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Plötzlicher Kindstod (SIDS) – so verringerst du das Risiko

Dieser Artikel wurde inhaltlich geprüft von Nadine Beermann, Hebamme.

Plötzlicher Kindstod: das Schreckgespenst vieler Schwangerer und frisch gebackener Eltern. Schon im Krankenhaus wirst du eindringlich vor den vermeintlichen Risiken gewarnt. Aber wie groß ist die Gefahr von SIDS wirklich und wie kannst du dein Kind davor bewahren?

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Erste-Hilfe-Kurs am Baby gibt dir Sicherheit!
  • Der plötzliche Kindstod ist selten. Derzeit trifft es in Deutschland etwa 2 von 10.000 Babys.
  • 80% der Fälle von plötzlichem Kindstod treten in den ersten 6 Lebensmonaten auf, die meisten Fälle zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat.
  • Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen müssen.
  • Es gibt Risikofaktoren, eindeutige Belege aber nicht.

Was ist der plötzliche Kindstod?

Den plötzlichen Kindstod nennen Fachleute auch „Sudden Infant Death Syndrome“ (SIDS). Früher hieß er kurz „Krippentod“. SIDS ist ein Sammelbegriff für ungeklärte Todesfälle bei Säuglingen. Also keine Krankheit, sondern das plötzliche Versterben eines Babys unter 12 Monaten ohne eindeutige Diagnose.

Der SIDS ist sehr, sehr selten. Wenn aber dann tritt er meist beim Nachtschlaf, seltener beim Mittagsschlaf ein. Rund 130 Babys versterben in Deutschland pro Jahr auf diese Weise (von 670.000 in einem Jahrgang). Seit den 1990er Jahren geht die Zahl der Todesfälle deutlich zurück. Dennoch fürchten sich nach wie vor viele junge Eltern davor.

Zu Recht? Sicher scheint nur die Erkenntnis, dass es sich um eine Kombination aus ungünstigen Faktoren handelt, die zum plötzlichen Kindstod führen.

Zahlen und Fakten zum SIDS

80% der Fälle von plötzlichem Kindstod treten innerhalb der ersten sechs Lebensmonate auf, die meisten zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat. In 60% der Fälle trifft es Jungen (dies gilt auch für viele andere Krankheit- und Todesfälle im Säuglingsalter).

Aktuell verstirbt in Deutschland nur ca. eines von 5000 Babys. In 99% der Fälle liegen einer oder mehrere der bekannten Risikofaktoren vor.

Du erwartest einen Beweis, dass die Risikofaktoren auch die tatsächlichen Ursachen sind? Gibt es nicht! Die Forscher können lediglich Zusammenhänge aufzeigen.

Entwicklung der jährlichen Sterblichkeit am Plötzlichen Kindstod, Stand 2015

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Durchgängige Linie: Jungen, Gestrichelte Linie: Mädchen
Quelle: Statistisches Bundesamt (2014) Todesursachenstatistik ab 1998. Sterbefälle, Sterbeziffern (je 100.000 Einwohner, altersstandardisiert) www.gbe-bund.de (Stand: 15.04.2015)

Wann gibt es die Diagnose „Plötzlicher Kindstod“?

Dann, wenn der Arzt keine Todesursache ermitteln kann. Genauer: niemand weiß, warum der Säugling starb. Diese „Ausschlussdiagnose“ ist sehr fehleranfällig. Denn sie hängt stark davon ab, was überhaupt untersucht wird und was die Eltern erzählen.

Nur eine gründliche Obduktion würde Klarheit bringen. Gibt es in Deutschland aber nur in 50% der SIDS-Fälle. Es ist also gut möglich, dass bei den nicht-obduzierten Babys eine andere Todesursache aufgetaucht wäre.

Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod (SIDS)

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko eines Säuglings, an SIDS zu versterben, erhöhen. Die „offiziellen“ Faktoren sind:

  • Junge Mutter (unter 20 Jahre)
  • Fehlendes Alarmsystem im Babyhirn bei zu wenig Sauerstoff
  • Frühgeburt bis zur 33. Schwangerschaftswoche
  • Sehr geringes Geburtsgewicht
  • Bereits an SIDS verstorbene Geschwister
  • Einnahme von Drogen durch die Mutter
  • Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Lebensumgebung des Säuglings
  • Überhitzung des Babys durch Decken, Kissen oder zu warme Kleidung
  • Fehlende Luftzirkulation im Bettchen oder dem Kinderwagen
  • Accessoires im Bettchen, wie Nestchen, Kuscheltiere und Kissen
  • Schlafen in einem anderen Zimmer als die Eltern
  • Das Baby wird nicht gestillt und nimmt nachts auch keinen Nuckel
  • Schlafen des Säuglings in der Bauchlage

In 99% der Todesfälle lag offiziell mindestens ein Risikofaktor vor. Gehört dein Baby nicht zu einer Risikogruppe (z.B. durch frühe Frühgeburt)? Hast du vermeidbare Risiken abgeschafft (z.B. das Rauchen)? Dann mach dir keine Sorgen!

Wie die Risikofaktoren zustande kamen

Es existieren eine Reihe von Studien zum Plötzlichen Kindstod. Einige wurden publik, andere nicht. Für die Studien wurden Eltern befragt. Sie zeigen Umstände auf, in denen ein Säugling verstarb. Was fehlt ist jedoch der Beweis, dass diese auch schuld daran waren.

So könnte beispielsweise eine Mutter angeben, ihr Kind habe in Bauchlage geschlafen und sie ist Raucherin. Gleichzeitig könnte sie ihren Drogenkonsum nicht nennen. In der Studie stünde, dass die Bauchlage und das Rauchen mögliche Todesursachen sind. In Wirklichkeit liegt die Ursache aber im Drogenkonsum der Mutter oder ganz woanders.

Statistisch gesehen haben Babys besonders junger Mütter aus unteren sozialen Schichten eine höhere Wahrscheinlichkeit, am plötzlichen Kindstod zu sterben. Selbstverständlich liegt das nicht per se am geringen Einkommen. Sondern vielmehr an Problemen, die bei sozial benachteiligten Familien häufiger auftreten.

Einen sehr ausführlichen Artikel zur Ungenauigkeit der Theorien um den Plötzlichen Kindstod findest du auf das gewünschteste Wunschkind.

Plötzlicher Kindstod: mehrere Faktoren schuld?

In den ersten Lebensmonaten ist der Organismus des Babys noch sehr anfällig. Einige Ärzte gehen davon aus, dass der Auslöser für SIDS eine Atemstörung ist. Diese Atemstörung sorgt dafür, dass das Herz langsamer schlägt und weniger Sauerstoff transportiert. Die Konzentration von CO2 im Blut des Babys steigt an.

Untersuchungen ergaben, dass einige der betroffenen Babys einen Defekt im Stammhirn hatten. Ein gesundes Baby wacht bei der erhöhten CO2-Konzentration auf und atmet so, dass es mehr Sauerstoff bekommt. Durch den Defekt fehlt diese Reaktion. Das ließe sich aber nur durch genauere Untersuchungen herausfinden.

Die „Triple-Hypothese“ geht von mehreren Faktoren aus, die zum SIDS führen. Zum Beispiel der Veranlagung, den Lebensumständen sowie einem akuten Geschehen. Die Veranlagung kann beispielsweise eine genetische Prädisposition sein, die Lebensumstände eine Raucherumgebung und das akute Geschehen eine Infektion.

Wie dem plötzlichen Kindstod vorbeugen?

Das Risiko für den plötzlichen Kindstod kannst du mit folgenden Maßnahmen deutlich verringern:

  • Stillen: Immer wieder zeigen Studien, dass die betroffenen Säuglinge nur sehr selten gestillt wurden. Daher gilt vor allem das nächtliche Stillen als eine Prävention gegenüber dem plötzlichen Kindstod. Gestillte Kinder haben eine 50% geringere Wahrscheinlichkeit, am Säuglingstod zu sterben.
  • Rückenlage: Versuche darauf zu achten, dass dein Baby in Rückenlage schläft. Lies dazu aber auch unten stehenden Hinweis.
  • Nicht rauchen: Höre am besten schon vor der Schwangerschaft mit dem Rauchen auf. Achte darauf, dass dein Baby auch nach der Geburt nicht passiv raucht.
  • Schnuller: Nicht jedes Baby nimmt einen Schnuller. Britische Forscher gehen davon aus, dass er das Risiko für SIDS senken kann. Unter anderem, weil er die Entwicklung des Gehirns im Stammhirn-Bereich fördern soll.
  • Temperatur: Prüfe, ob dein Baby friert oder schwitzt. Achte dabei auf die Temperatur im Nacken. Viele Eltern ziehen ihr Baby beim Schlafen zu warm an. Nur wenn ihnen kalt ist, wachen Babys auf, nicht aber bei Überhitzung.
  • Schlafsack: Verzichte auf schwere Decken und verwende im ersten Lebensjahr für dein Baby einen gut passenden Schlafsack.
  • Matratze: Greife zu speziellen Babymatratzen, die aus atmungsaktiven Materialien bestehen und nutze keine Überzüge oder Unterlagen für die Matratze. Diese können die Luftzirkulation verhindern.
  • Bettchen: Verzichte auf Accessoires im Bettchen. Dein Baby braucht nachts weder Nestchen noch zahlreiche Kuscheltiere. Am sichersten schläft es in deinem Schlafzimmer!

Die optimale Temperatur im Schlafzimmer sind 18°C. Nutze ein Thermometer für das Kinderzimmer oder dein Schlafzimmer und achte darauf, dass es nicht zu warm wird.

Hinweis zur Bauchlage:

Viele Eltern sind nervös, wenn ihr Baby nur auf dem Bauch zur Ruhe kommt. Denn die Bauchlage gehört mit zu den am häufigsten genannten Ursachen für den plötzlichen Kindstod. Mach dir bewusst, dass immer mehrere Faktoren zusammen als Auslöser agieren. Hast du einen kleinen Bauchschläfer, der nicht zur Risikogruppe gehört? Dann musst du nicht krampfhaft versuchen, dein Baby in die Rückenlage zu bringen.

Prof. Dr. Gerhard Jorch sagt: von 250 Babys, die häufig in Bauchlage schlafen, verstirbt eines am Plötzlichen Kindstod. Dass allein die Bauchlage dafür verantwortlich ist, gilt mittlerweile als falsch. Eine neue Studie zeigt außerdem, dass Babys, die im sicher gestalten Elternbett schlafen, kein erhöhtes Risiko für SIDS tragen.

Matratzen, Sensormatten & Co: Hilft das gegen den plötzlichen Kindstod?

Viele Eltern machen sich große Sorgen, dass auch ihr Baby irgendwann einfach nicht mehr aufwacht. Bitte bedenke, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies deinem Baby geschieht äußerst gering ist. Viele der Risikofaktoren (z.B. Rauchen) kannst du selbst beeinflussen. Auch wenn Risikofaktoren vorliegen, heißt das nicht, dass dein Kind besonders gefährdet ist.

Angst ist kein guter Begleiter, aber ein guter Verkäufer. Viele Unternehmen machen sich das zunutze. Ihre Marketingabteilungen legen Studien einseitig zum Vorteil der Firmen aus. Ein Beispiel? Matratzenhersteller werben damit, dass Produkt XY vor dem plötzlichen Kindstod bewahre. Und nutzen damit die Urängste der Eltern aus. Eine bloße Behauptung und ziemlich dreist!

Merke: Weder Babymatratzen, noch Sensormatten oder spezielle Schlafsäcke können nachweislich den Plötzlichen Kindstod verhindern!

Selbstverständlich solltest du auf die Schlafumgebung deines Babys achten. Und wenn du die finanziellen Möglichkeiten hast, spricht nichts dagegen, eine neue Babymatratze zu kaufen. Aber lass dich durch die Panikmache nicht verunsichern.

Im Elternzimmer schlafen als Schutz vor SIDS

Zahlreiche Mythen ranken sich um die Bedeutung von einem Familienbett für den plötzlichen Kindstod. Es gibt verschiedene Studien, die auf das Risiko hinweisen, das beim Schlaf im Bett der Eltern auftritt. Das Risiko soll für ein Baby, das bei den Eltern im Familienbett schläft, um das Dreifache erhöht sein.

Professor Abraham Bergman weist darauf hin, dass das Familienbett als Auslöser bei den betroffenen Babys nicht erwiesen war. Nicht alle schliefen jede Nacht im Elternbett. Dazu kommt, dass bei vielen Fällen noch weitere Faktoren wie z.B. Alkohol gab.

Wichtig scheint auch, neben wem das Baby schläft. Neben der stillenden Mutter ist es ziemlich sicher. Nicht aber neben einem älteren Geschwisterkind, einer anderen Person oder einem Haustier.

Das Risiko erhöht sich übrigens auch, wenn das Baby in einem anderen Zimmer schläft. Daher empfehlen Ärzte, dass du dein Baby bei dir im Schlafzimmer im eigenen Bettchen oder im Beistellbettchen schlafen lässt.

Weitere Informationen zum Thema Plötzlicher Kindstod und Elternbett fasst der renommierte Kinderarzt Herbert Renz-Polster in diesem Artikel zusammen.

Erste Hilfe beim Atemstillstand – das kannst du tun

Ein gutes Mittel gegen die Angst? Vorsorgen! Was tue ich im Falle eines Atemstillstands, wie leiste ich erste Hilfe, welches sind die Notfallnummern? Eltern, die Erste Hilfe am Baby leisten können, erhalten viel Sicherheit im Umgang mit kleinen und großen Unfällen. Die erste Hilfe Regeln solltest du regelmäßig wiederholen und dir einprägen. Dann bist du für den Ernstfall gewappnet.

Tipp: Ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind ist immer eine gute Idee, schon vor der Geburt! Hier lernst du die korrekte Beatmung und Wiederbelebung durch Fachkräfte. Wir empfehlen den Onlinekurs für Erste Hilfe am Kind & Säugling (derzeit mit 35% Rabatt):

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5 Kommentare
  1. Antje sagt

    Die meisten Kinder sterben am plötzlichen Kindstod um den Zeitraum herum, wenn die ersten Impfungen verabreicht werden. Interessant wäre mal ein Vergleich zwischen geimpften und ungeimpften Kindern.

    1. Peter Meier sagt

      Diese These wurde längstens widerlegt, ein Kind nicht zu impfen, ist immer! die schlechtere Wahl.

    2. Tom sagt

      Woher haben sie diese Information? Ausgedacht weil selbst Impfleugner oder gibt’s da ne Quelle?

    3. Alexander Jusek sagt

      Hallo miteinander. Monokausal ist ein Zusammenhang zwischen Impfung und SIDS sicherlich nicht nachweisbar. Ein direkter Nachweis könnte über eine Biopsie der Formatio reticularis erfolgen.
      Liebe Grüße A.J.D.O.

  2. Lukas sagt

    Versuchen Sie bitte nicht, bei einem bewusstlosen Kind den Puls zu ertasten. Das funktioniert nicht. Es kann sogar sein, dass man fälschlicherweise seinen eigenen Puls für den des Kindes hält. Wenn die Atmung funktioniert, kann man das hören. Ansonsten muss man immer auch eine Herzdruckmassage machen. Das gilt auch für Erwachsene.

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