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Wehen: Senkwehen, Vorsehen, Geburtswehen. Schwangere Frau spürt Kontraktionen in Bauch und Rücken.

Übungswehen, Frühwehen, Vorwehen, Senkwehen und Geburtswehen – was ist der Unterschied?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Ein Ziehen im Rücken, ein harter Bauch oder Druck nach unten – Wehen können sich unterschiedlich zeigen. Doch wie lassen sich Übungswehen, Vorwehen, Senkwehen, Frühwehen oder gar echte Geburtswehen auseinanderhalten? In einem Punkt sind sich Hebammen und Ärzte einig: „Wenn es losgeht, wirst du es merken.“ Wie du selbst Wehenarten unterscheiden kannst, erfährst du jetzt.

Die Wehenarten im zeitlichen Überblick

WehenbezeichnungWann treten sie auf?Unregelmäßig oder regelmäßig?
Schwangerschaftswehen (Übungswehen)im Laufe des 2. und 3. Trimenonunregelmäßig
Frühwehen (vorzeitige Wehen)vor der 36. SSWkürzer werdende Abstände
Vorwehenab der 36. SSWunregelmäßig
Senkwehenab der 36. SSWunregelmäßig
Geburtswehen (Eröffnungswehen + Presswehen)meist zwischen der 38. SSW und der 42. SSWkürzer werdende Abstände, regelmäßig werdend
Nachgeburtswehen (Plazentageburt)direkt im Anschluss an die Entbindungregelmäßig
Nachwehenin den ersten 4 Tagen nach der Geburtunregelmäßig

Und nun erklären wir die einzelnen Wehenarten mit ihren Unterschieden in Zeitpunkt, Häufigkeit, Dauer und Intensität im Detail:

Schwangerschaftswehen – der Körper bereitet sich langsam vor

Die Schwangerschaftswehen, auch Übungswehen genannt, können in Form von Braxton-Hicks-Kontraktionen oder in Alvarez-Wellen (lokal begrenzt) auftreten. Besonders häufig beginnt der Körper mit diesen Wehen um die 25. Schwangerschaftswoche herum. Auch zu einem früheren Zeitpunkt kann es vorkommen, dass sich der Bauch zwischendurch hart anfühlt.

Schwangerschaftswehen dienen der Uterus-Durchblutung und regen das Myometriumwachstum an. Die Kontraktionen machen sich durch ein leichtes Ziehen bemerkbar, bevor der Bauch sich verhärtet. Sie dauern zwischen 30 und 60 Sekunden und kommen unregelmäßig – zwischen viermal und zehnmal pro Tag gilt als normal. Zudem sind sie kaum schmerzhaft. Lediglich dann, wenn dein Baby ungünstig liegt, kann es sein, dass die Übungswehen für leichte Schmerzen sorgen. Im Grunde sind sie aber vollkommen normal und unbedenklich.

Die schmerzlosen Kontraktionen dienen lediglich dazu, die Muskulatur zu stärken und den Körper auf die Geburt vorzubereiten. Allerdings haben sie keinen Einfluss auf den Muttermund. Gut zu wissen: Wenn Schwangerschaftswehen häufiger als dreimal innerhalb von 60 Minuten auftreten oder du Blut verlierst, empfiehlt es sich dennoch, sofort ins Krankenhaus zu fahren. Dort wird alles kontrolliert, um Frühwehen auszuschließen.

Eigenschaften von Schwangerschaftswehen (Übungswehen)

  • Zeitpunkt: etwa ab der 25. SSW
  • Häufigkeit: unregelmäßig, bis zu 4 – 10 Übungswehen/Tag
  • Dauer: 30 – 60 Sekunden
  • Intensität: nicht schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: häufiger als 3 Wehen pro Stunde und/oder zeitgleich Blutungen
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Echte Frühwehen – eine Gefahr für das Baby

Echte Frühwehen können für dein Baby gefährlich werden, weil sie den Geburtsprozess vorzeitig auslösen können. Von Frühwehen wird gesprochen, wenn die Wehen vor der 36. Schwangerschaftswoche auftreten und mehr als dreimal die Stunde in regelmäßigen Abständen kommen.

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Sie treten in kürzer werdenden Intervallen auf und sind meist schmerzhaft. Es ist möglich, dass du Ausfluss bekommst. Auch Rückenschmerzen können auf Frühwehen hindeuten.

Da Frühwehen sich auf den Gebärmutterhals auswirken können, ist eine Kontrolle bei deiner Ärztin ratsam. Es gibt zudem die Möglichkeit, im Krankenhaus Wehenhemmer zu bekommen. Oft reicht es aber schon, die Gebärmutter mit Magnesium in einer höheren Dosierung zu versorgen, damit sie sich wieder entspannen kann.

Wichtig: Verspürst du Frühwehen, ist es wichtig, dass du verordnete Ruhe einhältst und deinen Körper nicht belastest.

Eigenschaften von Frühwehen

  • Zeitpunkt: vor der 36. SSW
  • Häufigkeit: öfter als 3 Wehen pro Stunde, kürzer werdende Intervalle
  • Dauer: 60 – 90 Sekunden
  • Intensität: sehr schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: möglichst schnell, am besten in die Klinik

Vorwehen – die Geburt steht bald an

Erwartest du dein erstes Baby, wird dein Körper vermutlich um die 36. Schwangerschaftswoche herum mit den Vorwehen beginnen. Hast du bereits eines oder mehrere Kinder, können die Vorwehen auch schon früher auftreten. Diese Wehen bereiten normalerweise keine Schmerzen und haben keine Regelmäßigkeit. Dein Körper bereitet deine Gebärmutter und dein Baby nur auf die bevorstehende Geburt vor. Man könnte es auch mit einem Training vergleichen, bei dem Muskeln immer wieder an- und entspannt werden, um sie zu stärken.

Ob es sich um Vorwehen handelt, kannst du relativ einfach herausfinden. Leg dich in die warme Badewanne und warte ab. Wird der Schmerz stärker und treten die Wehen regelmäßiger auf, solltest du die Hebamme anrufen. Dann könnte es sein, dass es sich bereits um Geburtswehen handelt. Wichtig: Leg dich nur in die Wanne, wenn du nicht allein bist. Das warme Wasser kann zu Kreislaufproblemen führen.

Eigenschaften von Vorwehen

  • Zeitpunkt: ab der 36. SSW
  • Häufigkeit: unregelmäßig
  • Dauer: 30 – 60 Sekunden
  • Intensität: nicht bis wenig schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: Wenn die Wehen regelmäßiger und schmerzhafter werden

Senkwehen – es geht eine Etage tiefer

Damit dein Baby die optimale Startposition bekommt, benötigt es die Senkwehen. Sie unterstützen dein Baby dabei, mit dem Kopf tiefer ins Becken zu rutschen. Sobald Babys Kopf fest im Becken liegt, ist die Geburtsposition erreicht. Die Senkwehen können  – anders als “normale” Vorwehen – teilweise sehr schmerzhaft sein, weswegen sie nicht selten mit den Geburtswehen verwechselt werden. Auch hier kann es helfen, wenn du ein warmes Bad zur Entspannung nimmst.

Einigen Frauen hilft es, spezielle Atemtechniken zu nutzen und so mit dem Schmerz zu arbeiten. Es kann außerdem gut sein, dass die Senkwehen den Schleimpfropf lösen und du einen starken Ausfluss bemerkst. Kleine Blutspuren im Ausfluss sind unbedenklich. Halten die Blutungen jedoch an, solltest du direkt ins Krankenhaus gehen.

Die Ergebnisse der Senkwehen wirst du recht schnell spüren. Da dein Baby im Bauch weiter nach unten rutscht, senkt sich auch der Bauch mit und du kannst wieder besser atmen. Das Essen fällt dir leichter. Hast du bisher unter Sodbrennen gelitten, dann ist es gut möglich, dass dies nun auch nachlässt. Dafür verspürst du nun einen stärkeren Druck auf den Beckenboden und musst vermutlich besonders häufig auf die Toilette.

Eigenschaften von Senkwehen

  • Zeitpunkt: ab der 36. SSW
  • Häufigkeit: unregelmäßig
  • Dauer: 30 – 60 Sekunden
  • Intensität: mäßig schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: bei anhaltenden Blutungen

Eröffnungswehen – nun geht es los

Die Geburt deines Babys beginnt mit den Eröffnungswehen, sie gehören also zu den Geburtswehen. Deine Gebärmutter arbeitet hier besonders kräftig. Sie zieht sich stark zusammen und löst sich wieder. Die Abstände zwischen den Wehen werden regelmäßig und zunehmend kürzer. Bei jeder Frau äußern sich die Eröffnungswehen anders. Möglicherweise spürst du nur ein Ziehen im Rücken. Es ist ebenfalls möglich, dass du Schmerzen oder ein starkes Ziehen im Unterleib spürst. Du erkennst die Eröffnungswehen daran, dass sie recht lange dauern. Bis zu 90 Sekunden sind normal. Die Intervalle werden kürzer, sie fangen langsam an und werden dann immer stärker. Wie eine Welle wirkt der Ablauf der Wehen.

Merke: Eröffnungswehen dauern in der Regel zwischen 30 und 90 Sekunden. Ihre Frequenz ist in den ersten 10 bis 15 Minuten noch unregelmäßig. Danach kommen sie rhythmischer und regelmäßiger aller 3 bis 5 Minuten. Zwischendurch kann es zu physiologischen Pausen, der sogenannten Latenzphase kommen. 

Als Orientierung für den Geburtsbeginn dient die 3-1-1 oder die 5-1-1 Regel. Wenn deine Wehen also alle 3 bis 5 Minuten auftreten, mindestens 1 Minute dauern und diese Regelmäßigkeit über 1 Stunde anhält, sind die Eröffnungswehen bei dir in vollem Gange.

Fühlst du dich wohl und hast keine Blutungen, kannst du dich mit Beginn der Eröffnungswehen ganz entspannt fertig machen. Einige Frauen nehmen noch eine Dusche, kontrollieren die Kliniktasche und machen sich dann erst langsam auf den Weg. Dauern die Wehen länger an und nimmt eine Wehe mehr als eine Minute Zeit in Anspruch, dann wird es Zeit, sich auf den Weg zu machen oder die Hebamme zu informieren. Platzt deine Fruchtblase mit Wehen oder hast du einen vorzeitigen Blasensprung/Blasenriss ohne Wehen, solltest du ebenfalls ins Krankenhaus, um Infektionen zu vermeiden.

Eigenschaften von Eröffnungswehen

  • Zeitpunkt: in der Regel zwischen der 38. und 42. SSW
  • Häufigkeit: regelmäßig werdend, dann alle 3 – 5 Minuten pro Stunde, Pausen möglich
  • Dauer: 60 – 90 Sekunden
  • Intensität: wenig bis stark schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: Wenn die Wehen regelmäßig nach der 5-1-1 Regel (s.o.) kommen oder bei einem gleichzeitigen Blasensprung/Blasenriss

Hinweis: Vielleicht hast du schon davon gehört, dass Schwangere bei einem Blasensprung liegend ins Krankenhaus transportiert werden sollen, wenn das Baby noch nicht mit dem Kopf im Becken liegt. Dadurch soll ein Nabelschnurvorfall vermieden werden. Die im Dezember 2020 überarbeiteten Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft sehen einen solchen Liegendtransport nicht mehr vor. Da hier aktuell kein Konsens herrscht, solltest du das Thema mit deiner Frauenärztin besprechen. Sie kennt deinen bisherigen Schwangerschaftsverlauf und wird dir sagen, wie du dich im Falle eines Blasensprungs verhalten sollst.

Presswehen – der letzte Abschnitt ist erreicht

Auch die Presswehen gehören zu den Geburtswehen. Denn nach der Eröffnungsphase kommt die Austrittsphase. Dein Baby möchte nun auf die Welt kommen und du verspürst den Drang, es nach unten zu schieben. Die Presswehen werden oft (aber nicht immer!) als sehr schmerzhaft empfunden und dauern recht lange an. Atme ruhig und arbeite mit der Hebamme zusammen. So kannst du deinem Baby am besten helfen, auf die Welt zu kommen. Nun dauert es nicht mehr lange. Meist ist das Baby nach wenigen Presswehen da.

Eigenschaften von Presswehen in Kürze:

  • Zeitpunkt: nach den Eröffnungswehen
  • Häufigkeit: 3 – 5 Wehen pro 10 Minuten
  • Dauer: 40 – 80 Sekunden
  • Intensität: meist sehr schmerzhaft
  • Wann zum Arzt: Notarzt rufen, gleich ist das Baby da!

Nachgeburtswehen und Nachwehen – mehrere Tage spürbar

Mit den Nachgeburtswehen wird die Plazenta aus deinem Körper transportiert. Aber auch, wenn die Geburt abgeschlossen ist, wirst du möglicherweise noch ein paar Tage mit den Nachwehen zu kämpfen haben. Diese werden oft als ebenso schmerzhaft empfunden, wie die Eröffnungswehen. Sie dienen dazu, dass sich die Gebärmutter schneller zurückbildet und der Wochenfluss abgestoßen wird. Wenn du sie spürst, ist das also ein gutes Zeichen!

Stillst du dein Baby, wirst du beim Stillen deutlich die Nachwehen spüren. Dies hängt damit zusammen, dass dein Körper beim Stillen Oxytocin bildet. Das Hormon fördert nicht nur die Milchbildung. Es unterstützt auch den Uterus bei der Rückbildung. Je mehr Geburten du schon hattest, desto mehr muss dein Körper arbeiten, um die Gebärmutter wieder zu verkleinern. Aber keine Sorge: normale Schmerzmittel helfen dagegen gut!

Eigenschaften von Nachgeburtswehen

  • Zeitpunkt: direkt nach der Geburt
  • Häufigkeit: 2 – 4 Wehen pro 10 Minuten
  • Dauer: 40 Sekunden
  • Intensität: teils noch schmerzhaft

Eigenschaften von Nachwehen

  • Zeitpunkt: 2 – 3 Stunden nach der Geburt bis 3 Tage danach
  • Häufigkeit: unregelmäßig
  • Dauer: 30 – 40 Sekunden
  • Intensität: so wie Eröffnungswehen
  • Wann zum Arzt: bei sehr starken Nachblutungen, übel riechendem Ausfluss oder fehlendem Wochenfluss
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Quellen

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