Früher wurde ein Dammschnitt häufig vorsorglich gesetzt. Heute wird er nur noch zurückhaltend und situationsabhängig eingesetzt, etwa, wenn die Geburt schnell beendet werden muss oder schwere Dammverletzungen drohen. Hier erfährst du, wann ein Dammschnitt sinnvoll sein kann, welche Risiken es gibt und was die Heilung unterstützt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Dammschnitt, medizinisch Episiotomie, erweitert den Scheidenausgang.
- Ein routinemäßiger Dammschnitt wird heute nicht mehr empfohlen.
- Bei unkomplizierten vaginalen Geburten bringt er meist keinen Vorteil.
- In bestimmten Situationen kann ein mediolateraler Dammschnitt sinnvoll sein, zum Beispiel bei Geburten mit Saugglocke oder Zange.
- Schwere Dammrisse Grad III und IV betreffen den Schließmuskel und können langfristige Beschwerden verursachen.
- Ob ein Dammschnitt nötig ist, wird heute individuell während der Geburt entschieden.
Was ist ein Dammschnitt?
Bei einem Dammschnitt wird das Gewebe zwischen Vagina und After während der Geburt eingeschnitten. Dadurch wird der Scheidenausgang erweitert, damit das Baby leichter oder schneller geboren werden kann.
Früher wurde der Dammschnitt sehr häufig vorsorglich durchgeführt. Man ging davon aus, dass er die Geburt erleichtert und vor schweren Dammrissen schützt. Studien zeigen jedoch: Bei unkomplizierten vaginalen Geburten verhindert ein routinemäßiger Dammschnitt schwere Dammverletzungen nicht zuverlässig. Im Vergleich zu einem zurückhaltenden Einsatz kann er sogar mit mehr schweren Damm- oder Scheidenverletzungen verbunden sein.
Trotzdem ist ein Dammschnitt nicht grundsätzlich falsch. Entscheidend ist die jeweilige Geburtssituation. In bestimmten Fällen kann ein gezielter, seitlicher Schnitt helfen, größere Verletzungen zu vermeiden oder die Geburt schneller zu beenden.
Wann wird ein Dammschnitt gemacht?
Ein Dammschnitt ist heute keine Standardmaßnahme mehr. Er kann aber sinnvoll sein, wenn Mutter oder Kind gefährdet sind oder wenn das Risiko für eine schwere Dammverletzung erhöht ist.
Mögliche Gründe sind:
- auffällige Herztöne des Babys in der Pressphase
- Schulterdystokie
- ungünstige Kindslage
- sehr hoher, fester oder narbiger Damm
- der Eindruck, dass ein hochgradiger Dammriss droht
Bei einer Saugglocken- oder Zangengeburt wird nicht automatisch geschnitten. Ärztinnen, Ärzte und Hebammen wägen ab, ob ein Dammschnitt in der konkreten Situation mehr nützt als schadet.
Übrigens: Wenn du wissen möchtest, wie deine Wunschklinik oder dein Geburtshaus mit dem Thema umgeht, frag einfach nach. Auch über den Kliniklotsen des vdek (Fachabteilung Frauenheilkunde/Geburtshilfe) lassen sich Dammschnitt- und Kaiserschnittraten recherchieren.
Warum kann ein Dammschnitt sinnvoll sein?
Ein Dammschnitt kann die Geburt beschleunigen, zum Beispiel wenn die Herztöne des Babys auffällig sind und es schnell geboren werden soll.
Ein mediolateraler Dammschnitt hat noch ein weiteres Ziel: Er verläuft schräg zur Seite, also weg vom After. So soll verhindert werden, dass das Gewebe unkontrolliert in Richtung Schließmuskel oder Enddarm weiterreißt. Das ist wichtig, weil schwere Dammrisse Grad III und IV den Schließmuskel betreffen und später Beschwerden wie Probleme mit dem Halten von Winden oder Stuhl verursachen können.
Studien geben Hinweise darauf, dass ein seitlicher Dammschnitt bei Geburten mit Saugglocke oder Zange das Risiko für schwere Dammrisse senken kann. Ganz eindeutig ist die Studienlage aber nicht. Deshalb wird ein Dammschnitt heute nicht grundsätzlich empfohlen, sondern nur dann, wenn die jeweilige Geburtssituation dafür spricht.
Wie läuft ein Dammschnitt ab?
Der Schnitt erfolgt erst ganz am Ende, wenn der Kopf deines Babys schon tief im Becken steht und sich zeigt. Die Hebamme oder Ärztin schneidet dann auf dem Höhepunkt einer Presswehe mit einer speziellen Schere, meist 3 bis 5 Zentimeter lang. Weil das Gewebe in diesem Moment ohnehin stark gedehnt ist, spüren viele Frauen davon kaum etwas. Manche berichten sogar, dass der Druck danach nachlässt.
Nachdem Baby und Plazenta geboren sind, wird die Wunde unter örtlicher Betäubung genäht (eine vorhandene PDA kann dabei zusätzlich helfen). Die Fäden musst du später nicht ziehen lassen, sie lösen sich von selbst auf.
Zwei Arten von Dammschnitt
Medianer Dammschnitt: Beim medianen Dammschnitt wird gerade in Richtung After geschnitten. Er lässt sich meist gut nähen, kann aber leichter in Richtung Schließmuskel oder Enddarm weiterreißen. Deshalb wird er heute seltener angewendet.
Mediolateraler Dammschnitt: Beim mediolateralen Dammschnitt wird schräg zur Seite geschnitten. Diese Form wird heute bevorzugt, wenn ein Dammschnitt nötig erscheint. Ziel ist, den Schließmuskel und Enddarm möglichst zu schonen.

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Welche Komplikationen und Spätfolgen sind möglich?
Die meisten Dammschnitte heilen ohne bleibende Beschwerden ab. Wie jeder Eingriff kann aber auch ein Dammschnitt Risiken und Nebenwirkungen haben. Mögliche Beschwerden sind:
- Schmerzen im Wundbereich
- stärkere Blutung
- Schwellung oder Hämatom
- Wundheilungsstörungen
- Infektion
- Schmerzen beim Sitzen, Gehen, Wasserlassen oder Stuhlgang
- Narbenbeschwerden
- Schmerzen beim Sex
- selten: Probleme mit dem Halten von Winden oder Stuhl, vor allem wenn der Schließmuskel betroffen ist
Wichtig zu wissen: Auch spontane Dammrisse können Beschwerden verursachen. Besonders Dammrisse Grad III und IV sind relevant, weil dabei der Schließmuskel verletzt ist. Das Risiko hängt unter anderem von Geburtsverlauf, Kindslage, Geburtsgewicht, Einsatz von Saugglocke oder Zange und früheren Geburtsverletzungen ab.
Dammschnitt oder Dammriss – was ist besser?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein kleiner spontaner Dammriss kann unkomplizierter heilen als ein Schnitt. Ein schwerer Dammriss Grad III oder IV kann dagegen langfristige Beschwerden verursachen, weil der Schließmuskel beteiligt ist.
Bei unkomplizierten Geburten wird deshalb meist abgewartet und nicht vorsorglich geschnitten. Besteht jedoch ein erhöhtes Risiko für schwere Schließmuskelverletzungen, kann ein mediolateraler Dammschnitt sinnvoll sein.
Es geht also nicht um „Dammschnitt gegen Dammriss“, sondern um eine individuelle Abwägung: Was ist in dieser Geburtssituation das geringere Risiko?
Was du vorher in der Klinik fragen kannst
Wenn dich das Thema beschäftigt, kannst du es beim Anmeldegespräch in der Klinik oder im Geburtshaus ansprechen. Mögliche Fragen sind:
- Wie häufig werden hier Dammschnitte gemacht?
- Wird nur bei medizinischem Grund geschnitten?
- Welche Schnittform wird verwendet?
- Wie wird bei Saugglocken- oder Zangengeburten entschieden?
- Wie wird nach der Geburt kontrolliert, ob der Schließmuskel verletzt wurde?
- Welche Nachsorge gibt es bei höhergradigen Dammrissen?
Besonders wichtig ist das Gespräch, wenn du bereits eine schwere Dammverletzung hattest, Beckenbodenbeschwerden kennst oder große Angst vor Inkontinenz hast.
Kann man einem Dammschnitt vorbeugen?
Eine Garantie gibt es nicht, aber du kannst dich schon vor der Geburt vorbereiten. Unter der Geburt übernimmt dann dein Geburtsteam.
- Dammmassage ab etwa der 34. SSW: lockert das Gewebe und hilft dir, den Bereich besser wahrzunehmen. Manche Studien sehen darin ein geringeres Risiko für einen Dammschnitt, besonders für Erstgebärende.
- Beckenbodentraining und Körperwahrnehmung, etwa durch Yoga oder Geburtsvorbereitung. Das verhindert zwar keinen Schnitt sicher, kann dir aber helfen, im Moment besser loszulassen.
- Warme Kompressen während der Austrittsphase entspannen den Damm.
- Eine aufrechte oder frei gewählte Geburtsposition: Aufrechte, seitliche oder frei gewählte Positionen können den Geburtsverlauf unterstützen. Wichtig ist, dass die Hebamme den Damm gut begleiten und schützen kann.
- Langsames Gebären des Köpfchens, zum Beispiel durch ruhiges Atmen statt starkem Pressen.
- Dammschutz ist unter der Geburt Aufgabe deiner Hebamme: Sie unterstützt das Gewebe mit der Hand und steuert die Geschwindigkeit, mit der dein Baby geboren wird. Das musst du nicht selbst im Blick haben.
- Entspannung und gute Begleitung. Eine vertraute Person an deiner Seite, Ruhe, Wärme und das Gefühl, gehört zu werden, erleichtern es, den Beckenboden zu entspannen.
So unterstützt du die Heilung
Nach einem Dammschnitt braucht dein Körper Ruhe. Die Wunde heilt meist innerhalb weniger Wochen, kann aber anfangs deutlich schmerzen. Diese Tipps können helfen:
- Nimm das Wochenbett ernst. Lieg so viel wie möglich, sitz wenig und nimm Hilfe an. Haushalt und lange Spaziergänge dürfen warten.
- Kühle in den ersten Tagen, das lindert Schwellung und Schmerz. Aber bitte nur kurz (rund 20 Minuten mit Pausen), da Dauerkühlung die Heilung eher bremst.
- Halte die Wunde sauber und trocken. Binden regelmäßig wechseln, mit lauwarmem Wasser abspülen, vorsichtig trocken tupfen und auf parfümierte Produkte verzichten.
- Verdünne den Urin, wenn die Wunde beim Wasserlassen brennt: viel trinken, eventuell mit lauwarmem Wasser nachspülen oder unter der Dusche urinieren.
- Vermeide harten Stuhlgang. Viel trinken und Lebensmittel wie Leinsamen, Trockenpflaumen, Joghurt oder Flohsamenschalen mit ausreichend Wasser helfen. Bei starker Verstopfung lieber erst mit deiner Hebamme oder Ärztin sprechen, bevor du ein Abführmittel nimmst.
- Massiere die Narbe erst, wenn sie ganz verheilt ist, zum Beispiel mit Mandel- oder Narbenöl, um Verklebungen zu lösen. Erst loslegen, wenn keine offenen Stellen mehr da sind und deine Hebamme grünes Licht gibt.
- Lass dich untersuchen, wenn etwas nicht stimmt: starke oder zunehmende Schmerzen, Fieber, übler Geruch, starke Blutung, Eiter, ein Hämatom oder Probleme, Stuhl und Winde zu halten. Das ist kein Grund, sich zu schämen.
Fazit
Ein Dammschnitt wird heute nicht mehr routinemäßig gemacht. Bei unkomplizierten Geburten wird er möglichst vermieden, weil er meist keinen Vorteil bringt.
In bestimmten Situationen kann ein mediolateraler Dammschnitt aber sinnvoll sein – vor allem, wenn eine Saugglocke oder Zange nötig wird oder eine schwere Dammverletzung droht. Dann kann er helfen, die Verletzung seitlich vom Schließmuskel und Enddarm wegzulenken.
Entscheidend ist immer die individuelle Geburtssituation: so wenig Eingriff wie möglich, aber so viel Schutz wie nötig.
Häufige Fragen zum Dammschnitt
Wie lange tut es weh?
Meist ein paar Wochen. Schmerzen beim Sitzen oder auf der Toilette sind anfangs normal, sollten aber stetig nachlassen. Wenn nicht, lass die Wunde kontrollieren.
Wann lösen sich die Fäden auf?
In der Regel innerhalb von bis zu drei Wochen, manchmal etwas länger. Wenn Fadenenden stören, kann deine Hebamme sie kürzen.
Wann geht wieder Sex?
Erst wenn die Wunde verheilt ist und du keine starken Schmerzen mehr im Alltag hast – oft erst nach einigen Wochen. Gleitgel, Geduld und Reden mit deinem Partner oder deiner Partnerin helfen. Bleiben Schmerzen, sprich deine Frauenärztin an.
Wie klappt der Stuhlgang leichter?
Viel trinken, in Ruhe sitzen, ausatmen statt pressen – ein kleiner Hocker unter den Füßen kann helfen. Bei großer Angst oder Verstopfung früh mit deiner Hebamme sprechen.
Wann sollte ich zum Arzt?
Bei starken oder zunehmenden Schmerzen, Fieber, übelriechender oder aufgehender Wunde, starker Blutung oder wenn du Stuhl oder Winde nicht halten kannst. Das sind keine Kleinigkeiten – lass dich untersuchen.
Quellen
- BfÖG: Verletzungen durch die Geburt. https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/rund-um-die-geburt/verletzungen/ (abgerufen am 24.06.2026)
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): Episiotomie bei der vaginalen Geburt. https://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta131_bericht_de.pdf (abgerufen am 24.06.2026)
- World Health Organization: WHO recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513802/table/executivesummary.tu1/ (abgerufen am 24.06.2026)
- Jiang H, Qian X, Carroli G, Garner P.: Selective versus routine use of episiotomy for vaginal birth. https://www.cochrane.org/evidence/CD000081_selective-versus-routine-use-episiotomy-vaginal-birth (abgerufen am 24.06.2026)
- Okeahialam N.A. et al.: Mediolateral/lateral episiotomy with operative vaginal delivery and the risk reduction of obstetric anal sphincter injury (OASI): A systematic review and meta-analysis. https://link.springer.com/article/10.1007/s00192-022-05145-1 (abgerufen am 24.06.2026)
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG): Leitlinie zum Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/015-079l_S2k_Dammriss-III-IV-Grades_2020-12_1.pdf (abgerufen am 24.06.2026)














