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Ich will nicht stillen – Bin ich eine schlechte Mutter?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Du hast dich gegen das Stillen entschieden? Bei anderen Mamis stößt das auf Unverständnis? Manche versuchen sogar, dir ein schlechtes Gewissen einzureden? Dann solltest du diesen Artikel lesen!

Kurze Story:

Lisa besucht mit ihrem Baby zum ersten Mal den Babymassage-Kurs. Während Lisa und die anderen Mütter ihre Babys massieren, tauschen sie sich über ihre Erfahrungen aus. Wie war die Geburt? Nimmt das Baby gut zu? Wie sind die Nächte? Dann kommen sie auf das Thema Stillen zu sprechen. Als Lisa erzählt, dass sie sich gegen das Stillen entschieden hat, herrscht eisige Stille. Die anderen Mütter schauen Lisa verständnislos an – und dann platzt es aus ihnen heraus:

„Du stillst nicht? Das ist nicht gut für dein Baby!“
„Babys brauchen Muttermilch! Kennst du die gesundheitlichen Vorteile nicht?“
„Also ich finde deine Entscheidung ziemlich egoistisch!“

Lisa fühlt sich mies. Sie fühlt sich herabgesetzt, gebrandmarkt. Und zweifelt an sich: „Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich nicht stille?“.

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So wie Lisa geht es vielen Mamas. Es ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet, „Fläschchen-Mamas“ als Rabenmütter zu brandmarken. In Online-Foren nimmt das Mom-Bashing im Zusammenhang mit dem „Nicht-Stillen“ häufig schlimme Ausmaße an. Wer nicht stillt, wird belehrt, bekehrt und beschimpft – und muss sich rechtfertigen.

Natürlich ist Muttermilch die beste und gesündeste Ernährung für ein Baby. Man sollte das Stillen aber nicht glorifizieren. Es sollte jeder Frau selbst überlassen sein, ob sie sich für oder gegen das Stillen entscheidet. Wenn du nicht stillen kannst oder möchtest, macht dich das keinesfalls zu einer schlechten Mutter. Auch wenn militante Stillmamis gerne etwas anderes behaupten.

Dieser Artikel soll ein Plädoyer sein. Kein Plädoyer für oder gegen das Stillen. Sondern ein Plädoyer für die Selbstbestimmung – und gegen Stigmatisierung. Denn auch Fläschchenmamas sind gute Mamas. Basta.

Weshalb du kein schlechtes Gewissen haben musst

Wenn du rausgehst und die Flasche auspackst, dann hast du verloren. Es wird dir vermittelt, du bist unzureichend für dein Kind. Du lebst immer in dem Gefühl, du tust nicht genug.

Susanne Garcia (BNN)

Dieses Gefühl sollte keine Mama haben! Daher fragen wir auch nicht nach den Gründen, weshalb du nicht stillen kannst oder möchtest. Es geht uns nichts an. Es geht niemanden etwas an. Du hast dir lange Gedanken über das Stillen gemacht, die Vor- und Nachteile abgewogen und für dich eine Entscheidung getroffen. Das ist dein gutes Recht.

Vielleicht wirft man dir vor, dass deine Entscheidung auch Auswirkungen auf dein Baby hat. Das mag stimmen. Muttermilch ist optimal auf die Bedürfnisse deines Babys abgestimmt, passt sich jederzeit an dein Baby an und gibt ihm wichtige Antikörper mit. Das vermag eine Pre-Nahrung nicht zu leisten. Aber: Pre-Nahrung ist besser als ihr Ruf. Sie ist der Muttermilch nachempfunden und enthält alle Nährstoffe, die dein Kind braucht. Auch mit dieser Milchnahrung wird dein Baby groß.

Es gibt zwar Studien, die Unterschiede zwischen Stillkindern und Flaschenkindern aufzeigen, etwa in puncto Sozialverhalten und kognitive Leistungen. Diese Studien haben jedoch ihre Schwächen. Sie „kranken“ daran, dass sich die teilnehmenden Mutter-Kind-Paare nicht nur im Hinblick auf das Stillverhalten unterscheiden, sondern auch in anderen Punkten nicht vergleichbar sind. Brauchbare Hinweise auf Unterschiede zwischen Still- und Flaschenkindern können eigentlich nur Studien mit Geschwistern liefern.

Eine solche Studie wurde 2014 von der Ohio State University durchgeführt. Dabei wurden die Daten von knapp 1800 Geschwisterkindern ausgewertet, bei denen ein Kind nach der Geburt gestillt, das andere mit Babyersatznahrung gefüttert wurde. Das Ergebnis: Die Kinder unterschieden sich weder im Bindungsstil noch im Sozialverhalten oder in ihren kognitiven Leistungen. Dennoch – aufgrund vieler anderer Studien – werden Mütter, die nicht stillen wollen oder können, mit Gesundheitsaussagen erheblich unter Druck gesetzt. Und das ist nicht fair.

Zu einem glücklichen Kind braucht es eine glückliche Mutter

Wir sind überzeugt, dass es einem Baby gut geht, wenn es der Mama gut geht. Die Stillbeziehung sollte für beide Seiten angenehm sein. Wenn du dich beim Stillen unwohl fühlst, überträgt sich das auf dein Kind. Es spürt, dass du innerlich auf Gegenwehr geschaltet bist. Dadurch wird die Still-Erfahrung für euch beide negativ beeinträchtigt und die Stillbeziehung torpediert.

Zu einem glücklichen Kind braucht es eine glückliche Mutter. Wenn der Gedanke ans Stillen bei dir ein ungutes Gefühl hinterlässt, ist es vollkommen in Ordnung, dass du dich dagegen entschieden hast. Dann ist es besser, du nimmst dein Kind liebevoll in den Arm, blickst ihm in die Augen und genießt die Zweisamkeit, während du ihm das Fläschchen gibst. Wie innig eure Beziehung ist, hängt von vielen Faktoren ab – nicht nur davon, ob du deinen Schatz stillst oder nicht.

Stehe zu deiner Entscheidung. Auch wenn du womöglich ein dickes Fell brauchst. Es wird immer wieder Menschen geben, die mit Unverständnis darauf reagieren, dass du dich gegen das Stillen entschieden hast. Betrachte es als gute Übung. Du wirst dein dickes Fell als Mama noch häufiger benötigen. Es gibt viele Themen, die Mütter in „gut“ und „böse“, „richtig“ und „falsch“ trennen: Impfen, Familienbett, Schnuller, Vollzeitarbeit…

Lass dich nicht verunsichern. Auch wenn es manche Mamis gerne vorgeben: Keine Mutter ist perfekt. Punkt.

Tipps für eine gute „Fläschchenbeziehung“

Auch wenn du nicht stillst, kannst du eine enge Beziehung zu deinem Schatz aufbauen. Wieso auch nicht? Auch beim Fläschchen geben, herrscht Körperkontakt. Du reichst deinem Baby seine Flasche schließlich nicht aus fünf Meter Entfernung. Das Füttern ist auch mit dem Fläschchen ein inniger und besonderer Moment der Nähe. Mit folgenden Tipps kannst du eine besonders enge „Fläschchenbeziehung“ aufbauen:

  • Achte auf Körperkontakt. Halte dein Baby so im Arm, wie du es beim Stillen halten würdest. Noch besser als Körperkontakt ist Hautkontakt. Du kannst ruhig dein Shirt ausziehen, während du das Fläschchen gibst. Durch Hautkontakt schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das auch „Kuschelhormon“ genannt wird. Dein Baby entspannt und fühlt sich geborgen. Das stärkt die Bindung.
  • Schaffe eine ruhige, reizarme Umgebung. Zieh dich mit deinem Baby zurück, wenn du ihm das Fläschchen gibst. Genießt diesen Moment der Nähe in Zweisamkeit. Widme dich ganz deinem Schatz – ohne Störgeräusche wie Radio oder Fernseher. In einer entspannten Atmosphäre trinkt dein Baby nicht nur besser. Die ungestörte Zweisamkeit fördert die Bindung und stärkt eure Beziehung.
  • Anfangs solltest überwiegend du das Fläschchen geben. Die Natur hat es so vorgesehen, dass Frauen die Babys nähren. Um einer Stillbeziehung möglichst nahezukommen, solltest daher in der ersten Zeit überwiegend du das Fläschchen geben. Die ersten Wochen sollten idealerweise euch (dir und deinem Baby) „gehören“. Nach und nach kann dein Partner Mahlzeiten übernehmen. Auch er sollte bewusst darauf achten, Körperkontakt herzustellen. Während des Fütterns sollte er sich ganz auf euer Baby konzentrieren.
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Fazit

Niemand hat das Recht, dich zu verurteilen. Es ist dein Baby, dein Körper und deine Entscheidung. Wenn du nicht stillen möchtest, ist das so. Du solltest dich dafür nicht rechtfertigen müssen. Vor niemandem.

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Quellen

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