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So geht Windelfrei ganz entspannt mit deinem Baby

Baby abhalten - WIndelfrei im Alltag

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Unsere Gastautorin und Windelfrei-Botschafterin Wiebke Gaude erklärt, was Windelfrei ist und wie es im Alltag funktioniert. Ein ungemein spannender Beitrag, wie wir finden. Fragen könnt ihr als Kommentar unten hinterlassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Windelfrei kann einfacher sein, als viele Eltern denken.
  • Der Begriff ist irreführend: Windeln sind jederzeit als Backup erlaubt.
  • Da in unserer Kultur Vorbilder fehlen, trauen sich viele Eltern nicht, Windelfrei einfach mal auszuprobieren.
  • Windelfrei ist natürlich. Babys können es von Geburt an.
  • Wer bei seinem Baby keine Signale erkennt, kann das Baby gut zu den Standardsituationen abhalten. Welche das sind, erklären wir.
  • Windelfrei ist ein Prozess. Das heißt, es wird Fort- und Rückschritte geben.

Was ist Windelfrei?

Mit Windelfrei ist gemeint, dass Babys die Möglichkeit bekommen, auch einmal außerhalb der Windel auszuscheiden. Der Begriff selbst ist daher irreführend. Sehr viele Menschen, die das Wort Windelfrei hören, denken an Babys, die unten ohne überall Pfützen und Häufchen hinterlassen. Dem ist jedoch nicht so, denn Windeln sind bei Windelfrei als Backup durchaus erlaubt.

Die Mehrheit der Weltbevölkerung wächst ohne Windeln auf, wie wir sie kennen. Also muss es auch anders gehen. Ist dir schon aufgefallen, dass dein Baby am liebsten pinkelt, wenn es ohne Windel auf dem Wickeltisch liegt? Viele Neugeborene können anzeigen, wenn sie ausscheiden müssen. Ihre Windel beschmutzen sie anfangs nur ungern. Dieses freie Ausscheiden freudig zu begrüßen, statt sich zu ärgern, ist bereits Windelfrei.

Wer Windelfrei mit seinem Baby oder Kleinkind praktiziert, erwirbt ein erweitertes Bewusstsein für die Bedürfnisse seines Kindes. Denn die Eltern stellen sich nicht nur die Frage, ob das Baby müde ist, Hunger hat, ihm etwas weh tut oder es Nähe braucht. Sie stellen sich auch die Frage, ob das Baby ausscheiden muss und helfen ihm dabei, sein Geschäft – wann möglich – außerhalb der Windel zu erledigen. 

Gut zu wissen: Mit Windelfrei kannst du jederzeit anfangen, es ist nie zu spät.

Andere gängige Begriffe für Windelfrei

Für Windelfrei gibt es mehrere Bezeichnungen:

  • Babys abhalten finde ich selbst am besten. Es bedeutet, dass man das Baby über einem Töpfchen, der Toilette oder einem anderen passenden Ort abhält, damit das Baby frei ohne Windel ausscheiden kann. Viele kennen den Begriff für Kleinkinder, wenn sie unterwegs an einem Busch zum Pipi machen abgehalten werden.
  • Nicola Schmidt, Gründerin des Artgerecht-Projekts, hat früher die Bezeichnung Babys ohne Windeln verwendet und nutzt jetzt die Bezeichnungen Artgerecht sauber und Windelfrei.
  • TopfFit ist der Begriff, der in dem Buch „TopfFit! – Der natürliche Weg mit und ohne Windeln“ von Laurie Boucke verwendet wird. Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher und war auch Teil meiner Windelfrei-Coach Ausbildung vom Artgerecht-Projekt. Es ist so schön undogmatisch, da es auch im Titel bereits den Hinweis enthält, dass Windeln erlaubt sind.
  • Die Autorin Ingrid Bauer verwendet in Ihrem Buch „Es geht auch ohne Windeln“ den Begriff natürliche Säuglingspflege.
  • Im Englischen wird oft der Begriff elimination communication (kurz EC) verwendet, was so viel heißt wie Ausscheidungskommunikation. Ein schöner Begriff, der verdeutlicht, worum es bei Windelfrei geht: die Kommunikation zwischen Kind und Bezugsperson rund um die Ausscheidungen. Im Deutschen klingt er leider etwas sperrig.
  • TöpfchenTeamWork ist ein denglischer Begriff, der zeigt, dass Windelfrei nur im Team klappen kann.

Windelfrei-Buch: meine Empfehlungen



Wie fange ich mit Windelfrei an?

Am einfachsten ist es, beim Abhalten mit den Situationen anzufangen, in denen ein Erfolg am wahrscheinlichsten ist. Das ist zum Beispiel direkt nach dem Schlafen, da müssen wir großen ja auch.

Trinken und Essen hängen ebenfalls eng mit den Ausscheidungen zusammen. Nach dem Motto „Oben rein, unten raus“ stößt Nahrung den Vorgang oft an. Es ist von Vorteil zu beobachten, wann das Baby in Bezug auf die Mahlzeiten ausscheidet. Hierzu kannst du dein Baby einfach mal ohne Windeln lassen und schauen, was passiert. Kleine Babys machen sehr häufig direkt während des Stillens/Trinkens ihr Geschäft. Mein Tipp: direkt mit einem Töpfchen unter dem Po füttern!

Windelfrei-Töpfchen: Unsere Empfehlung:


Gut zu wissen: Es gibt Babys, die sehr eindeutig signalisieren, wenn sie mal müssen. Zum Beispiel, indem sie die Beine anziehen oder eine bestimmte Unruhe zeigen. Andere Babys signalisieren dagegen kaum oder gar nicht.

Wichtige Windelfrei-Tipps für den Anfang

  1. Bereits zwei Mal am Tag abzuhalten oder aufs Töpfchen zu setzen reicht, um deinem Baby das Gefühl für seine Ausscheidungen zu erhalten.
  2. Kleine Babys machen noch sehr häufig Pipi. Hier wäre es sehr anstrengend, wenn die Bezugsperson davon ausgeht, dass jedes Pipi aufgefangen werden muss. Für die Momente, in denen das Abhalten gerade nicht passt, gibt es die Windel als Backup. Oder es wird eine nasse Hose gewechselt oder die Pfütze weggewischt.
  3. Laut Nicola Schmidt vom Artgerecht-Projekt brauchen Eltern und Bezugspersonen für Windelfrei nur: Ein Baby, Neugierde und Humor. Zu Humor zähle ich noch Gelassenheit und Ruhe dazu. Die innere Haltung bei Windelfrei ist meiner Meinung nach das Wichtigste. Es braucht eine Gelassenheit zu den Ausscheidungen, es wird Pfützen und nasse Hosen geben und Momente, in denen das Baby nicht abgehalten werden möchte. Sauber werden ist ein Prozess mit Fort- und Rückschritten. Laufen und Essen klappt ja auch nicht von jetzt auf gleich.
  4. Ausscheiden geht entspannt am besten, das gilt für Babys und Erwachsene. Wenn du dein Neugeborenes bequem über einem Töpfchen im Schoß oder in der Wiegehaltung abhältst, kannst du es gleichzeitig optimal stützen.
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7 Vorteile von Windelfrei 

Windelfrei bietet Eltern und Babys einige Vorteile:

Vorteil #1: Liebevoller Weg zum Trocken werden

„Denken Sie an ein Neugeborenes. Ein Baby wird mit der Bereitschaft zur Verbundenheit geboren und ist bereit, das, was es in anderen sieht, mit dem zu verbinden, was es innerlich fühlt. Aber was ist, wenn die anderen nur selten seine Bedürfnisse spüren?“

„Achtsame Kommunikation mit Kindern“ von Daniel J. Siegel & Tina Payne Bryson

Es ist etwas Besonderes, wenn man von einem Baby angelächelt wird, wenn es gerade abgehalten wird und frei ausscheiden darf. Ich selbst kann mich noch genau an das Lächeln erinnern, als ich meinen Sohn mit 8 Monaten morgens, als die Windel von der Nacht noch trocken war, das erste Mal abgehalten habe.

Ausscheiden ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen. Von Erwachsenen, Kindern und auch Babys. Wenn die Bezugspersonen neben den anderen Bedürfnissen auch auf das Ausscheidungsbedürfnis des Babys eingehen, werden Kontakt und Bindung gestärkt.

Vorteil #2: Natürliche Entwicklung unterstützen

Dass Babys ein Gefühl für ihre Ausscheidungen haben, erkennt man gut daran, dass schon Neugeborene gern auf den Wickeltisch pinkeln, wenn die Windel aufgemacht wird. Somit sind Babys in der Lage, ihre Schließmuskeln anzusteuern und zu entspannen. Dass Neugeborene bereits einen aktiven Schließmuskel haben, zeigt eine Studie aus Schweden von Gunilla Gladh. Sie hat getestet, ob sich die Blase der Babys durch Drücken von außen entleeren lässt.

Das kindliche Hirn strukturiert sich nicht durch das, was wir dem Kind beibringen, sondern anhand der eigenen Erfahrungen, die das Kind macht. Wenn das Kind spürt, dass es etwas gut hinbekommt, werden die entsprechenden dabei benutzten Nervenvernetzungen gestärkt.

Gerald Hüther im Interview mit Zeit Online

Bekommt ein Baby die Gelegenheit, außerhalb der Windel auszuscheiden, kann es dabei aktiv seine Schließmuskeln ansteuern. Die von Geburt an vorhandenen Nervenbahnen werden somit genutzt und gestärkt. Das Baby wird in seiner natürlichen Entwicklung unterstützt.

Vorteil #3: Einen wunden Po vermeiden

Die Windeldermatitis, oder auch wunder Po genannt, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter und äußerst schmerzhaft.

Der Dermatologe Prof. Peter Fritsch bezeichnet die Windeldermatitis auch als eine Zivilisationskrankheit. Denn sie ist bei Naturvölkern völlig unbekannt. Was machen die Naturvölker anders als wir? Sie haben keine Windeln und halten die Babys zum Ausscheiden ab.

Ein wunder Po entsteht oft durch das feuchtwarme Klima, das in der Windel herrscht. Schon allein das häufige Öffnen der Windel sorgt dafür, dass wieder Luft an den Po kommt. Selbst Windelhersteller empfehlen, Luft an die Po zu lassen, wenn dieser wund geworden ist.

Es gibt viele Babys, die abgehalten werden und bei denen das große Geschäft recht zuverlässig in Töpfchen oder Toilette geht. So können die Verdauungsenzyme im Stuhl die Haut gar nicht erst reizen.

Vorteil #4: Eine weitere Möglichkeit, das Baby zu beruhigen

Im ersten Jahr sind Eltern meist ganz nahe an ihrem Baby. Wenn es unzufrieden ist und weint, stellen sie sich oft die Fragen: Hat es Hunger? Braucht es Nähe? Ist es müde? Ist ihm zu kalt/warm oder tut ihm etwas weh? Eltern, die ihre Babys abhalten, ergänzen diese Fragen mit: Muss es mal?

Im Internet berichten Eltern, denen Abhalten bei den 3-Monats-Koliken geholfen hat. Es gibt Babys, die sich nicht in die Windel entleeren wollen, weil es nicht ihrer Natur entspricht. Diese Babys sind dann unruhig und unzufrieden, wenn sie schlicht und einfach mal müssen.

Sehr deutlich ist diese Unruhe – ich muss mal –  beim Tragen in einem Tuch oder einer Trage zu erkennen. Ein deutliches Signal ist auch, wenn das Baby nach dem Stillen nicht in die Trage möchte. Viele Babys wollen ihren Träger nicht beschmutzen und deswegen ungern ausscheiden, wenn sie in der Trage oder dem Tuch sind.

Probier es einfach mal aus.

Vorteil #5: Ruhigere Nächte

Morgens gegen 4-5 Uhr fangen die Nieren wieder an, stärker zu arbeiten, und die Blase füllt sich. Bei manchen Babys führt eine volle Blase dazu, dass sie unruhig werden, bevor sie in die Windel machen. Hier kann Abhalten dabei helfen, dass alle nochmal 1-2 Stunden weiterschlafen können.

Schaut am besten, ob das nächtliche Abhalten zu eurer Familie passt und ob es zu einer Verbesserung führt. Denn aus Sicht des Artgerecht-Projekts gilt: Schlaf hat immer oberste Priorität.

Vorteil #6: Windeln sparen und die Umwelt schonen

Wegwerfwindeln machen viel Müll. Ihr Anteil am Müllaufkommen liegt in manchen deutschen Städten laut BUND bei 10 Prozent.

Ein durchschnittliches Kind braucht bis zum Trockenwerden 6000 bis 8000 Windeln. Das sind dann etwa 1,5 t Windelmüll in drei Jahren, pro Kind wohlgemerkt.

Ich selbst habe durch das zusätzliche Abhalten ab dem 9. Monat jeden Tag mindestens eine Windel gespart. Das sind bereits über 600 Windeln. Hinzu kommt, dass mein Sohn mit 2,5 Jahren trocken war. Das sind dann nochmal über 500 Windeln, die wir gespart haben.

Die Ressource Erdöl wird immer knapper. Somit werden auch Produkte wie Windeln, die aus Erdöl bestehen, teurer. Also spart das Abhalten nicht nur Müll, sondern schont Ressourcen und den Geldbeutel.

Vorteil #7: Mama oben rein, Papa unten raus

Die Mama ist dem Baby oft beim Stillen ganz nahe. Der Papa hat dann beim Abhalten vom Baby eine gute Möglichkeit, seine Beziehung zum Kind zu stärken.

4 Nachteile von Windelfrei

Nachteil #1: Perfektionismus

Wer mit dem Ansatz an Windelfrei rangeht, dass es perfekt laufen muss oder wer Angst hat, ein Pipi oder AA-Signal zu übersehen, der setzt sich und sein Kind zu sehr unter Druck und verliert wahrscheinlich den Spaß bei der ganzen Sache. Denn das Abhalten soll entspannt in den Alltag integriert werden und sich gut anfühlen – für das Baby und die Bezugsperson.

Nachteil #2: Fehlende Vorbilder

Wir als soziale Wesen lernen am besten von anderen Menschen. Gerade bei Windelfrei fehlen uns in der westlichen Welt die Vorbilder im Umfeld. Woher sollen wir wissen, wie ein Baby sich verhält, kurz bevor es ausscheidet, wenn wir es nie vorher bei einer anderen Familie gesehen haben.

Da die meisten Babys mit Einwegwindeln gewickelt werden, fühlen sich die meisten Eltern komisch, wenn sie bei der Pflege ihres Babys etwas anders machen als andere. Es braucht dadurch ein bisschen Mut, es einfach mal auszuprobieren.

Nachteil #3: Falsches Wissen überall

Schließmuskelkontrolle erst ab dem 18 Monat: Das ist das, was Fachpersonal wie Ärzten/innen und Erziehern/innen beigebracht wurde und wird. So kommt es auch, dass viele Fachkräfte Windelfrei-Eltern sorgenvoll angucken, wenn sie erzählen, dass ihr 15 Monate altes Kind zu Hause – mit Hilfe – bereits aufs Töpfchen geht. Das müssen Eltern aushalten können.

Das Internet ist noch immer voll mit Aussagen, dass Kinder erst ab dem 18. Monat in der Lage sind, ihre Ausscheidungen bewusst wahrzunehmen und Babys unwillkürlich urinieren oder Stuhlgang haben:

„So ist das kindliche Nervensystem erst zwischen dem 18. und 24. Monat so weit entwickelt, Harndrang wahrzunehmen.“

Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung

Frühestens ab Ende des zweiten Lebensjahres ist das Nervensystem so weit entwickelt, dass das Kind den Harndrang eher registriert.

Kinderärzte im Netz

„Die Sauberkeitsentwicklung ist ein Reifungsprozess, der zwei bis vier Jahre dauern kann, mit der noch subkortikal gesteuerten, unwillkürlichen Urin- und Kotabgabe des Säuglings startet und mit der reifen kontrollierten Blasen- und Darmentleerung des Kleinkindes endet.“

Ärztin und Buchautorin Gabriele Haug-Schnabel

Die Schulmedizin ist evidenzbasiert, das heißt sie braucht für ihre Erkenntnisse valide Studien und vertraut nicht auf Erfahrungsberichte. Leider gibt es bisher nur sehr wenige wissenschaftliche Untersuchungen zu Windelfrei. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Ansatz falsch ist. Beispiele findest du unten. Wichtig zu wissen: Dr. rer. nat. habil. Gabriele Haug-Schnabel hat ihre eigenen Aussagen mittlerweile relativiert:

Aus diesem Grund ist ein Entleerungsstart in bestimmten Situationen für hierauf speziell achtende Eltern auch bald beobachtbar und das „Windelfrei-Konzept“ im familiären Rahmen umsetzbar.

Ärztin und Buchautorin Gabriele Haug-Schnabel

Nachteil #4: Das Baby will nicht abgehalten werden

Viele Windelfrei-Eltern kennen es: sie wollen ihr Baby abhalten und dieses streckt sich mit aller Kraft durch und möchte einfach nicht.

Wenn die Babys mobiler werden und im „Weltentdecker Modus“ sind, wollen sie ihre Entdeckerreise mitunter für nichts unterbrechen. Hier gilt es, feinfühlig zu sein und den richtigen Moment zu erwischen. Je mobiler ein Baby wird, desto selbstwirksamer möchte es auch beim Ausscheiden werden. Hier kann es helfen, vom Abhalten auf ein Töpfchen zum Sitzen zu wechseln.

Mein Tipp: Immer mit dem Baby im Kontakt bleiben und kommunizieren. Auch windelfreie Zeiten können helfen, dass das Baby das Gefühl für seine Ausscheidungen behält. Bei einer Pfütze oder einem Häufchen auf dem Boden heißt es dann: Lächeln, wischen und waschen.   

Wann Kinder trocken werden, ist kulturabhängig

Es gibt Kulturen, da haben die Menschen gar keinen Zugriff auf Einwegwindeln, wie wir sie hier in Deutschland oder anderen westlichen Ländern kennen.

Eine Studie des niederländischen Antropologen Marte W. de Vries über das ostafrikanische Volk der Digo zeigt, dass die Babys dort mit Hilfe bereits mit fünf Monaten Tag und Nacht trocken waren.

Eine Studie zum traditionellen vietnamesischen Sauberkeitstraining von Thi Hua Duong et al. zeigte, dass die Babys eine frühere Blasen-Schließmuskel-Kontrolle erreichten als im Westen. Alle Kinder in der Studie benutzten mit 9 Monaten das Töpfchen und hatten den Prozess vom Sauberwerden mit 24 Monaten abgeschlossen.

Eine Studienumfrage im westlichen Umfeld unterstreicht den Nutzen vom Abhalten. Die Studienteilnehmenden starteten mit ihrem Baby durchschnittlich im Alter von 2,5 Lebensmonaten. 88 – 94 Prozent der Betreuungspersonen konnten die Ausscheidungssignale erkennen, obwohl etwa die Hälfte von ihnen lediglich Teilzeit-Windelfrei mit Stoffwindeln oder Wegwerfwindeln praktizierte. Insgesamt waren die befragten Eltern bis auf wenige Ausnahmen sehr zufrieden. Die Untersuchenden kamen zu dem Schluss, dass Windelfrei eine wertvolle Alternative zu Windeln darstellt und besser verstanden werden muss.

Nachteile von Einwegwindeln

Das größte Verkaufsargument der Einwegwindeln ist beim Trocken-werden-Prozess ihr größter Nachteil. Denn sie saugen das Pipi so gut auf, dass Babys und Kinder keine Nässerückmeldung bekommen. Es fehlt dann das Ursache-Wirkungsprinzip und sie verlieren das Gefühl für ihre Ausscheidungen. Stoffwindelkinder sind deshalb oft früher trocken. Es gibt Kinder, die anfangen zu weinen, wenn sie das erste Mal eine nasse Hose haben, weil die Windel weggelassen wurde.

Die Superabsorber, die eine lange Trockenheit ermöglichen, sind aus Erdöl hergestellt und somit pure Chemie. Zudem bestehen die wasserdichten Vliese und Schutzfolien aus Kunststoffen. Die chemischen Substanzen sind bei Wegwerfwindeln direkt an den Genitalien des Babys. Dazu kommt: Wegwerfwindeln produzieren eine ganze Menge Müll. Jede eingesparte Windel hilft also.

Windelfrei nach Artgerecht

Beim Sauberwerden von Kindern gibt es drei Wege. Ein Weg ist ein strukturiertes straffes Töpfchentraining, von den Eltern geleitet – von Kinderpsychologen wird das abgelehnt. Der andere Weg ist abzuwarten, bis das Kind von selbst ohne Windel sein will. Windelfrei liegt genau in der Mitte. 

Die Eltern wissen, dass das Baby von Geburt an ein Gefühl für seine Ausscheidungen hat und bieten ihm zu passenden Gelegenheit an, sich außerhalb der Windel zu erleichtern. Das Artgerecht-Projekt legt dabei ganz viel Wert darauf, dass jede Familie ihren Weg findet, der zu ihr passt.

Ob 100 Prozent wickeln und zusätzlich abhalten oder das Baby ganz ohne Windeln lassen: Alles ist erlaubt. Windelfrei soll Spaß machen!

🎧 Podcast: So klappt es windelfrei

Hör jetzt in diese großartige Podcastfolge mit Wiebke Gaude von einfach-abhalten.de rein – hier gibt es garantiert keine Wischiwaschi, sondern echt gute Tipps. Wenn dir unser Podcast gefallen hat, dann abonnier ihn direkt auf iTunes oder Spotify, um keine Folgen mehr zu verpassen.

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Quellen

Veröffentlicht von Wiebke Gaude

Meinen Sohn habe ich mit 8 Monaten das erste Mal morgens über der Toilette abgehalten. Es hat gleich geklappt und er hat mich dabei angelächelt. Ab diesem Zeitpunkt bin ich von dem Thema Babys abhalten vollauf begeistert. Da ich selbst gern früher gewusst hätte, was Abhalten und Windelfrei ist, informiere ich seit 2017 Eltern mit meiner Webseite www.einfach-abhalten über mein Herzensthema und habe 2018 die Ausbildung zum Windelfrei-Coach beim Artgerecht-Projekt gemacht.

2 Kommentare anderer Nutzer

  1. Super toll, dass ihr das Thema so schön neutral in diesem Ramen präsentiert. Ich bin begeisterte Teilzeit-Windelfrei-Mama und kann den Versuch nur jedem Empfehlen. Es ist so schön einfach noch ein Thema außer Hunger und Müdigkeit mit den Kleinsten zu haben, auf das man sich verständigen kann. Und dass es Koliken bei Babys nur in unseren Breitengraden gibt, ist auch etwas verwunderlich.

  2. Ich war auch hier wie beim stoffwindelneitrag skeptisch und ihr habt es toll gemacht. super neutraler beitrag. ich habe so mit 4 wochen oder so angefangen. geplant war früher doch mit dem Kaiserschnitt hab ich es nicht geschafft. Sie hat super angezeigt immer und es gab Phasen da hat sie wichtigeres zu tun gehabt wie krabbeln lern oder laufen lern. in den Phase klappte das anzeigen nicht so gut.
    Danke für den guten Artikel

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