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Was ist der Moro-Reflex?

Ruckartig gespreizte Arme, angsterfüllter Blick. Dein Baby erstarrt und schreit dann. Was war das bloß? Der Moro-Reflex! Bei manchen Kinder bleibt der Reflex bestehen. Wozu er gut ist und wann er verschwindet, erfährst du jetzt.

Moro-Reflex: Was ist das?

Saugreflex, Greifreflex, Klammerreflex: der Moro-Reflex ist einer von vielen Reflexen, die sich beim Baby schon im Mutterbauch entwickeln. Dieser in der 9. Woche Schwangerschaftswoche.

Erschrickt das Kleine, weil es zum Beispiel schnell abgelegt wurde, streckt es ruckartig Arme und Beine aus und spreizt die Finger. Der Kopf geht in den Nacken. Dabei erstarrt es kurz mit angehaltenem Atem und aufgerissenen Augen und sucht deinen Blick. Dann versucht es, dich mit Armen und Beinen zu umklammern und sich mit den Fäustchen festzukrallen. Es atmet aus und schreit dabei auf.

Wozu das gut sein soll? In unserer Zeit als Traglinge bewahrte der Moro-Reflex die Babys davor, vom behaarten Mutterbauch zu fallen, wenn sich die Mutter plötzlich in Bewegung setzte. Äffchen und viele andere Säugetiere zeigen in den ersten Lebenswochen ebenfalls den Klammerreflex.

Was wie ein Überbleibsel unserer Evolution scheint, hat auch heute noch eine wichtige Funktion: der Reflex sorgt dafür, dass dein Baby nach der Geburt seinen ersten Atemzug macht. Denn erst durch ihn werden jede Menge Stresshormone freigesetzt, die den Kreislauf in Gang bringen. Der Blutzucker sinkt, der Puls beschleunigt sich und dein Kind ist hellwach.

Ist der Moro-Reflex gefährlich?

Nein, der Reflex selbst ganz und gar nicht. Er wird jedoch ausgelöst, wenn du dein Kind zu grob anfasst, zu schnell ablegst oder das Köpfchen plötzlich abknickt. All das musst du deinem Baby zuliebe vermeiden, damit es kein Schleudertrauma im empfindlichen Babynacken bekommt.

Absichtlich auslösen solltest du den Moro-Reflex ebenfalls nicht. Für dein Baby ist die Stressreaktion ziemlich unangenehm, weil sie den Stresshormonspiegel hochschnellen lässt. Dauerhaft hohe Stresshormone schwächen die Abwehrkräfte schon bei den ganz Kleinen. Bei der U2 testet die Ärztin ohnehin, ob der Klammerreflex funktioniert.

Tipps, wenn dein Baby vom Moro-Reflex aufwacht

Manche Babys träumen so lebhaft, dass sie sich durch den Moro-Reflex selbst aufwecken. Dann sind sie irritiert und weinen. Meist dauert es eine Weile, bis sie danach wieder einschlafen. Denn schließlich ist der kleine Körper gerade voll mit Kortisol und Adrenalin. Bis das abgebaut ist, dauert es. Je mehr Nähe du deinem Schatz jetzt geben kannst, desto schneller wird es wieder zurück in den Schlaf finden. Auch Stillen hilft dabei sehr gut, Muttermilch ist eben ein Alleskönner.

Wenn dein Kind öfter durch den Reflex erwacht, kann Pucken eine Lösung sein. Bevor du jedoch damit loslegst, mach dich bitte schlau. Denn die falsche Technik kann gefährlich werden. Sobald sich dein Baby drehen kann, musst du mit dem Pucken aufhören. Alternative: auf deinem Bauch schlafen lassen.

So kannst du das Auslösen des Moro-Reflexes vermeiden

Leg dein Baby immer vorsichtig ab und stütze dabei seinen Kopf. Lass dir von der Hebamme zeigen, wie man ein Neugeborenes richtig aufnimmt. Nämlich seitlich. So fällt der Kopf nicht nach hinten. Das folgende Video zeigt die richtige Technik sehr gut.

Wann verschwindet der Moro-Reflex?

Schon ab dem zweiten Lebensmonat lässt der Moro-Reflex nach. Normalerweise ist er nach vier Monaten kaum noch zu erkennen. Er wird gehemmt, genauer in den reiferen Schreckreflex „integriert“. Spätestens nach vier Monaten sollte der Reflex nur noch gelegentlich auftreten.

Entwicklungssprünge, besondere Schrecksituationen oder andere Ausnahmezustände können ihn wieder aufblitzen lassen. Wird das jedoch zum Dauerzustand, solltest du es spätestens bei der nächsten U-Untersuchung erwähnen. Denn dann kann es sein, dass es sich um einen „persistierenden Moro-Reflex“ handelt. Dazu im nächsten Abschnitt mehr.

Was, wenn der Moro-Reflex nicht weg geht?

Manchmal klappt die Reflexintegration nicht so, wie sie soll. Dann bleiben frühkindliche Reflexe einfach, auch wenn sie sich anders äußern. Der häufigste Grund sind Entwicklungsverzögerungen, seltener genetische Besonderheiten. Auch Stress in der Schwangerschaft oder schwierige Geburten werden als Auslöser diskutiert. So richtig erforscht sind die Zusammenhänge bisher nicht.

Gut zu wissen: Kinder (und auch Erwachsene), bei denen der Reflex noch vorhanden ist, haben oft Schwierigkeiten, sich zu entspannen. Sie sind leicht reizüberflutet, schreckhaft und ängstlich, klammern sich an Eltern und gewohnte Abläufe. Manche neigen zu Wutausbrüchen. Der nächtliche Schlaf kann ebenso beeinträchtigt sein wie die Leistungen in der Schule, weil sie nicht stillsitzen und sich konzentrieren können. Alles ist zu viel. Hochsensible Kinder sind überdurchschnittlich oft betroffen. Auch die Grob- und/oder Feinmotorik kann sich verzögert entwickeln. Das äußert sich dann in Gleichgewichtsproblemen oder Schwierigkeiten beim Schreiben und Malen.

Erkennst du dein Kind wieder? Keine Panik, die Erkenntnis ist sogar gut. Denn Kinderärzte wissen in der Regel, was zu tun ist. Mittlerweile gibt es etliche Fachkräfte in der Ergo- oder Physiotherapie, die auf „Reflexintegration“ spezialisiert sind. Ist dein Kind betroffen, sorgen monatliche Sitzungen und tägliche Übungen zuhause dafür, dass sich die Symptome nach sechs bis zwölf Monaten deutlich bessern.

Und wenn ich nichts tue?

Natürlich kann es sein, dass dein Kind einfach länger als andere braucht, bis die Reflexe im Lot sind. Aber wenn frühkindliche Reflexe wie der Moro-Reflex dauerhaft bleiben, macht sich das auch im Erwachsenenalter bemerkbar. Betroffene haben Konzentrationsprobleme, sind überempfindlich und neigen zu Neurosen. Aufgrund des permanent hohen Stresslevels, leidet das Immunsystem und Autoimmunkrankheiten drohen.

Vielleicht hast du Sorge, dass dein Kleines durch eine Therapie abgestempelt wird. Oder dass es sich selbst als mangelhaft empfindet. Wichtig ist hier aber, wie du es deinem Kind verkaufst. Wenn du es selbst positiv und spielerisch angehst, wird auch dein Kind es nicht anders empfinden. Ein kleiner Held also oder eine Heldin 🙂

Leider ist die Reflexintegration an sich keine Kassenleistung. Es ist wichtig, wie eure Kinderärztin das Ganze verpackt. Wenn sie euch Ergo- oder Physiotherapie verschreibt, zahlt die Krankenkasse. Wenn sie dich zur Heilpraktikerin schickt, eher nicht.

Einfache Maßnahmen für ein schöneres Miteinander zuhause hat Ergotherapeutin Christina Gastmann auf Wimmelköpfchen zusammengestellt.

Woran erkenne ich, dass mein Kind mit 4, 5, 6 Jahren den Moro-Reflex noch hat?

Wie sich ein persistierender Moro-Reflex bei einem Kind auswirkt, ist ganz unterschiedlich. Schließlich ist er sehr komplex. Wahrnehmung, Motorik, Gefühlswelt – alles kann, muss aber nicht betroffenen sein.

Fällt dein Kind oft hin? Dann beobachte doch mal, was es dabei mit seinen Armen macht. Wenn es sie im ersten Moment ausbreitet und erst dann zum Abfangen dann vorn bewegt, kann das am Klammerreflex liegen.

Ist es schon in der Schule? Betroffene Schulkinder können kaum stillsitzen und kippeln oder hängen auf dem Stuhl. Sie nehmen überdurchschnittlich viele Reize auf, können sie jedoch nicht so schnell verarbeiten. Die Schulnoten leiden, obwohl die Kinder intelligent sind. Viele bleiben dadurch unter ihren Möglichkeiten.

Hast du noch eine Frage zum Thema Moro-Reflex bei Babys? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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