Close Babelli.deBabelli.de

Entwicklungsverzögerung eines Kindes erkennen und behandeln

Entwicklungsverzögerung bei Kindern: Was ist das & Was kann ich tun?

Du oder das Fachpersonal der Kita vermutet bei deinem Kind eine Entwicklungsverzögerung? Du fragst dich, was das bedeutet und was du jetzt tun kannst? Wir haben dir die wichtigsten Informationen rund um das Thema „Entwicklungsverzögerung“ bei Kindern zusammengestellt. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Entwicklungsverzögerung: wenn ein Kind in einem oder mehreren Entwicklungsbereichen im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern einen Rückstand hat
  • Entwicklungsverzögerungen betreffen soziale, emotionale, kognitive (geistige), motorische und sprachliche Entwicklung
  • Erste Anzeichen meist im Spiel mit anderen Kindern oder bei U-Untersuchungen sichtbar
  • Nach Vermutung erfolgt Abklärung in der Kinderarztpraxis
  • Entwicklungsverzögerung kann in Frühförderstelle „aufgeholt“ und stabilisiert werden
  • Genetik, Umweltfaktoren, Erkrankungen und biologische Reifungsprozesse können eine Rolle spielen
  • Eine Entwicklungsverzögerung ist keine Entwicklungsstörung
  • Es gibt Unterstützungsmöglichkeiten für den Familienalltag
<span style="align:center; font-size: 18px">Video-Empfehlung:</span> <style> native-player { aspect-ratio: 16/9; display: block; } </style> <script type="text/javascript" src="//syndication.target-video.com/native-player.js" async=""></script> <native-player></native-player>

Ein wichtiger Hinweis zur Entwicklungsverzögerung vorweg 

Genauso wie jedes Kind einzigartig ist, ist es auch seine Entwicklung: Es verfügt sowohl über Begabungen und Stärken als auch über Schwächen oder Ressourcen, die sich noch im Aufbau befinden. Seine Entwicklung sollte außerdem immer zusammen mit seiner Umwelt, seinem Umfeld und anderen sozialen, räumlichen und emotionalen Lebensaspekten betrachtet werden. 

Falls du oder andere Erwachsene daher in bestimmten Bereichen eine Verzögerung oder einen Rückstand wahrnehmen, bedenke Folgendes: Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Entwicklungsstand gleichaltriger Kinder Unterschiede aufweist. Nicht jede Ungleichheit in der Entwicklung muss ein Hinweis auf eine Entwicklungsverzögerung sein.

Was ist eine Entwicklungsverzögerung?

Die Entwicklung eines Menschen stellt den lebenslangen Prozess des Lernens, Erfahrens und der Persönlichkeitsentwicklung dar (Greving, Ondracek, 2010, S. 114). Bei einer Entwicklungsverzögerung unterscheidet sich dieser Prozess in einem oder mehreren Entwicklungsbereichen verglichen mit gleichaltrigen Kindern stark. Er ist entweder rückschrittlich oder erfolgt in langsamerem Tempo.

Welche Entwicklungsverzögerungen gibt es?

Eine Entwicklungsverzögerung kann folgende Entwicklungsbereiche betreffen:

  • Motorik: alle Bewegungsabläufe
  • geistige Entwicklung: das Verstehen und Merken von Dingen und
    Zusammenhängen sowie alle „Denkprozesse“
  • Sprachentwicklung: das Sprachverständnis und das Sprechen
  • emotionale Entwicklung: die Wahrnehmung, das Einordnen und das Zeigen
    von Gefühlen
  • Sozialkompetenz: die soziale Entwicklung und das Einfühlungsvermögen

Eine Entwicklungsverzögerung kann einen dieser Bereiche betreffen, aber auch mehrere in Kombination. Je nach Ausprägung des Entwicklungsrückstands sprechen Kinderärzte von einer leichten bis schweren Entwicklungsverzögerung. 

Ab wann spricht man von einer verzögerten Entwicklung?

Man spricht man von einer Entwicklungsverzögerung, wenn ein Kleinkind einzelne Entwicklungsschritte der Bereiche soziale, emotionale, geistige, motorische oder sprachliche Entwicklung langsamer, verzögert oder rückschrittlich (auch „Entwicklungsretardierung“ genannt) durchläuft – immer im Vergleich mit gleichaltrigen Kindern. 

Meist hat dies zur Folge, dass das Kind an seiner Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen (gemeinsames Spiel mit Gleichaltrigen, Alltagsbewältigung usw.) stark eingeschränkt ist. Kinderärztliches Fachpersonal diagnostiziert eine Entwicklungsverzögerung, wenn das Kind bestimmte Grenzwerte dieser Entwicklungsbereiche sichtbar unterschreitet.

Wie merke ich, dass mein Kind eine Entwicklungsverzögerung hat?

Wenn dein Kleinkind in sozialen Interaktionen und im Spiel mit anderen (gleichaltrigen) Kindern ein auffällig anderes Verhalten, Sprache, Bewegung und/oder Sozialverhalten zeigt, solltest du dies näher beobachten. Zieht es sich womöglich sogar zurück, isoliert es sich oder vermeidet bestimmte Aktivitäten (z.B. Sprechen, gemeinsames Spielen, Fortbewegung)? 

Tausche dich mit dem Fachpersonal der Kita und anderen Bezugspersonen aus. Nicht selten gibt das Verhalten des Kindes in gleichaltrigen Gruppenkonstellationen im Kindergarten Hinweise. Eine Entwicklungsverzögerung wird bei der Kinderarztpraxis über Testungen festgestellt.

Diese Infoseite ist besser als jede Entwicklungstabelle

Benötigst du einen Überblick über die regulären Entwicklungsschritte der Kinder? Dann kann dir diese Infoseite der „stiftungNetz“ helfen. Hier sind die einzelnen Schritte der Entwicklungsbereiche nach dem Lebensjahr des Kindes sortiert und mögliche Auffälligkeiten benannt.

Kann man Entwicklungsverzögerungen behandeln?

Ja, eine Entwicklungsverzögerung ist sehr gut behandelbar. Je früher Eltern sich dazu entscheiden hier eine Unterstützungsleistung wie eine Therapie in einer Frühförderstelle (siehe Häufige Fragen) in Anspruch zu nehmen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Entwicklungsverzögerung wieder „aufgeholt“ werden kann. Durch eine frühe Behandlung einer Verzögerung entwickelt sich meist keine Entwicklungsstörung.

Wer stellt eine Entwicklungsverzögerung fest?

Das kinderärztliche Fachpersonal stellt eine Entwicklungsverzögerung fest. Nicht selten fallen Verzögerungen bei den Früherkennungsuntersuchungen auf. Zudem werden sie im Spiel mit gleichaltrigen Kindern im Kindergarten sichtbar, weshalb es oft vorkommt, dass Fachpersonal der Kita sich mit Vermutungen an die Eltern wendet. 

In der Kinderarztpraxis erhält dein Kind nach entsprechenden Tests gegebenenfalls eine Überweisung zu Facharztpraxen oder Frühförderzentren (Sozialpädiatrisches Zentrum, kurz SPZ, oder Frühfördereinrichtung). Dort findet die Entwicklungsdiagnostik statt und du wirst beraten, welche Therapieform die Entwicklungsverzögerung (je nach Grad und Art) gegebenenfalls wieder aufholen oder stabilisieren kann.

Die Ursache: Wie entsteht eine Entwicklungsverzögerung?

Die Entstehung einer Entwicklungsverzögerung ist nicht auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen. Verschiedenste lebensgeschichtliche Faktoren und individuelle Gegebenheiten können eine Entwicklungsverzögerung zwar begünstigen, aber niemals die Ursache für sie sein. Die Entwicklungspsychologie geht davon aus, dass bei einer Entwicklungsverzögerung verschiedene Aspekte zusammen eine Rolle spielen:

  • Genetische Voraussetzungen: Manche Entwicklungsverzögerungen sind auf vererbte oder angeborene Voraussetzungen zurückzuführen. Beispiel: Kommt ein Kleinkind mit einem verminderten Hörvermögen auf die Welt, kann es zu Problemen bei der Sprachentwicklung kommen.
  • Biologische Reifungsprozesse: Einzelne Entwicklungsschritte können erst erfolgen, wenn das kindliche Gehirn so weit ist. Dein Kind braucht für bestimmte Entwicklungsschritte die entsprechenden Verknüpfungen im Gehirn. Zumeist bauen die einzelnen Schritte wie eine natürliche Abfolge aufeinander auf. Haben diese sich noch nicht gebildet, kann es den innerlichen Schritt nicht vollziehen. Beispiel: Ein Kind kann nicht „trocken“ werden, weil der biologische Reifungsprozess der Kontrolle über das Ausscheidungsorgan noch nicht voll entwickelt ist.
  • Lernen durch die Umwelt: Kinder lernen durch Nachahmung und Anleitung ihrer Bezugspersonen. Sie stehen in konstanter Wechselwirkung mit diesen. Beispiel: Kinder brauchen Zuwendung und Liebe. Bei Kindern, die vernachlässigt werden, liegt eine Schädigung im Umgang vor. Hier kann es daher zu einer Entwicklungsverzögerung, z.B. des emotionalen Erlebens oder des Sozialverhaltens kommen.
  • Neurologische oder körperliche Erkrankungen: Erkrankungen können dazu führen, dass ein Kind bei der Entwicklung in einzelnen oder mehreren Teilbereichen „hinterherhinkt“. Beispiel: Wenn ein Kind einen Sauerstoffmangel bei der Geburt hatte, kann z.B. seine Motorik einen Entwicklungsrückstand zeigen. 

Entwicklungsverzögerung aufholen: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? 

Im Rahmen der Diagnostik wird dein Kleinkind durch das kinderärztliche Fachpersonal verschiedenste Tests durchlaufen. Danach wirst du Empfehlungen für Frühförderstellen bekommen, wo dein Kind gezielte Therapieleistungen in Anspruch nehmen kann. Die verschriebene Therapieform hängt von dem Bereich der Entwicklungsverzögerung ab. Zur Behandlung können folgende Formen zum Einsatz kommen:

Physiotherapie bei motorischen Entwicklungshürden oder Stagnation der motorischen Entwicklung

Physiotherapie bei Entwicklungsverzögerung

Weil das Kind eine muskuläre Hypotonie (schlaffer Muskeltonus) hat, nutzt die Physiotherapeutin Maßnahmen, um die Muskulatur zu stärken und zu erhalten.

Ergotherapie, wenn das Kind Tätigkeiten im Alltag vermeidet oder dadurch stark überfordert ist

Ergotherapie bei Entwicklungsverzögerung

Das Kind beschäftigt sich in Begleitung der Ergotherapeutin mit Knete und Förmchen, um seine Feinmotorik zu verbessern. Es kann sich hier frei ausprobieren und seinen Körper, seine Haut und sich in Verbindung mit dem Material spüren.

Logopädie bei Sprachentwicklungsstörungen oder fehlendem Sprachverständnis

Logopädie bei Entwicklungsverzögerung

Die Sprachentwicklungsstörung des Kindes wird abgemildert, indem der Logopäde verschiedene Übungen mit dem Mund und der Zunge vormacht, welche das Kind nachahmt. Das Kind soll ein Gefühl für seinen Mund und die Aussprache einzelner Worte und Sätze bekommen.

Heilpädagogik, wenn die motorischen, sozialen, emotionalen und/oder kognitiven Fähigkeiten nicht altersgerecht entwickelt sind

Heilpädagogik bei Entwicklungsverzögerung

Im gemeinsamen Rollenspiel mit Fingerpuppen versucht die Heilpädagogin das Kind mit sozialer Entwicklungsverzögerung spielerisch zu fördern. Die soziale Interaktion sowie die Selbstwirksamkeit des Kindes sollen dadurch angeregt werden.

Psychotherapie zur Behandlung des kognitiven und sozial-/emotionalen Entwicklungsstandes

Psychotherapie bei Entwicklungsverzögerung

Das Kind hat eine emotionale Entwicklungsverzögerung und Probleme mit der Gefühlsregulation. Im Rahmen der psychologischen Begleitung erfährt es, wie Gefühle bei sich und anderen aussehen, wie man sie unterscheidet und wie sie sich anfühlen können.

Mehr zum Thema

Wer bezahlt die Therapien bei einer Entwicklungsverzögerung?

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Therapien zusammen mit Trägern der Eingliederungshilfe und in seltenen Fällen auch mit der Sozialhilfe. Je nach Therapieform kann es auch dazu kommen, dass nur einzelne der drei genannten Institutionen die Therapie finanzieren.

Viele private Krankenkassen übernehmen die Therapieformen nur teilweise. Informiere dich hierfür am Besten vorab bei deiner Krankenkasse und beim Fachpersonal der Frühförderung. Es wird dich kompetent beraten.

Nach der Diagnose bekommst du vom kinderärztlichen Personal eine Überweisung (Verordnung) zu entsprechenden Frühfördereinrichtungen. Darin findest du die Art der Therapie, die Zahl der Therapiesitzungen (Dauer) und wie häufig sie stattfinden.

Was kann ich selbst tun, um mein Kind zu unterstützen?

Sobald dein Kind eine Frühförderung bekommt, wirst du vermutlich vom Fachpersonal Übungen für zu Hause erhalten. Das Wichtigste ist, dass du dein Kind bei seinen Entwicklungsprozessen nicht unter Druck setzt. Denn das kann Frustration und Wut hervorrufen – bei dir und deinem Kind. 

Wertschätze und begleite dein Kind in seiner Individualität liebevoll. Es sollte Spaß haben an seiner Entwicklung und seinen individuellen Erfahrungsschätzen. Bestenfalls baust du unsere kleinen Tipps spielerisch in euren Familienalltag ein. Hier ein paar Beispiele für Eltern mit Kleinkindern ab circa 1,5 Jahren/18 Monaten.

Tipps bei motorisch bedingter Entwicklungsverzögerung:

  • Lass dein Kind Tätigkeiten übernehmen, die nebenbei die motorischen Fähigkeiten trainieren: „Kannst du mir das Buch aus der Kiste bringen?“. Gib ihm hierbei die Zeit, die es benötigt. 
  • Setze auf überwiegend einfach zu handhabende Kleidung, um Frust zu vermeiden (etwa auf Schuhe mit Klettverschluss). Jedes Mal, wenn dein Kind einen Bewegungsablauf alleine schafft, ist das ein Erfolgserlebnis und stärkt seine Selbstwirksamkeit.

Tipps bei geistig bedingter Entwicklungsverzögerung:

  • Trainiere wiederholt mit deinem Kind gemeinsame Alltags-Aktivitäten, wie das Decken seines Platzes am Tisch. Es hat hier die Möglichkeit, sich die Denk- und Bewegungsabläufe des Vorgangs einzuprägen und dadurch seine Merkfähigkeit zu fördern.
  • Führe deinem Kind seine Talente und Begabungen im Alltag vor Augen. Erfolge und Lob stärken das Selbstvertrauen. Rücke seine individuellen Stärken in den Fokus, insbesondere in Momenten, wo es dir etwas zeigt: „Ich freue mich für dich, dass du deinen Platz gedeckt hast und merke, du bist mächtig stolz auf dich selbst! Das macht mich so glücklich!“

Tipps bei sprachlicher Entwicklungsverzögerung:

  • Erkläre langsam und liebevoll, was ihr gerade macht und vorhabt. Beispiel: „Wir packen die Sandförmchen ein und gehen dann zum Sandkasten“. 
  • Nutze Fingerspiele, Lieder und Reime. Diese rhythmischen Klänge kann sich dein Kind gut einprägen und nachahmen. Es bekommt dadurch ein Gefühl für Worte und Sprache.

Tipps bei emotionaler Entwicklungsverzögerung:

  • Betrachte mit deinem Kind gezielt Bilderbücher, in denen Gefühle und Emotionen abgebildet und thematisiert werden. 
  • Beschreibe deinem Kind, wie du dich fühlst, wenn du z.B. wütend bist und was du dann tust. Zeige ihm deinen Gesichtsausdruck, den du mit Wut verbindest. Dein Kind kann durch diese Beobachtung wahrnehmen, wie emotionale Abläufe bei seinen Mitmenschen aussehen können.

Tipps bei sozialer Entwicklungsverzögerung

  • Füttere gemeinsam mit deinem Kind eine Puppe und beschreibe, was die Puppe gerade benötigt: „Die Puppe weint und hält sich ihren Bauch. Was glaubst du, hat die Puppe?“
  • Gemeinsame Rollenspiele mit anderen Erwachsenen, Geschwistern oder befreundeten Kindern können unterstützend wirken, das Einfühlungsvermögen, die Selbstwirksamkeit und die soziale Interaktion deines Kindes spielerisch zu fördern.

Entwicklungsverzögerung richtig kommunizieren

Wie bespreche ich die Entwicklungsverzögerung mit meinem Kind?

Je nach Art und Grad der Verzögerung, wird dein Kind entweder schon (unbewusst) gemerkt haben, dass es Unterstützung in bestimmten Bereichen benötigt, oder aber, dass ihm Dinge schwerer fallen als andere Kinder. Oder es ist verunsichert, weil es spürt das du dir Gedanken machst.

Vor der Diagnose:

Wir empfehlen dir zur Erklärung bildliche Sprache: Erkläre, dass das Personal der Kinderarztpraxis wie Detektive forscht, was der Körper von deinem Kind jetzt gerade benötigt. „Das soll nämlich herausgefunden werden – Es ist ein Rätsel!“ Daraufhin geben die Detektive Hinweise auf die Therapie(n), die passen könnten. Sie lösen das Rätsel.

Benenne diese Untersuchung als positiv und normal. Beschreibe, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und sich in anderem Tempo entwickelt und dass dein Kind die beste Unterstützung bekommt, die es gibt, falls die Detektive einen Hinweis finden.

Nach der Diagnose:

Benenne altersgerecht, welche unterstützenden Therapien es gibt und was dort gemacht wird. Zeige deinem Kind Bilder, damit es eine Vorstellung davon hat, was mit ihm innerhalb der Sitzungen gemacht wird. Betone z.B., wie wunderbar es ist, dass dein Kind sich in der Physiotherapie noch mehr ausprobieren kann.

Wende dich deinem Kind in dieser Situation bewusst liebevoll zu und sei offen für seine Fragen. Versuche, die Situation nicht negativ oder angstbesetzt zu bewerten, das spürt dein Kind. Es könnte die Folge haben, dass es denkt, etwas „stimmt nicht mit ihm“ oder ist „nicht normal“, was wiederum sein Selbstbewusstsein minimieren würde. Dies gilt es klar zu vermeiden.

Wie bespreche ich die Entwicklungsverzögerung mit Anderen?

Vor der Diagnose:
Eins ist uns hier besonders wichtig: Du bist niemals dazu verpflichtet, Menschen in deinem Umfeld von einer Vermutung oder anstehenden ärztlichen Untersuchung deines Kindes zu berichten. Dies ist allein deine Entscheidung.

Falls es Mitmenschen gibt, die du dennoch informieren möchtest oder musst, bleibe möglichst gelassen und neutral der Situation gegenüber: Denn du weißt, dass Entwicklungsunterschiede die Regel sind und Untersuchungen in der Kinderarztpraxis völlig normal.

Nach der Diagnose:
Dein Kind hat eine Entwicklungsverzögerung. Einige Dinge werden sich im Leben deines Kindes und im Familienalltag nun verändern und ihr bekommt Hilfe über Therapien und ärztliche Begleitung. Unabhängig davon, welche Diagnose vorliegt, steht dein Kind mit seiner Entwicklung im Fokus und der Zustand ist nicht „besser“ oder „schlechter“ als vor der Untersuchung.

Ganz im Gegenteil: Alle Beteiligten (und nur die) erfahren jetzt, wie das Wohlbefinden des Kindes unter den neuen Gegebenheiten weiter gefördert werden kann. Menschen denen du vertraust, wirst du deine Gefühlslage anvertrauen können. Bei allen anderen Mitmenschen, die über die Entwicklungsverzögerung informiert werden müssen, kannst du durchaus um Sensibilität für die neue Situation bitten. Alle anderen hat es nicht zu interessieren.

Fazit

Die Entwicklung eines jeden Kindes verläuft unterschiedlich und individuell. Falls du oder andere Bezugspersonen deines Kindes daher Auffälligkeiten im Entwicklungsverlauf feststellen, lass deine Vermutung von den Ärzten deiner Kinderarztpraxis abklären. Dort wird dein Kind getestet und untersucht. 

Sollte es eine Entwicklungsverzögerung in einem der Entwicklungsbereiche (sozial, emotional, geistig, motorisch, sprachlich) haben, wirst du weitere Informationen zu wohnortnahen Frühfördereinrichtungen erhalten. Hier wird dein Kind mit geschulten Therapierenden verschiedener Formen eine gezielte Therapie erhalten, welche die Entwicklungsverzögerung stabilisiert, minimiert und bestenfalls wieder aufholt

Eine Entwicklungsverzögerung im Kindesalter ist nicht unüblich. Vertraue dem medizinischen und therapeutischen Personal sowie deinem Kind, dass durch die Therapien eine Möglichkeit gefunden wird, die es in seinem Alltag bestmöglich unterstützt. Das Wohlbefinden und der weitere, druckfreie Entwicklungsverlauf im Tempo deines Kindes stehen im Fokus. 

Häufige Fragen

Was sind hilfreiche Anlaufstellen bei Entwicklungsverzögerung?

Falls gewünscht, kannst du dich auch direkt an eine wohnortnahe Frühfördereinrichtung oder ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) wenden. Dort werden neben vielen verschiedenen Therapien auch Beratungsgespräche für Betroffene angeboten. Scheue dich nicht, diese Beratungsgespräche in Anspruch zu nehmen. 

Natürlich kann die Diagnose „Entwicklungsverzögerung“ verunsichern, sie sollte jedoch nicht negativ bewertet werden, da Entwicklungsrückstände (wie oben bereits angesprochen) nicht unüblich sind. 

Frühförderstellen in deiner Nähe findest du hier.

Was ist Frühförderung?

Kinder, die Auffälligkeiten und Defizite (Mangel/Verlust) in emotionalen, sozialen, motorischen oder geistig-seelischen Bereichen der Entwicklung aufweisen, können die Frühförderung in Anspruch nehmen. Die dort stattfindenden Therapien werden für Kinder von der Geburt bis zum Grundschulalter angeboten (neben Auffälligkeiten auch aufgrund von angeborener Behinderung oder erworbener Störung).

Das Ziel von Maßnahmen der Frühförderung ist es, Einschränkungen der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben des Kindes zu vermeiden. Außerdem sollen weitreichendere Folgen der Verzögerung, wie eine Entwicklungsstörung oder eine drohende Behinderung, vermindert werden. Frühförderung für Kinder verläuft interdisziplinär (fachübergreifend) und ganzheitlich (das gesamte Lebenssystem des Kindes betreffend).

Ist eine Frühförderung bei Entwicklungsverzögerungen sinnvoll?

Ja, die Frühförderung hat einen guten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes, da die (Lern-)Erfahrungen im frühen Alter stark auf das kindliche Gehirn einwirken (Greving, Ondracek, S. 317). Die Kinder erlernen neue Fertigkeiten und erreichen über die therapeutischen Übungen eigenständig Meilensteine in ihrer Entwicklung.

Die Reize, die in der Frühförderung gesetzt werden, sowie die sozialen Beziehungen, die dadurch entstehen, unterstützen den Aufbau des kindlichen Selbstwertgefühls. Zudem hilft Frühförderung bei z.B. bereits bestehenden motorischen Störungen oder Defiziten, die Funktionsreste zu erhalten.

Eine weitere elementare Rolle ist die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie finden in den Elterngesprächen Entlastung durch die Beratung und Begleitung des Fachpersonals. Eltern haben im Rahmen der Frühförderung die Chance, ihre Bedenken und Ängste zu überwinden und ihre Zuversicht in die Situation zu entwickeln. Dadurch erfährt das Kind wiederum Sicherheit und Geborgenheit, was seinen weiteren Entwicklungsverlauf maßgeblich positiv bestärken wird.

Ist eine Entwicklungsverzögerung dasselbe wie eine Entwicklungsstörung?

Nein, die beiden Begriffe beschreiben nicht dasselbe: Ist der Reifungs-, Erfahrungs- und Entwicklungsprozess eines Kindes über einen langen Zeitraum hinweg eingeschränkt und verzögert, so kann sich aus einer Entwicklungsverzögerung eine Entwicklungsstörung entwickeln. Es gibt allerdings auch angeborene Entwicklungsstörungen, die bereits in den ersten Untersuchungen des Säuglings erkannt werden.

Bei der Entwicklungsstörung sind die Beeinträchtigungen des Kindes am gesellschaftlichen Leben schwerwiegend und bestehen bereits lange. Als Entwicklungsstörungen werden zum Beispiel jegliche Formen des Autismus-Spektrums, das Rett-Syndrom, die Legasthenie oder ADHS gezählt.

a402653ad4424ac7869c2e3a08d97218 - Entwicklungsverzögerung bei Kindern: Was ist das & Was kann ich tun?

Quellen

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?

Was können wir an diesem Artikel verbessern?

+ = Verify Human or Spambot ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.