auch hier gilt: Sobald es unangenehm wird, die Position langsam verlassen.

Moxibution: Das „Moxen“ ist eine Anwendung aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Hierbei werden bestimmte Akupunkturpunkte an den kleinen Zehen mit einer Beifußzigarre erwärmt. Das soll die Gebärmutter stimulieren und das Baby zur Bewegung anregen.

Optische und akustische Reize: Mithilfe einer Taschenlampe, eines Glöckchens oder einer Klangschale werden über die Bauchdecke gezielt Reize gesetzt, um das Kleine in Schädellage zu locken.

Ansonsten schlagen Hebammen gelegentlich Meditation und Visualisierungstechniken vor, um auf diesem Wege das Kind zum Drehen zu „überreden“. 

Äußere Wendung bei Beckenendlage

Bei der äußeren Wendung wird das Kind durch sanften Druck auf den Bauch der Mutter aus der Beckenendlage in Schädellage gebracht. Sie darf ausschließlich von einem Experten oder einer Expertin und stationär, also unter medizinischer Beobachtung und Kontrolle, durchgeführt werden.

Der erste Wendungsversuch erfolgt meist ab der 37. SSW. Dabei können Wehen ausgelöst werden, zudem besteht ein Risiko für einen Blasensprung. Deshalb steht ein OP-Team bereit, um bei Komplikationen sofort einen Kaiserschnitt durchführen zu können.

Die äußere Wendung ist unangenehm, verursacht aber normalerweise keine Schmerzen. Wenn der erste Versuch nicht gelingt, kann sie wiederholt werden.

Bei folgenden Faktoren wäre die äußere Wendung allerdings zu riskant:

  • zu wenig Fruchtwasser oder kein Fruchtwasser
  • Auffälligkeiten im CTG oder bei der Dopplersonografie
  • Blutungen der Mutter
  • tiefer Sitz der Plazenta oder Placenta praevia
  • ein kleines, zartes Baby

Häufige Fragen

Wie fühlt sich eine Beckenendlage an?

Viele Frauen berichten davon, den Kopf ihres Babys als etwas Rundes, Hartes unterhalb des Rippenbogens deutlich spüren zu können. Tritte gehen dafür nach unten und nicht nach oben, wie bei Kindern in Schädellage.

Wo spürt man Tritte und Schluckauf?

Bei der Beckenendlage liegt der Kopf des Babys unter deinen Rippen. Schluckauf wirst du daher im Oberbauch spüren. Tritte spürst du dagegen tief im Unterbauch. Je nach Fußlage des Babys kann es dir auf die Blase, den Darm oder Richtung Muttermund treten, was unangenehm sein kann.

Sieht man die Beckenendlage dem Bauch an?

Nein, die Bauchform verrät nichts darüber, ob dein Kind in BEL oder SL liegt. Bewegt sich dein Kind, könnten sein Kopf im Oberbauch und der Po seitlich am Bauch aber gut zu erkennen sein.

Gibt es Folgeschäden?

Kinder, die gegen Ende der Schwangerschaft und zur Geburt in Beckenendlage liegen, haben ein höheres Risiko für Hüftgelenksdysplasien. Früh erkannt, kann diese Fehlentwicklung aber sanft und erfolgsversprechend behandelt werden. Studien geben zudem keine Hinweise darauf, dass die Art der Geburt (Steißgeburt oder Kaiserschnitt) langfristig eine Bedeutung für die Gesundheit und Entwicklung der BEL-Kinder hätte.

Fazit: Informiert entscheiden statt verunsichern lassen

Eine Beckenendlage ist zunächst einmal nur eine andere Startposition, keine Diagnose und kein Zwang für einen Kaiserschnitt. Die meisten Babys drehen sich noch von selbst, und wenn nicht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie dabei zu unterstützen oder die Geburt trotzdem sicher zu planen.

Entscheidend ist eine individuelle, gut informierte Entscheidung: Manche Frauen profitieren von einer äußeren Wendung, andere wünschen sich trotz BEL eine vaginale Geburt, wieder andere fühlen sich mit einem geplanten Kaiserschnitt am sichersten.

Wichtig ist vor allem, eine ehrliche Beratung, genügend Zeit zum Abwägen und eine Geburtsklinik mit entsprechender Erfahrung. Mit guter Begleitung und fachlicher Expertise kann auch eine Steißgeburt ein sicherer und selbstbestimmter Weg sein.

🎧 Podcast: Was ist eigentlich die Beckenendlage des Babys?

Was die Beckenendlage für euch heißt und wie man das Baby zum Drehen animieren kann, erklärt heute Emely Hoppe. Sie ist Hebamme und auch ihr eigenes Kind lag vor der Geburt mit dem Po nach unten.

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 23.12.2025
Dieser Artikel wurde von Christine Müller geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.