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Dammschnitt: Wann und wie er gemacht wird

Dammschnitt zur Geburt: Was du darüber wissen musst

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde ein Dammschnitt bei fast allen Geburten vorsorglich gesetzt. Heute versucht man ihn so gut es geht zu vermeiden. Unter welchen Umständen er trotzdem noch gemacht wird, wie du die Heilung fördern kannst und weitere Fragen zum Dammschnitt beantworten wir dir hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Dammschnitt (Episiotomie) weitet den Geburtskanal und beschleunigt so die Geburt.
  • Die Geburtshelfer wägen Vorteile und Risiken von Fall zu Fall ab. Es gibt keine zwingende medizinische Indikation für einen Dammschnitt.
  • Risiken des Dammschnitts sind u.a. ein hoher Blutverlust, starke Wundschmerzen und spätere Inkontinenz.
  • Einige Maßnahmen vor und während der Geburt können den Damm entspannen, um einem Schnitt oder Riss bestmöglich vorzubeugen.
  • Du kannst die Heilung der Narbe durch Ruhe, Kühlung und Massagen fördern.
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Was ist ein Dammschnitt?

Bei einem Dammschnitt (Episiotomie) wird unter der Geburt das Gewebe zwischen Vagina und After eingeschnitten, um den Scheidenausgang zu erweitern. Das soll die Geburt beschleunigen.

Der Dammschnitt als Geburtshilfe ist heute umstritten. In den 90-er Jahren wurde ein Dammschnitt noch bei 9 von 10 Geburten vorsorglich gemacht. Man ging davon aus, dass er die Entbindung erleichtert und vor schlimmeren Verletzungen durch das selbstständige Reißen des Damms schützt. Nach zahlreichen Studien weiß man heute jedoch, dass der Dammschnitt im Vergleich zum Dammriss ein höheres Risiko für Nachfolgeschäden birgt.

Wann wird ein Dammschnitt gemacht?

Zwar ist ein Dammschnitt keine Standard-Maßnahme bei vaginalen Entbindungen mehr, trotzdem kommt er auch heute noch zum Einsatz. Und zwar dann, wenn die Geburt schnell beendet werden muss, um Mutter und Kind zu schützen. Mögliche Gründe für einen Dammschnitt können sein:

  • Schnell abfallende Herztöne des Babys in der Pressphase.
  • Eine Frühgeburt, bei der zu hohe Druckbelastungen auf das Köpfchen befürchtet werden.
  • Ungünstige Geburtsstellungen, wie die Beckenendlage.
  • Ein Geburtsstillstand durch Verkeilen der Schultern im Geburtskanal (Schulterdystokie).
  • Beim Einsatz einer Saugglocke oder Zange.
  • Wenn sich andeutet, dass die Scheide unter der Geburt hochgradig einreißen wird.

Dabei gibt es aber keine zwingende Indikation, also keinen Grund, der einen Dammschnitt unbedingt erforderlich macht. Auch eine Saugglockengeburt muss nicht dringend von einem Dammschnitt begleitet werden. Dennoch können Frauen unter bestimmten Umständen von einem Dammschnitt profitieren. Die Vorteile und Risiken des Schnitts werden je nach Situation von dem jeweiligen Geburtshelfer oder der Geburtshelferin abgewogen. Am Ende ist es hauptsächlich eine persönliche Einschätzung des Arztes, der Ärztin oder der Hebamme ist, ob er oder sie einen Schnitt für nötig hält. Deshalb variiert die Dammschnittrate zwischen verschiedenen Krankenhäusern und Geburtshelfern zum Teil sehr. 

Wenn du dich dafür interessierst, wie das Thema Dammschnitt in deiner Wunschklinik oder im Geburtshaus deiner Wahl gehandhabt wird, kannst du dort einfach mal nachfragen. Oder du recherchierst beim Kliniklotsen des Verbands e. V. (vdek). Die Angaben zur Rate der Dammschnitte (auch Kaiserschnitte) findest du unter: Fachabteilung – Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Behandlungsmaßnahmen (OPS).

Wie läuft ein Dammschnitt ab?

Ein Dammschnitt wird immer in der letzten Geburtsphase, also der Austreibungsphase gemacht. Und zwar genau dann, wenn sich der Kopf des Babys in der Scheide zeigt. Die Hebamme oder Ärztin schneidet das Dammgewebe auf dem Höhepunkt einer Presswehe mit einer speziellen Schere etwa 3 bis 5 Zentimeter lang ein. Das geht ohne vorherige Betäubung. Das klingt jetzt zwar sehr schmerzhaft, ist es aber nicht. Dank der Wehe und der Dehnung der Scheide durch das Köpfchen spürt die Gebärende keinen Schmerz. Im Gegenteil, viele Frauen berichten von einem Gefühl der Erleichterung, weil der Druck plötzlich weg war.

Nach dem Schnitt wird das Baby recht schnell geboren. Sobald auch die Plazenta vollständig ausgestoßen wurde, wird die Wunde genäht, dieses Mal jedoch mit örtlicher Betäubung. Die Fäden müssen später nicht gezogen werden, sondern lösen sich mit der Zeit von selbst auf.

Dammschnitt-Arten

Es gibt verschiedene Arten, wie der Dammschnitt gesetzt werden kann. Man unterscheidet dabei hauptsächlich zwischen medianer und mediolaterealer Schnittrichtung. Beide Schnittarten haben Vor- und Nachteile. Dennoch wird heute üblicherweise ein mediolateraler Dammschnitt gemacht, um einem unkontrollierten Weiterreißen des Damms vorzubeugen.

Mediolateralter Dammschnitt vs. medianer Dammschnitt

Welche Komplikationen und Spätfolgen sind möglich?

So sehr ein Dammschnitt die Geburt auch beschleunigen kann, so sehr kann er im Nachhinein für Probleme sorgen. Wohlgemerkt kann, denn schließlich leiden nicht alle Frauen ihr Leben lang unter dem Eingriff. Aber es besteht zumindest ein erhöhtes Risiko dafür, dass er nur langsam oder nicht vollständig abheilt. Folgende Komplikationen und Spätfolgen könnten sich ergeben:

Während der Geburt:

  • hoher Blutverlust
  • unkontrolliertes Weiterreißen (Dammriss III. und IV. Grades)

Nach der Geburt:

  • Wundschmerzen in den ersten Wochen nach der Geburt (unter Umständen auch länger)
  • verzögerte Heilung der Wunde
  • erhöhtes Infektionspotenzial
  • Probleme und Schmerzen beim Stuhlgang

Mögliche Spätfolgen:

  • Inkontinenz
  • Defekte am Schließmuskel, anale Inkontinenz (v.a. bei medianer Schnittführung)
  • verringerte sexuelle Erregung und Orgasmusfähigkeit
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  • Risiken für hochgradige Dammverletzungen bei folgenden Geburten

Dammschnitt oder Dammriss?

Ein Dammschnitt wurde ursprünglich eingeführt, um mögliche Komplikationen eines natürlichen Dammrisses zu verhindern. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass er die Risiken für die Mutter im Grunde vergrößert. Es besteht etwa die Gefahr, dass der Eingriff mehr Gewebe verletzt als nötig wäre. Außerdem provoziert er unter Umständen sogar das Weiterreißen, da er das Dammgewebe instabil macht. Zudem zeigen Studien, dass ein Riss in den meisten Fällen besser und schneller abheilt als ein Schnitt. Deshalb ist man dazu übergegangen, den Damm unter der Geburt lieber selbstständig einreißen zu lassen, als den Geburtskanal durch einen Schnitt künstlich zu vergrößern.

Solltest du einen Dammschnitt ablehnen, kannst du das in deinem Geburtsplan oder beim Anmeldegespräch in der Klinik festhalten. Dein Wunsch wird berücksichtigt. Am Ende bleibt es jedoch eine situationsbedingte Entscheidung des Geburtshelfers.

Die Dammschnitt-Heilung fördern

Nach einem Dammschnitt heißt es: erholen. Bis die Wunde verheilt ist, können gut und gern 4 Wochen ins Land gehen. Hebamme Jana Friedrich gibt auf ihrer Webseite Tipps, wie die Naht möglichst schnell und sauber heilt:

1. Nimm das Wochenbett ernst: In den ersten Wochen können Dammverletzungen sehr schmerzen. Zudem erhöht jedes Sitzen und Herumlaufen, jedes Heben oder Treppensteigen den Druck auf den Beckenboden, den Damm und damit die Narbe. Deshalb der dringende Appell: Schone dich und verbringe so viel Zeit wie möglich liegend. Haushalt, Spaziergänge und Besuche können und müssen einfach warten.

2. Bastle dir deine eigenen Kühlpacks: Kühlen verringert die Schwellung und beugt Entzündungen vor. Weil normale Kühlpacks aber recht unbequem sind, schlägt Jana Friedrich eine andere Variante vor. Hierzu tränkst du Vorlagen in gutem Olivenöl oder Sonnenblumenöl und frierst sie ein. Dann kommen sie so lange vor den Damm, wie es dir guttut.

Aber Achtung, bitte nur in Maßen anwenden. Hebammen empfehlen das Kühlen für maximal 20 Minuten alle 4 Stunden und auch nur in den ersten Tagen des Wochenbetts. Danach könnte Kühlung die Wundheilung eher hindern.

3. Besorge dir ein Damm-Spray: Von der amerikanischen Firma Motherlove gibt es ein Bio-Spray, das speziell für die Dammpflege nach der Geburt gedacht ist. Es enthält Kräuter und ätherische Öle und kann mehrmals täglich aufgesprüht werden.

4. Verdünne deinen Urin: Wenn dein Damm verletzt ist, kann es die ersten Tage beim Wasser lassen brennen. Das im Urin enthaltene Urea desinfiziert die Narbe und ist deshalb nicht per se schlecht. Aber du kannst den Schmerz verringern, indem du:

  • viel trinkst und so den Urin „streckst“
  • mit einem Becher während des Wasserlassens Wasser nachspülst
  • wer mag: im Stehen urinieren, zum Beispiel in der Dusche

5. Massiere die Narbe: Sobald sie äußerlich verheilt ist, kannst du anfangen, die Narbe mit Mandelöl, Johanniskrautöl oder Narbenöl vorsichtig zu massieren. So lösen sich Verklebungen und alles wird nach und nach wieder schön weich. Wenn dich die Fadenenden piken, kannst du deine Hebamme bitten, sie nach etwa 2 Wochen abzuschneiden. Der Rest löst sich von selbst auf.

Weitere Tipps:

  • Spülen der Wunde mit Calendulaessenz aus der Apotheke: Mische dafür 1 Liter lauwarmes Wasser mit 1 EL Essenz in einem Messbecher. Auf der Toilette lässt du die Mischung von oben über die Scheide und den Damm laufen.
  • Kühlende Kompressen, zum Beispiel von Multi-Gyn
  • Wenig sitzen, vor allem den Schneidersitz vermeiden. Übrigens wird auch vom Sitzen auf einem Sitzring (Donut) abgeraten. Dadurch staut sich das Gewebewasser im Nahtbereich und die Heilung dauert länger.
  • Wechsel deine Einlagen und Binden häufig, mindestens nach jedem Toilettengang, um den Nahtbereich trocken und sauber zu halten.
  • Sitzbäder unterstützen die Heilung ab der 2. Woche nach der Geburt für 5 bis 10 Minuten, 1 bis 2 x täglich mit lauwarmem Wasser, Calendulaessenz, Eichenrinde, Tannolact oder Kamille. Bewährt hat sich auch das Sitzbad nach Stadelmann aus der Bahnhofs-Apotheke.
  • Vermeide harten Stuhlgang und ernähre dich dementsprechend verdauungsfreundlich.

Bei starken Wundschmerzen darfst du zu Paracetamol und Ibuprofen greifen. Sollten die Schmerzen aber anhalten, du Probleme damit haben, den Stuhl oder Darmwinde zu halten oder Hämatome bemerken, zögere bitte nicht, das ärztlich abklären zu lassen.

Häufige Fragen nach einem Dammschnitt:

Wie lange halten die Schmerzen nach einem Dammschnitt an?

Die Wunde sollte innerhalb von 4 Wochen verheilen. Solange kann sie auch Schmerzen bereiten. Insbesondere im Sitzen, Gehen oder auf der Toilette können sich die Wundschmerzen bemerkbar machen. Kühlen und lindernde Sitzbäder können helfen. Nach Abheilen der Naht solltest du im Alltag keine Schmerzen mehr spüren. Bei starken oder länger anhaltenden Schmerzen, hole dir bitte ärztlichen Rat ein.

Wann ist nach einem Dammschnitt der erste Sex nach der Geburt möglich?

Zumindest die Wundheilung solltet ihr abwarten, bevor du und dein Partner wieder intim werdet. Ist die Naht sauber verheilt und bereitet dir im Alltag keine Schmerzen mehr, könnt ihr es mit dem Geschlechtsverkehr versuchen. Es kann aber sein, dass der erste Sex nach Geburt und Dammschnitt schmerzhaft ist. Wasserbasiertes Gleitgel kann unangenehme Reibung vermeiden. Seid vorsichtig und geht es langsam an. Es wird von Mal zu Mal besser. Wenn nicht, wende dich bitte an deinen Frauenarzt oder deine Frauenärztin.

Wann lösen sich die Fäden nach einem Dammschnitt auf?

Es kann bis zu 3 Wochen dauern, bevor sich die Fäden aufgelöst haben. Danach solltest du auch etwas Erleichterung verspüren und weniger Probleme beim Sitzen und Gehen haben.

Wie klappt es besser mit dem Stuhlgang nach dem Dammschnitt?

Harter Stuhlgang kann in der Heilungsphase nach einem Dammschnitt sehr unangenehm sein. Deshalb solltest du darauf achten, den Stuhl möglichst weich zu halten. Einige Tipps dafür: viel trinken, wenig Vollkornprodukte, dafür Schonkost. Joghurt mit Leinsamen, Buttermilch und Trockenpflaumen sind eine gute Wahl. Auch Flohsamenschalen mit viel Wasser helfen, das Stuhlvolumen zu vergrößern und Verstopfungen vorzubeugen. Bei akuter Verstopfung oder hartem Stuhl kannst du auch zu leichten Abführmitteln (Laxativen) greifen.

Kann man einem Dammschnitt vorbeugen?

Du kannst einiges versuchen, um deinen Damm auf die Belastungen der Geburt bestmöglich vorzubereiten. Auch deine Geburtshelfer wissen einige Tricks. Allerdings gibt es keine Garantie darauf, dass unter der Geburt nicht doch noch ein Dammschnitt nötig wird.

  • Dammmassage: Wenn du etwa 6 Wochen vor der Geburt damit beginnst, täglich für etwa 10 Minuten deinen Damm mit Öl zu massieren, wird das Gewebe gelockert. Es zeigt sich zumindest die Tendenz, dass Dammschnitte dann seltener nötig sind. Mandelöl oder spezielles Dammmassageöl eignen sich super dafür.
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  • Hockstellung: In Vorbereitung auf die Geburt und in der ersten Phase der Geburt kann eine tiefe Hocke dabei helfen, das Dammgewebe zu denen.
  • Aufrechte Geburtsposition:  Studien geben Hinweise darauf, dass bei einer aufrechten Geburtsposition seltener ein Dammschnitt gemacht werden muss als in Rückenlage. Unter aufrecht ist eine Geburt im Stehen, Hocken, Sitzen oder Vierfüßerstand gemeint.
  • Warme Kompressen: Warme Kompressen entspannen den Dammbereich und können das Gewebe lockern. So können sie einem Dammschnitt gut vorbeugen.
  • Hands-on Methode: Studien zeigen, dass dieser Hebammengriff die Dammschnitt-Rate senkt. Dabei bremst die Geburtshelferin den Kopf des Babys mit einer Hand und stützt mit der anderen Hand den Damm.
  • Beckenbodentraining: Ein gezieltes Beckenbodentraining in den letzten Wochen vor der Geburt kann zwar einem Dammschnitt nicht vorbeugen, aber dafür möglichen Spätfolgen wie Inkontinenzen. Ein gutes Bewusstsein für den Beckenboden kann außerdem die Geburt vereinfachen, indem du ihn besser entspannen und „loslassen“ kannst. Das lernst du zum Beispiel beim Yoga oder Hypnobirthing
  • Tee und Sitzbäder: Himbeerblättertee und Sitzbäder mit getrockneten Heublumen sollen lockernd auf den Damm wirken. Zwar konnte dieser Effekt in Studien bisher nicht belegt werden. Aber als entspannende Rituale können diese Methoden der mentalen Vorbereitung auf die Geburt dienen. Und alles, was die Mutter entspannter in die Geburt gehen lässt, hilft letzten Endes, einem Dammschnitt bestmöglich vorzubeugen.

Hast du noch eine Frage oder einen Tipp zum Thema Dammschnitt? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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Quellen

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