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PDA: Periduralanästhesie und andere Schmerztherapien unter der Geburt

Dieser Artikel wurde inhaltlich geprüft von Nadine Beermann, Hebamme.

Die PDA als Allheilmittel bei der Geburt? Wir erklären, was das ist und wann sie zum Einsatz kommt. Wichtig: Neben der Periduralanästhesie gibt es noch etliche andere Möglichkeiten gibt, Schmerzen während der Geburt zu lindern. Welche das sind und was sie bringen, erfährst du ebenfalls in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die PDA ist eine (zu) häufig angewandte Methode zur Schmerzlinderung.
  • Man legt sie nur in einem bestimmten Zeitfenster.
  • In vielen Fällen verlängert eine PDA die Geburt und zieht weitere Eingriffe nach sich. Nach PDAs werden mehr Kinder mit der Saugglocke geholt.
  • Andere medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten sind:
    Krampflösende Mittel, Lachgas, Opioide, Pudendusblock und Spinalanästhesie.
  • Aber auch eine gute Vorbereitung, bewusste Atmung, gezielte Tiefenentspannung durch Selbsthypnose, Wärmezufuhr und Positionswechsel helfen.

Die Periduralanästhesie (PDA): Ablauf, Vor- und Nachteile

Die PDA ist wohl die bekannteste aller Schmerztherapien während der Geburt. Dabei stellt sie bei weitem nicht die einzige Möglichkeit dar. Risikolos ist sie nicht. Aber dazu im Anschluss mehr.

Wann wird eine PDA gelegt?

Eine PDA gibt es nur mit dem schriftlichen Einverständnis der Frau. Die meisten Frauen verlangen danach, wenn die Schmerzen zu groß werden. Aber es gibt auch Fälle, wo Hebamme oder Arzt dazu raten.

Wichtig ist, an welchem Punkt die Geburt steht und wie schnell sie abläuft. Wenn der Muttermund noch nicht verstrichen ist, wartet man, bis er sich einige Zentimeter öffnet. Bei 8 Zentimetern ist die Geburt weit fortgeschritten. Dann ist eine PDA nicht mehr möglich, weil das Kind sowieso bald da ist. Ausnahmen gibt es aber auch hier.

pda

Wie ist der Ablauf einer PDA?

Wenn du eine PDA möchtest, musst du das der Hebamme mitteilen. Sie wird dir ein Aufklärungsdokument aushändigen, das du durchlesen und unterzeichnen musst. Dann bekommt der Anästhesist bescheid. Bis er/sie eintrifft, kann es dauern.

Zuerst desinfiziert und betäubt er die Einstichstelle. Dann musst du dich vornüber gebeugt hinsetzen und ganz still halten. Damit du das trotz der Schmerzen kannst, bekommst du einen Wehenhemmer. Oder ihr wartet bis zur Wehenpause.

Der Anästhesist schiebt eine Hohlnadel zwischen zwei Lendenwirbeln bis in die Nähe der Rückenmarksnerven in den sogenannten Periduralraum. Durch die Betäubung spürst du davon wenig. Dort hindurch schiebt der Arzt einen dünnen Plastikschlauch, durch den dann das Medikament fließt. Dieses vermindert die Reizleitung und unterdrückt so weitgehend die Schmerzen.

Die Nadel kommt weg. Den Plastikschlauch fixiert der Arzt mit Tape an deinem Rücken. So reißt er nicht heraus, wenn du dich bewegst. Er wird nach der Geburt, spätestens jedoch am nächsten Tag gezogen.

Vorteile einer PDA

Eine PDA ist deshalb so beliebt, weil sie die Frau innerhalb von 20 Minuten von Schmerzen befreit. Denn so lange dauert es, bis das Medikament wirkt. Beim Kind kommt davon nur wenig an. Wenn das Medikament gut dosiert ist, spürt die Frau ihre Beine noch. Die Wehen nimmt sie dann als Druck auf Becken und Beckenboden wahr. Das hilft bei Positionswechseln und beim Mitarbeiten während der Wehen.

Bei einem idealen Verlauf, kann sie sich so zwischen den Wehenpausen besser entspannen und Kraft für die Presswehen tanken. Wenn ein Kaiserschnitt nötig wird, kann die Dosierung erhöht werden. Die PDA wird „aufgespritzt“. Dann ist die Frau wach und merkt lediglich, dass jemand in ihrem Bauch zugange ist.

Risiken der PDA

Wie bei allen Interventionen gibt es auch bei der PDA mögliche Nebenwirkungen und Risiken. Wenn beim Einstich zu viel Rückenmarksflüssigkeit austritt, sind Kopfschmerzen und Übelkeit die Folge. Der Blutdruck kann stark abfallen, was einen Tropf nötig macht, und die Blase kann für eine Weile gelähmt sein. Dann bekommst du einen Blasenkatheter, weil eine volle Blase die Geburt verzögert.

Aber selbst, wenn alles gut geht, dauern die meisten Geburten mit PDA im Schnitt zwei Stunden länger als ohne. Die meisten Frauen liegen oder sitzen nach der PDA nur noch, weil sie ihre Beine kaum noch spüren. Dadurch erhält das Kind keine Hilfe mehr bei seinem Weg durch das Becken. Meist lassen die Wehen so sehr nach, dass ein Wehentropf nötig wird. Durch die Verzögerung gerät das Kind unter Stress. Es kann zur Verschlechterung der Herztöne kommen. Das Risiko einer Saugglockengeburt oder eines Kaiserschnitts steigt mit allen möglichen Folgen für das Baby.

Die PDA selbst kann also etliche andere Interventionen nach sich ziehen. Diese solltest du abwägen, bevor du dich dafür entscheidest. Willst du andere Methoden zum Schmerzen lindern kennenlernen? Dann lies jetzt weiter.

Alternativen zur PDA: Schmerztherapien ohne Medikamente

Durchgehende Betreuung

Am allerbesten wirkt sich auf den Geburtsverlauf aus, wenn eine Vertrauensperson bei dir ist. Eine Beleghebamme ist so ziemlich das Beste, das dir passieren kann. Aber selbst, wenn du keine findest: auch dein Partner oder eine geeignete Freundin kommen dafür infrage. Beide sollten jedoch gut vorbereitet sein. Eine gute Idee ist es, wenn du vorher mit deiner Begleitung über deine Wünsche sprichst. So kann sie notfalls für dich eintreten, wenn du gerade nicht dazu in der Lage bist. Ein Geburtsplan kann helfen, dir über deine Wünsch klar zu werden.

Massage

Vielen Frauen helfen Massagen in den Wehenpausen am unteren Rücken (Kreuzbeinregion). Sanfter Druck und kreisende Bewegungen entspannen und lockern die Muskeln. Beides förderlich, um im Becken besser loslassen zu können. Die spezielle Geburtsmassage ist einfach. In Geburtsvorbereitungskurs erlernen Partner die wichtigsten Griffe. Aber auch die betreuende Hebamme kann die Massage durchführen.

Akupunktur/Akupressur

Bestimmte Schmerzpunkte sollen laut Deutscher Akupunktur Gesellschaft Wehenschmerzen eindämmen können. Sie sitzen am Unterbauch, an den Innenseiten der Unterschenkel und an der Hand. Weil die Nadeln etwa 20 Minuten in der Haut verbleiben müssen, eignet sich Akupunktur im Kreißsaal nur selten. Besser ist hier vielleicht geburtsvorbereitende Akupunktur.

Auch Akupressur, also das Drücken auf bestimmte Punkte, soll laut einiger weniger Studien Schmerzen kurzzeitig lindern.

Keine PDA? Was du selbst tun kannst

Selbstbestimmtheit unter der Geburt? Eine gute Idee! Denn es gibt einige Möglichkeiten, deine Schmerzwahrnehmung zu beeinflussen, ohne viele Schmerzmittel in Anspruch nehmen zu müssen. Das klappt zwar nicht immer, einen Versuch ist es jedoch durchaus wert.

Mental gut vorbereiten

Am allerbesten ist es, wenn du dich schon vor der Geburt mit verschiedenen Geburtsverläufen auseinandersetzt. Wenn du die einzelnen Geburtsphasen kennst, machst du dir weniger Sorgen. Du kannst dich entspannen. Und je entspannter du bist, desto leichter fällt es deinem Körper, sich zu öffnen.

Sei aber vorsichtig mit negativen Geburtsberichten. Auch wenn es wichtig ist, für alle Verläufe offen zu bleiben, können unschöne Erlebnisse anderer Frauen unnötig Ängste schüren. Was ist besser als Freundinnen zu befragen oder in Foren zu stöbern? Bücher lesen, die dein Selbstbewusstsein stärken! Wir empfehlen „Das Geheimnis einer schönen Geburt“ von Jana Friedrich.

Bleib möglichst positiv und gelassen. Und offen für mögliche Wendungen. Vertraue in deinen eigenen Körper und vertraue in das Können der Geburtshelfer! Das ist der Schlüssel zu mehr Entspannung.

Bewusst atmen

Die richtige Atmung macht vieles leichter, auch während der Geburt. Dabei gibt es für fast jede Geburtsphase eine eigene Atemtechnik. Klingt schwerer als es ist. Lass dir von deiner Hebamme oder in einem Geburtsvorbereitungskurs zeigen, wie es geht. Aber auch auf Youtube finden sich einige hilfreiche Anleitungen.

Wärme nutzen

Wärme entspannt Körper und Geist. Deshalb ist die Geburtswanne in der Eröffnungsphase so beliebt, gerade dann, wenn die Schmerzen im Unterleib über viele Stunden anhalten. Stundenlanges Baden ist zwar möglich, wird vielen Frauen jedoch schnell zu viel. Der Kreislauf kann absacken. Aber auch eine simple Wärmflasche kann Verkrampfungen im Bauch und am unteren Rücken lösen. Bring dir am besten eine von zuhause mit. Aber achte darauf, dass du sie mit einem Tuch umwickelst, damit sie dir nicht die Haut verbrüht.

An Positionswechsel denken

Wehen können sehr zermürbend sein. Manchmal hilft dir schon ein Positionswechsel, um dich wieder besser zu fühlen. Liegen ist außer zum Ausruhen die schlechteste aller Geburtspositionen. Versuch stattdessen, auch mal umherzugehen, zu hocken oder dich in den Vierfüßlerstand zu begeben. Durch die Schwerkraft nimmt der Druck auf den Muttermund zu. Dadurch reift er schneller. Und auch das Baby bekommt Hilfe auf seinem Weg durch dein Becken. Hier findest du die besten Geburtspositionen im Überblick.

Visualisierung und Selbsthypnose versuchen

Die Geburt deines Kindes durch reine Vorstellungskraft positiv zu beeinflussen klingt unglaubwürdig? Ist es nicht. Du kannst dir zum Beispiel vorstellen, dass sich dein Körper öffnet wie eine Blume. Oder vor deinem geistigen Auge sehen, wie sich dein Kind ganz leicht durch deinen Körper nach draußen arbeitet. Techniken dafür kannst du in Hypnobirthing– und ähnlichen Geburtsvorbereitungskursen lernen. Aber auch simples autogenes Training kann schon helfen.

Eine Garantie für eine Traumgeburt sind auch diese Methoden nicht. Aber sie können dir helfen, die Schmerzen ganz anders wahrzunehmen. Einige wenige Frauen erreichen dadurch sogar Schmerzfreiheit. Das ist aber gar nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, deinem Körper vertrauen zu lernen.

TENS – vielleicht etwas für dich?

tens

Ein TENS ist ein Gerät zur Schmerzlinderung bei der Geburt und in anderen Situationen. Es kommt schon seit den 70er Jahren in einigen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien zum Einsatz. Es bekämpft die Schmerzen mit Hilfe von leichten Stromimpulsen. Die Frau drückt einen Knopf und der Strom fließt über Elektroden zur Haut. Es kribbelt.

In Deutschland nutzt man TENS eher wenig. Eigentlich schade. Denn schließlich gibt es Frauen ein Mittel an die Hand, selbst etwas gegen die Schmerzen tun zu können. Und zwar genau dann, wenn sie auftreten.

Studien zeigen, dass die Zufriedenheit der Frauen, die ein TENS benutzten, deutlich höher war. Nicht sicher ist, ob die eigentlich Schmerzlinderung diesen positiven Effekt hatte oder die erhöhte Selbstbestimmtheit unter der Geburt.

Krankenhäuser haben in der Regel keine TENS-Apparate vor Ort. Auch das Personal hat keine Ahnung, wie man so ein Gerät benutzt. Wenn du es versuchen willst, solltest du eins speziell für Geburten wie dieses hier kaufen. Schau dir schon vorher genau an, wie es funktioniert.

Alternative Medikamente statt PDA

Was viele Schwangere nicht wissen: neben der PDA gibt es durchaus auch noch andere Mittel, um Schmerzen während der Geburt zu lindern.

Krampflösende Mittel

Gerade in der Eröffnungsphase dauert es meist einige Zeit, bis sich der Muttermund geöffnet hat. Das kann ziemlich erschöpfend sein. Je verkrampfter die Muskulatur ist, desto länger braucht er. Hier kann ein entkrampfendes Mittel wie Buscopan helfen, alles etwas weicher zu machen. Manchen Frauen hilft es auch, sich nochmal etwas auszuruhen, bevor es richtig losgeht. Krampflösende Mittel werden als Zäpfchen, Spritze oder Tablette verabreicht. Das Kind hat dadurch keine Nachteile.

Lachgas

lachgas

Das Lachgas atmest du durch eine Maske ein. Es dämpft für wenige Minuten die Wahrnehmung. Alles wird etwas wattig. Sobald du frische Luft atmest, ist der Effekt vorbei. Eine tolle Möglichkeit, um dir dann Erleichterung zu schaffen, wenn es wirklich nötig ist. Denn die Maske darfst du selbst auf- und absetzen. Auf dein Kind hat das Lachgas keine Wirkung.

Pudendusblock

Hierbei handelt es sich um ein Medikament, dass man direkt in die Scheidenwand in der Nähe des Pudendusnervs spritzt. Dort dämpft es lokal die Schmerzempfindung, wenn sich das Köpfchen durch die Scheide schiebt und das umliegende Gewebe stark dehnt.

Opioide

Opioide sind kein Opium (Opium macht abhängig), sondern opiumähnliche Substanzen, die wie Opium eben auch stark betäubend wirken. Weil die meisten Frauen nach der Gabe ziemlich benommen sind, solltest du gut überlegen, ob du es wirklich möchtest. Ihre Wirkung hält nur zwei Stunden an. Der Wirkstoff geht leider auch auf das Baby über und macht es ebenfalls schläfrig. Die Geburt kommt dadurch wenig voran.

Spinalanästhesie

Frauen, die keine PDA haben und gegen Ende der Geburt sehr starke Schmerzen erleiden, können von einer Spinalanästhesie profitieren. Ähnlich wie bei der PDA wird dabei ein Schmerzmittel direkt in den Wirbelkanal gespritzt. Einen permanenten Zugang gibt es dabei aber nicht. Die Wirkung tritt sofort ein. Wenn die Frau bei einem schnellen Kaiserschnitt wach bleiben darf, ist das die beste Lösung.

Sag uns, was du denkst

Kommt eine PDA für dich in Frage?

Hast du noch eine Anmerkung zum Thema Schmerztherapien unter der Geburt? Schreib uns gern einen Kommentar!

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